JÜRGEN DREWS
smago! exklusiv: Das Geburtstags-Interview zum 75. Geburtstag!

„Onkel Jürgen“ wird heute (02.04.2020) 75 Jahre jung!

 

 

Man fasst es nicht, aber: JÜRGEN DREWS feiert heute (02.04.2020) tatsächlich seinen 75. Geburtstag!

Bereits vor Ausbruch des Corona-Virus hatte Jürgen Drews entschieden, seinen „Halbrunden“ „im kleinen Kreise“ zu feiern.

Doch zur Ruhe setzen will er sich noch lange nicht: „Was will ich denn erreichen? Ich bin nach wie vor kreativ tätig. Ich habe einen Stock von 200 Liedern mehr oder weniger fertig und bin davon an 56 Titeln dran und mache die fertig. Ich werde eine Jubiläums-LP machen. Wie die genau aussehen wird, weiß ich noch nicht genau. Da lasse ich mich von Christine (Managerin, Anm. d. Red.) und Ramona beraten – das sind meine Beraterinnen.“.

Karriereträume im klassischen Sinn habe er nie gehabt: „Ich habe das alles nie geplant. Ich habe nie gedacht, dass ich mal singen werde. Ich war dazu viel zu schüchtern und habe es auch nie getan. Ich habe dann in der Jazz-Band, in der ich mit 14 oder 15 Jahren Banjo-Spieler war – da habe ich dann schon gesungen, weil das von den Kollegen gewünscht war. Da sang ich (singt) ‚Ice Cream – News Cream’“ von Chris Barber. Viel später habe ich überlegt, dass ich ja eigentlich immer schon auf Schlager gestanden habe. Ich habe doch diesen ‚Ice Cream‘-Song von Chris Barber gesungen habe, was nichts anderes ist als ein Dixie-Schlager in Jazzform. So bin ich da allmählich hineingeraten.

Dann kam meine Gruppe, die ich hatte – da habe ich auch mal so zwei oder drei Lieder gesungen – verdeckt, ich wollte nie nach vorne. Dann kam Les Humphries, der sagte, ich solle mein Instrument weglassen. Ich sollte kein Banjo und keine Gitarre in der Hand haben. Ich sollte vorne stehen, weil Les mich als Anchor-Man für die holde Weiblichkeit engagieren wollte, da ich nicht wie Dracula aussah. Dann habe ich meine drei oder vier Lieder gesungen und bin so in die Geschichte hineingeraten und habe dann auf einmal diese Kornfeld-Geschichte gemacht, weil mich damals Warner Bros. gebeten haben, etwas Eigenes zu machen und dann in Deutsch, was ich nicht wollte. Dann haben die mir den Text vom Bett im Kornfeld geschickt – der Rest ist Geschichte. „

 

 

 

Stimmt es, dass Ralph Siegel euer erster Produzent war und die „Anderen“, deine damalige Band, produziert hatte – als blutjunger Bursche?

 Der Chef der Plattenfirma war damals Siggi Loch. Der hat den Ralph Siegel angecheckt und ihn gebeten, seine schützende Hand über unsere Gruppe und über mich zu legen. So hat Ralph Siegel immer seine Hand über meine Entscheidungen gehalten und sein Placet dazu gegeben. Das gab der Plattenfirma eine Sicherheit, dass alles in richtigen Bahnen läuft und der Drews nicht komische Liedermacher-Nummern abliefert, sondern kommerziell ist. Im Grunde genommen denke ich ja auch kommerziell, ich wollte das nur nicht wahr haben.

Gibt es noch Kontakt zu Mon Thys, oder ist dieser Kontakt völlig eingeschlafen?

Der Kontakt ist leider eingeschlafen, obwohl ich gerne wissen möchte, was er macht, der Gerd Müller. Der ist bestimmt immer noch in den USA, schätze ich. Der hat glaube ich bei Francis, Day & Hunter gearbeitet. Vielleicht hat er sogar den ganzen Verlag übernommen? Ich weiß es nicht, ich könnte es mir von ihm durchaus vorstellen. Er ist ein hoch intelligenter Typ, auch ein toller Sänger. Mon Thys war geil und sah toll aus.

Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber auch bei Jürgen Drews gab es in den 1980er Jahren ein kleines Karrieretief. Wie sehr hat Sie diese Zeit geprägt?

Was habe ich denn in der Zeit gemacht? (Denkt nach.) Ach ja, ich bin 1979 in die USA gewandert, was auch recht gut lief. Ich war in den Charts und hatte dort auch eine tolle Gruppe. Wir haben im Umfeld von L.A. und in L.A. in den einschlägigen Clubs gespielt. Das war schon toll. Zu meinem Tief – ja, in der Zeit habe ich rumexperimentiert. Was ich damals machte, fand ich nicht so witzig. Ich blickte nicht durch, was ich machen sollte. Da hat mir u. a. Ralph Siegel geholfen, weil der von Siggi Loch angestoßen wurde. Dann kam irgendwann dieser „Irgendwann“-Titel. Im Herbst wird ein Buch erscheinen, in dem die Story zu diesem Song und überhaupt viel zu meiner Karriere drinsteht.

