NICOLE
smago! CD-Kritik: Das Doppelalbum „Carpe diem – Live 2025“ ist eine musikalische Reise durch vier Jahrzehnte!
Emotionales Konzert-Erlebnis: Mit ihrem Livealbum setzt die ESC-Legende auf große Gefühle und zeitlose Botschaften!
Seit mehr als vier Jahrzehnten gehört NICOLE zu den prägenden Stimmen des deutschsprachigen Popschlagers. Mit Liedern wie „Ein bisschen Frieden“, „Papillon“, „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ oder „Mit dir vielleicht“ hat sie Musikgeschichte geschrieben und Generationen von Hörern begleitet. Dabei war NICOLE nie nur Interpretin eingängiger Melodien, sondern stets auch eine Künstlerin mit Haltung, Gefühl und dem Gespür für Themen, die Menschen berühren. Ihre Songs handeln von Frieden, Menschlichkeit, Liebe, Hoffnung und den kleinen wie großen Fragen des Lebens – und genau diese Mischung aus Zugänglichkeit und Tiefgang macht ihre Musik bis heute zeitlos.
Mit der Live-CD „Carpe diem – Live 2025“ gelingt NICOLE nun ein eindrucksvolles musikalisches Dokument ihrer aktuellen Tournee. Gemeinsam mit ihrer hochkarätigen Band, bestehend aus JENS CARSTENS, ACHIM MEIER, MICKEY MEINERT und ZORAN GRUJOVSKI, präsentiert sie ein Programm, das nostalgische Erinnerungen ebenso weckt wie neue emotionale Akzente setzt. Die 22 Tracks zeigen eindrucksvoll die große stilistische Bandbreite der Sängerin: von nachdenklichen Chansons über gesellschaftlich relevante Songs bis hin zu leichten Popschlager-Momenten und mitreißenden Medleys. Dabei überzeugt vor allem die besondere Live-Atmosphäre, in der Nähe, Authentizität und musikalische Qualität jederzeit spürbar bleiben.
Der Eröffnungs-Song „Freunde“ aus dem Carpe-diem-Album entfaltet live eine besonders emotionale und verbindende Wirkung. Der Live-Charkater wird insbesondere deutlich, wenn NICOLE ihre Fans nebenbei begrüßt. – Der Song lebt von seiner schlichten Ehrlichkeit und entwickelt im Konzertmoment schnell eine gemeinschaftliche Atmosphäre zwischen Bühne und Publikum. Vor allem der eingängige Refrain lädt zum Mitsingen ein und macht den Titel zu einem echten Publikumsmoment, bei dem Nähe, Zusammenhalt und Erinnerungen an gemeinsame Zeiten im Mittelpunkt stehen. Durch die persönliche Ansprache und die nostalgische Stimmung wirkt „Freunde“ live weniger wie ein klassischer Partysong, sondern vielmehr wie eine musikalische Liebeserklärung an Freundschaft, gemeinsame Erlebnisse und das Wiedersehen nach langer Zeit.
In einer tollen Version kommt der Klassiker „Lass mich nicht allein“ aus den 1980er Jahren daher. Der 40 Jahre alte Charthit überzeugt insbesondere durch die großartige Komposition von RALPH SIEGEL, der hier einmal mehr sein Talent beweisen hat, für Ohrwurm-Melodien zu stehen. Witzig ist die Idee, in den Song ein Zitat des Klassikers der MÜNCHENER FREIHEIT einzubinden: „Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein“.
Mit „Ich will Musik“ setzt NICOLE live ein leidenschaftliches Statement für echte, handgemachte Musik und die emotionale Kraft von Melodien. Der Song verbindet nostalgische Sehnsucht mit einer klaren Botschaft gegen Oberflächlichkeit und schnelllebige Trends. Besonders auf der Bühne entfaltet das Stück seine volle Wirkung, weil NICOLE die Zeilen mit großer Authentizität und persönlicher Überzeugung interpretiert. Die Mischung aus gefühlvoller Ballade und musikalischem Bekenntnis macht den Titel zu einem sehr intimen Konzertmoment, der das Publikum daran erinnert, wie tief Musik Menschen berühren, begleiten und verbinden kann. Mit der von NICOLE selbst formulierten Haltung – Musik müsse das Herz erreichen und „im Kopf erdacht, von Hand gemacht“ sein – gewinnt der Song zusätzlich an Aktualität und versteht sich zugleich als liebevolle Hommage an echte musikalische Handwerkskunst in Zeiten von KI und digitaler Austauschbarkeit.
