UWE HÜBNER
Nochmal eine „ZDF-Hitparade“?! – und DAS sagt Ihr dazu …:
Ich hatte es versprochen. Vor ein paar Tagen habe ich hier bei smago! meine Gedanken zu einer möglichen Rückkehr der „ZDF-Hitparade“ veröffentlicht und gleichzeitig angekündigt, mir nach einigen Tagen ganz in Ruhe anzuschauen, was auf Facebook dazu an Kommentaren zusammenkommt. Nun habe ich gelesen. Viel gelesen. Und zunächst einmal: Danke! Für diese wirklich rege Beteiligung, für sehr unterschiedliche Meinungen, Erinnerungen, Einwände und erstaunlich viele konkrete Ideen.
Mein erster Eindruck: Ich hätte nicht gedacht, dass der Wunsch nach einer solchen Sendung noch immer so lebendig ist. Natürlich gibt es die große Nostalgie. Die Hitparade war für viele ein fester Termin und gehörte einfach dazu. Aber beim Lesen merkt man schnell: Es geht vielen eben nicht nur um früher. Es geht um etwas, das heute offenbar fehlt. Natürlich haben wir auch heute große Samstagabendshows, in denen Musik einen wichtigen Platz einnimmt. Aber das ist nicht ganz dasselbe. Was viele von Euch offenbar vermissen, ist diese musikalische Unterschiedlichkeit, diese vielen Facetten innerhalb des Schlagers und der deutschsprachigen Musik, wie sie die „ZDF-Hitparade“ damals ganz selbstverständlich präsentiert hat. Da standen sehr unterschiedliche Künstler, Lieder und Stilrichtungen nebeneinander. Und – dieser Punkt taucht in Euren Kommentaren wirklich auffallend häufig auf – sie war eine Bühne für Newcomer. Für neue Namen, neue Stimmen, manchmal auch für Außenseiter, die plötzlich eine Chance bekamen. Genau diese Möglichkeit scheint heute ganz besonders vermisst zu werden.
Überhaupt fand ich spannend, wie konkret manche Vorschläge geworden sind. Da wird über Live-Musik nachgedacht, über ein Jahresfinale, über eine Verbindung von Airplay, Streaming, Charts, DJs und Publikum, über alte und neue Stars, feste Plätze für Newcomer und neue Formen des Votings. Also keineswegs nur: „Bitte macht die alte Hitparade wieder.“ Bei vielen lese ich eher heraus: Nehmt das, was diese Sendung einmal ausgemacht hat, und überlegt, wie es heute funktionieren könnte. Das ist schon ein Unterschied. Und vielleicht ein ganz entscheidender. Denn auf der anderen Seite gibt es ebenso Stimmen, die sagen: Bitte versucht nicht, das Original einfach nachzubauen. Die Medienwelt hat sich verändert, die Musikbranche erst recht, und der Name „ZDF-Hitparade“ ist zu wertvoll, um daraus ein kurzes Fernsehexperiment zu machen. Auch diese Sorge kann ich sehr gut nachvollziehen.
Sehr charmant fand ich die Reaktionen auf meine Bedenken beim Thema Gewinnen und Verlieren. Einige von Euch sagen sinngemäß: Wer es überhaupt in eine solche Sendung geschafft hat, ist doch schon ein Gewinner. Ein schöner Gedanke. Fast der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles. Und tatsächlich hatte man dieses Gefühl auch damals. Ich weiß noch sehr gut, wie sehr Plattenfirmen und Managements darum gekämpft haben, ihre Künstler überhaupt in der „ZDF-Hitparade“ unterzubringen. Ein Auftritt dort war etwas wert. Sehr viel sogar. Nur – und da kommt dann meine Erfahrung aus dieser Zeit dazu – verlieren wollten sie trotzdem nicht gerne. Das gehört eben auch zur Wahrheit. Ich habe Künstler erlebt, die durchaus länger daran zu knabbern hatten, wenn sie nicht dort landeten, wo sie sich selbst, ihre Plattenfirma oder ihr Management gerne gesehen hatten. Und genau an diesem Punkt bin ich heute sogar noch skeptischer als damals. Der Druck ist größer geworden. Erfolg und Misserfolg werden heute innerhalb von Minuten öffentlich kommentiert, bewertet und manchmal leider auch genüsslich ausgeschlachtet. Social Media kommt noch dazu. Deshalb glaube ich, dass die Angst vor einem sichtbaren „Versagen“ heute bei manchen Künstlern und ihren Teams sogar noch ausgeprägter sein könnte. Vielleicht unterschätzt man das als Zuschauer ein wenig. So sympathisch und richtig ich den Gedanken finde, dass allein die Teilnahme schon eine Auszeichnung wäre: Die Menschen, die mit einem Künstler wirtschaftlich und beruflich verbunden sind, sehen einen fünften, siebten oder letzten Platz möglicherweise doch etwas weniger olympisch. Genau das wäre für mich nach wie vor eine der großen Hürden.
