DIETER HALLERVORDEN
smago! Exklusiv-Interview: “Es ist schon erstaunlich, wie das Gehirn funktioniert!”

smago! Chefredakteur Andy Tichler hatte am 04.01.2023 am Mitteldeutschen Theater in der Marienkirche zu Dessau-Roßlau die Gelegenheit, mit Dieter Hallervorden persönlich zu sprechen …:

 

 

Für gewöhnlich hasst DIETER HALLERVORDEN Interviews. Und gibt im Regelfall auch keine. Selbst SPIEGEL Bestseller-Autor Tim Pröse, der uns u. a. das Buch “Hallervorden: Ein Komiker macht Ernst” geschenkt hat, musste diese Erfahrung anfänglich machen. AUCH kann es passieren, dass Dieter Hallervorden auf Fragen wie “Welchen großen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?” ganz salopp “Keine Interviews mehr zu geben” antwortet.

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Und so konnte smago! Chefredakteur Andy Tichler am Nachmittag des 04.01.2023 am Mitteldeutschen Theater in der Marienkirche zu Dessau-Roßlau kurz mit Dieter Hallervorden persönlich sprechen. In Dessau-Roßlau ist Dieter Hallervorden derzeit in dem Stück “Der König stirbt” als “König Dieter I.” von Eugène Ionesco! zu erleben.

Lieber Herr Hallervorden, Sie feiern 2023 Ihr 66-jähriges Bühnenjubiläum als Theaterschauspieler. Welchen Stellenwert nimmt das Stück „Der König stirbt“ in diesem langen Theater-Schaffen ein?

Nun ja, ich habe ja lange Zeit politisch-satirisches Kabarett gemacht, dann kam die „Didi“-Zeit mit „Nonstop Nonsens“, dann mehr und mehr Theaterstücke und Filme, die einen Charakterdarsteller erforderten – und hier ist es tatsächlich so, dass es eine Mischung ist. Ich darf sehr komisch sein, wo es der Autor deutlich vorgesehen hat. Aber an sich ist es eine Charakterrolle.  Insofern nimmt dieses Stück, eben „Der König stirbt“, schon eine besondere Rolle ein, zumal man mit diesem Stück gleichzeitig beweisen kann, dass 60 Jahre alte Stücke keine Patina angesetzt haben müssen, sondern auch heutzutage total aktuell sind.

Wenn man ein – gerade für Sie – so extrem Wort lastiges Stück sechs Monate lang nicht spielt – wie schwierig ist es dann nach einem halben Jahr, sich den Text erneut textsicher drauf zu schaffen – wie viel Prozent ist dann noch da – oder fängt man dann wieder ganz von vorne an nach so vielen weiteren Stationen in der Zwischenzeit?

 

Also, es ist schon erstaunlich, wie das Gehirn funktioniert. Natürlich haben wir das Stück vor einem halben Jahr schon mal gespielt. Wenn ich dann das Textbuch aufschlage, ist der Text dann auch ganz schnell wieder da, weil das alles gespeichert ist. Das wundert mich immer wieder, wie viele Dinge dort gespeichert sind – auch unnötige Dinge. Ich habe einen Tag gebraucht, dann hatte ich den Text komplett wieder drauf.

Aber natürlich ist es auch so, dass wir mit den Mitspielern arbeiten müssen. Es geht ja nicht nur darum, den Text zu können, sondern auch das Timing zu haben, die Pausen zu haben, mit dem Blick-Spiel zu arbeiten – und das müssen wir ganz einfach durch intensives Proben mit den Kollegen wieder nach vorne rücken.

Wie viel von König Dieter I. steckt in Ihnen selber? Färbt die Rolle auf Sie ab? Oder umgekehrt: Glauben Sie, dass Sie mit König Dieter zurechtkommen würden, wenn Sie ihm begegnen würden?

Ich denke, das wäre schon ein bisschen schwierig, weil der ja nicht ganz auf dem Höhepunkt der Realität ist, er hat sich eine eigene Schein-Realität entwickelt. Ich glaube, dass ich persönlich mit ihm nicht so gut zurechtkommen würde. Die Rolle gefällt mir super, ich spiele sie sehr gerne. Aber ich möchte bestimmt nicht so sein.

In der zweiten März-Hälfte startet im Schlosspark Theater schon wieder ein neues Stück – fast wieder mit der gleichen Besetzung, mit dem gleichen Ensemble. Bis auf eine Person sind alle wieder mit dabei. War das Ihr persönlicher Wunsch, weil das Ensemble auch besonders stark ist – oder ist das eher ein Zufall?

Sie reden vom Stück „Biedermann und die Brandstifter“ von MAX FRISCH. – In der Tat haben wir uns bei den Neubesetzungen gefragt: Wer passt da vom Typ her am besten? Und ehrlich gesagt: Mit den Kollegen habe ich gute Erfahrungen gemacht. Der Regisseur war auch sehr zufrieden. Wir hatten beide, als wir die Besetzung gemeinsam planten, die gleichen Ideen und haben dann Gott sei Dank auch bei den Angefragten Gegenliebe gefunden. Und so ist es in der Tat so, dass bis auf eine Person das nächste Stück auch wieder mit der gleichen Besetzung gespielt wird wie „Der König stirbt“, das ist richtig.

Inwieweit wird sich der Intendant DIETER HALLERVORDEN eigentlich mit dem Schauspieler DIETER HALLERVORDEN immer einig, was die Gage betrifft?

Das ist schwierig (lacht). Nein, ich spiele meistens sowieso unentgeldlich, weil das mein Beitrag ist, das Theater in dieser schwierigen Zeit lebendig zu halten. Mit den anderen Kollegen rede ich oder lasse ich reden. Dabei gibt es natürlich bestimmte Grenzen, die nicht überschritten werden können. Bei mir muss niemand für einen Hungerlohn arbeiten, aber es wird niemand übermäßig bezahlt, weil: das Geld ist einfach nicht da.

Im Schlosspark Theater hängt ein Plakat aus dem Jahr 1959, auf dem der Name „DAGMAR BIENER“  schon drauf stand, was ja eigentlich gar nicht möglich ist, weil sie dafür eigentlich zu jung ist. Kann es sein, dass sie bereits als Jugendliche im Schlosspark Theater engagiert war?

Ja, in der Tat. DAGMAR BIENER hat bereits vor Jahrzehnten im Schlosspark-Theater gespielt. Die Information stimmt.

Sind Sie mit Ihrer ersten Spielzeit nun halbwegs zufrieden, soweit man in dieser Zeit überhaupt zufrieden sein kann – gerade auch, was die kulturellen Musik-Veranstaltungen im Mitteldeutschen Theater betrifft?

Ja. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht erwartet hätten, dass wir gleich beim ersten Versuch so voll durchstarten können. Wir haben eine gute Auslastung, die bei circa 70 Prozent liegt. Das ist schon ’ne Masse, denn das Theater ist gerade erst vier Monate alt. Das heißt, so’n junges, zartes Pflänzchen muss ja erst mal wachsen und gedeihen, bis es zu voller Blüte kommt. Aber das lässt mich natürlich hoffnungsvoll sein, weil ich denke, irgendwann – wir verlängern den Vertrag ja jetzt gerade wieder um mindestens ein Jahr -, irgendwann werden wir mit dem Mitteldeutschen Theater – auch in punkto Qualität und Vielfalt – innerhalb Sachsen-Anhalts einen Spitzenplatz einnehmen. Das ist mein Ziel.

Foto-Credit: DERDEHMEL / Urbschat
Textquelle: Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de

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