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„Schlager-Innovationen – Zeit für neue Wege“ – ein Gast-Beitrag von smago! Leser Peter Traut!

Drei Generationen, immer weniger Plattformen – und eine Idee, die den deutschen Schlager neu beleben könnte!

 

 

 

Der Schlager – wie überhaupt die gesamte Musikbranche – befindet sich im Umbruch. Auslöser ist sicherlich auch der enorme Kostendruck, der inzwischen aus nahezu allen Bereichen und Unternehmensfeldern auf Veranstalter, Produzenten und Medien einwirkt.

Produktionskosten, Strom, behördliche Auflagen, Security und Personalkosten schlagen ebenso zu Buche wie Catering, Anreise und Hotelkosten der Künstler. Hinzu kommen Honorare für Bands und Solokünstler, Hallenmieten, Lizenzen für öffentliche Auftritte – Stichwort GEMA – sowie Marketingkosten.

Eine große Produktion wie etwa die „Schlagernächte“ oder die „Kaisermania“ dürfte heute in der Herstellung beinahe doppelt so teuer sein wie noch vor 15 oder 20 Jahren. Viele Veranstaltungen, insbesondere im kleineren Rahmen, gibt es heute nicht mehr, weil sie irgendwann zum Minusgeschäft wurden. Auch im Fernsehen wurden bereits einige Produktionen eingestellt.

Ähnliche Entwicklungen konnte man schon vor vielen Jahren beispielsweise in der Formel 1 beobachten. Rennen in Deutschland gibt es nicht mehr – weder in Hockenheim noch auf dem legendären Nürburgring. Ein Formel-1-Rennen würde, so die Überlegung, zum absoluten Minusgeschäft werden. Ein wesentlicher Grund: Es fehlen finanzstarke Sponsoren.

Und der Ausblick auf die kommenden Monate wird nicht unbedingt besser werden. Vielleicht müssen deshalb die Weichen neu gestellt werden.

Zwei Veranstaltungen – ein Veranstaltungsort

 

Eine Möglichkeit wäre, zwei völlig unterschiedliche Events miteinander zu verbinden.

Gerade bei Open-Air-Veranstaltungen könnte ein Sportereignis mit einem Musik-Event kombiniert werden. Tagsüber findet beispielsweise ein Sportereignis statt, am Abend wird an derselben Location ein Schlagerkonzert veranstaltet.

Man denke etwa an ein Galopprennen. Nach dem sportlichen Teil könnte am Abend auf demselben Gelände eine große Schlagernacht stattfinden.

Oder, noch konkreter: Tagsüber gibt es auf dem Nürburgring ein Rennen oder einen Familientag, am Abend verwandelt sich die gleiche Location in eine große Schlagerarena.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Sponsoren könnten sich an beiden Veranstaltungen beteiligen. Auch das Fernsehen hätte die Möglichkeit, sich einzubringen und beispielsweise den Musikabend zu übertragen. Auf diese Weise könnten sich Kosten, Infrastruktur und Sponsoring für beide Veranstaltungen teilweise kompensieren.

Das Thema Sponsoren ist für Veranstaltungen ohnehin unverzichtbar. Viele Sponsoren zahlen in diesen Zeiten weniger als in den guten, „fetten“ Jahren. Gleichzeitig stellen sie heute Forderungen, die nicht jeder Veranstalter mittragen möchte.

Vielleicht sollte man deshalb die alten, eingefahrenen Strukturen verlassen und über neue Varianten nachdenken.

 

Neue Partner für den deutschen Schlager

 

So könnte beispielsweise auch die GEMA-Stiftung mit ins Boot genommen werden. Sie unterstützt Musiker bei Projekten und Wettbewerben. Kultur- und Musikstiftungen vergeben Geldpreise für Konzerte.

Gerade der Nachwuchs im deutschen Schlagergeschäft sollte und muss stärker gefördert werden. Viele etablierte Künstler vergangener Jahre befinden sich inzwischen in ihrer wohlverdienten Schlagerrente. Und in fünf bis zehn Jahren werden weitere heute sehr angesagte Stars das Mikrofon an die nächste Generation weitergeben.

Um diesen Nachwuchskünstlern eine Plattform zu geben – vor allem auf großen Bühnen vor großem Publikum, aber auch im Fernsehen, Stichwort Silbereisen und Zarrella –, muss man ihnen Chancen eröffnen.

Und gerade die GEMA könnte davon langfristig profitieren. Denn wenn die kommende Generation erfolgreich wird, entstehen erneut Einnahmen aus Musiknutzungsrechten. Im Live- und Veranstaltungsbereich, im Online- und Streaming-Bereich sowie bei Rundfunk und Fernsehen liegen wichtige Einnahmequellen der Musikbranche.

Auch die Initiative Musik, die die Pop- und Musikszene in Deutschland fördert und Live-Musik sowie Künstler unterstützt, könnte ein möglicher Partner sein.

