IRMA HOLDER
Der Deutsche Textdichter Verband (DTV) trauer um Irma Holder!

Bewegende Abschiedsworte u. a. von Jean Frankfurter!

Am 16.08.2019 ist eine der profiliertesten deutschen Textdichterinnen der letzten Jahrzehnte und ein langjähriges hochgeschätztes DTV-Mitglied verstorben: IRMA HOLDER 1925 in Wald in der Oberpfalz geboren, lebte sie zuletzt zurückgezogen in Gärtringen in Baden-Württemberg.

Seit fast 50 Jahren war die gelernte Bankkauffrau fester Bestandteil der Schlagerbranche. Nach ersten Erfolgen mit Monica Morell (u.a. „Später – wann ist das?“) schrieb Irma Holder äußerst erfolgreiche Titel für Stars wie Howard Carpendale („Hello again“, „Shine on“, „Samstag nacht“, „Es war nichts los heut Nacht“), Udo Jürgens („Der gekaufte Drachen“, „Ist das nichts“), Andrea Berg („Du hast mich tausendmal belogen“, „Vielleicht ein Traum zu viel“), Helene Fischer („Mitten im Paradies“, „Und morgen früh küss ich dich wach“, „Hundert Prozent“), Roy Black („California blue“, „In Japan geht die Sonne auf“), Karel Gott („Hinter der Sonne“), Die Paldauer („Tanz mit mir, Corinna“, „Der erste Tag nach der Ewigkeit“), Michelle („Wie Flammen im Wind“, „So was wie Liebe“) oder Patrick Lindner („Die kloane Tür zum Paradies“ und alle Hits der ersten zehn Jahre), dessen aktuelles, erst im Juli diesen Jahres erschienenes Album wohl ihre letzten Veröffentlichungen enthält.

Im volkstümlichen Schlager war sie für die Kastelruther Spatzen („Der rote Diamant“, „Eine weiße Rose“), Stefanie Hertel („Über jedes Bacherl geht a Brückerl“ und fast alle weiteren Hits), das Nockalm Quintett, Marianne & Michael („Wann fangt denn endlich d’Musi an“, „Die Zeit der Gummibärchen“), Anita und Alexandra Hofmann und viele weitere Künstler tätig. Besonders fruchtbar und erfolgreich verlief ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Produzenten und Komponisten Jean Frankfurter, die Mitte der 80er Jahre begann (der im Frühsommer verstorbene Costa Cordalis hatte die beiden miteinander bekannt gemacht) und aus der Hunderte von Liedern hervorgingen.

Der Erfolgsproduzent erlaubte dem DTV die Veröffentlichung folgender Zeilen:

„Ich war tief bestürzt, als ich von Irma Holders Tod erfuhr. Sie war ein ganz wichtiger Teil meines Berufslebens und eigentlich unsterblich.

Ihre Klugheit, ihr Charme, ihr Witz und einfach ihre Genialität haben mich soviele Jahre begleitet und verzaubert. Wir haben unglaubliche Dinge zustande gebracht und ihre immer gut gemeinten Ratschläge werden mir sehr fehlen. Aber ihre wunderbaren Texte werden weiterleben und an ihr großes Talent erinnern.“

Jean Frankfurter. 

Unzählige Gold- und Platinauszeichnungen sowie 380 Chartnotierungen zeugen von Irma Holders Schaffen und ihrer Beliebtheit bei Kollegen, Künstlern und Publikum. 1990 gewann sie den Edelweiss-Award, 1992 den Grand Prix der Volksmusik, 1998 die Krone der Volksmusik und 2017 wurde Irma Holder schließlich von der GEMA verdientermaßen mit dem Deutschen Musikautorenpreis geehrt. Persönlich konnte sie den Preis leider damals schon nicht mehr entgegen nehmen – so überbrachte ihn ihr langjähriger Freund und Künstler Patrick Lindner. In einem Videogruß dankte sie der Jury und sagte: „Mir sehn uns amoi woanders wieder, gell? Tschau!“ Ein Abschiedsgruß, der sogar dem ansonsten eher nüchtern durch den Abend führenden Max Moor ein Schmunzeln entlockte. Dass es zu einem solchen Wiedersehen mit den Kollegen nicht mehr kommt, ist nun traurige Gewissheit. Dass das Grußwort aber den typisch nüchternen, geradlinigen Holder-Stil hatte, belegen zahlreiche Zitate der in ihren Songtexten ausgesprochen emotional und seelenvoll formulierenden Textdichterin.

So schreibt Musikerlegende Ralph Siegel in seiner Autobiographie:

Irgendwann vor ein paar Jahren traf ich sie auf einer ‚Vorentscheidung zum Grand Prix der Volksmusik‘ und meinte fröhlich: „Na, Irma – ist doch toll, dass wir immer noch dabei sind!“, worauf Irma mir wörtlich antwortete: „Ralph – dabei sein ist Scheiße, nur g’winna is schee.“ Diesen Satz werde ich nie vergessen. 

Und auch das hier sind Original-Zitate von Irma Holder:

„…und da steh ich beim Udo Jürgens am Klavier, und es liegt voll mit weißen Blättern mit Texten drauf. Da hab ich zu ihm gesagt, wenn ich ihnen jetzt einen Text schicke, dann erkennen sie ja gar nicht, dass der von mir ist, bei dem ganzen weißen Papier. Ich schick ihnen gelbes*.“

„Ich hab in mei’m Leben noch keinen Geburtstag gefeiert. Alles mit mehr als drei Leuten is für mi furchtbar.“

„Meine Enkel haben gemeint, ich bräucht einen Computer. Also hab ich mir einen Computer gekauft, hab den einmal angeschaltet und wieder aus. Dann hab ich zu meinen Enkeln gesagt: Nehmt’s des Scheißding. I brauch des net.“

* Seitdem schrieb Irma Holder alle ihre Texte auf der Schreibmaschine auf gelbem Papier.

Bei allen Erfolgen stand sie nie gern selbst im Rampenlicht, sondern hielt sich stets bescheiden im Hintergrund und ließ Andere glänzen. Für viele AutorInnen der jüngeren Generation war sie eine Inspiration. Auch DTV-Vizepräsident Tobias Reitz erinnert sich gern an die prominente Kollegin:

Irma Holder war jahrelang mein Vorbild. Dass wir in meinen ersten zehn Jahren gemeinsam im Team von Jean Frankfurter gearbeitet haben, war für mich… wie soll ich es nennen: groß! Sie hat mich nachhaltig geprägt. 

Der Deutsche Textdichter-Verband wird Irma Holder ein ehrendes Andenken bewahren.

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