RALPH SIEGEL
In seiner NEUEN Autobiografie „Mehr als ein bisschen Frieden“ blickt er auf sein bewegtes Leben zurück …

… und gibt gleichzeitig aber auch einen Ausblick auf die Zukunft …:

 

 

Schon vor fünf Jahren hat einer der bedeutendsten deutschen (Schlager-)Komponisten aller Zeiten, RALPH SIEGEL, eine hoch interessante und aufschlussreiche Autobiografie vorgelegt. Da er in nunmehr fast 75 Jahren so viel erlebt hat wie ansonsten vielleicht zehn Menschen in dieser Zeit, hätte er eigentlich 700 große Seiten benötigt, um alles Wissenswerte aufzuschreiben – so steht es im „Vorwort zum Vorwort“ des Buches. Da in Buchhandlungen, auf Flughäfen und dergleichen oft aber nur wenig Platz vorhanden sei, habe er sich darauf beschränken wollen, seine ursprüngliche Biografie etwas zu kürzen und dafür neue Geschichten zu erzählen. Im Ergebnis, so SIEGEL, seien dann doch zwei Drittel neue Geschichten herausgekommen. Mit anderen Worten ist das neue Buch auf für Besitzer der vor fünf Jahren erschienenen Autobiografie interessant und lesenswert.

Laut eigener Aussage blickt RALPH SIEGEL auf ein „spannendes, aufregendes Leben mit allen Höhen und Tiefen, Ehen und Scheidungen, Hits und Flops, Freund- und leider auch Feindschaften“ zurück. Mit anderen Worten bekennt der große Komponist sich auch und gerade zu seinen Niederlagen und Misserfolgen und lässt dabei auch private Aspekte nicht außen vor.

SIEGEL geht auch in seiner neuen Autobiografie weitestgehend chronologisch vor. So startet der Rückblick im Jahr 1945, direkt in den Nachkriegsjahren Deutschlands. Der umtriebige Tausendsassa  lässt seine Leser an seinen persönlichen kindlichen teils musikalisch geprägten Erlebnissen teilhaben, vermittelt dabei aber auch spannende zeitgeschichtliche Eindrücke, indem er z. B. auf das „Wunder von Bern“ eingeht, als Deutschland 1954 überraschend Fußballweltmeister wurde. Ein weiteres Beispiel der Schilderungen des damaligen Alltagslebens ist die Nennung der diversen Zigarettenmarken der damaligen Zeit – damals war Rauchen noch gesellschaftlich anerkannt (HB-Slogan „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“).

Spannend ist auch, wie die ersten eigenen Aufnahmen des jungen Produzenten entstanden sind – damals gab es noch keine Computer, dafür aber Tonbandgeräte. Die ersten kindlich-jugendlichen Produktionen entstanden mit einem prominenten Namen. Der inzwischen leider verstorbene ROBERT JUNG sang die ersten Demos ein – in RALPHs kleinem Tonstudio im Dachgeschoss der elterlichen Wohnung. RALPHs Vater, RALPH MARIA SIEGEL, war ja selber ein bekannter und berühmter Autor und Verleger – vom Junior im Buch zumeist liebevoll „Papi“ genannt.

Sehr spannend ist allerdings eine Szene, die SIEGEL schildert, als sich das Verhältnis zu seinem Vater etwas trübte. RALPH SIEGEL senior schrieb zusammen mit niemand geringerem als UDO JÜRGENS einen Titel namens „Sonntag“, den der Junior seinem Vater freudestrahlend vorstellte – als von IREEN SHEER gesungenes Lied, von RALPH produziert. Der Herr Papa fand das wohl nicht erbaulich, weil er selber gerade den Song mit einer jungen Nachwuchsinterpretin aufgenommen hatte, was der Junior aber nicht wusste – offensichtlich eine weniger schöne Szene im Verhältnis von RALPH SIEGEL zu seinem ansonsten sehr verehrten und geschätzten Vater, der im Alter von nur 61 Jahren verstorben ist.

Übrigens – IREEN SHEER spielte noch einmal eine große Rolle im Leben des berühmten Komponisten: Für sie komponierte er seinen ersten Beitrag für den Grand Prix Eurovision – in seinem „Schicksalsjahr“ 1974: „Bye Bye I Love You“.

