ROY BLACK
“Nie vergessen”: smago! Exklusiv-Interview mit seinem langjährigen Manager Wolfgang Kaminski!

Am 9. Oktober 2021 jährt sich der Todestag des Sängers mit der Samtstimme bereits zum 30. Mal!

 

 

Lieber Herr Kaminski, Anlass des Interviews ist die Veröffentlichung des neuen Roy-Black-Albums „Nie vergessen“. Wenn man die Setlist sieht, was glauben Sie, wäre ein Song, bei dem Roy gesagt hätte: „Das ist MEIN Song auf diesem Album“?

Wenn er das Ganze noch nachempfinden könnte, dass ein neu aufgelegtes Album dreißig Jahre nach seinem Tod erscheint, wäre er grundsätzlich erst einmal auf das ganze Album stolz. Einen Lieblingssong könnte ich da jetzt gar nicht rausgreifen. Das sind alles Songs, die er abends auf der Bühne wirklich sehr gemocht hat. Titel, die er besonders gemocht hat, sind „Geträumt“ und „Wahnsinn“, aber mehr möchte ich da wirklich nicht herausgreifen.

Das Album ist in den Offiziellen Deutschen Charts auf Platz 52 eingestiegen und das fast dreißig Jahre nach seinem Tod. Das schaffen viele etablierte Künstler nicht. Ist es die Magie Roy Blacks, dass ein Album mit Songs, die viele der Fans schon auf CD haben, nochmal so die Charts entert?

Wir erleben generell eine Erinnerung an die 60er und 70er Jahre. Die ZDF-Hitparade und das alles hat ja einen großen Kult-Anstrich. Roy Black ist in der ersten ZDF-Hitparade 1969 aufgetreten und ist somit ein Künstler aus dieser Generation. Und aus dieser Generation sticht er auch noch einmal besonders hervor. Der eine hat seine Lieder gemocht, der andere nicht und immer dort, wo Widersprüche sind, ist es für das Publikum interessanter. Er wird beobachtet, von Freunden wie von Gegnern, und dann hat sein Leben natürlich auch eine große Rolle gespielt. Er ist einer der Stars, der in den 60er, 70er Jahren ganz, ganz oben war und dann, so stellten es zumindest die Journalisten dar, tief abgestürzt ist. Von Millionenverkäufen ging es drastisch abwärts zu Verkaufszahlen von „nur noch“ 180.000. Verglichen mit heute sind das zwar immer noch gute Zahlen, aber es war eben auch eine andere Zeit, insofern muss man andere Maßstäbe anlegen. Ein Absturz in dem Sinne, dass Roy bis auf den Boden gefallen sei, das kann ich nicht erkennen. Ja, er ist von ganz oben runtergefallen, aber doch nicht am Boden zerstört. Wir haben in einem der schlechtesten Jahre über 200 Konzertauftritte gehabt. Und auch in dieser Phase fühlte er sich immer wohl und nicht niedergeschlagen oder am Boden. Der erneute große Aufstieg kam dann mit „Herzblut“. Darauf kam dann das Angebot von RTL zu „Ein Schloss am Wörthersee“ und das war der absolute Quotenrenner. Die ersten zwei Staffeln waren extrem erfolgreich. Gegen Ende der Dreharbeiten zur zweiten Staffel im September 1991 kommt Roys Tochter Nathalie auf die Welt und nur drei Wochen später, am 9. Oktober, stirbt er. Ein solch dramatisches Leben trägt zur Legendenbildung bei und lässt ihn alles überstrahlen und vielleicht auch etwas größer erscheinen als es damals alles gewesen ist.

Aktuell veröffentlicht Otto Retzer viel über die damalige „Wörthersee-Zeit“. Können Sie ein paar Worte zu Otto Retzer und seinem Verhältnis zu Roy Black sagen?

