„EUROVISION SONG CONTEST 2021“
smago! top-exklusiv: Die Startnummern 10 – 18 – in der Prognose von Frank Ehrlacher!

Griechenland +++ Schweiz +++ Island +++ Spanien +++ Moldau +++ Deutschland +++ Finnland +++ Bulgarien +++ Litauen +++

 

 

 

 

10 GRIECHENLAND

 

© EBU / Andreas Putting

Ob Stefania aus Griechenland Prince Fan ist, ist nicht bekannt – zumindest beherzigt sie den Slogan der Prince-Fans „Wear some puple today“ exzessiv. Der Auftritt ist mit Virtual Reality-Effekten gespickt und Stefania und ihre Truppe sollen wohl auf Hochhäuser-Dächern tanzen – das klappte aber bisher nie so recht und so hingen sie eher im luftleeren Raum. Trotzdem macht der Beitrag optisch Eindruck.

Die 18-jährige Stefanie Liberakakis wurde übrigens in Utrecht geboren, nahm bereits 2016 mit der Girl-Band „Kisses“ für die Niederlande am Junior-ESC teil und lebt auch im Gastgeberland. Ihr Holländisch ist offensichtlich mindestens so gut wie ihr Griechisch, denn in den Niederlanden arbeitet sie auch als Schauspielerin und Synchronsprecherin für Zeichentrickfilme.

„Last Dance“ ist griechischer Euro-Pop, betanzt von Männern in weißen Anzügen, wie er für Griechenland jahrelang beim ESC erfolgreich war: Zwischen 2004 und 2011 kam man jedes Jahr in die Top Ten und fuhr mit „My Number One“ und Helena Paparizou 2005 auch den einzigen griechischen Sieg der ESC-Geschichte ein. In den vergangenen Jahren lief es eher durchschnittlich: 2016 konnte man sich zum ersten Mal nicht fürs Finale qualifizieren, seitdem kam man auch in keinem Jahr über Platz 19 hinaus.

Prognose: Das könnte die beste griechische Platzierung der jüngeren ESC-Vergangenheit werden – davon sollte man aber nicht zu viel erwarten, eher eine Position zwischen 15 und 20.

 

 

 

 

11 SCHWEIZ

© EBU / Andreas Putting

Die Schweiz lag fast den gesamten April auf Platz 1 der Wettquoten und zählte bei der Ankunft in Rotterdam zu den Top-Favoriten – genau bis zur ersten Probe. Die düstere Ballade, die von der Machart sehr an den Vor-Vorjahressieger „Arcade“ erinnert und durch die außergewöhnliche und hohe Stimme des Sängers besticht, war im Video toll umgesetzt. Auf der Bühne weniger. Gjon Muharremaj, der sich „Gjon’s Teats“ nennt, vollführt Ausdruckstanz auf kubischen Bühnenelementen. Musikalisch vermag mich „Tout l’univers“ weiterhin zu packen, optisch in keinem Fall. Der Beitrag polarisiert – normalerweise gut für den Song Contest, für mich hat er am Ende zu wenig Erinnerungswert.

Prognose: Schwer einzuschätzen, ob die Jurys den Beitrag „retten“ oder er wider Erwarten doch einiges an Televoting-Punkten bekommt. Realistisch sehe ich ihn eher um Platz 10.

 

 

 

 

12 ISLAND

 

© EBU / Thomas Hanses

Die ESC-Geschichte von Dadi Freyr und seiner Gruppe Gagnamagnid (was so viel heißt wie „Datentarif“ oder „Datenvolumen“) aus Island ist schon tragisch, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat: Im Vorjahr waren sie beim abgesagten Contest der Gewinner der Herzen – mindestens der Herzen, denn bei vielen der meist online durchgeführten Abstimmungen in den einzelnen Ländern lag der nerdige Beitrag auch ganz vorne. Und in diesem Jahr wurde einen Tag vor dem Halbfinale der Isländer bekannt, dass ein Mitglied der Band positiv auf Covid19 getestet wurde. Dadurch war schon im Halbfinale das Video der Probe vom vergangenen Donnerstag zu sehen – und genau so wird es im Finale auch sein. Die Truppe verfolgt ihren eigenen Auftritt beim Finale aus dem Hotelzimmer in Rotterdam. Der Beitrag ist und bleibt stark – vor allem, da sie mit vielen Bewegungen und kleinen Gesten Anspielungen auf ESC-Auftritte vergangener Jahre und Jahrzehnte liefern – inklusive der legendären Windmaschine. Ich gestehe, auch ich habe sie sicher noch nicht alle erkannt – aber der über 2 Meter große Dadi hat beim Auftritt auch immer ein leichtes Grinsen auf den Lippen.