„Für immer dein Kind“ zählt zu den emotionalsten Momenten des Konzertabends. Getragen von einer einfühlsamen Akkordeon-Begleitung und NICOLEs eindringlichem Vortrag entwickelt der Song eine besonders intime und berührende Atmosphäre. Das Lied thematisiert die tiefe, oft widersprüchliche Verbindung zwischen Eltern und Kindern, die von Nähe, Erinnerungen, Verletzlichkeit und bedingungsloser Verbundenheit geprägt ist. Gerade die Zeilen über das ewige Kindsein und das Versprechen, einen geliebten Menschen niemals allein zu lassen, verleihen dem Stück große emotionale Kraft und lassen viele Zuhörer eigene Erfahrungen und Gefühle wiederfinden. NICOLE beweist damit erneut ihre Stärke für anspruchsvolle, tiefgründige Chansons, die nicht auf große Effekte setzen, sondern durch Ehrlichkeit, Gefühl und musikalische Wärme nachhaltig unter die Haut gehen.
Mit „Lass den Sommer nie vergeh’n“, dem „Vorboten“ ihres „Carpe-diem“-Albums, präsentiert NICOLE einen warmen, lebensbejahenden Feelgood-Schlager, der Leichtigkeit, Romantik und Dankbarkeit miteinander verbindet. Der Song versprüht eine unbeschwerte Sommerstimmung und wirkt gleichzeitig wie eine liebevolle Erinnerung daran, die schönen Augenblicke des Lebens bewusst festzuhalten. Besonders live entfaltet das Lied seine positive Energie und lädt das Publikum dazu ein, für einen Moment Sorgen und Alltag hinter sich zu lassen. Dabei schwingt zwischen den Zeilen auch eine tiefere persönliche Ebene mit: die Wertschätzung für gemeinsame Jahre, für Liebe und Zusammenhalt sowie die Erkenntnis, dass jeder Tag ein Geschenk sein kann. Die poetische Sprache mit Anklängen an klassisches Chanson trifft dabei auf modernen Popschlager und verleiht dem Titel eine zeitlose, herzliche Atmosphäre, die perfekt zu Nicoles authentischer Ausstrahlung passt.
Mit „Wenn die Blumen weinen könnten“ präsentierte NICOLE bereits Anfang der 1980er Jahre einen bemerkenswert vorausschauenden Titel, der Umweltzerstörung, Naturverlust und menschliche Verantwortung thematisiert. Live wirkt der Song heute aktueller denn je und entfaltet durch seine poetischen Bilder von verschwindenden Blumen und sterbenden Wäldern eine eindringliche emotionale Kraft. Gerade die Verbindung aus nachdenklichem Inhalt und eingängiger, fast beschwingter Melodie erzeugt eine besondere Spannung, die den Titel bis heute unverwechselbar macht. Im Konzert bemerkte NICOLE selbst, dass man mit diesem Lied „dem Klimawandel weit voraus“ gewesen sei. Zwischen sanfter Melancholie, Hoffnung und gesellschaftlicher Botschaft erinnert der Song daran, wie eng Natur, Menschlichkeit und Liebe miteinander verbunden sind – und dass Wegsehen am Ende alle betrifft.
Der Sieger-Titel des deutschen Song-Festivals „Schlager ‘91“, „Ein leises Lied“, verbindet gesellschaftskritische Gedanken mit einer warmen, hoffnungsvollen musikalischen Atmosphäre. Der Song zeichnet das Bild einer hektischen, technisierten Welt, in der Natur, Ruhe und zwischenmenschliche Nähe zunehmend verloren gehen. Gerade dadurch gewinnt das „leise Lied“ symbolischen Charakter: Es steht für Menschlichkeit, Mitgefühl und den Wunsch, inmitten von Stress und Oberflächlichkeit nicht die leisen Töne des Lebens zu überhören. Live entfaltet der Titel eine besonders verbindende Wirkung und erinnert stilistisch an NICOLEs musikalische Wurzeln. Die Mischung aus eingängiger Melodie und nachdenklichem Text verleiht dem Lied eine zeitlose Qualität, die bis heute berührt und zum Innehalten einlädt.