(lacht): Er ist ein Paradiesvogel im besten Sinne, der den Wörthersee sicherlich mitgeprägt hat. Der Wörthersee war ja auch so in aller Munde, weil er in gewissem Maße verrückt, absurd und überzogen war. Und auch gerade deshalb sind die Filme heute noch so beliebt und werden ständig gezeigt. Um auf Otto Retzer zurückzukommen: Ein Mann mit unglaublichem Herz, der die Meinung anderer Leute zulässt. Ich freue mich immer aufrichtig, ihn zu sehen, denn er ist einer der richtig Guten auf dieser Welt und ich mag ihn wahnsinnig.

In all den Jahren, in denen Sie mit Roy zusammengearbeitet haben: Würden Sie sich mehr als Freund oder als Manager beschreiben?

Da sind die Übergänge fließend. Roy Black hat damals in Augsburg und München gewohnt. Hatten wir Auftritte im süddeutschen Raum, so habe ich häufig in seinem Haus in München übernachtet. Er dagegen hat bei uns im Zimmer unseres Sohnes geschlafen, wenn es der Tour-Plan so hergab. Bei Freunden von uns, Familie Thiemann, die heute ein kleines Roy-Black-Museum führen, hatte er ein Appartement gemietet. Später kaufte er ein Haus in unserer Nähe. Insofern ist es schwer zu trennen, vielmehr vermischten sich das Berufliche und Private. Wir haben Segeltouren, Fahrradtouren, Wanderungen und vieles mehr miteinander unternommen. Als dann im Laufe der Jahre immer mehr Künstler wie Daliah Lavi oder Karel Gott in meinem Management standen, war es zeitlich nicht mehr möglich, zusammen mit Roy zu reisen. Ich hatte bis zu fünf Künstler in meinem Management, was doch sehr heftig und zeitintensiv war, und da war dann das Private auch ein bisschen eingeschränkt.

Es gibt auch kritische Stimmen bezüglich Ihrer Person in Bezug auf Ihre Person. Manche Fans sagen, Sie hätten Roy wieder groß gemacht. Andere, Sie hätten ihn verheizt. Sofern Sie diese Nachfrage gestatten: Wie sehen SIE das?

Wenn Leute kritisch über mich sprechen, ist das völlig in Ordnung, meist rührt das daher, dass Leute sich kein ehrliches Bild machen wollen. Das erste positive, die Aussage, ich hätte Roy Black wieder nach oben gebracht, ist Quatsch. Ich war eine Hilfe, ich habe das unterstützt, aber ER hat sich nach oben gebracht. Genauso ist das andere Quatsch, ich konnte einen Roy Black nicht zu Auftritten zwingen, was totaler Wahnsinn war, ich war eher der Bremser. Er wollte raus auf die Bühne, er wollte das machen. Das war sein Leben, das war seine Berufung. Er wollte das volle Paket aus Wörthersee und Auftritten. Er war wie eine Kerze, die an beiden Seiten brannte.

Viele Fans wünschen sich sehnlichst eine Live-DVD. 1981 wurde ein Live-Mitschnitt veröffentlicht, der auf VHS Kassette erschien. Wissen Sie, wer die Rechte hat, und wäre eine Veröffentlichung zum 30. Todestag nicht wünschenswert?