Prognose: Das Video von ihrem Probenauftritt ist so perfekt in die Show eingebunden, dass man gar nicht merkt, dass sie nicht live auf der Bühne stehen. Kein Nachteil also, dafür gibt es sicher ein paar Sympathie- und Gute-Besserungs-Punkte – der Song wird um die Top 3 kämpfen.

 

 

 

 

13 SPANIEN

 

© EBU / Andreas Putting

2020 nominierte Spanien Blas Contó mit der Ballade „Universo“ für den ESC. Die internationale Reaktion war ernüchternd, man beschrieb die Ballade als langweilig und nicht ausdrucksstark genug für den ESC und in den Wettquoten lag er auf dem letzten Platz. Dann wurde der ESC 2020 abgesagt und man hatte ein Jahr Zeit, neue Songs zu schreiben. Heraus kam eine Up Tempo-Nummer und eine Ballade, die beide dem spanischen Publikum zur Wahl gestellt wurden, das sich erneut für… die Ballade entschied. Die internationale Reaktion war ernüchternd, man beschrieb… den Rest kennt ihr. Auch Spanien dürfte ein heißer Anwärter für den letzten Platz sein, auch wenn ich glaube, dass es in diesem „Anti-Wettbewerb“ gegen Großbritannien nicht ganz reichen wird. Immerhin liefert Blas Cantò eine gestenreiche Show und ein paar gute Bilder, der über 6 Meter große Mond dürfte eine der größten Requisiten sein, die bisher beim ESC auf der Bühne standen oder hangen – und man merkt Blas die Begeisterung für den Wettbewerb, den er nach eigener Aussage immer mit seiner Ende 2020 an einer Covid19-Erkrankung verstorben Großmutter geschaut hat, an. Allerdings dürfte das nicht reichen – Begeisterung und Emotion zeigen die meisten. Übrigens gibt es seinen Beitrag „Voy a quedarme“ auch in einer englischen Version im Duett mit James Newman, dem britischen Vertreter in diesem Jahr. Wenn die beiden sich mal nicht auch in der Endplatzierung ganz nahe sind…

Prognose: Der Kampf um den letzten Platz könnte spannend werden – und Spanien dabei eine Rolle spielen.

 

 

 

 

14 MOLDAU

 

© EBU / Thomas Hanses

Etwas überraschend schaffte es auch die Pop-Nummer aus Moldau ins Finale. Dahinter steckt der russische Impresario Philipp Kirkorov, der vor inzwischen 26 Jahren selbst als Interpret für Russland antrat, nachdem er ein Jahr vorher einen Beitrag für seine immerhin 18 Jahre ältere Frau Anna Pugacheva geschrieben hatte, aber im hinteren Teil des Feldes landete. Seitdem werden seine InterpretInnen gefühlt Jahr für Jahr jünger und seine Inszenierungen schriller und Moldau neben Russland ein weiterer Absatzmarkt. Für viele gilt daher „Sugar“ der Blondine Natalia Gordienko, eine 2000er Interpretation von Marilyn Monroe, als zweiter russischer Beitrag. Achten wir heute Abend darauf mal bei der Punktevergabe. Da der Beitrag mehr optisch als musikalisch begeistert, hat Komponist Kirkorov auch direkt viele Instrumentalpassagen reingeschrieben – da kann Natalia etwas tanzen und spart Atem zum Singen, den sie dann an einer Stelle auch braucht: Den 17 Sekunden lang gehaltenen Ton am Ende des Songs bezeichnet sie selbst als längsten Ton aller Zeiten beim ESC. Vielleicht mag auch das in den nächsten Monaten mal jemand nachmessen…

