„EUROVISION SONG CONTEST 2021“
smago! top-exklusiv: Die Startnummern 19 – 26 – in der Prognose von Frank Ehrlacher!

Ukraine +++ Frankreich +++ Aserbaidschan +++ Norwegen +++ Niederlande +++ Italien +++ Schweden +++ San Marino +++

 

 

 

19 UKRAINE

© EBU / Thomas Hanses

„Shum“ bedeutet „Geräusch“ – und sehr „noisy“ geht es auch beim Beitrag aus der Ukraine zu – seit dem Scheitern von Australien in diesem Jahr das einzige Land, das noch nie in einem ESC-Halbfinale rausgeflogen ist. Sie singen ukrainisch, es wirkt aber fast wie Lautmalerei. Sehr folkloristisch anarchisch kommt das ganze daher und sie bringen den Flötenschlumpf dann wenigstens auch leibhaftig auf die Bühne. Dazu gibt es eine Armee von Hologrammen, zahlreiche weiße Bäume und Verästelungen: Ein Fest für die Sinne oder eine Belastungsprobe für eben jene, denn der Song hat beim ersten Hören durchaus einen hohen Nervfaktor, eh man „mitgroovt“. Darin könnte eine Schwierigkeit an diesem Abend liegen, dass die meisten ihn eben nicht zwei Probenwochen lang immer wieder gehört und sich mit ihm angefreundet haben, sondern am Samstag zum ersten Mal damit konfrontiert werden.

Prognose: Auf jeden Fall ein heißer Siegkandidat, bei dem ich viele Punkte von den Jurys erwarte. Das Televoting dürfte darüber entscheiden, ob es zum dritten Sieg der Ukraine nach 2004 und 2016 reicht.

 

 

 

 

20 FRANKREICH

© EBU / Andreas Putting

Frankreich ist mit 5 Siegen eines der 3 erfolgreichsten Länder beim ESC – aber, ihr letzter Sieg mit Marie Myriam und „L’oiseau et l’enfant“ ist inzwischen stolze 44 Jahre her. Erfolgreich war die „Grande Nation“ noch einmal Anfang der 1990er Jahre, als sie verstärkt auf Teilnehmer mit Wurzeln in den ehemaligen Kolonialländern setzten, da kam man 8 mal hintereinander in die Top Ten. 2021 geht man einen komplett anderen Weg: „Voilà“ ist ein klassisches Chanson, das auch für Edith Piaf geschrieben sein könnte – und wie Marion Cotillard in der Verfilmung von Piafs Leben „La vie en rose“ kam mir die Interpretin Barbara Pravi bei den Proben vor. Nur sie auf der Bühne, ganz in Schwarz, ausdrucksstark, auf sich fokussiert, immer mit großen Gesten, aber auch immer mit einem Lächeln – und mit einem starken Song. Umso erstaunlicher, als Pravi gerade mal 28 Jahre jung ist. Aber in der französischen Musik-Szene ist sie schon eine ganz große, schreibt für Chimène Badi und Ex-Tennis Profi Yannick Noah, und hat bereits im Vorjahr den ESC gewonnen – und zwar den Junior ESC als Autorin des französischen Beitrags „J’imagine“. Ihr Beitrag für den „erwachsenen“ Grand Prix war bei den Buchmachern von Anfang an konstant unter den Top 3 zu finden – das muss aber noch nichts heißen, denn dafür muss man die Logik der Wettquoten kennen: Auffällige Songs bekommen immer eine hohe Quote, da die Gefahr einfach zu hoch ist, dass sie am Ende zu sehr auffallen…

Prognose: … und dem zu folge heißt es im Finale auch „Top oder Flop“ für Frankreich. Das Chanson KANN ganz vorne mitspielen, wenn es optimal läuft. Die Start-Nr. direkt hinter dem hektischen Beitrag aus der Ukraine KANN ein Vorteil sein – beides muss aber auch nicht. Es wäre für mich daher auch keine große Überraschung, wenn es im Mittelfeld versandet. An einen Sieg glaube ich nicht – auch wenn es mich persönlich sehr freuen würde. Klingt vage, aber zwischen Platz 1 und … na, vielleicht 2 und 13 ist alles drin. Liegt auch dran, wieviel „Gänsehäutigkeit“ Barbara mit ihrer Performance bei Jury und insbesondere Televoting-Publikum erzeugen kann.