„Was wäre wenn“ greift auf eindringliche Weise die Schnelllebigkeit und Entfremdung der modernen Gesellschaft auf. NICOLE thematisiert darin eine Welt, in der echte Begegnungen zunehmend durch digitale Oberflächen und soziale Medien ersetzt werden. Der Song lädt dazu ein, wieder bewusster miteinander umzugehen, einander wahrzunehmen und Menschlichkeit neu zu entdecken. Besonders live wirkt die Botschaft des Liedes sehr unmittelbar, weil NICOLE die nachdenklichen Zeilen mit großer Wärme und Glaubwürdigkeit transportiert. Zwischen ruhiger Melancholie und hoffnungsvollem Appell erinnert „Was wäre wenn“ daran, wie wichtig echte Nähe, ein ehrliches Lächeln und zwischenmenschliche Verbundenheit gerade in einer immer hektischeren Zeit geworden sind.
„In deinen Augen“, ebenfalls aus dem Album „Carpe diem“, gehört zu den besonders einfühlsamen und poetischen Liedern im Repertoire von NICOLE. Der von HEINZ RUDOLF KUNZE geschriebene Text betrachtet die Welt aus der Perspektive eines neugeborenen Kindes und beschreibt dessen Reinheit, Hoffnung und unverfälschte Sicht auf das Leben. Dabei schwingt eine tiefe Sehnsucht nach Menschlichkeit und Geborgenheit mit, denn das Lied erinnert daran, dass Kinder vor allem durch Liebe, Nähe und Schutz ihre Stärke entwickeln. Nicole interpretiert den Song mit großer Wärme und Sensibilität, wodurch die Zeilen eine fast zeitlose Emotionalität erhalten. Besonders die Bilder von den Augen eines Kindes als Spiegel von Hoffnung, Wahrheit und Zukunft verleihen dem Stück eine berührende Intensität, die viele Zuhörer unmittelbar anspricht und Raum für persönliche Gedanken und Erinnerungen lässt.
Mit „Ich gratuliere mir“ legt NICOLE anlässlich ihres runden Geburtstags einen augenzwinkernden, zugleich tief reflektierten Rückblick auf ihre außergewöhnliche Karriere vor. Der Song verbindet Selbstironie mit Dankbarkeit und zeichnet die lange „Reise“ einer Künstlerin nach, deren Weg maßgeblich durch ihren Eurovision-Erfolg geprägt wurde. Zwischen persönlichen Rückschlägen und künstlerischen Höhenflügen entsteht das Bild einer starken Persönlichkeit, die sich den Herausforderungen des Lebens gestellt und dabei nie ihre Haltung verloren hat. Der ebenfalls von HEINZ-RUDOLF KUNZE getextete und von JENS CARSTENS komponierte Titel trägt deutlich autobiografische Züge und wirkt wie eine musikalische Selbstvergewisserung: NICOLE blickt nicht nur zurück, sondern würdigt auch das, was sie erreicht hat – mit einem Lächeln, das sowohl Stolz als auch Lebenserfahrung transportiert.
Der Schlager „Papillon“ eröffnet die zweite Konzerthälfte mit einer spielerisch-leichten, zugleich stark symbolischen Bildwelt, die bereits in den frühen Jahren nach „Ein bisschen Frieden“ für große Aufmerksamkeit sorgte. Der Song erzählt in poetischen Szenen vom Schmetterling als Sinnbild für Freiheit, Unbeschwertheit und die Sehnsucht nach einer friedlicheren Welt. In der Beschreibung seiner Reise über Länder, Landschaften und Blumenfelder entsteht eine fast märchenhafte Atmosphäre, die bewusst idealistisch und träumerisch gehalten ist. NICOLE verleiht dem Titel mit ihrer klaren, sanften Interpretation eine besondere Leichtigkeit, die den eingängigen Refrain trägt und das Publikum in eine harmonische Klangwelt entführt. Trotz des bewusst naiv anmutenden Blicks auf die Welt bleibt die zentrale Botschaft zeitlos: die Hoffnung auf Grenzenlosigkeit, Frieden und ein unbeschwertes Miteinander.
