HEINO mit YURY REVICH und FRANZ LAMBERT
smago! Konzert-Kritik: Ganz große Klassik: „Heino goes Klassik – Ein deutscher Liederabend“!

„Königin Hannelore“ brachte es nach dem Konzert auf den Punkt: „Er hat es gut gemacht, d’rum wird er auch nicht ausgelacht!“!

 

 

Prelude 1. „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“. Ganz Deutschland lachte im April 2021 über die Provinzposse, die sich Tonhallen-Intendant Michael Becker mit der Boulevardpresse lieferte, als er nämlich den Untertitel der Tournee „Heino goes Klassik“ – „Ein deutscher Liederabend“ – verteufeln zu glauben durfte. „Es geht hier um die Bezeichnung eines Liederabends als deutsch. Das bezieht sich dann auf die Form des Konzerts und nicht auf den Inhalt“, schwadronierte er. Doch nicht nur der ‚Claim‘ „Ein deutscher Liederabend“ war besagtem Herrn Becker ein Dorn im Auge, auch die Aufmachung der Werbeplatte waren ihm zu „tümelnd“. Schließlich musste sich sogar Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller in die Debatte einschalten und im Oberstübchen des Herrn Michael Becker für Recht und Ordnung sorgen: „Ich sehe in dem Plakat von Heino keinerlei nationalistische oder ähnliche Tendenzen und teile die Kritik daran nicht”, stellte er unmissverständlich klar.

Heinos Manager Helmut Werner reagierte souverän-überlegen-gelassen auf das – mit Verlaub – Dummgeschwätz von Herrn Becker: „Wir sind nicht nachtragend“, gab er zu Protokoll. Und führte des Weiteren aus: „Die Diskussion war sehr wichtig. Wir dürfen das Wort ‚deutsch‘ nicht den Rechtspopulisten überlassen und nicht in die Nähe von Hetze rücken“. während Heino selbst die Welt nicht mehr verstand. „Bin ich ein Hetzer, weil ich deutsche Lieder von Brahms und Schubert singe? Geht’s eigentlich noch?“, echauffierte sich der blonde Barde mit der schwarzen Brille in der „BILD“ Zeitung. „Soll das Wort ‚deutsch‘ jetzt auch schon rechtspopulistisch sein? Das entbehrt doch jeglicher Logik und jedem klaren Verstand!“.

Prelude 2. Eigentlich haben sich Heino und Helmut Werner nicht nur dafür, dass sie den Tour-Termin in der Tonhalle Düsseldorf gespielt haben, sondern ALLE Termine der Tournee „Heino goes Klassik – Ein deutscher Liederabend“ stattfinden lassen (, wenngleich unter veränderten Rahmenbedingungen …), den smago! „Trau‘ dich Award“ verdient. Heino selbst war sich nicht zu schade dafür, ALLE Tour-Städte im Vorfeld persönlich zu besuchen, um klarzustellen, dass die Termine stattfinden werden. Im Wissen, dass – in diesen Zeiten – nicht alle Konzerttermine ausverkauft sein werden. Und dennoch hat man alles schier Unmögliche möglich gemacht, so dass die Tournee nur ein einziges Mal verschoben werden musste und am 27. September 2021 in Leipzig starten konnte.

Franz Lambert eröffnete das Programm mit der „3. Sinfonie Es-Dur op. 97“ – auch „Rheinische Sinfonie“ genannt  von Robert Schumann“. Franz Lambert, der bereits 1969 in der TV-Sendung „Zum Blauen Bock“ erstmalig gegenüber einem Millionenpublikum vorstellig wurde, bringt es tatsächlich fertig, trotz seiner nunmehr auch immerhin 73 Jahre so auszusehen wie vor fünfzig Jahren. Und damit ist NICHT gemeint, dass er vor fünfzig Jahren so „alt“ aussah wie heute, sondern vielmehr, dass er – mit seiner legendären Pudel-Frisur – bis heute so aussieht wie vor fünfzig Jahren …

Dann betrat die 31-jährige Schauspielerin („Verbotene Liebe“) Nicole Mieth auf die Bühne. (Sie führt durch das Programm „Heino goes Klassik – Ein deutscher Liederabend“ und erinnert in ihrem Moderations-Stil ein bisschen an Christin Deuker, welche die „Schlager-Legenden“ präsentiert.)

