“EUROVISION SONG CONTEST 2023”
Flashback 2022, Vorschau 2023:

“Letzter Platz beim ESC. Wir können uns das gar nicht erklären …” – Lesen Sie HIER einen Gast-Beitrag von Frank Ehrlacher!

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere, so war es am 15. Mai 2022 in Turin und ich hatte es ziemlich deutlich vorhergesagt (ja, ich weiß, “Besserwisser”, aber das kann über die letzten Jahre jeder nachlesen).
NACHHER war das Erschrecken dann auch beim NDR groß.

Und auch die Ursache ansatzweise gefunden: Malik Harris ist ein toller Künstler und “Rockstars” ein toller Song, aber beides passte nicht so recht zum ESC. Und man muss den ESC verstehen, um erfolgreich zu sein.
NACHHER kam dann auch die Einsicht, “es muss sich etwas ändern, wir müssen mit allen sprechen”.

Ein halbes Jahr passierte – NICHTS… man wurschtelte weiter, es ist auch nicht bekannt, dass irgendwelche ernsthaften, konstruktiven Gespräche geführt wurden (und wenn doch, dann offensichtlich im dunklen Kämmerchen und mal wieder ohne Einbindung der Öffentlichkeit um jede offene Diskussion zu vermeiden) und heute, fast genau ein halbes Jahr danach, zu einem Zeitpunkt, wo andere Länder schon ihre Songs ausgesucht oder die eingereichten Songs abgehört haben, kommt man mit einer Presse-Mitteilung um die Ecke.

Kurz zusammengefasst:

– Es wird eine Vorentscheidung geben (Die gab es im Vorjahr auch…)
– Man kann sich mit einem Video dafür bewerben (Das war im Vorjahr auch so…)
– Man hat dafür von heute an genau 19 Tage Zeit (warum nehmen sich andere Länder ein halbes Jahr um es sorgfältig zu machen, wenn man auch in 19 Tagen nen Schnellschuss machen kann? – ach ja, war im vorigen Jahr ähnlich)
– Es werden 8 bis 10 Songs sein (Revolution, im Vorjahr waren es 6)
– Die Entscheidung über die eingereichten Songs liegt beim NDR (Der seine (Nicht-)Kompetenz in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen hat)
– Der NDR wird auch selbst Interpreten ansprechen und in die Vorentscheidung mit aufnehmen (das war auch in den Vorjahren so und beim NDR ist man immer noch stolz, das Duo “Sisters” gefunden zu haben, das 2019 in Tel Aviv Vorletzter wurde)
– Es dürfen Songs aller Musikgenres eingereicht werden (das ist tatsächlich neu, früher durfte man die gar nicht erst einreichen – aber was genommen wird, entscheidet ja am Ende eh… siehe oben…)
– Es wird zusätzlich ein Song über die Social Media Plattform TikTok ausgesucht.

Was daran neu ist?
Im Grunde nichts. Letztendlich werden dieselben Menschen, die in den vergangenen Jahren die Songs für die letzten Plätze ausgesucht haben, dies wieder tun. Es soll einen neuen, zusätzlichen Mitarbeiter im Team geben (Revolution!) und man will Berater einbinden (… auch das hatten wir schon, nannte sich “Internationale ESC Experten Jury”, bestehend aus Fans, diese entpuppte sich aber als genau so “blind und taub” – aber auch diese Bearter werden und wurden ja vom NDR ausgesucht, der seine Kompetenz… s.o.)

Und doch gibt es da eine als “Revolution” verkaufte Neuigkeit:
TikTok-User dürfen ebenfalls einen Beitrag zur Vorentscheidung auswählen.
Was nun gerade TikTok-User prädestiniert, Ahnung vom ESC zu haben, erschließt sich niemandem. Ähnlich wie die Idee im Vorjahr, ein ESC-Song möge möglichst “radiotauglich” sein.

Beim ESC geht es darum – ich wiederhole mich – das Publikum in ganz Europa, von 14 bis 99+x für 3 Minuten in seinen Bann zu ziehen. Bei TikTok geht es um den schnellen “Klick und Wisch” innerhalb von Sekunden – kurz gelacht und weiter.

Dass TikTok und der ESC nichts miteinander zu tun haben, zeigt sich aktuell recht eindrucksvoll:

Bei TikTok geht seit Wochen der Song “Snap!” von Rosa Linn durch die Decke. Das war der armenische Beitrag zum ESC 2022 in Turin. TikTok-User finden ihn großartig (und hätten ihn sicher auch zum ESC geschickt mit ihren Klicks). Beim ESC funktioniert aber genau solche Musik in der Regel gar nicht… – das Ergebnis war Platz 20.

Ob dies dem NDR nicht bekannt ist oder es nicht in sein Weltbild passt – man weiß es nicht…
Es gibt noch einen Grund, weshalb ich das für eine Schnapsidee halte:
Der “TikTok-Beitrag” ist bei der Vorentscheidung bereits auf der Plattform gehypet und hat seine Fans, die fleißig für ihn geklickt haben – und er wird es auch sicher schaffen, diese Fans für ein paar Klicks oder Anrufe am Vorentscheidungstag zu mobilisieren – macht das ganze aber nicht ESC-tauglicher, sondern TikTok-User (die mit dem ESC i.d.R. weniger zu tun haben) suchen sich einen Song aus, den sie zum ESC schicken (den sie im Zweifel selbst gar nicht gucken, da … andere Zielgruppe und 4 Stunden Aufmerksamkeitsspanne und so…) – warum das unsere Chancen beim ESC erhöhen sollte, bleibt ein Rätsel…

… es gibt übrigens auch reichlich Belege, dass das “Vorab-Hypen” eines Beitrags zwar zur Wahl genau dieses Beitrags in der Vorentscheidung führt, international aber zum Deaster:

2014 und 2015 veranstaltete der NDR im Vorfeld ein “Clubkonzert” – der Sieger ging in die VE und gewann, wurde dann aber beim ESC 18. (2014) und letzter (2015) (Anm.: 2015 wurde zwar Ann-Sophie erst 2., rückte dann aber durch den Rückzug von Andreas Kümmert auf Platz 1).

2016 machte man es dann ähnlich wie in diesem Jahr, man schickte die Siegerin von “The Voice Of Germany” in die Vorentscheidung, die aufgrund ihres Bekanntheitsgrades und ihrer Fanbase natürlich überlegen gewann – und beim ESC dann letzte wurde, weil Song und Interpretin so gar nicht zum ESC passten. Siehe Malik Harris…

Fazit:

Ich habe keins. Ich bin ratlos…

Es ist dasselbe Verfahren, mit dem “wir” bei den vergangenen 7 ESCs = 6 mal letzter oder vorletzter geworden sind. Wie man immer noch glauben kann, man ist auf dem richtigen Weg und muss nur nachjustieren und einen TikTok-Beitrag zusätzlich hinzunehmen, ist für mich schwer verständlich.

Vielleicht hat der NDR einfach das Glück, dass er vor 12 Jahren mit Lena hatte, dass ihm ein Ausnahmetalent wie Lena in den Schoß fällt, das auch das Telefonbuch hätte singen können…
Foto-Credit: EBU
Textquelle: Facebook-Seite von Frank Ehrlacher (Textvorlage)

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