Mit „Sag mir, wo die Blumen sind“ interpretierte NICOLE einen der bekanntesten Anti-Kriegs-Songs in einer bewusst reduzierten, an MARLENE DIETRICH erinnernden Klangästhetik und verleiht ihm damit eine zusätzliche historische und emotionale Tiefe. Der Kreislauf aus Fragen nach Blumen, Menschen, Soldaten und Gräbern entfaltet eine eindringliche Symbolik über Vergänglichkeit, Gewalt und die Wiederkehr von Konflikten. Gerade in der heutigen Zeit erhält das Lied eine neue Aktualität, die NICOLE selbst bei den Konzerten mit dem Hinweis auf die „Hochkonjunktur von Antikriegs-Liedern“ betont. Ihre Interpretation hebt die zeitlose Botschaft hervor, dass Krieg immer menschliche Schicksale hinterlässt und das Erinnern sowie das Verstehen zentrale Schritte zu einer friedlicheren Zukunft sind.
Mit „Nie nie mehr“ setzt das Friedens-Thema konsequent fort und vertieft erneut die Botschaft von Frieden, Wachsamkeit und gesellschaftlicher Verantwortung. Der aus dem 2001 erschienenen Album „Kaleidoskop“ stammende Titel, übrigens wie ihr ESC-Siegertitel von Dr. BERND MEINUNGER getextet, ist ein eindringliches Statement gegen Gewalt, Hass und das Schweigen angesichts von Unrecht. In klaren, unmissverständlichen Bildern erinnert der Song an dunkle Kapitel der Geschichte und mahnt, diese nicht zu wiederholen. Besonders prägnant ist dabei der wiederkehrende Appell „Es darf nie nie mehr sein wie damals“, der sich wie ein emotionales Leitmotiv durch das gesamte Stück zieht. Nicole verleiht dem Lied mit ihrer Interpretation eine Mischung aus Nachdruck und Verletzlichkeit, wodurch die Botschaft unmittelbar greifbar wird. So entsteht ein kraftvolles Plädoyer für Zivilcourage, Menschlichkeit und die aktive Entscheidung gegen das Wegsehen.
Mit der überraschenden Einlage des Status-Quo-Klassikers „Rocking All Over The World“ zeigte NICOLE gemeinsam mit ihrer Band eine spielerisch-energiegeladene und rockige Seite des Konzerts und setzte einen deutlichen Kontrast zu den zuvor eher nachdenklichen Titeln. Im Anschluss mündete das Set in den NICOLE-Song „Wer schläft schon gern allein“ aus dem „Abrakadabra“-Album (1998), der mit augenzwinkernder Offenheit die Themen Einsamkeit, Sehnsucht und Nähe behandelt. Der Text schildert sehr direkt das Bedürfnis nach Geborgenheit und körperlicher wie emotionaler Zuwendung, ohne dabei seine Leichtigkeit zu verlieren. Zwischen humorvollen Bildern und ehrlicher Verletzlichkeit entsteht ein nahbarer Moment, der das Publikum emotional abholt und gleichzeitig für Auflockerung sorgt. So verbindet der Auftritt geschickt rockige Energie mit persönlicher Intimität und zeigt die stilistische Bandbreite des Abends.
„Steh wie ein Mann zu mir“, der 1991er-Hit, präsentiert sich als klassische Schlager-Ballade, die vor allem von ihrem emotional aufgeladenen Dialog zwischen Nähe, Zweifel und Erwartung lebt. Im Zentrum steht die Forderung nach Verlässlichkeit und emotionaler Standfestigkeit in einer Beziehung, verbunden mit der klaren Frage nach echter Liebe in belastenden Momenten. Musikalisch entfaltet der Song eine melodische, teils dramatisch wirkende Struktur, die durch das gesprochene Intro eine gewisse Theatralik erhält. Dadurch entsteht ein Stil, der deutlich an frühere Schlager-Ästhetiken erinnert und bewusst mit traditioneller Emotionalität arbeitet. Auch wenn die Komposition eher konventionell gehalten ist, transportiert der Titel die zentrale Botschaft deutlich: Liebe wird hier als Haltung verstanden, die sich besonders in schwierigen Situationen beweisen muss.
