Als Juror des Schlagerwettbewerb „Stauferkrone“ fällt sein Urteil zur derzeitigen Situation des Schlagers geradezu vernichtend aus …:
Eine Lehrstunde in Sachen Schlager-Musik?
Am vergangenen Samstag war ich – zusammen mit weiteren Kolleginnen und Kollegen aus dem Musik- und Medienbusiness – als Juror für den internationalen Schlagerwettbewerb „Stauferkrone“ in Donzdorf dabei. Es hat mir großen Spaß gemacht und mein uneingeschränktes Lob verdient der Veranstalter Rüdiger Gramsch, der seit vielen Jahren mit Herzblut diese Gala auf die Beine stellt.
Obwohl meine musikalischen Wurzeln eher bei der Rockmusik liegen, war ich einfach neugierig darauf, welche Musik heute als Schlager präsentiert wird und ob innerhalb dieses beliebten Genres auch eine Vielfalt existiert.
Die Antwort war schnell gefunden: leider existiert keinerlei Vielfalt beim deutschen Schlager! Wirklich schade!
Warum ist das so?
Wenn man die KI fragt, kommt folgende Antwort: „Dass aktueller deutscher Schlager oft so gleichförmig klingt, liegt vor allem an seiner konsequenten Ausrichtung auf Tanzbarkeit und Massenkompatibilität. Die harten Schläge auf 1 und 3 sowie die dumpfen Bassrhythmen sind das Ergebnis gezielter Produktionsentscheidungen, die ein „Sicherheitsnetz“ für das Publikum schaffen sollen. Fast jeder moderne Schlager ist im 4/4-Takt geschrieben und auf den Discofox-Grundschritt optimiert. Da dieser Tanz ein sehr klares, rhythmisches Gerüst benötigt, bleiben Experimente mit dem Takt aus, um die Tanzfläche nicht zu „verlieren“. Technisch wird oft ein „Pumping“-Effekt erzeugt (Sidechaining). Moderne Songs werden am Computer exakt auf ein digitales Zeitraster gezogen (Quantisierung). Menschliche Nuancen oder leichte Temposchwankungen, die Musik lebendig machen, werden entfernt, damit der Song perfekt zu den DJ-Mixen in den Tanzlokalen passt.“
Aha, dann ist mir alles klar! Aber wenn das wirklich so ist, schafft sich der Schlager bald selbst ab.
Mein Appell an die Schlagerproduzenten wäre deshalb: Beweist künftig mehr Mut zur Vielfalt! Denn Balladen und Hymnen, Chansons und Partykracher sowie Storytelling-Songs sollten auch zum deutschsprachigen Schlager-Standard gehören!
Übrigens. die Plätze ein und zwei der „Stauferkrone“ waren deshalb einstimmige Entscheidungen der Jury, weil sie aus der Masse hervorstachen. Bei Platz drei wurde es schon schwieriger… Trotzdem: es hat Spaß gemacht, dabei zu sein!
Textquelle:
Facebook-Seite von Holm Dressler (Textvorlage) – Mit freundlicher Abdruckgenehmigung von Holm Dressler