„Ich kann Ihnen versprechen: Es wird wunderbar“, sagte sie gleich zu Beginn und – übertrieb damit nicht. „Einer der virtuosesten Organisten unseres Landes wird uns heute Abend begleiten und unseren Solisten mit seinem ‚Traumorchester‘ einen Klangteppich bereiten, der einen größerem Orchester nur wenig nachsteht.“ Mit den Solisten meinte sie einen Pianisten, einen Gitarristen, den man glatt mit Angelo Kelly hätte verwechseln können, sowie die zwei bezaubernden Chor-Sängerinnen.

Dann sagte sie den Mann an, der am 13.12.1938 in Düsseldorf-Oberbilk zur Welt gekommen war: HEINO !!!

Heino erläuterte, nachdem er seine „lieben Freunde“, sein Publikum, in seiner Geburtsstatt begrüßt hatte, zunächst einmal das (neue!) Konzept der Tournee: „Ich werde mich am heutigen Abend etwas mehr auf das Singen konzentrieren. Aus diesem Grund habe ich mir für meine Klassik-Tournee 2021 mal etwas gegönnt, für das mich die Herren hier im Publikum sehr wahrscheinlich beneiden werden. Der eine oder andere wird sie vielleicht erkannt haben. Ich möchte sie Ihnen trotzdem noch mal vorstellen. Diese junge, hübsche Dame kann mit Worten viel besser umgehen als ich. Ich freue mich, dass du an meiner Seite bist.“ Nicole Mieth bedankte sich bei den anwesenden Zuschauern: „Danke, dass Sie uns Ihr Vertrauen schenken“ und stellte klar „Wir von uns aus sagen nichts ab!“.

Heino begann sein Programm mit „Es war AM Anfang“ – einem Song, der EIGENTLICH „Es war IM Anfang“ hieß, von Heino jedoch aufgrund der besseren Singbarkeit in „Es war AM Anfang“ umgetextet wurde. (Die vollständige Geschichte des Liedes „Es war im Anfang“ können Sie HIER nachlesen!)

Im Anschluss führte Heino weiter aus: „Meine lieben Freunde, der Wunsch, Klassik zu singen, war immer schon in mir und ich habe in mir teilweise schon in meinen Kirchenkonzerten 2009 – 2014 erfüllen können. Doch die beschränkte Größe vieler Kirchen hat uns auf den Gedanken gebracht, ein erweitertes Klassikprogramm mit Sinfonieorchester in die schönsten und größten Konzerthallen des Landes zu bringen. Aber, wie Nicole bereits schon gesagt hat, hat uns Corona einen dicken Strich durch die Planung gemacht. Doch wir Menschen wachsen ja auch an unseren Problemen, die uns das Schicksal manchmal gnadenlos auf den Weg legt. Also heißt es mal wieder: Ärmel hoch krempeln und das Beste daraus machen.“

Was folgt, ist ein Musikstück von Wolfgang Amadeus Mozart – „Es ist ist zu spät für ein neues Leben“ („Das war immer schon ein Lebensmotto von mir“). Kein Geringerer als Drafi Deutscher hatte sich 1991 zunächst für den New Mixed Emotions Titel „No Smoke Without A Fire“ relativ ungeniert an diesem Musikstück von Wolfgang Amadeus Mozart bedient und noch im gleichen Jahr in der deutschen Fassung „Halb so schlimm“ mit seiner Ex-Frau Isabel Varell abgerechnet.

Der dritte Song – „eine Verbeugung vor meiner Frau Hannelore, ohne die mein Leben und meine Karriere nicht denkbar gewesen wäre“: „Das ist ein Lied nur für dich“.

Mit der Arie des Königssohnes aus der Oper „Schwarzer Peter“ („Ach, ich hab in meinem Herzen da drinnen …“), welche am 06.12.1936 in der Hamburgischen Staatsoper üraufgeführt wurde, setzte Heino sein Klassik-Programm fort. „Niemand weiß genau, wo sich in uns Menschen die Seele befindet“; philosophierte der 82 Jahre junge Heino. „Im Kopf? Die Romantischen unter uns dem Widersprechen vermuten die Seele in unseren Herzen.“ (Er selbst zähle sich zu den „Romantischen“.)