Prognose: Plastik-Pop funktioniert doch – und für ne Platzierung zwischen 15 und 20 könnte er gut sein. Dann IST aber auch gut…

 

 

 

 

15 DEUTSCHLAND

 

© EBU / Andreas Putting

In den vergangenen Jahren lief es nicht allzu gut für Deutschland beim ESC. Seit 2013 landeten wir – mit Ausnahme von Michael Schultes 4. Platz 2018 in Lissabon – immer im hinteren Drittel, meist sogar ganz hinten. Auch in diesem Jahr setzte der federführende NDR auf ein internes Auswahlverfahren, aus dem Jendrik mit „I Don’t Feel Hate“ als eindeutiger Sieger hervor ging. Der Song hat eine gute Botschaft und eine eingängige Melodie – die immer wieder von kurzen „Instrumental Breaks“ im Fluss gestört wird. Sowas fällt auf und sowas kann gut gehen oder schief gehen – aber das ist eigentlich das Geheimnis eines erfolgreichen ESC-Beitrags, aufzufallen und etwas zu riskieren. Die ersten internationalen Reaktionen zeigten allerdings, dass es bei den meisten nicht so gut ankommt. So machten der NDR, Jendrik und sein Team in Rotterdam in den vergangenen Tagen ihre Hausaufgaben: Der Auftritt wurde immer bunter, wie aus einem Comic entsprungen und immer prägnanter zugespitzt auf Jendrik und seinen Sidekick Sophia Euskirchen, die dann wohl als der „Stinkefinger Of Eurovision“ oder das „menschgewordene Peace-Zeichen des ESC“ in die Geschichte des Wettbewerbs eingehen wird. Denn das war eine Auflage der veranstaltenden EBU: Sie dürfe nicht als ausgestreckter Mittelfinger wie im Video auf der Bühne sein, beleidigende Gesten wären nicht akzeptabel. Also formte man ihr Kostüm zu einem Peace-Zeichen um, bei dem der Zeigefinger manchmal so nach hinten wegknickt, dass wie zufällig doch nur noch der Mittelfinger zu sehen ist…

Neben Sophia hat Jendrik übrigens noch jemanden auf der Bühne, den man nicht auf den ersten Blick „bemerkt“: Seinen Lebensgefährten. Der ist nämlich im Background zu hören, wenn Jendrik den Sprechpart performt. Allerdings vom Band, er selbst musste leider aufgrund der Corona-Bedingungen zu Hause bleiben. WAS Jendrik an dieser Stelle sagen wird, darauf darf man gespannt sein. In den Proben wünschte er dem Publikum nicht wie auf der „CD“ ein „derb nices Leben“ sondern sagte „Meine Damen, meine Herren, und die, die sich noch nicht entscheiden können, was sie sein wollen. Ich wünsche Ihnen ein großartiges Leben und – bis bald“. Ebenso gespannt sein darf man, ob er am Ende seines Auftritts für diese Worte überhaupt noch genug Atem hat. Bei der ersten Generalprobe am Freitag hatte er sich so verausgabt, dass er etwas hinterherhechelte…

Prognose: Auch die Chancen sind ein bisschen wie eine kunterbunte Wundertüte. Ein letzter Platz ist in diesem Jahr eher nicht so wahrscheinlich. Eine Überraschung im Mittelfeld möglich, ein Platz um Position 20 realistisch. Das Ausscheiden der Dänen im Halbfinale, die eine ähnlich überdrehte und auffällige Performance angeboten haben, haben meine Hoffnungen auf eine allzu gute Platzierung allerdings dann wieder gebremst.

 

 

 

 

16 FINNLAND

 

© EBU / Andreas Putting

Finnland ist neben Italien die zweite Rock-Nummer des diesjährigen ESC und schaffte es ins Finale. Was die Chancen der beiden Nummern betrifft, bin ich eindeutig #TeamItalien, denn während die Südländer eine tolle Show hinlegen, machen die Nordlichter halt… einfach Rock-Musik. Kann man ihnen nicht vorwerfen und ist auch solides Handwerk, dürfte aber außer den Fans aus dem Rocklager noch mehr Musikfans Richtung Italien treiben als Richtung Finnland.

