UDO JÜRGENS
Das große Interview mit Jenny & John Jürgens zum 3-CD Set “da capo, Udo Jürgens – Stationen einer Weltkarriere”!

Die Veröffentlichung erfolgt am 16.12.2022!

 

 

Was macht das Album “da capo, Udo Jürgens” für dich so besonders und einzigartig?

Jenny: Es ist eine extrem emotionale Situation, die Stimme unseres Vaters endlich wieder zum Klingen bringen zu können. Das Werk, bestehend aus 3 CDs, führt den Zuhörer durch alle Zeiten und durch alle Gefühle unseres Vaters. Das macht es so einzigartig für mich. Es ist lustig, es ist anrührend, es ist sehr emotional. Ich musste das ein oder andere Mal weinen, als ich das Album gehört habe.

Was bedeutet “da capo” für euch? Was passiert in der Zukunft?

Jenny: “da capo” heißt: Mach es nochmal! Mein Vater ist noch nicht vergessen. Wir haben die Türe jetzt endlich aufmachen können, und beschreiten diesen Weg mit Sony Music als Familie. Mein Vater hat ein wahnsinniges Werk hinterlassen mit über 1.000 Songs, da liegt noch viel Potenzial drin. Wir möchten den Fans noch Sachen zeigen – auch neue musikalische Schätze – ohne sich ständig zu wiederholen, das ist der Plan von uns.

John: Wenn man an so einem Album arbeitet, dann kommen einem natürlich schon wieder Ideen in den Kopf und man will schon eigentlich den nächsten Schritt machen. Das ist aktuell aber noch Zukunftsmusik und man darf gespannt bleiben.

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Ist “da capo, Udo Jürgens” ein Best-of oder ein Greatest Hits-Album?

Jenny: Ich würde sagen, weder noch. “da capo” erzählt die wichtigen Stationen der Weltkarriere von Udo Jürgens in Liedern. Mit dem Album wollen wir unseren Vater ehren. Es ist eine Verneigung, eine Hommage, in der man alles findet. Fröhliche Songs, Evergreens, Lieder, die bislang noch nicht erschienen sind. Unser Anliegen war es, den Fans jetzt etwas zu präsentieren, was es in der Form noch nicht gegeben hat.

John: Für mich ist “da capo” quasi der Abschluss eines Zyklus’, der seine Weltkarriere in verschiedenen Stationen darstellt und hörbar macht. Aber für uns ist es ein neuer Anfang.

Was war das für ein Gefühl, als ihr zum ersten Mal vor diesem gigantischen Lebenswerk eures Vaters standet, um eine Auswahl für dieses Album zu treffen?

Jenny: Wir befanden uns in zwei riesigen Räumen, die bis unter die Decke voll mit Bändern, mit Bildern, mit Aufnahmen bestückt waren. Ich wusste immer, dass mein Vater ein unglaubliches Lebenswerk hinterlassen hat, aber wenn man das optisch nochmal sieht, begreift man es erst richtig. Es ist ein Gefühl von tiefstem Respekt und Ehrfurcht. Ich bin so stolz auf meinen Vater.

John: Es hat mich umgehauen, Udos Lebenswerk zu sehen. Wenn man davorsteht und Entscheidungen treffen soll: “Welche sollen es nun werden? In welche Richtung gehen wir?” Da stehen einem alle Wege offen. Es ist bombastisch – im positiven Sinne.

Was ist euer Lieblingssong?

Jenny: Damals wollt’ ich erwachsen sein zum Beispiel ist ein Lieblingssong. Mein Vater hatte auch seine kindliche Seite und die Beziehung zu seinen Eltern war sehr, sehr intensiv. Mit dem Alter wurde Udo immer sensibler. In vielen Dingen war er auch sehr emotional und man spürt in dem Lied so viel von ihm, wie er wirklich war. Diesen Song kann ich fast nicht hören, ohne dass mir die Tränen kommen.

John: Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich das Lied: Der gekaufte Drache höre. Mein Vater hat mir den Song einmal in einem Konzert live gewidmet. Er sprach mich direkt von der Bühne an. Ich saß in der 4. Reihe der Münchner Olympiahalle und mir lief das Wasser nur so runter. Ich bin keiner, der ständig heult, aber da konnte ich nicht mehr. 10.000 Leute im Raum und der Mann spricht dich da unten an und singt dann den Song. Das ist Wahnsinn, und wenn ich das dann auf dem Album höre – das berührt mich sehr.

