„EUROVISION SONG CONTEST 2021“
smago! top-exklusiv: Die Startnummern 01 – 09 – in der Prognose von Frank Ehrlacher!

Zypern +++ Albanien +++ Israel +++ Belgien +++ Russland +++ Malta +++ Portugal +++ Serbien +++ Großbritannien +++

 

 

 

01 ZYPERN

 

Foto-Credit: © EBU / Thomas Hanses

Als erstes geht Zypern an den Start. Die Rückschlüsse, die man daraus ziehen kann, sind wahrscheinlich ziemlich simpel: Man braucht am Anfang eine möglichst starke Nummer – sowohl optisch als auch musikalisch – die nach vorne geht und die die Zuschauer vor dem Bildschirm hält. Und sie ist wahrscheinlich nicht unbedingt die Siegerin ihres 1. Halbfinals gewesen.

Elena Tsaringou aus Zypern – genauer gesagt: aus Griechenland, die für Zypern antritt – singt „I gave my heart to El Diablo“. Das rief in Zypern ein paar sehr bibeltreue Christen auf den Plan, die ein paar Tage lang den heimischen TV-Sender belagerten und bedrängten, diesen Akt satanischer Teufelsanbetung doch vom ESC zurückzuziehen. Einer der Stürme im Wasserglas, für den ich den ESC liebe – denn wenn man sich den Text mal anschaut, lässt sie eigentlich offen, wen sie damit meint. Vielleicht tanzt sie auch nur wie der Teufel oder El Diablo ist ihr neuer Liebhaber, dem sie höllisch verfallen ist. Musikalisch ist das ganze weniger aufregend und klingt, als sei es ein Song, den Lady GaGa eigentlich für ein Album geplant hat – dabei ist anderes überliefert, denn neben ein paar schwedischen Autoren schrieb die Drag Queen Oxa an dem Song mit. Oxa stand 2019 in Deutschland im Halbfinale von „The Voice Of Germany“ und Menschen, die in der deutschen ESC-Jury 2021 saßen, beschwören, dass „El diablo“ zunächst ihnen als möglicher deutscher Beitrag vorgespielt und dann abgelehnt wurde. Auch eine der Geschichten und Mysterien, für die wir den ESC lieben.

Elena steigerte sich während der Proben konstant und auch immer während ihres Auftritts – sie braucht immer ein bisschen, bis sie richtig im Groove ist, dann kommt aber das Finale Furioso und liefert uns den ersten Ohrwurm des Abends.

Prognose: Neben den Beiträgen aus Aserbaidschan und San Marino, vielleicht auch Serbien und Moldau, ist es zeitgenössischer Happy-Pop mit Ohrwurmcharakter, der immer für einen Platz im soliden Mittelfeld oder den Top Ten gut ist, mehr aber auch nicht. Dass es im nächsten Jahr nach Nikosia geht oder Zypern den Erfolg von 2018, als man mit „Fuego“ 2. wurde, wiederholen kann, ist eher unwahrscheinlich.

 

 

 

 

 

02 ALBANIEN

 

© EBU / Thomas Hanses

Für viele vor Ort und auch für die Buchmacher war es eine Überraschung, dass Anxhela Peristeri für Albanienden Einzug ins Finale schaffte – für mich nicht. Das Lied enthält folkloristische Elemente, die nicht nur auf dem Balkan ankommen und den traditionellen Flötenschlumpf – der aber auf der Bühne nicht zu sehen ist, denn ein weiteres großes Plus des Auftritts: Anxhela nimmt die Bühne für sich ein und füllt sie aus. OK, der viele Nebel hilft ihr vielleicht dabei, aber sie überzeugt durch Ausstrahlung und Präsenz. Das funktioniert beim ESC meistens. Das kleine Albanien steht immerhin zum dritten Mal in Folge nach 2018 und 2019 im Finale.

Albanien ist traditionell das erste Land, das seine Vorentscheidung abhält, nämlich kurz vor Weihnachten des Vorjahres. Pandemiebedingt passierte das Weihnachten 2020 unter besonderen Vorzeichen: Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, fand die Vorentscheidung – dort immerhin ein dreitägiges Festival – Open Air statt – und auch Albanien ist im Dezember nicht gerade für angenehme Freilufttemperaturen statt. Was zum einen den Interpreten mit ihren Stimmbändern nicht gefällt, zum anderen auch den Menschen, die im Regen stehen. Um das zu umgehen, legte man einfach einen Korridor von einer Woche fest, an dem das ganze „irgendwann mal“ stattfinden sollte und als die Wetterfrösche gerade günstig auf der Leiter saßen hieß es dann „Perfekt, heute ist Vorentscheidung“.

Prognose: Der Einzug ins Finale war auf jeden Fall ein Erfolg – dabei bleibt es aber auch. Am Ende wird man sich mit einem Platz im hinteren Drittel begnügen müssen.

 

 

 

 

03 ISRAEL

 

© EBU / Thomas Hanses

Auch die Israelis freuten sich sehr darüber, dass sie es ins Finale geschafft haben, auch wenn sie es lässig als „Haben wir doch erwartet“ abtaten. Den Final-Einzug schafften sie seit 2015 zwar immer – dann aber mit sehr wechselndem Erfolg. In den vergangenen drei Wettbewerben waren die Positionen am Ende 23, 1 (2018 mit Netta und „Toy“) und wieder 23.