 

 

 

 

21 ASERBAIDSCHAN

© EBU / Andreas Putting

Aserbaidschan steht seit seiner ersten Teilnahme 2008 für Glamour und Protz, Selbstbewusstsein, Nationalstolz und Skandale – und meistens schwedische Autoren. Das war bei ihrem Sieg 2011 in Düsseldorf so, das war voriges Jahr beim geplanten Beitrag „Cleopatra“ so und das ist dieses Jahr bei „Mata Hari“ nicht anders. Nicht originell, aber eben effektiv.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass die sagenumwobene niederländische Tänzerin und Vielleicht-Spionin Mata Hari beim ESC besungen wird: 1976 besorgte das Anne-Karine Ström für Norwegen und wurde damit 18. und letzte. Besser erging es da der Band namens „Hari Mata Hari“ aus Bosnien und Herzegowina, die 2006 beim ESC gute 3. wurde.

Efendis Mata Haris ist ziemlich perfekter Pop in einer ziemlich perfekten Choerographie, ziemlich perfekt gesungen, manchmal auch geschrien. Aber drei Mal „ziemlich“ ergibt beim ESC eben ziemlich sicher keinen ziemlich guten Platz.

Prognose: Aserbaidschan bleibt dieses Jahr im Mittelfeld hängen. Mehr ist da auch nicht verdient.

 

 

 

 

22 NORWEGEN

© EBU / Andreas Putting

Die Autoren der Start-Reihenfolge sind schon kleine Schelme: Zumindest was die Eurovision Love Story zwischen Efendi aus Ascherbaidschan und Tix aus Norwegen betrifft, die sich dann an Bühnen-Auf- und Abgang treffen werden. Ob der Flirt auf Pressekonferenzen und Social Media-Kanälen aber die Probezeit des ESC in Rotterdam überhaupt überstehen wird, scheint mir noch genau so fraglich, wie, ob der Bachelor wirklich seine Lieblings-Rosen-Marie heiratet oder es, wenn die Kamera aus ist, ganz schnell wieder vorbei ist.

In Norwegen ist Tix ein Pop Star – nicht nur wegen seiner 14 Top Ten- und 4 Nr. 1-Hits, sondern auch, weil er mit Ava Maxs „Sweet But Psycho“ Co-Autor eines Welthits ist. Seinen diesjährigen Beitrag „Fallen Angel“ schrieb er zunächst auf Norwegisch, „Uta v mörket“ heißt er da, nahm aber für den ESC eine englische Version auf.
Andreas Andresen Haukeland, wie Tix im wirklichen Leben heißt, leidet am Tourette-Syndrom, was ihn in seiner Kindheit zu einem Eigenbrötler machte und ihm im Freundeskreis seinen Spitznamen „Tix“ (ja, genau, abgeleitet von den „Ticks“) einbrachte.
Sein Auftritt in Rotterdam ist recht extravagant, mit dicker Sonnenbrille und plüschigem weißen Engelskostüm schwingt er seine Flügel und wird von 4 weiteren schwarzen Engeln umgarnt, umtanzt und gefangen genommen.

Prognose: Viele starke Songs im Wettbewerb, von denen Norwegen einen der schwächeren ins Rennen schickt. Allerdings wird das nach meiner Prognose zu einem weiteren Date mit Efendi führen: Im Mittelfeld des diesjährigen Klassements.

