TONY HENDRIK
Wie der Co-Autor von „Sommer in der Stadt“ WOLFGANG PETRY zum Star machte!
Ohne TONY HENDRIK kein „Sommer in der Stadt“!
TONY HENDRIK, bürgerlich ERNST-DIETRICH LÜNSTEDT, wurde in Norddeutschland in der Nähe von Bremerhaven geboren. Schon früh widmete er sich der Musik und spielte als Rhythmusgitarrist in verschiedenen Amateurbands.
1966 zog er nach Köln, um dort ein Jurastudium aufzunehmen. Parallel verfolgte er jedoch weiterhin seine musikalischen Ambitionen. Mit seiner Band „TONY HENDRIK FIVE“ veröffentlichte er bei der Electrola seine erste Schallplatte und sammelte dadurch erste Erfahrungen im professionellen Musikgeschäft. Es ist unglaubliche 60 Jahre her, dass die Single „Big Boss Man“ erschienen ist, die den Startschuss dieser Veröffentlichungen markierte.
Ende der 1960er Jahre übernahm TONY HENDRIK eine Schlüsselrolle bei der damaligen Deutschen Vogue in Großkönigsdorf bei Köln. Als damals einziger festangestellter Produzent des Unternehmens war er für die deutschen Produktionen verantwortlich. Mit Mitte 20 galt er als Vertreter einer neuen Generation von Produzenten, die den deutschen Popmarkt modernisieren wollten.
TONY kritisierte damals die deutsche Popmusik als zu schematisch, altmodisch und wenig originell. Nach seiner Ansicht fehlten vielen Produktionen neue musikalische Elemente und zeitgemäße Arrangements. Er forderte einen Bruch mit dem bisherigen „Tingeltangel-Geschäft“ und setzte sich für einen modernen, internationalen Sound ein.
Sein Produktionsstil konzentrierte sich auf einen besonders rhythmusbetonten Klang. Charakteristisch war für ihn die starke Hervorhebung des Schlagzeugs, das nach seinen Vorstellungen intensiv und elektrisch wirken sollte. Ziel war ein „großer Sound“, der sich deutlich von traditionellen deutschen Produktionen abhob.
Zu Beginn der 1970er Jahre plante TONY HENDRIK, für die Deutsche Vogue neue Sängerinnen und Sänger zu entdecken und gezielt aufzubauen. Dabei setzte er auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Interpreten und Autoren, um individuell zugeschnittene Produktionen zu schaffen, anstatt auf bereits vorhandenes Material zurückzugreifen.
Schon zu Beginn seiner Produzentenlaufbahn zeigte sich TONY als innovativer und selbstbewusster Vertreter einer neuen Musikergeneration. Sein Ziel war es, frische Impulse in die deutsche Popmusik zu bringen und jungen Talenten neue Chancen zu eröffnen.
TONY HENDRIK nutzte Anfang der 1970er Jahre das Pseudonym „JOHN EICHENDORFF“ in seiner frühen Karriere für Soloprojekte als Sänger, während er zeitgleich als Songwriter für andere Interpreten aktiv war. Neben der Single „Bis ans Ende aller Tage“, mit der er 1970 sogar in der ZDF-Hitparade aufgetreten ist, ist er unter diesem Namen vor allem für die Originalversion des Titels „Julia“ bekannt, der später durch DIE FLIPPERS große Bekanntheit erlangte.
Nachdem TONY HENDRIK für Stars wie PAOLA und FRANCE GALL als Autor tätig wurde, beschloss er, im Sommer 1972 die TONY HENDRIK Productions zu gründen. Die Firma nahm prominente Namen wie PHIL & JOHN (!), ANDREA und GENE WILLIAMS unter Vertrag.
Als Produzent erzielte er damals schöne Erfolge insbesondere mit dem Duo PHIL & JOHN. Diese beiden Jurastudenten KLAUS HILL uns HANS ODENTHAL lernten im Rahmen ihrer Tätigkeit als Disc-Jockeys im Kölner „Café Paris“ TONY HENDRIK kennen, der ja selber einst Jura-Student war. Aus dem Kontakt entwickelte sich die Idee, ein Schlagerduo im Stile der EVERLY BROTHERS zu etablieren. Die Idee schlug ein, PHIL & JOHN landeten viele Hits.