Rundfunkwellen wie Radio Schlagerparadies oder Radio Paloma könnten ebenfalls gewonnen werden. Hinzu kommen könnten Projekte und Institutionen wie die DMR gGmbH beziehungsweise der Deutsche Musikrat sowie weitere neue Partner, die sich gerade in diesen schwierigen Zeiten für die deutsche Schlagerbranche engagieren.

Dabei geht es nicht um ein einmaliges Sponsoring. Denkbar wären vielmehr langfristige Partnerschaften – zunächst beispielsweise über fünf Jahre.

Und wer weiß: Vielleicht würde es der gesamten Branche dann tatsächlich etwas besser gehen.

Neue Medien, neue Sponsoren, neue Möglichkeiten

 

Vielleicht liegen die neuen Möglichkeiten auch in Innovationen, neuen Medien und neuen Start-up-Unternehmen. Unternehmen, die mithilfe neuer Technologien und künstlicher Intelligenz neue Märkte erschließen, könnten zu völlig neuen Sponsoren und Unterstützern der deutschen Musik werden.

Man kann das Angebot an Musiksendungen in schwierigen Zeiten zurückfahren. Aber erfolgreiche Sendungen wie „Immer wieder sonntags“ oder „MDR Schlager des Monats“ sollte man ebenfalls unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Gerade bei Formaten, die mit vergleichsweise überschaubarem Produktionsaufwand auskommen, stellt sich die Frage, warum ausgerechnet dort gespart werden sollte, während andere Fernsehproduktionen wie Gameshows, Spielfilme oder täglich mehrere Krimis deutlich größere Etats verschlingen.

Natürlich befinden sich Fernsehen und Hörfunk – ebenso wie die klassischen Medien der vergangenen Jahrzehnte insgesamt – in einem gewaltigen Wandel. Streams und Bezahlkanäle gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Doch gerade deshalb wird die Frage immer wichtiger: Wo können Künstler ihre neuen Produktionen heute noch einem großen Publikum präsentieren?

Drei Generationen im deutschen Schlager

 

Aus meiner Sicht gibt es derzeit drei Generationen im deutschen Schlager.

Da sind zunächst die großen Zugpferde, die Zuschauer anziehen und deshalb in die verbliebenen großen TV-Musiksendungen eingeladen werden. Namen wie Andrea Berg, Roland Kaiser, Andreas Gabalier, Semino Rossi, Howard Carpendale, Bernhard Brink oder Nikolaus P. stehen für diese Generation.

Dann gibt es die Künstler, die seit vielen Jahren erfolgreich im Geschäft sind und auch im Radio tolle Erfolge verzeichnen können, aufgrund der beschriebenen Situation aber nicht den ganz großen Coup landen konnten.

Dazu gehören beispielsweise Anna-Carina Woitschack, Laura Wilde, Christian Lais, Gilbert, Tanja Lasch, Daniela Alfinito, Christin Stark, die Schlagerpiloten oder Uta Bresan.

Und dann ist da die unglaublich große Zahl junger Künstler, die modernen und starken Schlager singen, denen aber gefühlt komplett die entsprechenden Plattformen fehlen.

Dazu gehören Künstler wie Dennis Wilms, Timo, Pia-Sophie, Anni-Marie, Schlagergold, die Rodensteiner, Mike Leon Grosch, Tim Peters, Daniel Sommer, Daniel Lopez, Mario Steffen, Anni Perka, Annemarie Eilfeld, Gabriella Massa, Pauline, Laura und Marc, Marco Sommer oder Michael Kovar.

Was von Dieter Thomas Heck geblieben ist

 

Früher – zu Zeiten des wunderbaren Dieter Thomas Heck – gab es genau für dieses Thema, den Nachwuchs im Schlagergeschäft, die „Deutschen Schlagerfestspiele“ aus Baden-Baden und natürlich die „ZDF-Hitparade“.

Dort bekamen Künstler regelmäßig die Chance, ihre neueste Single einem großen Publikum zu präsentieren. Ganz sicher standen dort damals auch manche völlig Unbekannte auf der Bühne, die später zu den ganz Großen der Szene gehören sollten.

Eine vergleichbare Plattform wie die „ZDF-Hitparade“ gibt es heute leider nicht mehr. Und in unserer heutigen Zeit hätte eine Neuauflage einer klassischen Wertungssendung vermutlich auch nicht mehr denselben Erfolg wie damals.

Doch genau hier könnte eine neue Idee ansetzen.

 

DNGS – Die neue Generation Schlager

 

So könnte die Überschrift für die kommenden Wochen und Monate lauten: DNGS – Die neue Generation Schlager.

Wir befinden uns, so meine Wahrnehmung, seit gut einem Jahr in einem Prozess, in dem generationsübergreifende Titel bereits in den Charts, im Hörfunk der Schlagerwellen und in den DJ-Hitparaden der Diskotheken auftauchen.

Im Fernsehen dauert dieser Prozess offenbar etwas länger.