 

 

 

 

23 NIEDERLANDE

© EBU / Thomas Hanses

Jeangu Macrooy ist wohl der erste Interpret, der beim ESC Teile seines Songs in Sranantongo, einer in Surinam gesprochenen Kreolsprache – Amtssprache da ist auch Niederländisch – singt. Damit ist auch schon viel über die Idee hinter dem Beitrag der Gastgeber gesagt. In „Birth Of A New Age“ beschreibt er den Beginn eines neuen Zeitalters und sagt selbst, dass ihn die Proteste rund um die „Black Life Matters“-Bewegung in den USA zu dem Song inspiriert haben. So singt er im Refrain immer wieder „Yu no man broko mi“ – deutsche Ohren verstehen da etwas von Brokkoli – was so viel bedeutet wie „Ihr könnt mich nicht brechen“. Mit ihm auf der Bühne steht übrigens sein Zwillingsbruder Xillan, ebenfalls Musiker. Die Inszenierung des Beitrags ist sehr farbenfroh und eindrucksvoll – im Kontrast zu dem doch eher sperrigen Song.

Prognose: Auch wenn es weh tut: Auch die Niederlande werden ein Wörtchen mitsprechen, wenn es den letzten Platz zu verteilen gibt. Zu Zeiten reiner Jury-Entscheidungen gab es immer noch die Tradition, dem Gastgeber als Dankeschön ein paar Sympathie-Pünktchen da zu lassen – das Televoting-Publikum hat sich da hingegen in den vergangenen Jahren eher als gnadenlos erwiesen…

 

 

 

 

 

24 ITALIEN

© EBU / Andreas Putting

Italien suchte seinen ESC-Teilnehmer wie fast immer beim traditionellen Sanremo-Festival, das als Vorbild des ESC gilt. Es ist zwar dem Sanremo-Sieger freigestellt, ob er auch zum ESC fahren will oder nicht – aber inzwischen muss er das VOR der Teilnahme am Festival hinterlegen. Da taten sich die Hardrocker von Maneskin vielleicht noch vergleichsweise leicht, weil sie alles andere als Favoriten beim italienischen Musikwettbewerb waren. Um so mehr freuten sie sich über ihren unerwarteten Sieg und verkündeten auch direkt, dass sie sich nun darauf freuen Europa zu rocken. Eher ungewöhnlich für eine Hard Rock-Band ist, dass sie eine weibliche Bassistin haben. „Zitti e buoni“ heißt ihr Titel, der dazu auffordert, genau das NICHT zu sein: „Still und brav“.

In den Probetagen erkämpfte sich der italienische Beitrag immer mehr einen Favoriten-Status – es ist wohl vor allem die Bühnen-Show, die den Zugang zu diesem Rock-Song erleichtert, der in meinen Ohren eigentlich sperriger ist als zum Beispiel das, was „Blind Channel“ aus Finnland anbieten. Bei den Buchmachern liegt er seit Beginn der 2. Woche ganz an der Spitze:

Prognose: Zurecht! Auch wenn an einem ESC Abend viel zusammen kommen muss und passieren kann, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Italien zum erst 3. Mal nach 1964 und 1990 den ESC gewinnen wird – und dann hoffentlich eine besser organisierte Veranstaltung abliefert als 1991 in Rom…

 

 

25 SCHWEDEN

 

© EBU / Andreas Putting

Schweden ist mit 6 Siegen eines der erfolgreichsten Länder beim ESC und würde so gerne den Rekord von Irland mit dem 7. Sieg zumindest einstellen. Darauf wird man wohl noch ein Jahr warten müssen. Der 19-jährige Tusse – sein Geburtsdatum wird offiziell mit dem 01.01.2002 angegeben – kam 2015 als Flüchtling aus dem Kongo nach Schweden und gewann dort die Talentshow „Idol“, die schwedische Variante von „Deutschland sucht den Superstar“. Im März setzte er sich dann auch im Melodifestivalen, der wie immer aufwändigen schwedischen Vorentscheidung, die über 6 Wochen geht, durch und gewann das Ticket nach Rotterdam. Normalerweise ein gutes Zeichen, denn wer so viel Konkurrenz bereits im eigenen Land hinter sich gelassen hat, weiß auch auf der internationalen Bühne zu überzeugen. Allerdings ist sein Song „Voices“ eher belangloser Radio-Pop und auch er wirkt in seinem roten Anzug – der zweite in Folge – teilweise etwas allein auf der Bühne. Dazu trägt auch bei, dass seine Tänzer alle komplett in schwarz gekleidet sind, was dem Song einen eher düsteren Ausdruck verleiht. Immerhin hatte Tusse im Hotel – die Interpreten müssen alle in den Niederlanden in eine „Arbeitsquarantäne“ und verlassen das Hotel nur für definierte Interview-Termine und die Proben und Shows – Zeit, für sein Abitur zu lernen.