Nach dieser Arie geht Heino von der Bühne ab, Nicole Mieth übernimmt und sagt DEN österreichischen Stargeiger russischer Herkunft an – YURY REVICH, „der seine Bestimmung zur Musik bereits im Alter von 6 Jahren gefunden hat. Und bereits in diesem Alter fand er seine erste Freundin: die Violine. Und die hat er bis heute nicht mehr los gelassen. Das ist natürlich super für uns Musikfreunde. Wir sind unglaublich stolz, ihn dabei haben zu dürfen.“ Und: Nicole Mieth kündigt „drei unterschiedliche Musikstücke aus der Welt der Klasse“ an, die Yuri Revich auf seiner auf ca. 7 Millionen EUR Wert geschätzten Stradivari vorträgt (beziehungsweise nahezu „säbelt“). Begleitet wird er von dem Pianisten (und musikalischen Direktor) Berthold „Bert“ Matschat, der bereits mit Paul Kuhn, der WDR Big Band Köln, dem WDR Rundfunkorchester sowie Peter Kraus, Udo Jürgens, Shirley Bassey, Al Martino und Howard Carpendale gearbeitet hat).

Nach einer Variation aus „Carmen“ folgt mit „Salut d’Amour“ ein „Liebesgruß“ des englischen Komponisten Edward Elgar (1857 – 1934) sowie ein eigenes Werk: „Der Komponist heißt Yury Revich. Und der ist auch heute anwesend“, wie der 30-jährige Top-Virtuose anmerkt. Auch Yury Revich bedankt sich bei Tour-Veranstalter  Helmut Werner („ER hat das ermöglicht“).

Erneute „Wachablösung“ auf der Bühne. Heino übernimmt wieder das Ruder und schmettert das „Ave verum Corpus“ („eine der berühmtesten Kompositionen Mozarts“), das Wolfgang Amadeus Mozart 1791 ein halbes Jahr vor seinem Tod geschrieben hat.

Dem Dichter Moralphilosophen Christian Fürchtegott Gellert (1715 – 1769) – nicht etwa verwandt oder verschwägert mit Christian Geller – ist der Text zu „Die Himmel rühmen“ zu verdanken, der 1803 von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) vertont wurde. (Der ursprüngliche Titel lautet eigentlich „Die Ehre Gottes aus der Natur“.) In jedem Fall war „Die Himmel rühmen“ „eines der bekannten geistlichen Lieder seiner Zeit“ und ist es bis heute geblieben.

„Ich möchte mir jetzt eine Gitarre ausleihen“ – für den letzten Song vor der Pause, so Heino, – der Trauerarie von Friedrich von Flotow für seine Oper „Martha“. Musikalische Unterstützung erfährt Heino zudem auch durch Yury Revich.

Nach rund 55 Minuten Programm folgt eine gut 20-minütige Pause.

Spätestens im zweiten Programmteil, der sogar noch ein bisschen länger als der erste, verwischt Heino jegliche Grenzen zwischen „E“- und „U“-Musik. Auch Franz Lambert (sensationell: sein „Hummelflug“ und seine „Dornenvögel Rhapsodie“) und Yury Revich präsentieren sich auch in der zweiten Programmhälfte in Höchstform.

Selbstverständlich schüttelt Heino weitere Klassik-Klassiker aus dem Ärmel, darunter selbstverständlich auch „Teure Heimat“ (im „Duett“ mit Yury Revich) oder – gegen Programmende – „Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein“ oder „Guten Abend, gut‘ Nacht“. Auch das etwas ‚modernene‘ „Schwalbenlied“ darf nicht fehlen. Genussvoll kündigt Heino jedoch auch „zeitgenössische Volkslieder“ wie „Junge“ (Die Ärzte würden grün vor Gift anlaufen …) oder „Vogel der Nacht“ von Stephan Remmler an.

Und da Heino seit jeher – zur großen „Freude“ von Freddy (Quinn) – auch liebend gerne Seemannslieder singt, erklingen im Rahmen der Tournee „Heino goes Klassik – Ein deutscher Liederabend“ auch „La Paloma“ und „Seemann, lass das träumen“ (, wobei Lolita, die bürgerlich im Übrigen Edith (Ditta) Einzinger hieß, eigentlich Österreicherin war, aber „La Paloma“ wurde ja auch von einem Spanier namens Sebastián de Yradier geschrieben. Aber ganz so genau wollen wir es jetzt mal nicht nehmen … Der Legende nach wurde „La Paloma“ bereits im Jahre 1863 zum ersten Mal öffentlich zu Gehör gebracht.)