Welche unveröffentlichten Schätze verbergen sich auf “da capo, Udo Jürgens”?

John: Als großer Jazz-Fan bin ich natürlich ganz stolz sagen zu können, dass wir viele von ihm unveröffentlichte Jazz-Sachen gefunden haben. Taking a Chance on Love zum Beispiel. Mein Vater liebte den Jazz, und ist im Herzen immer ein Jazzer geblieben. Ein weiteres Highlight ist, dass er Griechischer Wein auf Englisch singt. Das war noch nicht veröffentlicht. Es kommt ein bisschen langsamer daher, aber es klingt toll in der englischen Version.

Jenny: Ich freue mich, dass das Lied Liebe ohne Leiden mit mir in der Live-Version zu hören ist – das ist neu oder Ein Bote aus besseren Welten, live aus der Wiener Staatsoper. Das hat es so auch noch nie auf CD gegeben.

Mit dem Album ehrt ihr ja auch euren Vater. Wie glaubt ihr würde er reagieren, wenn er das Album “da capo, Udo Jürgens – Stationen einer Weltkarriere” vor sich liegen hätte?

John: Ich glaube, er wäre stolz auf sich und auch auf uns. Weil ihm die Auswahl gefallen hätte, es ist eben eine sehr durchdachte Auswahl. Wir haben Haltung gezeigt. Haltung gegenüber der Gesellschaft. Sozialkritisch. Politisch zum Teil. Hoffnungsvoll in die Zukunft blickend.

Jenny: Ich glaube auch, dass er sehr stolz wäre. Es würde ihn sehr anrühren zu sehen, wieviel Kraft seine Kinder in den letzten Jahren aufgebracht haben, um genau dieses Ziel zu erreichen.

Wir feiern dieses Jahr auch das 40. Jubiläum von “Ich war noch niemals in New York”. Welchen Nerv trifft dieser Song noch heute?

Jenny: Es ist für mich die pure Sehnsucht. Das wird immer so bleiben, deswegen ist Ich war noch niemals in New York seit 40 Jahren ein Hit. Dieses Lied hat etwas geweckt, worin sich jeder erkennen konnte: Ich geh mal Zigaretten holen und ich komme nie zurück – was natürlich die Wenigsten machen, weil sie das Pflichtgefühl haben, das nicht zu tun, aber die Idee es zu tun, ist toll und ich glaube, das wird für immer so sein.

John: Träumen darf man und das tun die Menschen in diesem Lied. Das ist das Geheimnis. Der Song hat die Menschen komplett abgeholt mit ihren Sehnsüchten, mit ihren tiefsten inneren Zerwürfnissen. Ja, ich will vielleicht gehen, aber ich kann das nicht machen, ist doch nicht ok…

Früher bist Du ja immer wieder mit Deinem Vater aufgetreten. Unter anderem mit dem Lied “Liebe ohne Leiden”. Wie hast du diesen Auftritt in Erinnerung?

Jenny: Ich war wahnsinnig nervös, das weiß ich noch ganz genau. Und ich erinnere mich, wie er mich gefragt hat, ob ich das machen will – ich habe mich natürlich nie als Sängerin gesehen. Es war auch schwierig, ihm das abzuschlagen. Aber dann dachte ich mir: “Warum nicht? Ich versuche es einfach.” Und mit viel Hilfe hat es dann doch geklappt.

Wie kann man sich Udo Jürgens als Vater vorstellen? Hat er Dich auch bei Liebeskummer getröstet?

Jenny: Oh ja, mein Vater hat mich auch bei Liebeskummer getröstet. Papa war ein sehr guter Tröster, weil er ja selbst so viel in der Richtung erlebt hatte. Ich hatte mal eine sehr schwere Trennung nach längerer Zeit Beziehung und er hat mir ganz spontan ein Ticket gekauft. Er rief an und sagte: “Ich habe dir ein Ticket hinterlegt, du kommst jetzt nach Hamburg!” Ich bin also nach Hamburg geflogen und habe ihm im Hotelzimmer von oben bis unten das ganze Hemd voll geheult –dann sagte er:  “Und heute Abend gehen wir aus”. Also da war er schon toll und sehr verständnisvoll.