Etwas überraschend ist, dass die Schweden mit der begehrten Start-Nr. 25 ins Rennen gehen dürfen. Sollte der Song wirklich im Halbfinale zu DEN Abräumern gehört haben? Oder ist das eine Verbeugung vor Christer Björkman, der als Produzent und Ideengeber über 20 Jahre lang das schwedische Melodifestivalen zur erfolgreichsten Vorentscheidung gemacht hat, auch mehrere internationale ESCs mit-produzierte und nun seinen letzten schwedischen Beitrag verantwortet. Wohl eher letzteres…

Prognose: Auch für Schweden dürfte es dieses Mal nur zu einem Platz im Mittelfeld reichen. Better luck next year…

 

 

 

 

26 SAN MARINO

© EBU / Thomas Hanses

… und der begehrte letzte Startplatz geht an den kleinsten Staat, der dieses Jahr am ESC teilnimmt: Die Republik San Marino.

Sie sorgten ja auch im Vorfeld für reichlich Wirbel, nahm Interpretin Senhit – die ihre Heimat schon 2011 beim ESC in Düsseldorf vertrat, damals aber im Halbfinale ausschied – ihren Song „Adrenalina“ im Studio doch mit dem US-Star Rapper Flo Rida auf und streute das – zunächst – Gerücht, er käme eventuell auch nach Rotterdam, um mit ihr live aufzutreten. Aber die Proben liefen über eine Woche und es passierte… nichts. Von Flo Rida keine Spur. Und alle in und um Rotterdam waren sicher, dass Flo Rida nur ein – wenn auch guter – Promotion-Gag des Landes ist. Bis er dann am Dienstag wirklich bei den Proben aufkreuzte und im Halbfinale auftrat. Viele hier würde interessieren, wie viel das den Zwergstaat gekostet hat, da muss der Sponsor sicher mittelprächtig fünfstellig in die Tasche gegriffen haben. Flo Rida selbst weiß offensichtlich immer noch nicht genau, wo er ist, denn in einem Instagram-Post am Freitag freute er sich über seinen gelungenen Auftritt in der Arena von… Amsterdam.

Immerhin reichte es schon für die erst dritte Final-Teilnahme des Landes und heute Abend soll dann die beste ESC-Platzierung San Marinos „ever“ eingefahren werden – die hält noch Serhat mit „Say Na Na“ und einem Platz 19 aus dem Jahr 2019.

Ein bisschen erinnert mich übrigens der san marinesische Beitrag an den alten Witz, wie viele Ostfriesen man brauche, um eine Glühbirne reinzuschrauben: 10. Einen, der die Glühbirne festhält und 9, die ihn um die eigene Achse drehen. Für „Adrenalina“ brauchte es immerhin 10 Autoren – bei einer Song-Länge von maximal 3 Minuten ist also jeder rechnerisch für maximal 18 Sekunden des Titels verantwortlich…

Prognose: Es wird deutlich die beste Platzierung San Marinos aller Zeiten – Top Ten, vielleicht sogar Top 5 ist drin, da der Beitrag beim Televoting nicht nur aufgrund seines Startplatzes abräumen wird. Die Frage wird sein, ob die Fach-Jurys den Einsatz und Einflug Flo Ridas goutieren oder ob sie, wie viele Kollegen vor Ort, eher genervt von dem Hin und Her und Versteckspiel sind…

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