Das wäre schön, wenn auch die Qualität sicherlich einmal überarbeitet werden müsste. Nur habe ich keine Rechte daran und auch nie gehabt. Wahrscheinlich liegen die Rechte bei der Plattenfirma oder dem damaligen Filmproduzenten, ich weiß es aber ehrlich gesagt nicht. Aus solchen Dingen habe ich mich nach Roys Tod auch absichtlich rausgezogen, weil ich eventuell aufkommende Streitigkeiten nicht zulassen wollte. Meist ist es doch so, dass nach dem Tod eines Künstlers plötzlich unheimlich viele Leute ankommen, die meinen, sie hätten die Rechte an irgendwas. Ich persönlich sehe es so, dass die Rechte so weiterlaufen sollen, wie es der Künstler zu Lebzeiten entschieden hat. Jetzt bei der neuen CD ist es so, dass ich keinerlei Tantiemen erhalte, das empfände ich auch als Beleidigung, und auf die Frage, warum ich das alles mache, die ganze Zeit und Arbeit antwortete ich schlicht „Ich kann nicht anders“. Und wenn ich Aussagen höre wie „Kaminski hat Roy Black wieder groß gemacht, Kaminski hat ihn wieder hochgebracht“, dann ärgert mich das. Das ist eine reine Legendenbildung, denn das würde behaupten, dass ich einen x-beliebigen Sänger irgendwo „hinbringen“ könnte, aber das kann ich nicht. Man kann Steigbügelhalter sein, man kann Entscheidungen gemeinsam treffen und unterstützen. Manchmal muss man einen Künstler auch vor sich selbst schützen, vor verkehrten Aktionen und Entscheidungen. Als Manager stellt man sich, immer im Dialog mit dem Künstler, oft die Frage, ob eine Entscheidung jetzt richtig oder falsch ist und zudem, ob sie wichtig und relevant oder doch eher eine Randerscheinung ist. Das ist manchmal ein wirklich schwieriger Prozess. Und letztlich muss man sich auch immer überlegen, für was man seinen Namen und sein Gesicht hergeben mag, wen oder was man unterstützen mag und wohinter man nicht stehen kann. Diese Entscheidungen zu fällen, ist nicht immer einfach, aber wichtig.

Wissen Sie von bislang nicht entdeckten, unveröffentlichten Songs oder ist mit „Sie ist nicht mehr da“ jetzt alles draußen?

Ich glaube, dass die, die noch etwas in der Ecke liegen hätten, das auch herausgegeben hätten. In den Studios, in denen wir damals aufgenommen haben, wurde zwar noch manches ausprobiert, aber dabei ist es dann auch geblieben.

Roy Black wäre bald 80 Jahre alt. Es gibt Künstler, die in diesem Alter noch auf der Bühne stehen. Wäre es bei Roy auch so, würde er sagen „Max, mach mir das klar, ich greif nochmal groß an!“, oder würde er eher still seinen Ruhestand genießen wollen?

Ich kann und will diese Frage nicht beantworten, weil sie hypothetisch ist und ich keine Worte in den Mund legen mag, die ich nicht weiß. Ich hatte das große Glück, mit ganz, ganz großen Künstlern  zusammenzuarbeiten, was mich sehr geprägt hat. Ich habe mit Daliah Lavi zusammengearbeitet, die 17 Jahre lang keinen Auftritt und dann eine gefeierte Tournee hatte. Auch Karel Gott war ein über alle Maßen passionierter Sänger. Es wäre vermessen und unfair von mir, Roy Worte in den Mund zu legen. Das kann ich nicht beantworten. Vielleicht würden wir heute noch zusammenarbeiten, vielleicht auch nicht, weil es zwischendurch nicht mehr gepasst hätte. Alles ist möglich und deshalb will ich das Thema auch nicht so wichtig nehmen. Wäre Karel Gott gesund geblieben, kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass er weiter singen wollen würde. Die beiden Künstler waren befreundet, aber in vielen Dingen und Ansichten auch sehr verschieden, insofern kann ich da nicht von Karel auf Roy schließen.

Lassen Sie uns noch eine Frage zu Max Heide stellen (Anm. d. Red.: Wolfgang Kaminski hat sich unter dem Pseudonym Max Heide einen Namen als Maler gemacht): Wenn Max Heide ein Bild mit dem Titel „Roy Black“ malen würde, welche Farbe würde er wählen?

Das darzustellen würde ich nicht schaffen, denn wie bei jedem Leben müssten da alle Farben drin sein.

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch und für das tolle Interview.

 

Textquelle: smago!

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