Gibt es Momente, in denen ihr euch eurem Vater sehr nahe fühlt?

John: Ich fühle mich meinem Vater immer nahe, wenn ich an ihn denke oder wenn ich durch die Fotos scrolle und mich an Momente oder Situationen erinnere. Auch die Arbeit an diesem Album “da capo” gehört zu diesen Momenten. Die Musik und die Emotionen, die daraus entstehen, bringen dann nochmal eine besondere Nähe. Vor allem deshalb, weil nicht nur die Superhits oder die vermeintlichen Superhits drauf sind, sondern auch unsere ganz persönlichen Lieblingslieder, die ruhigeren Nummern. Da, wo er Dinge auch mal ganz klar anspricht. Damals wollt‘ ich erwachsen sein oder auch so krasse Lieder wie Der Tag davor. Oder wo es politisch wird. Da fühle ich mich ihm schon sehr nahe.

Jenny: Ganz besonders nahe fühle ich mich Papa, wenn ich Videos von ihm sehe oder seine letzten Auftritte bei YouTube 10 Tage vor dem 21. Dezember, seinem Todestag, schaue. Das zerlegt mich regelrecht, da muss ich schon in der richtigen Stimmung sein. Ich kann das nicht anschauen, ohne zu weinen. Wenn man in dieser Stimmung ist, ist es ja auch okay, dann weint man kurz. Neulich hat mein Mann mich ganz doll in den Arm genommen. Es kam dann so eine Welle der Emotionen. Ich glaube, dass es aber auch was Schönes ist, denn so lässt man auch Liebe aus sich heraus. So wie das Lachen. Weinen ist nicht immer negativ, weinen ist auch eine Form von Liebe, oder? Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an den Papa denke. Irgendwie denke ich immer mit irgendwas an ihn und wir sprechen ja auch so oft über ihn, wenn wir zusammen sind. Das Tröstliche ist: Papa ist eigentlich immer präsent und immer dabei und ein Teil von uns.

Welchen Ratschlag eures Vaters beherzigt ihr heute noch?

Jenny: Papa sagte zu mir: Hüte dich vor charakterlich schwachen Menschen. Er meinte damit nicht, dass Schwäche grundsätzlich etwas Schlechtes ist, sondern dass man sehr aufpassen muss bei den Menschen, die keine innere Stärke, kein Rückgrat haben. Dann meinte er noch: Du bist so ein positiver Mensch und so ein Sonnenschein, dass gerade du solche Menschen anziehst, wie Motten das Licht. Sie wollen deine positive Energie abgreifen. Und das stimmt. Heute mit Mitte 50 kann ich mich etwas besser davor schützen. Diesen Ratschlag hat er mir richtig bewusst ins Gesicht gesagt. Das war ganz intensiv, wir haben auch lange darüber gesprochen.

John: Ein Satz, den er immer gesagt hat, und der bei mir hängen geblieben ist – den ich auch immer praktiziere, um in schwierigen Situationen wieder die Kontrolle zu bekomme, ist: die Flucht nach vorne antreten. Ich habe von Papa viel gelernt: Die Tugenden, die so einfach scheinen. Pünktlichkeit, natürlich auch charakterliche Tugenden im Umgang mit Menschen.

Dein Vater war sicher in vielen Dingen ein Vorbild. Gibt es dennoch Dinge, die Du anders gemacht hättest?

John: Auch in Sachen, wie man es vielleicht nicht macht, war der Papa ein Riesen-Vorbild. Früher hat er das gerne mal mit dem Joghurtbecher am Tisch gezeigt. Er hat den Löffel genommen, sich den Joghurt über das ganze Gesicht geschmiert und zu uns Kindern gesagt: “Schaut mal, so macht man das nicht.” Aber um ernster zu werden: Es gab dann auch Dinge, die er im Rückblick anders gesehen hat. Er sagte einmal: “Das würde ich vielleicht noch mal anders machen”. Für mich steht zum Beispiel die Familie auf 1 und bei ihm stand sie halt auf eineinhalb. Aber ich habe ihn immer darin bestärkt und ihm gesagt: Es ist auch gut so, dass die Musik und deine Kunst auf 1 stehen, weil du es sonst nicht so hättest machen können, wie du es gemacht hast. Dass wir heute all diese Lieder haben, ist ein unermessliches Geschenk. Und auch dass wir den Udo so erlebt haben, wie wir ihn erlebt haben über Jahre und Jahrzehnte in den Konzerten, im Fernsehen, im Privaten.