Mit „Ich liebe dich wie Feuer“ zeigt sich NICOLE von ihrer besonders poetischen und balladesken Seite und liefert einen tief emotionalen Text von HEINZ-RUDOLF KUNZE, der von JENS CARSTENS mit einer fein abgestimmten, melodischen Komposition unterlegt wurde. NICOLE interpretiert das Lied mit großer Innigkeit und Zurückhaltung, wodurch die Spannung zwischen unausgesprochenen Gefühlen und intensiver innerer Bewegung deutlich spürbar wird. Im Zentrum steht das Ringen um Worte für eine Liebe, die so überwältigend ist, dass sie sich zugleich ausdrücken und verbergen möchte. Diese Ambivalenz zwischen Offenbarung und Schweigen verleiht dem Song seine besondere Tiefe. So entsteht eine eindringliche Ballade, in der große Gefühle nicht laut ausgesprochen, sondern in ihrer stillen Intensität erfahrbar gemacht werden.
Danach wurde es nostalgisch: „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ ist die erste Hit-Single von NICOLE aus dem Jahr 1981. Gleich der erste Song der Saarländerin wurde ein Riesenhit in den Charts und in der ZDF-Hitparade, damals noch beim legendären DIETER THOMAS HECK. Recht nah am Original gehalten (Mundharmonika inklusive) ist das Live-Arrangement, das Gänsehaut-Erinnerungen hervorruft. Das Publikum durfte auch selbst mitsingen. Die Geschichte des alten Mannes und des Vogels entwickelt sich am „großen gelben Fluss“ zu einer symbolischen Reflexion über Lebensentscheidungen, Grenzen und die Verletzlichkeit von Freiheit. Im Zentrum steht die gut gemeinte Mahnung, nicht zu hoch hinauszuwollen, da Übermut und Unvorsicht in Gefahr münden können – ein Thema, das bis heute aktuell ist.
Mit einem Medley blieb es dann nostalgisch. Ein Hauch von Griechenland: „Der alte Mann und das Meer“ war der zweite NICOLE-Hit, diesmal mit Akkordeon begleitet. Den Schlager veröffentlichte NICOLE im zarten Alter von 17 Jahren und stellte ihn u. a. in der DISCO mit ILJA RICHTER vor. Passend zu diesem Song gab es „Allein in Griechenland“ aus dem Jahr 1985 auf die Ohren. Der Song präsentiert sich als leichtfüßige, modern arrangierte Schlagernummer, die sich bewusst von klassischen, ethnisch überladenen Griechenland-Bildern anderer Titel absetzt. Inhaltlich erzählt der Text von einer spontanen Flucht aus einer belasteten Beziehung und dem Aufbruch nach Athen als Moment der Selbstbefreiung. Schöne nostalgische Erinnerungen an die 1980er Jahre wurden geweckt.
Und wenn man schon mal dabei war, ging die Party direkt weiter mit NICOLEs Partymedley, den sie mit ihrem 90er-Hit „Dann küss mich doch“ (1993, u. a. Platz 1 in der ZDF-Hitparade) startete. Ähnlich flott und tanzbar ist der 1992er Disco-Hit „Mach, was du willst“, mit dem sich NICOLE mal sexy gibt („aber mach’s mit mir). Komponiert von ALFONS WEINDORF, war auch der 1994er Uptempo-Track „Am liebsten mit dir“ ein Hit und darf im Medley nicht fehlen – ebenso wie der erfolgreichste Song aus dieser Ära: „Mit dir vielleicht“ aus dem Jahr 1992, mit dem NICOLE ebenfalls Platz 1 der ZDF-Hitparade erreichen konnte. Ebenfalls eingebunden wurde der große NICOLE-Hit „Ich hab dich doch lieb“ aus dem Jahr 1983 – damals noch mit dem Backgroundchor TRIO, der diesmal durch das Livepublikum sachkundig ersetzt wurde.