Interessant ist auch die Teenagerzeit, die RALPH SIEGEL teilweise in Internaten verbrachte und auch dort seinen Worten zufolge eine gute und prägende Zeit hatte. Mit 18 Jahren ging der junge Mann ins Ausland, zunächst nach Frankreich und sammelte dort insbesondere für seine Tätigkeit als Verleger wertvolle Erfahrungen und Kenntnisse. Später war er eine längere Zeit in den Vereinigten Staaten und hat dort spannende Erfahrungen insbesondere in seiner Funktion als Komponist und Produzent sammeln können, vermutlich auch ein Gespür für Melodien, die ankommen.

Mitte der 1960er Jahre lernte RALPH SIEGEL wichtige Textdichter und Mitstreiter kennen, denen er eigene Artikel gewidmet hat – für Schlagerfans sehr interessant sind da sicher Namen wie KURT HERTHA, MICHAEL KUNZE und ALEXANDRA-Entdecker FRED WEYRICH (der Vater von ISABEL VARRELLs Lebensgefährten PIT WEYRICH). Spannendes Detail: Laut RALPH SIEGEL war er in seinem Leben nur einmal als Co-Texter tätig – bei der deutschen Version von „A Whiter Shade Of Pale“ – den Text „Tränen im Gesicht“ verfasste er demzufolge zusammen mit MICHAEL KUNZE.

In seinem Buch blickt SIEGEL auch auf die damalige Medienlandschaft zurück und trauert nicht nur Sendungen wie der ZDF-Hitparade oder der „Disco“ hinterher – nein auch wichtige Shows wie „Grand Prix der Volksmusik“, „Musik aus Studio B.“, „Starparade“, „Hitparade der Volksmusik“ – all das sind Shows, die sehr wichtig dafür waren, Stars aufzubauen, aber heute eben nicht mehr existent sind.

Spannend ist auch SIEGELs erste Begegnung mit einem großen „Grand Prix“-Festival. Noch bevor er seine Leidenschaft für den heute ESC genannten Wettbewerb entdeckte, nahm er 1972 mit FRED WEYRICH in Luxemburg beim „Grand Prix des Producteuers“ teil und schnitt mit dem von MIGUEL RIOS gesungenen Song „Sonnenschein und Regenbogen“ sehr gut ab.

Für Schlagerfans vielleicht noch interessanter sind die Geschichten, die zu bedeutenden Kontakten wie PETER ALEXANDER oder REX GILDO geführt haben – aus diesen Zusammenarbeiten sind bekanntlich Meilensteine deutscher Schlagergeschichte entstanden, die bis heute unerreicht sind und wohl auch unerreicht bleiben werden. Kurios ist auch die Geschichte um JÜRGEN DREWS‘ „Bett im Kornfeld“ – ja, auch da hatte RALPH SIEGEL die Finger im Spiel, was „Onkel JÜRGEN“ übrigens in seinem aktuellen Buch auch bestätigt.

Dass RALPH SIEGEL Produzent von UDO JÜRGENS‘ einzigem Nummer-Eins-Hit „Griechischer Wein“ ist, ist unbestritten. Interessant ist RALPHs Schilderung, wie es zu diesem von MICHAEL KUNZE geschriebenen Text kam, weil sich das nicht ganz mit der Schilderung des verstorbenen UDO JÜRGENS deckt. Verbürgt scheint jedenfalls zu sein, dass die Nummer eigentlich „Sonja komm heim“ heißen sollte – und irgendwer Einspruch erhoben hat. Entscheidend ist das Ergebnis – ein Hit, der inzwischen fast Volkslied-Status hat.

Spannend ist, dass RALPH SIEGEL auch in den USA Erfolge erzielen konnte. Interessant erzählt er in seinem Buch die Zeit mit der SILVER CONVENTION, (ein Mitglied heißt übrigens LINDA G. THOMPSON und nicht THOMSON;-)) – als man mit einer deutschen Produktion auf einmal an der Spitze der US-amerikanischen Verkaufshitparade stand.

Bemerkenswert und sympathisch ist, dass RALPH SIEGEL positiv auch über seine ehemaligen Ehefrauen spricht, auch wenn er von ihnen natürlich teils schon lange getrennt ist – dennoch findet er liebenswerte und anerkennende Worte über die Frauen, die einen Teil seines Lebensweges mit ihm gegangen sind. Ähnlich verhält es sich mit den Ausführungen über seine Töchter.

