HOWARD CARPENDALE
smago! top-exklusiv: „Ein neues Album mit ganz neuen Titeln kann ich mir im Moment nicht vorstellen!“!

Das große Exklusiv-Interview mit Howard Carpendale!

 

 

Herr Carpendale, sogar Ihre 4,38 kg schwere Werkschau „Das Werk meines Lebens“ (46 CDs, 6 DVDs, 52-seitiges Booklet und „Symphonie meines Lebens 1 & 2“ auf 2 LPs) hat es auf Platz 50 der Midweek Trend Charts geschafft. Hätten Sie damit gerechnet, dass Sie es auch mit dieser oppulenten Box, die immerhin rund € 200,00 kostet, in die Offiziellen Deutschen Charts schaffen? 

Nein.  Es ist auch etwas ganz anderes für mich: Es ist ein Geschenk von meiner Plattenfirma, die das ziemlich geheim gehalten hat. Und die Tatsache, dass sie nur eine limitierte Version von 2.000 Stück gemacht haben, finde ich sehr, sehr schön. Das heißt, es bleibt ein ziemlich rares Objekt. Und das ist etwas, was mir sehr gefällt. Es war klar, dass diese Box bei diesem Preis keine allzu große Rolle in den Charts spielt.

Stellen Sie allgemein fest, dass Sie durch die „Symphonie meines Lebens“ ganz anders wahrgenommen werden in der Musikwelt, dass Sie vielleicht auch ein ganz neues Fan-Klientel für sich erschlossen haben?

Ja. Und ich stelle auch fest, dass viele Menschen jetzt ein ganz anderes Bild von mir haben. Ich meine, das mit der Unterhaltungsmusik ist immer so eine Sache in Deutschland. Unterhaltungsmusik wird gerne als ein bisschen ‚unterbelichtet‘ abgetan. Aber die Tatsache, dass ich jetzt mit dem Royal Philharmonic Orchestra singe, sehen viele als große Sache. Und ich bekomme sehr viel Respektbekundungen von Menschen, die meine Musik zwar wahrgenommen haben, aber durch diese beiden Alben ist schon irgendwas passiert, ja.

Das Interessante ist ja, dass selbst das Feuilleton sich auf einmal – respektvoll – mit Ihrem Werk beschäftigt und Sie sogar richtiggehend in den Himmel lobt. Es sind zum Teil die gleichen Kritiker, die noch vor einiger Zeit die Nase über Sie gerümpft haben, ohne jemals eine Live-Show von Ihnen gesehen zu haben. Wie nehmen Sie diese Entwicklung wahr?

Ich freue mich sehr darüber. Das ist schön. Der Grund, warum Menschen so ‚verrückt‘ sind, auf eine Bühne zu gehen und sich zu öffnen, ist, weil sie ein bisschen süchtig sind nach Respekt. Es geht nicht um Applaus oder so was. Wer seine Musik als Leidenschaft sieht, der hat es schon gerne, wenn Menschen sagen: ‚Da ist was, das qualitativ sehr, sehr gut ist‘.

Hat sich der KOMPONIST Howard Carpendale eigentlich zur Ruhe gesetzt? Seit 2013 LASSEN SIE SCHREIBEN. Wie kommt’s? Schließlich haben Sie viele Ihrer großen Klassiker selbst geschrieben …

Die Musikbranche hat sich über die Jahre sehr geändert. Ich war mir in den 70er, 80er und vielleicht einen Teil der 90er Jahre ziemlich sicher, was erfolgreich sein kann. Ich glaube immer noch, dass ich erkenne, wenn ein Lied besondere Qualitäten hat. Dieser Wechsel in den letzten Jahren – seit es Streaming gibt – ist menschlich. Ich lasse lieber junge Leute arbeiten und ich arbeite auch sehr gerne mit jungen Menschen. Gerade, wenn es um Texte geht, haben die eine ganz andere Perspektive als ich.

Die „Das Werk meines Lebens“ enthält jeweils „Symphonie meines Lebens 1 & 2“ EXKLUSIV auf 2 Vinyl-LPs. Sind Sie selbst auch ein Vinyl-Fan?

Ich habe mir das immer gewünscht, ja. Wir kommen mehr an einen Punkt, wo man überhaupt nichts mehr in der Hand hat, wenn man seine Musik hört. Das finde ich schade. Es war schon immer ein besonderes Erlebnis, in ein Geschäft zu gehen und ein Album, manchmal ein Doppelalbum, dieses auszuklappen, zu lesen und Bilder zu gucken. Das fand ich schon sehr schön.

Inwieweit haben Sie selbst an dieser Box mitgewirkt? 

Es war fast eine Bedingung von mir: ‚Ich will damit nichts zu tun haben‘. Weil: Die Plattenfirma hat gesagt, wir würden dir gerne ein Geschenk machen zu deinem Geburtstag und zu der langen Zeit, die du mit uns zusammenarbeitest. Und da habe ich gesagt: ‚Ein Geschenk ist ein Geschenk. Da will ich nichts mit zu tun haben‘. Umso größer war die Überraschung, als die Box bei mir ankam.