Der von Nicole mit „ Noch zehn Minuten“ beschriebene Moment fokussiert die besondere Atmosphäre des Abschieds nach einem gelungenen Konzert und die bewusste Dehnung eines Augenblicks, der eigentlich bereits zu Ende ist. Sie schildert die Situation, in der niemand wirklich gehen möchte, weil die Stimmung noch trägt und man sich im übertragenen Sinn „noch zehn Minuten“ beim Augenblick ausleiht. Diese Zeit wird dabei nicht als bloße Verlängerung verstanden, sondern als verdichtetes Erleben des gesamten Abends, in dem Emotionen, Nähe und gemeinsame Freude noch einmal intensiv spürbar werden. Genau dieses Gefühl möchte sie auch auf der Bühne erzeugen: ein bewusstes Innehalten zwischen Publikum und Künstlerin, das den Übergang vom Konzertende zum Abschied weichzeichnet und aus einem einfachen „Auf Wiedersehen“ einen emotional nachklingenden Schlussmoment macht.
Als letzten Song des regulären Programms präsentierte NICOLE den Hit ihres Lebens, den Siegertitel vom Grand Prix Eurovision de la Chanson 1982: „Ein bisschen Frieden“. Bis heute ist der Schlager einer der wichtigsten Lieder des Genres überhaupt. Ein Lied mit einer Aussage, das von Herzen kam und das NICOLE heute immer noch mit der selben Inbrunst singt wie sie es damals tat – an jenem legendären 24. April 1982 im englischen Seebad Harrogate. Logisch, dass auch bei diesem Song das begeisterte Publikum mitsingen durfte.
Der Zugabe-Song markiert dann auch den Abschluss der Live-CD. Das Tourmotto „Carpe diem“ heißt nicht ohne Grund genau so. NICOLE empfiehlt, jeden Tag positiv anzugehen. Im Mittelpunkt der „Hommage an das Leben“ steht der bewusste Umgang mit dem Augenblick und die Einladung, das Leben in seiner ganzen Unwiederholbarkeit anzunehmen. Der Titel vermittelt eine positive Grundhaltung, die dazu anregt, Chancen zu ergreifen und den Moment wertzuschätzen, bevor er vergeht. Damit bündelt „Carpe diem“ die zentrale Botschaft ihres Albums und damit auch der Tour in einer abschließenden, lebensbejahenden Aussage.
Die Live-CD „Carpe diem – Live 2025“ zeichnet das Porträt einer Künstlerin, die sich auch nach Jahrzehnten im Musikgeschäft ihre Glaubwürdigkeit und emotionale Ausdruckskraft bewahrt hat. NICOLE gelingt der Spagat zwischen großer Unterhaltung und persönlichen, oft nachdenklichen Botschaften, ohne jemals belehrend zu wirken. Gerade die ruhigen Momente entfalten dabei eine besondere Intensität, weil sie von Lebenserfahrung, Wärme und einer tiefen Verbundenheit zu ihrem Publikum getragen werden. Gleichzeitig beweist die Produktion, wie hervorragend ihre Band die unterschiedlichsten musikalischen Facetten zwischen Ballade, Popschlager, Chanson und Rock umzusetzen versteht.
Am Ende bleibt der Eindruck eines außergewöhnlich stimmigen Konzertabends, der Vergangenheit und Gegenwart auf gelungene Weise miteinander verbindet. Zwischen großen Klassikern, emotionalen Balladen, gesellschaftskritischen Tönen und lebensbejahenden Momenten zieht sich ein roter Faden durch das gesamte Programm: die Botschaft, den Augenblick bewusst zu leben und Menschlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Genau darin liegt die Stärke von NICOLE, und genau deshalb wirkt ihre Musik auch heute noch relevant. „Carpe diem – Live 2025“ ist somit nicht nur ein nostalgischer Rückblick auf eine große Karriere, sondern zugleich ein lebendiges, emotionales und musikalisch hochwertiges Statement einer Künstlerin, die ihrem Publikum auch nach über 40 Jahren noch viel zu sagen hat.
Textquelle: smago!