Was ist Eure schönste Kindheitserinnerung an Euren Vater?

John: Ich war ein paar Jahre im Internat und Papa hat mich hin und wieder besucht. Eines Tages sind wir einfach losmarschiert, Vater und Sohn. Ich war etwa 13 oder 14 Jahre alt. Wir sind dann zum Fluss, dem Inn, runtergegangen. Am Ufer haben wir flache Kieselsteine gefunden und die dann auf dem Wasser springen lassen. Dabei haben wir uns über das Leben unterhalten, er fragte mich, wie es in der Schule läuft, was mich gerade beschäftigt und er erzählte mir von seinen Konzerten. Diese Erinnerung, wie wir da die Steine geworfen haben, das ist wunderschön. Es ist gar nichts großartiges passiert. Aber wir waren alleine und haben gesprochen, hatten einfach eine gute Zeit miteinander.

Jenny: Als Teenager habe ich mit meinem Vater in der Schweiz einen Ausflug auf dem Boot gemacht. Wir waren auf dem Zürich-See unterwegs und wollten zu Mittag essen. Wir fuhren also Richtung Ufer, um anzulegen und ich sah schon von weitem die Traube von Menschen, die das Boot erkannt hatten oder erfahren haben, dass mein Vater dort essen wollte. Meine Laune war erst einmal dahin. Ich hatte mich so gefreut, Zeit mit ihm alleine zu verbringen, und diese Situation gab es eben sehr oft, dass überall Fans warteten. Ich war noch jung und sagte: Ach Papa, schau mal, all die Leute, das ist ja grauenvoll. Er hat mich dann zurechtgewiesen und sagte: Nein, ohne all diese Leute wären wir heute nicht auf diesem Boot. Das stimmte natürlich, heute sehe ich das anders. Aber es war für uns Kinder manchmal schwierig. Trotzdem erinnere ich mich gerne an diesen Ausflug mit Papa.

Euer Vater wäre dieses Jahr 88 Jahre alt geworden. Was meint ihr, wie hätte er diesen Geburtstag gefeiert?

Jenny: Ich glaube, er wäre an seinem Geburtstag mit uns, mit den Enkeln und seinen engsten Freunden in ein tolles Lokal gegangen. Wir hätten schön zusammen gegessen und uns gut unterhalten. Vermutlich hätten wir aber nicht mehr bis zwei Uhr morgens gefeiert. Vielleicht aber ja doch… (lacht).

John: Ich denke schon, dass wir bis zwei Uhr sitzen würden. An seinem 80. Geburtstag haben wir mit 20 Personen gefeiert und da saßen wir auch länger. Und es war natürlich auch das ein oder andere Bierchen im Spiel (lacht). Wir hatten großartige Gespräche, sein Bruder Manfred war da, Pepe Lienhard, sein Bandleader und Freund und weitere enge Freunde unseres Vaters. Ich glaube, heute würde es allerdings keine Fernseh-Show mehr geben.

Verratet ihr noch die Anekdote zu dem Bademantel?

John: Es ist schon ziemlich lange her. Es war auf einer Tournee und ich weiß auch nicht mehr in welcher Stadt es war. Mein Vater kam immer völlig verschwitzt von der Bühne herunter und musste oft sehr weite Wege in seine Garderobe gehen. Das Publikum tobte und tobte und rief nach ihm. Also ging er nochmal raus. Immer wenn er dann hinter der Bühne war, wurde ihm ein Bademantel umgeworfen, damit er sich nicht erkältet. Irgendwann haben sie vergessen, ihm den Bademantel wieder abzunehmen und er ist damit rausgegangen. Die Leute haben sich kaputtgelacht, haben applaudiert und fanden das total witzig. So entstand damals die Idee, dass er die Zugaben künftig immer im Bademantel spielt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto-Credit: BMC Image / Ariola Archiv
Textquelle: franel (Textvorlage)

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