Ihre ersten Aufnahmen haben Sie ja bei RCA Victor gemacht. Was ist eigentlich mit DIESEN Aufnahmen? ‚Endless Sleep‘, Ihre erste Single (1963), gab es noch nie in der Originalversion auf CD, sondern nur in der Neuaufnahme. Von den anderen Singles und EPs ganz zu schweigen. Besteht da Hoffnung für die Fans, dass die vielleicht auch irgendwann mal auf irgendeiner Raritäten-CD verkoppelt werden? 

Die Frage ist, ob die Aufnahmen überhaupt noch existieren. Ich war nie ein großer Sammler. Ich habe neulich ‚Endless Sleep‘ gehört. Jetzt weiß ich nicht, ob das die Originalversion war. Ich nehme es fast an. Ich habe den Song eigentlich nicht neu gesungen, soweit ich weiß. Ich bin kein Vergangenheitsmensch. Ich sitze heute hier und frage mich: ‚Wie geht es dieses Jahr weiter?‘.

Am 1. Januar 2021 hat RTLplus alle 13 Folgen der Serie „Matchball“ wiederholt. Welche Erinnerung haben Sie daran?

Es war herrlich, diesen Luxus zu haben, ein bis zwei Minuten am Tag zu drehen. Das gibt es heute überhaupt nicht mehr. Selbst Schauspieler mit großen Namen drehen heute 20 Minuten am Tag. Das klingt nach sehr wenig. Aber das ist eine Menge Arbeit, bis die neue Set-Szenerie aufgebaut ist. Wir hatten die Möglichkeit, alles ganz,ganz in Ruhe zu drehen. Es hat acht Monate gedauert und das war schon eine unglaubliche Erfahrung. Wir waren in wunderschönen Locations in Frankreich und in Miami. Ich denke sehr gerne daran zurück. Ich wünsche mir im Rückblick nur, dass ich bei ‚Matchball‘ so weit gewesen wäre wie bei ‚Lebe dein Leben‘, da fühlte ich mich schon ein bisschen sicherer vor der Kamera als damals. Aber ich bin selber gespannt. Ich habe ‚Matchball‘ seit zwanzig Jahren nicht mehr angeschaut.

Was den Live-Bereich betrifft, kann man im Moment wirklich nur spekulieren. Wagen Sie aktuell eine Prognose? 

Wir haben große Hoffnung für Herbst dieses 2021. Ob es in der Form sein wird, wie es mal war, kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Ich finde es allerdings schlimm und ärgerlich, dass eine der umsatzstärksten Branchen in Deutschland einfach zur Seite geschoben und völlig ignoriert wird.

Nun haben Sie mit der ‚Symphonie meines Lebens‘, auch was die Verkäufe betrifft,  die Messlatte, wieder extrem hochgesetzt. Können Sie sich vorstellen, trotzdem vielleicht mal in Richtung neues Album zu denken, wenn die Pandemie vorbei ist? Oder ist das „Das Werk meines Lebens“ jetzt für Sie abgeschlossen?

Ich habe vor ein paar Wochen einen Titel selber geschrieben, den ich als sehr, sehr vielversprechend empfinde. Jetzt muss der Song betextet werden. Ich finde, das Ende dieser Pandemie ist ein Thema, das man mit sehr viel Gefühl und Sentimentalität besingen kann.

Aber ’neues Album oder nicht‘ – das ist eine Frage, die ich mir selber jeden Tag stelle. Und ich keine richtige Antwort im Moment habe. Es ist im Grunde genommen inzwischen eigentlich ein Superluxus, wenn man zwölf Titel raus gibt. Ich war immer der Meinung, dass ein Album aus vier, fünf Top-Titeln besteht, während die anderen Songs nicht mehr die Qualität haben, wenn man jedes Jahr ein neues Album herausbringt. Insofern würde es mich sehr freuen, wenn es eine Möglichkeit geben würde, VIER Titel in Form einer EP zu veröffentlichen. Ein neues Album mit ganz neuen Titeln kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Nein.

Dass sich Teil 1 der ‚Symphonie meines Lebens‘ so lange in den Charts gehalten hat, freut mich persönlich sehr. Und ich gehe davon aus, dass ich fast über das gesamte Jahr 2021 mit der ‚Symphonie meines Lebens 2‘ zu tun haben werde, wenn es ähnlich läuft wie bei der ‚1‘. Über neue Aufnahmen nachzudenken, wird ohnehin wahrscheinlich eine Sache für 2022 oder später.

 

 

BITTE BEACHTEN SIE: In der kommenden Ausgabe der STADLPOST (#1 / 2021) finden Sie eine tolle Doppelseite über Howard Carpendale und die ‚Bilder seines Lebens‘. Die neue STADLPOST ist ab kommendem Dienstag, den 19.01.2021 erhältlich.

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