Als „Zugabe“ gibt Heino in der altehrwürdigen Tonhalle dann noch ein „Wunschkonzert“ und bringt tatsächlich auch noch einige seiner großen Hit-Klassiker wie „Die schwarze Barbara“, „Karamba, Karacho, ein Whisky“, „Monikana Shalali“ sowie natürlich „Blau blüht der Enzian“. Auf das deutsche Volkslied „Schwarzbraun ist die Haselnuss“, dessen Ursprung bis auf Ende des 18. Jahrhunderts zurück reicht, warten die Heino-Fans jedoch vergebens. Möglicherweise wäre die schwarzbraune Haselnuss dann selbst für einen „deutschen Liederabend“ ein Stück weit „zu deutsch“.

Gleich zweimal verabschiedet sich Heinz-Georg Kramm als „Ihr Ihnen stets treu ergebener Heino“.

Obwohl er in wenigen Wochen seinen 83. Geburtstag feiert, ist er noch immer fit wie ein Turnschuh. Um genau zu sein: sogar noch fitter als zwei Turnschuhe. Denn Heino begibt sich – unmittelbar nach Konzertende, ohne jede Pause (!) – direkt an den Autogrammstand (passender Weise ist just am 08.10.2021 auch die CD zur Tournee erschienen), schreibt sich schier die Finger wund, teilt Autogrammkarten aus, macht bereitwillig alle „Selfies“, hat für jeden Fan ein nettes Wort parat und – verströmt die Aura eines Jungbrunnens!

Selbst die sonst so gestrenge Hannelore, mit der Heino seit 1979 (skandalfrei!) verheiratet ist, fühlte sich von ihrem Mann und seinem Programm „Heino goes Klassik – Ein deutscher Liederabend“ bestens unterhalten:

„Er hat es gut gemacht,
d’rum wird er auch nicht ausgelacht!“,

 

sagte sie nach dem Konzert in kleiner, geselliger Runde.

Und darum: Salute und weiterhin alles Gute!

 

PPS: Michael Becker glänzte am 08.10.2021 durch Abwesenheit. Er habe einen Termin in Berlin wahrnehmen müssen. Möglicherweise hätte er seinen Intendanten-Job noch am selben Tag an den Nagel gehängt, wenn er gesehen hätte, wie sehr sich das gesamte Tonhallen-Team über das Gastspiel von Heino mit Yury Revich und Franz Lambert i n der Tonhalle Düsseldorf gefreut hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „HEINO mit YURY REVICH und FRANZ LAMBERT <br>smago! Konzert-Kritik: Ganz große Klassik: „Heino goes Klassik – Ein deutscher Liederabend“!

  • 11. Oktober 2021 um 19:55
    Permalink

    Danke für diese großartige Konzertkritik. Der Autor spricht mir aus der Seele. Genauso habe ich den Tournee-Auftakt in Leipzig wahrgenommen. Ein großartiger Heino im genialen Zusammenklang mit einem großartigen Yury Revich und und einem großartigen Franz Lambert. Oder kurz gesagt: Klassik mit Klasse!

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.

9 + 1 =

Diese Webseite benutzt Cookies. Aktuell sind Cookies, die nicht essentiell für den Betrieb dieser Seite nötig sind, blockiert. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind nur auf essentielle Cookies eingestellt. Um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. essentielle Cookies: PHP Session - Dieses Cookie ist nötig für die Funktion der Seite um wichtige Informationen an folgende Seiten weiterzugeben. nicht essentielle Cookies - Der Seitenbetreiber hat diese Cookies genehmigt, Sie sind sie jedoch deaktiviert: YOUTUBE-Videos - Beim Einblenden der Youtube-Videos werden Cookies von Youtube/Google als auch deren Partner eingebunden. Youtube und deren Partner verwenden Cookies, um Ihre Nutzererfahrung zu personalisieren, Ihnen Werbung basierend auf Ihren Interessen anzuzeigen sowie für Analyse- und Messungszwecke. Durch das Einblenden der Videos und deren Nutzung stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu, die in der Cookie-Richtlinie auf https://policies.google.com/privacy?hl=de näher beschrieben wird. Spotify-Playlist - Beim Einblenden der Spotify Playliste werden Cookies von Spotify als auch deren Partner eingebunden. Spotify und deren Partner verwenden Cookies, um Ihre Nutzererfahrung zu personalisieren, Ihnen Werbung basierend auf Ihren Interessen anzuzeigen sowie für Analyse- und Messungszwecke. Durch das Einblenden der Playlist und deren Nutzung stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu, die in der Cookie-Richtlinie auf spotify.de näher beschrieben wird.

Schließen