Dazu kommen die anderen Fragen, die auch in Euren Kommentaren immer wieder auftauchen: Wie verhindert man, dass große Fanclubs oder Social-Media-Reichweiten ein Voting dominieren? Wie bekommt man die wirklich großen Namen dazu, sich einem offenen Wettbewerb zu stellen? Wie verbindet man Fernsehen und Netz, ohne dass am Ende nur noch Followerzahlen entscheiden? Und welcher Sender wäre bereit, einer solchen Sendung die nötige Zeit zu geben? Denn auch dabei bleibe ich: Ein solches Format müsste wachsen dürfen. Wenn man es zwei- oder dreimal ausprobiert und dann beim ersten Gegenwind wieder beendet, sollte man mit dem Namen „ZDF-Hitparade“ lieber gar nicht erst anfangen.
Was mich nach all Euren Kommentaren aber besonders beschäftigt: Der Wunsch nach einer regelmäßigen, vielseitigen Schlager-Musiksendung mit echten Chancen für neue Künstler scheint erheblich größer zu sein, als ich gedacht hätte. Ob diese Sendung am Ende „ZDF-Hitparade“ heißen müsste, ist noch einmal eine ganz andere Frage. Einige möchten genau diesen Namen und dieses Stück Fernsehgeschichte zurück. Andere sagen entschieden: Lasst die Erinnerung unangetastet und schafft lieber etwas Neues. Und dazwischen gibt es erstaunlich viele Menschen, die sich eine moderne Weiterentwicklung vorstellen könnten. Genau diese Mischung aus Pro und Contra finde ich interessant.
Deshalb werde ich das Ganze auch weiter beobachten. Der Facebook-Beitrag bleibt online, Ihr könnt dort selbstverständlich weiterhin kommentieren, und ich bin wirklich gespannt, wie sich die Meinungen vielleicht noch entwickeln. Manchmal reicht ja tatsächlich schon eine Frage, um Menschen wieder auf einen Gedanken zu bringen. Mehr war das hier zunächst auch gar nicht. Diese Diskussion wird nun ganz sicher nicht dazu führen, dass morgen irgendein wichtiger Produzent oder eine Fernsehanstalt hektisch eine neue „ZDF-Hitparade“ plant. Darum ging es auch nie. Aber eines ist nach diesen vielen Reaktionen passiert: Das Für und Wider liegt ziemlich offen auf dem Tisch. Die Sehnsucht ist da. Die Ideen sind da. Die Schwierigkeiten allerdings auch.
Und sollte irgendwann tatsächlich jemand ernsthaft darüber nachdenken, so etwas noch einmal auf die Beine zu stellen, dann wären genau diese Argumente vielleicht gar nicht so uninteressant. Nicht nur die Erinnerungen und das verständliche „Ach, wäre das schön“. Sondern auch die Einwände. Die Frage nach den Künstlern, dem Wettbewerb, den Newcomern, dem Voting, der Finanzierung, der Geduld eines Senders – und letztlich die entscheidende Frage, was eine „Hitparade“ im Jahr 2026 überhaupt sein müsste, damit sie ihren Namen verdient.
Noch einmal mein herzliches Dankeschön an alle, die sich bisher beteiligt haben. Und wie gesagt: Wir machen hier keinen Schlussstrich.
HIER geht es zum Facebook-Beitrag …:
Kommentiert also gerne weiter. Ich lese weiter mit. Und bin wirklich gespannt, was da noch kommt.
Euer Uwe (Hübner)