In den vergangenen 30 Jahren erreichte Finnland nur ein einziges Mal die Top Ten – das war 2006 beim (einzigen) finnischen Sieg der Hard Rocker von Lordi. An den werden „Blind Channel“ mit „Dark Side“ wahrscheinlich nicht ganz anknüpfen können – aber nachdem das Land in den letzten 5 Wettbewerben 4 mal im Halbfinale hängen blieb, ist der Auftritt beim „Grand Final“ schon ein Erfolg – und der Startplatz zwischen dem bunten Jendrik und der ruhigen Victoria aus Bulgarien ist sicher auch kein Nachteil.

Prognose: Finnland rockt und ruckelt knapp an den Top Ten vorbei.

 

 

 

 

17 BULGARIEN

 

© EBU / Thomas Hanses

Nachdem Bulgarien es in den ersten 9 Jahren seiner Teilnahme am ESC von 2005 bis 2013 nur einmal ins Finale schaffte, zog man sich 2014 und 2015 zurück, um dann umso stärker wieder zu kommen und mit Kristian Kostov 2017 auf Platz 2 sogar mal am Sieg zu schnuppern. Victoria wird das wahrscheinlich nicht ganz gelingen:

Sie ist so etwas wie die bulgarische Billie Eilish – eine gebrochene Stimme, fragile Songs und doch starke Auftritte und eine hohe Bühnenpräsenz. Sie besingt in „Growing Up Is Getting Old“, dass Erwachsenwerden auch Altwerden bedeutet und streicht dabei immer wieder sentimental über ein Bild, das vor ihr im Sand liegt. Auf der Pressekonferenz erklärte sie die Bedeutung dieses Bildes für sie: Es zeigt sie als Kind mit ihrem Vater, den sie gerne zur Unterstützung mit nach Rotterdam nehmen wollte, bei dem aber im vergangenen Jahr ALS diagnostiziert wurde und er so die Reise nicht antreten konnte. Durch dieses Foto ist er aber nun dennoch ganz nah bei ihr. Und damit der ganze Auftritt nicht zu zerbrechlich und „weich“ daher kommt, feiert bei Victoria die bulgarische Variante Buffalos der 1980er Jahre ein Revival.  Als „Mentorin“ stand ihr übrigens auch hier in Rotterdam Lucy Diakovska von den No Angels zur Seite und erklärt der Rothaarigen aus Bulgarien, wie es ist, auf der ganz großen Bühne zu stehen – oder die meiste Zeit ihres Auftritts zu sitzen.

Prognose: Schöner Auftritt, der hoffentlich seine Fans findet und Richtung Top Ten geht – irgendwas zwischen Platz 7 und 15 sollte am Ende dabei herauskommen.

 

 

 

 

18 LITAUEN

 

© EBU / Thomas Hanses

Auch die Band The Roop aus Litauen ist einer derjenigen Teilnehmer, die bereits für 2020 ausgewählt worden waren und nun eine 2. Chance erhalten. 2020 galten sie bei vielen – auch bei mir – mit ihrem Song „On Fire“ als eine der absoluten Top-Favoriten – und das vom NDR in der Elbphilharmonie am ESC-Abend ausgetragene kleine deutsche Finale mit Televoting gewannen sie auch. Ihr Song „Discoteque“ bringt genau das, was der Titel verspricht: Disco-Sound, eher im Retro-Stil der 1980er und 1990er Jahre – aber corona-konform singen und tanzen sie „Let’s discoteque right at my home – It is okay to dance alone“ im Kanarienvogelknallgelb – nicht nur auf der Bühne, sondern auch im gesamten Umfeld des Contests. Selbst ihre Koffer hier sind leuchtend gelb.
Prognose: Trotz ungünstiger Start-Nr. 1 sicher im Finale.

Prognose: Ein sicherer Kandidat für die Top Ten und wenn alles gut läuft auch für die Top 5. Dass der erste ESC-Sieg des einzigen Baltikum-Staates, der den ESC noch nie gewonnen hat, gelingt, ist allerdings nicht so wahrscheinlich. Zu schlagen gilt es intern aber die beste ESC-Platzierung Litauens aus dem Jahr 2006 – damals kamen LT United mit dem programmatischen „We Are The Winners“ auf Platz 6 in der Endabrechnung.

 

 

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