„Set Me Free“ mit Eden Alene ist Durchschnitts-Pop einer – zumindest am Ende ihres Auftritts – eher leicht bekleideten Sängerin und ihrer 5 Tänzer. Immerhin: Hier ist er, der legendäre „Kleidertrick Of Eurovision“, wenn die Tänzer Eden beim letzten Refrain den Fummel vom Leib reißen. Zuhause solltet ihr aufpassen, dass eure Gläser im Schrank heil bleiben, denn bei dem ein oder anderen schrillen Ton,  sind sie anfällig – und Eden nimmt für sich in Anspruch, den höchsten Ton zu singen, der je bei einem ESC-Finale dargeboten wurde. Noch hat das keiner wirklich nachgemessen, aber nach dem Finale hat die Community dann ja mindestens 7 Monate Zeit, auch diese Frage zu klären.

Prognose: Durchschnitts-Pop bringt beim ESC meist unterdurchschnittliche Ergebnisse. Ich erwarte den Beitrag eher im hinteren Mittelfeld.

 

 

 

 

 

04 BELGIEN

 

© EBU / Thomas Hanses

Für die meisten Beobachter war es eine positive Überraschung, dass die Band  Hooverphonic ausBelgien es mit schnörkellosem Rock-Pop ins Finale schaffte – für unser Nachbarland zum ersten Mal seit 2017. Da gibt es keine Effekt-Hascherei, nicht mal eine Choreographie, Bewegungen, Virtual Reality – sie stehen da und musizieren (wenn auch die Instrumente vom Band kommen) und singen. Dafür ist Sängerin Geike Arnaert zuständig, die die Band eigentlich 2008 verließ, um eine Solo-Karriere zu starten. So hatten Hooverphonic ihren Beitrag für 2020, „Release Me“, mit dem sie bereits vom belgischen Fernsehen für den Contest nominiert waren, mit der damals 19-jährigen Luka Cruysberghs als Sängerin aufgenommen. Im November 2020 erklärte dann Geike ihre Rückkehr zur Band und Luka musste Platz machen – wie man hört, nicht ganz freiwillig. Und statt Lukas Lolita Charme steht nun wieder eine gefühlt-gewachsene Band auf der Bühne.

Prognose: Es gibt zwei Songs im Finale, bei denen wirklich die Musik im Vordergrund steht, die aus Belgien und aus Portugal – und beide könnten sich damit gegenseitig die Punkte wegnehmen. Da Portugal visuell noch etwas auffälliger gestaltet ist, setze ich mehr auf deren Nummer – was für Belgien einen Platz eher im hinteren Drittel bedeutet.

 

 

 

 

 

05 RUSSLAND

© EBU / Thomas Hanses

Mit einer Ausnahme 2018 hat Russland immer das Halbfinale – meist souverän – überstanden. So auch 2021. Die Sängerin und Rapperin Manizha versucht den Sprung vom Traditionellen in die Moderne. Sie beginnt ihren Auftritt Matrjoschka-like (ihr wisst, die legendären „Puppen in der Puppe“) in einem bunt-folkloristischen Kleid und schält sich dann in einem roten Overall heraus und rappt einen Song über das Selbstbewusstsein der „Russian Woman“ und der Frauen weltweit. Da bleibt einiges im visuellen Gedächtnis hängen, auch wenn man sich erst mal durch den Rap-Part quälen muss, um einen dann beeindruckenden russischen Gospelchor (der auch im Schnelldurchlauf Eindruck hinterlässt) gesungen von zahllosen Frauenstimmen auf der LED-Wand hören und sehen kann.

Prognose: Schwer einzuschätzen – für die einen ein Geheimfavorit, für andere ein Fall fürs hintere Feld. Man könnte jetzt meinen, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Das ist aber beim ESC selten der Fall, da der Wettbewerb Extreme favorisiert. Ich sehe „Russian Woman“ am Ende der Top Ten.

 

 

 

 

06 MALTA

 

© EBU / Andreas Putting

Destiny Chukunyere aus Malta schickte uns in den Probewochen durch ein Wechselbad der Gefühle. Sie kam als haushohe Favorit bei den Buchmachern zum ESC und trat in der ersten Probe in einem unvorteilhaft-quietschpinken Jumpsuit auf – und verlor ihren Favoriten-Status. Von Probe zu Probe wirkte der Auftritt „erwachsener“, bis sie im Halbfinale mit Glitzer Klamotten und Disco Boots eine Soul- und Rhythm&Blues-Show hinlegte, die sie nicht nur ins Finale, sondern auch zurück in den Favoritenkreis brachte. „Je me casse“ – auf deutsch: „Ich bin raus“ – ist eine ziemlich poppige Nummer mit Soul- und Swing-Einflüssen und Anklängen an die 1920er Jahre. Destiny hat übrigens bereits ESC Erfahrung: 2015 gewann sie als 13-jährige für ihre Heimat den Junior ESC.