Speziell für ESC-Fans dürfte die Autobiografie ein „Muss“ sein. Beispiel gefällig? Wer hätte das gewusst, dass der Grand-Prix-Beitrag 1976 („Sing Sang Song“) mit KATJA EBSTEIN produziert wurde und eigentlich KATJA EBSTEIN als Sängerin des Liedes vorgesehen war? Oder dass 1979 die Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit das Lied „Dschinghis Khan“ verhindern wollte? Spannend auch, dass KAREL GOTT einen Beitrag eingereicht hat, der vermutlich deshalb nicht genommen wurde, weil man (zurecht) annahm, dass sein Lied von RALPH SIEGEL komponiert sein könnte.

Interessant hingegen ist SIEGELs Hinweis, dass BERNHARD BRINK nicht immer beim Grand Prix, wie der das immer gerne erzählt, „verSIEGELt“ worden, sondern z. B. 1984 gegen seinen eigenen Komponisten, MICHAEL REINECKE, auf dem 2. Platz unterlag. Toll auch die Geschichte, wie es 1990 zur Zusammenarbeit mit dem JULE-NEIGEL-Produzenten RALF ZANG gekommen ist. Oder dass ANKE ENGELKE 2002 „Let’s Get Happy“ singen sollte… – „hätten Sie’s gewusst…“?

Kurios hingegen ist, dass SIEGEL die Textdichterin „ANNA RUBACH“ als „Grand-Prix-Texterin“ bezeichnet, obwohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass auch das ein Pseudonym von BERND MEINUNGER ist – spannend…

Aber auch über Schicksalsschläge wie seine Krebserkrankgung 2007, in genau dem Jahr, in dem er den Echo für das Lebenswerk erhielt, sind keine Tabuthemen für den lebenserfahrenen RALPH SIEGEL.

Wenig bekannt ist auch SIEGELs Darstellung seiner bislang letzten vollzogenen Vorentscheidungs-Teilnahme im Jahr 2016 mit dem Song „Under the Sun We Are One“. Auch wenn er es nicht so schreibt – so ein kleines bisschen schadenfroh (vollkommen zurecht!) war er dann doch über das miserable Abschneiden der damaligen Vorentscheidungssiegerin JAMIE-LEE. Zumindest zitiert er einen Spruch: „Gestern noch auf hohen Rossen, und heute durch die Brust geschossen“. Im Jahr 2019 bot SIEGEL ebenfalls einen Titel an – und kam beim NDR nicht mal in die Top-20 der Bewerber. Hier sei ein kleiner Exkurs gestattet: Wie hochnotpeinlich beim NDR die Vorauswahl inzwischen läuft, weiß man – und wer gewonnen hat, ist zwar bekannt (die „S!sters“), aber ein Jahr später erinnert sich daran so ziemlich– mit Verlaub – „keine Sau mehr“.

Sehr wichtig für den umtriebigen RALPH SIEGEL ist natürlich das Komponieren von Musicals. Seit rund 40 Jahren arbeitet SIEGEL an Musicalprojekten. Das Projekt „Clowns“, an dem er über 35 Jahre lang arbeitete, hat er offensichtlich ad acta gelegt. Dafür ist sein topaktuelles Projekt „Zeppelin“ eine echte Herzensangelegenheit.

Hohe Ehre für unser Online-Magazin smago.de: RALPH SIEGEL lobt unsere Seite und vergleicht sie mit dem nicht mehr existenten Branchenblatt „Der Musikmarkt“ – vielen Dank, dass auch wir so explizit im Buch vorkommen!

Ein sehr anrührendes neues Kapitel in „Mehr als ein bisschen Frieden“ ist mit „Wenn deine Freunde scheiden“ überschrieben. RALPH SIEGEL blickt auf Freundschaften mit vielen inzwischen verstorbenen Weggefährten wie GUNTER GABRIEL, CHRIS ROBERTS und DIETER THOMAS HECK zurück. Und wie aktuell das Buch ist, erkennt man u. a. daran, dass ein Kapitel mit – O-Ton – „Scheiß Corona-Virus“ überschrieben ist.

Auch mit seiner neuen Autobiografie beweist RALPH SIEGEL, dass er es versteht, für Schlagerfans interessante Fakten interessant zu verpacken und dabei auch wirklich viel Hintergrundwissen zu vermitteln – erstaunliches „Namedropping“ inklusive. Fans des bedeutenden Komponisten und Produzenten sei das Buch daher genau so nahe gelegt wie Freunden des seriösen Schlagers. Und wie gesagt dürften auch ESC-Fans ihren Gefallen an dem Buch findet – bis heute ist SIEGEL ein exzellenter Kenner dieses großen europäischen Musikwettbewerbs.

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