ANDREA JÜRGENS
Ciao, ciao Amore – Ein ganz persönlicher Nachruf von smago! Chefredakteur Andy Tichler auf Andrea Jürgens!

Erfahren Sie HIER auch, warum smago! Andrea Jürgens erst einmal „in Ruhe sterben“ ließ …: 

Am Dienstagmittag um 12:43 Uhr wurde ich aus dem engsten Umfeld von ANDREA JÜRGENS darüber informiert, dass Andrea Jürgens im Sterben liegt. Es sei ihr ganz ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass ich ihren plötzlichen und unerwarteten Tod nicht aus der Zeitung erfahren müsse. Man bat mich allerdings ganz ausdrücklich darum, diesen traurigen Wissensvorsprung nicht vorzeitig an die Öffentlichkeit zu bringen. (Seit Dienstagmittag habe ich quasi eine Standleitung zu ihrem engsten Umfeld …)
 
Seit Dienstagmittag musste ich also mit der Gewissheit leben, dass es keinerlei Hoffnung mehr für sie gibt und dass sie sterben würde.

Seither lebe ich einer Art "Parallel-Universum". Es ist so was von völlig irreal, dass sie auf einmal nicht mehr da sein soll. Sie, die einem ein Leben lang eine treue Begleiterin war. Wenngleich in den ersten Jahren erst einmal nur auf Vinyl …

Doch irgendwann lernte man sich tatsächlich kennen und – schätzen. Hierzu muss man wissen, dass Andrea Jürgens zeit ihres Lebens eine extreme Vorsicht im Umgang mit Medienpartnern an den Tag legte. Und so vorsichtig man im Musikgeschäft mit dem Begriff "Freundschaft" umgehen sollte, so würde ich behaupten wollen, dass zwischen Andrea Jürgens und mir in jedem Fall eine Art Freundschaft bestand, die – wechselseitig – auf bedingungslosem Vertrauen beruhte. Und so kam es, was überhaupt nicht so kalkuliert war, dass sie smago! in der Zeit ihrer Bühnenpause über längere Zeit als ihr einziges Sprachrohr zur Außenwelt wählte. Geradezu legendär sind auch die mit ihrem offiziellen Fanclub abgestimmten CD-Aktionen, meist an Neujahr. Ihr langjähriger bester Freund Manfred "Manni" Lehberger, der auch ihren Fanclub betreute (in erster Linie jedoch ihr bester Kumpelfreund war), musste dann stets über mehrere Tage waschkörbeweise CD-Umschläge zur Post bringen.

Gewiss, sie hatte ihren Dickkopf. Vielleicht war sie tatsächlich auch ein Stück weit beratungsresistent. Aber eben genau das machte sie zeitlebens aus! Sie ließ sich nicht verbiegen. Geradezu legendär: ihre fast schon sprichwörtliche Nervosität vor Bühnenauftritten. Eiskalte / schweißnasse Hände inklusive. Die einzige Möglichkeit, sie in einer solchen Situation halbwegs herunterzucoolen, war: sie noch nervöser zu machen und sich irgendwelche Horrorszenarieren auszudenken, was denn alles noch auf der Bühne geschehen könnte. Das nahm ihr ein wenig die Angst, die natürlich immer völlig unbegründet war. Ihre Fans liebten sie. Und sie liebte ihre Fans.

Ich nannte sie liebevoll-neckisch "Madame", sie sprach mich stets mit "Herr Tichler" an, obwohl wir bereits seit über zwei Jahrzehnten (natürlich!) beim Du waren. "Dir geb' ich gleich", pflegte sie des Öfteren lachend zu sagen, wenn ich ihr irgendwelche albernen imaginären smago! Schlagzeilen "vorschlug". Andrea Jürgens verfügte die göttliche Gabe, am meisten über sich selbst lachen zu können. Sie war stets ein hemdsärmeliger Kumpel-Typ und – eine treue Seele.

Als ich sie für den smago! Award in der Kategorie "Comeback des Jahres 2015 / 2016" anfragte, zögerte sie denn auch keine Sekunde, sondern sagte sofort zu und – kam dann tatsächlich auch.

Vor dem Hintergrund dieses ganz besonderen Verhältnisses zu Andrea Jürgens bitte ich um Verständnis dafür, dass es mir ein Herzensanliegen war, das bedingungslose Vertrauen, das mir Andrea Jürgens schenkte, auch bis in den Tod hinein zu bewahren. Die Menschen, die im Vorfeld wissen sollten, dass sie im Sterben liegt, waren allesamt informiert worden. Und alle – bis auf einen … – haben "dicht gehalten". Und jede "Beschwerde-Mail", die ich erhalte, wieso denn ausgerechnet smago! denn nichts darüber gebracht hat, dass Andrea Jürgens im Koma liegt, erfüllt mich auch mit einem kleinen bisschen stolz, dass ich mich an die Absprachen gehalten habe. smago! hat, wenn Sie so wollen, Andrea Jürgens erst einmal in Ruhe sterben lassen und somit ihrem engsten Umfeld Zeit und Raum gegeben, weitestmöglich unbehelligt mit dieser für allen schier unerträglichen Situation umzugehen. Und so blieben ihrem engsten Umfeld zumindest noch einmal 1 1/2 weitere Tage Zeit. 

Es geht hier weiß Gott nicht um "unterlassene journalistische Sorgfaltspflicht". Es geht um die Wahrung einer Privatsphäre. Und da der Tod etwas sehr Intimes ist und es eben der Wunsch von Andrea Jürgens war, dass die Öffentlichkeit erst bei 'Eintreffen' ihres Todes informiert werden soll, halte ich mein Schweigen bis zum Zeitpunkt ihres Todes für absolut vertretbar.

Übrigens: Shop24Direct veröffentlicht am 4. August ein 5-er CD Box-Set "Das große Lebenswerk" von Andrea Jürgens …
 

Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de
http://www.telamo.de
http://www.andrea-juergens.de/


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