Zu Jahresbeginn 1973 stellte TONY seine neue Single „Baby How Are You“ im Rahmen der BRAVO-Disco vor. Seine Version war leider kein großer Erfolg, in der deutschen Version von PHIL & JOHN („Du oder keine“) wurde der Titel aber dennoch zum Hit.
Auch in anderer Hinsicht gab sich TONY damals geschäftstüchtig. Für das Album „Stars für GRZIMEK“, bei der Vogue erschienen, wirkte er mit, um für bedrohte Tierarten via Plattenverkauf Geld zu sammeln. Niemand geringerer als der damalige deutsche Bundeskanzler WILLY BRANDT empfing u. a. ihn und den Geschäftsführer der Deutschen Vogue, um sich für den Einsatz zu bedanken.
Im Jahr 1973 kam es zu einer schicksalhaften Begegnung: TONY lernte KARIN HARTMANN-EISENBLÄTTER kennen, die er später auch heiratete. Man kann mit Fug und Recht sagen: Ohne TONY und KARIN gäbe es keinen WOLFGANG PETRY. Denn: Bei einem Auftritt in der Forsbacher Disco-Bar „Whisky Bill“ wurde „WOLLE“ von TONY und KARIN 1975 entdeckt. Vermittelt wurde der Kontakt vom später ebenfalls sehr erfolgreichen Schlagersänger damaligen Musikstudenten ANDREAS MARTIN, den PETRY seit 1967 kannte und mit dem er seit 1970 freundschaftlich verbunden war.
Auf seinem ersten Album „Ein Freund – ein Mann“ wird er als „Sängernachwuchs aus dem Coconut-Stall des Produzenten- und Autorenteams TONY HENDRIK / KARIN HARTMANN“ bezeichnet, so dass wohl klar sein dürfte, wer „WOLLE“ entdeckt hat. Die beiden haben mit HANS-ULRICH WEIGEL dann auch die Debutsingle „Sommer in der Stadt“ geschrieben. Wobei WEIGEL damals auch eine entscheidende Rolle hatte, der Song sollte ja eigentlich den Text haben: „Der Mond von Malibu – er allein sah zu – in der kalifornischen Sommernacht hat sie allein mir das Glück gebracht“. Das Umtexten der Nummer führte zum Erfolg, und gleich der erste Auftritt in der ZDF-Hitparade im Juli 1976 schlug so richtig ein.
Eine Zeitlang arbeiteten TONY HENDRICK und KARIN HARTMANN auch mit JULIANE WERDING zusammen. Die Alben „Oh Mann oh Mann“ und „Ein Schritt weiter“ waren leider keine großen Erfolge. Besonders bitter: Als TONY mit JULIANE im Studio war, wurde sein Privathaus ausgeraubt. Schaden: 100.000 DM.
Ebenfalls bemerkenswert: Die allererste Schallplattenproduktion von DIETER BOHLEN mit „MONZA“ (Country-Schlager „Taxi Nummer 10“) entstand 1978 unter der Produktion von TONY HENDRIK und KARIN HARTMANN.
Im Frühjahr 1981 gründete TONY mit KARIN HARTMANN die Plattenfirma Coconut-Records. Neben WOLFGANG PETRY und ANDREAS MARTIN nahm man die Girlie-Band A LA CARTE unter Vertrag. Gleich die erste Single von A LA CARTE auf dem Label, „You Get Me On the Run“, war ein Top-50-Erfolg.
Im Anschluss erzielte TONY HENDRIK mit seinen Produktionen riesige internationale Erfolge, insbesondere die Namen BAD BOYS BLUE in den 1980er und HADDAWAY in den1990er Jahren seien hier exemplarisch genannt. Im Jahr 2007 wurde die Plattenfirma Coconut an die „Coconut Music Ltd. & Co. KG“ verkauft, die laut Wikipedia einer internationalen Investorengruppe gehört.