Für Sommer ist ja ein neues Album angedacht. Wie schwierig ist es, sich für den richtigen Titel zu entscheiden, wenn 200 Lieder in der Schublade liegen?

Wahnsinnig schwierig! Daran krankt es bei mir immer, ich kann mich da schlecht entscheiden. Ich singe dann auch Lieder, die gar nicht von mir sind, die Entscheidung ist da dann schon vorgegeben.

Wieso haben Sie die US-Karriere eigentlich damals nicht vorangetrieben? Es lief hervorragend an, Billboard hat die LP in den Himmel gelobt.

 Ich hatte damals tierische Schwierigkeiten finanzieller Art. In Deutschland hat mich die Steuer „Hops genommen“. Ich habe aber nie Steuern hinterzogen. Da waren irgendwelche Buchungen nicht richtig ausgeführt worden, ich hatte die falschen Buchführer damals. Ich hatte eine heftige Steuernachzahlung in Höhe von einer dreiviertel Millionen Mark. Das war heftig.

Wie kam eigentlich das Jürgen Drews Kultbistro „König auf Mallorca“ in Santa Ponsa zustande?

Ich bin gefragt worden von Maurice Gritzmacher, der das über meinen Namen ziehen wollte gegen Salär. Er bat mich, ihm zu helfen. Ich tauch ja hin und wieder da auf. Es ist quasi ein kleines Drews-Museum. Ob das noch weiter geht, weiß ich nicht. Wobei ich auch überlegt habe – was mache ich mit den ganzen Bildern, wenn es das Bistro mal nicht mehr gibt? Vielleicht gibt es ja jemanden, der das irgendwann weiterführen will.

Wie geht es im nächsten Jahr auf Mallorca weiter in dieser Saison?

Es wird etwas reduzierter sein.

Wie hält man als Nicht-Alkoholiker diesen Wahnsinn auf Mallorca aus?

Ich weiß es eigentlich auch nicht. Aber es macht mir komischerweise immer noch Spaß. Ich stöhne zwar immer, weil das immer noch meine Playback-Jobs sind. Sonst spiele ich hauptsächlich mit Band. Ich hatte zwar vor, zum Ende der Saison mal mit Band dahinzugehen – aber es lohnt sich ja gar nicht. Wo soll ich da auftreten? In der Mega-Arena? Die ist sowieso immer brechend voll. Mit Band müsste ich da wohl noch Geld dazugeben.

Kann man im Rückblick sagen, dass die Bezeichnung „König von Mallorca“ die Lebensversicherung für Jürgen Drews war? Dass es so eine Trademark wird, konnte man wohl nicht erahnen, als Thomas Gottschalk diese Bezeichnung erfand?

Es war ja so, als der Titel mir zugeschickt wurde, hatte ich mit „Wieder alles im Griff“ ja schon einen richtigen Hit, auf den allerdings der Rundfunk nicht eingestiegen ist, z. B. Bayern3 oder Bayern1 – die fanden das nicht gut, weil es kein richtiger Schlager, sondern Partymusik war. Das ging nur über Discotheken und Auftritte – dass sich das langfristig ganz allmählich als Hit entwickelte. Ich erinnere mich, wie Ramona mir einen Latte Macchiato ins Studio brachte, als ich das gerade fertig war. Als ich das fertig hatte, meinte sie, ich solle den „Schrott wegschmeißen“. Das waren ihre Worte.

Als man mir den „König von Mallorca“ zuschickte, fand ich das Stück selber scheiße. Da waren noch Textpassagen bei wie „die Schinkenstraße ist mein zu Hause“ und „da lebe ich“ – und eben „Ich bin der König von Mallorca“ bei – puh, fand ich das bescheuert. Als ich das Ramona vorspielte, ist sie grün und blau angelaufen. Sie meinte, warum ich ihr so einen hanebüchenen Schrott vorspiele. Ich habe dann aber schlecht geschlafen und habe das mit „Schinkenstraße zu Hause“ mal aufgenommen. Und mir dann gesagt – das kann so nicht bleiben, ich habe das auf der LP versteckt und habe den Text der Verse geändert – so, wie er heute ist. Das Ding entwickelte sich dadurch komisch, weil RTL daraus eine Geschichte machen wollte. Ich wurde am Starnberger See versenkt und kam auf Mallorca mit dem Umhang wieder heraus.

Kann man schon beziffern, wann die Tour mit Live-Band starten wird?

Ich denke, erst im Frühjahr 2021. In diesem Jahr bin ich ja erst mal mit Florian Silbereisen auf Tour. Aber darauf freue ich mich. Das ist anstrengend – wir machen ja über zwei Stunden. Wir mussten das sogar noch etwas kürzen.

 

 

Foto-Credit: Moritz „Mumpi“ Künster

Textquelle/Bildquelle:
Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de

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