Prognose: Und damit sind wir bei der Bedeutung der Start-Nummern: Kann diese starke Performance im insgesamt guten Feld mit der Start-Nr. 6 den ESC gewinnen? Ich glaube nicht. Für die Top Ten reicht es locker, auch die Top 5 sehe ich, aber der so sehnsüchtig erhoffte erste ESC-Sieg bleibt der Insel auch weiterhin verwehrt.

 

 

 

 

07 PORTUGAL

© EBU / Andreas Putting

 

Der Beitrag aus Portugal entwickelte sich in den zwei Probe-Wochen von Rotterdam zuerst zum Liebling der Fans und Journalisten und dann auch zum Liebling der Wettbüros: Für keine andere Nummer ging es Probe für Probe ein Stück nach vorne. Pedro Tatanka, Frontmann der Band „Black Mamba“ aus Portugal, erzählte im Interview die Entstehungsgeschichte ihres Beitrags „Love Is On My Side“. Er habe ihn auf einer Reise nach Amsterdam geschrieben, auf der er eine wohl schon reifere Frau getroffen hat, die ihm sein Leben erzählte: Angefangen, als sie als Kind von zu Hause ausriss, weil sie der großen Liebe hinterher reisen wollte über zahlreiche Enttäuschungen bis sie schließlich ihr Geld in zwielichtigen Etablissements verdienen musste, aber immer wusste: „Die Liebe ist in mir“.  Für Portugal ist es eine ganz besondere Premiere. 47 ihrer bisher 50 Beiträge wurden komplett in portugiesisch gesungen, die 3 anderen teils portugiesisch, teils englisch. In diesem Jahr treten sie nun erstmals komplett in englischer Sprache an. Der Song ist eine Soft-Rock Ballade mit Soul Einflüssen, die in Schwarz-Weiß beginnt – nach dem ersten Refrain taucht sich die Bühne aber in ein tiefes Blau und liefert neben schönen Klängen auch gewaltige Bilder. Und im Hintergrund sieht man direkt ein gesamtes Orchester: Früher Bestandteil eines jeden ESC-Auftritts.

Bei der Pressekonferenz nach dem Halbfinal-Erfolg konnten es sich „The Black Mamba“ übrigens nicht verkneifen darauf hinzuweisen, dass heute ja schon ihre neue Single „Crazy Nando“ erschienen ist und die Fans sie sich doch direkt auch anhören oder herunterladen sollen.

Prognose: „Pure“ Musik kann beim ESC funktionieren, wenn sie optisch besonders umgesetzt sind und die Interpretation die Menschen berührt. Das ist beim portugiesischen Beitrag der Fall, der mit etwas Glück an den Top Ten kratzen könnte – das gelang ihnen seit 1997 nur ein einziges Mal, beim Sieg von Salvador Sobral 2017 in Kiew.

 

 

 

 

08 SERBIEN

© EBU / Thomas Hanses

 

Serbien ist für mich die größte Überraschung im Finale – ich hatte der Melange aus Latin-Pop mit serbischer Sprache vorher kaum eine Chance gegeben und nachdem ich das Outfit des Trios Hurricane gesehen habe, gar keine mehr. Man kann sich auch nach mehr als 40 Jahren ESC noch irren, Musikgeschmack ist eben schwer kalkulierbar.

Nun stehen die Drei also im großen Finale, zwei von ihnen haben immerhin schon ESC Erfahrung: Sanja Vucic wurde 2016 als Frontfrau der Band „Sanja Vucic ZAA“ 18., Ksenija Kenzevic begleitete 2015 ihren Vater Knez als Backgroundsängerin für Montenegro und wurde mit ihm 13.

Prognose: Was soll man sagen, wenn man dem Beitrag schon gar nicht den Final-Einzug zugetraut hat? Konseqeunterweise, dass es nicht allzu weit nach vorne gehen wird. Irgendwo um Platz 20 ist Fiesta und Finito für „Loco Loco“.

 

 

 

09 GROßBRITANNIEN

 

© EBU / Thomas Hanses

James Newman ist der Bruder von John Newman, der 2013 mit Songs wie „Love Me Again“ zu einer DER Soul-Hoffnungen Großbritanniens wurde und auch hierzulande in einigen TV-Shows zu sehen war. Ihn hatte die BBC bereits 2020 für den ausgefallenen ESC nominiert und ihm schenkte man auch 2021 das Vertrauen. „Amber“ heißt sein Song und was auffällt sind 2 große Trompeten auf der Bühne – neben ihm. Das war es dann aber auch schon. James hat eine tolle Stimme, irgendwo zwischen Rag’n’Bone Man und Meat Loaf und muss – in einem schlabberigen langen Umhang – gute Laune Soul-Funk-Pop verbreiten. Das ganze ist dann leider auch noch billig arrangiert und produziert.

Prognose: Letzter beim ESC? Einer muss den Job ja machen. Und da Deutschland mit Jendrik dieses Jahr eher raus ist, gebe ich den Briten beste Chancen. Eigentlich schade für eine Nation, die jahrzehntelang die Pop-Musik geprägt hat.

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