Wie also könnte man dem Nachwuchs eine Plattform geben, sich dem Publikum – und vor allem auch dem jüngeren Publikum – vorzustellen?

Was wäre dafür eine bessere Location als eine moderne Diskothek?

Der Ort, an dem DJs tanzbare Titel auflegen. Es darf dabei natürlich auch einmal etwas langsamer und romantischer werden. Denn wenn wir ehrlich sind, haben wir früher in der Disco doch immer darauf gewartet, dass irgendwann einmal ein langsamerer, romantischer Titel gespielt wurde, um eine gewisse Nähe zu suchen und zu finden.

Aber ganz im Ernst:

Warum nicht eine größere Diskothek mit beispielsweise drei Bühnen?

Der Titel könnte lauten: DNGS – Die neue Generation Schlager oder einfach: „Die DJ-Hitparade“ ((, wobei es die ja bereits gibt …))

 

 

 

Ein Pilotprojekt für 2026

 

Die Idee wäre zunächst ausdrücklich als Pilotprojekt gedacht. Man könnte testen, ob hier vielleicht eine Nische existiert und ob ein solches Format tatsächlich in unsere Zeit passt.

Vielleicht würden Fernsehzuschauer sagen: „Ja, mal etwas anderes als die beiden etablierten Musikshows.“

Gerade vor dem Hintergrund, dass die MDR-Schlagerhitparade eingestellt wurde, könnte ein solches Format einen Versuch wert sein.

Also: eine Pilotsendung.

Eine Stunde wird aus einer modernen Diskothek gesendet. Zehn junge Schlagerkünstler treten mit ihren neuesten Titeln an.

Die Zuschauer können per Mausklick auf der Homepage der „DJ-Hitparade“ ihren Favoriten wählen. Für die Teilnahme muss eine E-Mail-Adresse angegeben werden; unter allen Teilnehmern könnte es etwas zu gewinnen geben.

Wer mehrfach abstimmen möchte, wird vom System erkannt: Gibt man beim zweiten Mal dieselbe E-Mail-Adresse ein, erscheint der Hinweis, dass bereits teilgenommen wurde.

So könnte verhindert werden, dass ein Zuschauer 20 oder mehr Male abstimmt.

Drei Bühnen hätten zudem einen weiteren Vorteil: Die Kameras könnten den nächsten Act schneller und besser in die richtige Position bringen.

Natürlich könnten in einer solchen Show auch „alt bewährte Künstler“ auftreten – beispielsweise dann, wenn sie einen neuen Hit am Start haben.

Ross Antony, DJ Ötzi, Anna-Maria Zimmermann, Matthias Reim, Nino de Angelo oder Vanessa Mai wären dafür ebenso denkbar wie die aktuell angesagtesten Newcomer der Szene.

Eine Mischung also – wenn man den Vergleich bemühen möchte – aus der früheren ZDF-Hitparade und der „Disco“ mit Ilja Richter.

Aber eben 2026-like: modern und zeitgemäß.

Schlager für eine neue Generation

 

Man könnte auf diese Weise versuchen, den neuen deutschen Schlager, die nächste Generation dieses Genres, einem breiten Publikum vorzustellen.

Und dabei geht es ausdrücklich auch um das jüngere Publikum.

Um Menschen, die neben Netflix, TikTok und Gaming am Wochenende trotzdem noch gerne mit Freunden in die Disco gehen. Menschen, die deutsche Musik und deutschen Schlager hören.

Auf angesagten Après-Ski-Partys und bei Oktoberfesten werden Schlager gespielt, die jeder mitsingen kann. Und vor allem wird gefeiert.

Wenn man es nicht wagt, wird man wohl nie eine ehrliche und vor allem richtige Antwort darauf bekommen, ob ein solches Format funktioniert.

Drei Generationen auf einer Bühne

 

Man könnte das Konzept auch noch einmal anders denken. Warum nicht zwei der ganz großen Stars einladen? Dazu drei Künstler, die – wie oben beschrieben – bereits seit vielen Jahren dabei sind, aber eher zur sogenannten zweiten Reihe gehören.

Und schließlich fünf ganz neue Künstler, die in den Startlöchern stehen und deren tolle Songs bereits im Radio gespielt werden, beispielsweise bei Radio Schlagerparadies.

Damit hätte man die Möglichkeit, drei Schlagergenerationen in einer einzigen Show zu präsentieren.

Die großen Namen sorgen für Aufmerksamkeit und Zuschauerinteresse.

Die Künstler der zweiten Generation bekommen eine größere Bühne.

Und die Newcomer erhalten genau das, was ihnen derzeit vielfach fehlt: Raum, Sichtbarkeit und die Möglichkeit, sich einem größeren Publikum zu präsentieren.

Vielleicht liegt genau darin eine echte Schlager-Innovation.

Nicht darin, immer wieder die gleichen Wege zu gehen, sondern alte Strukturen aufzubrechen, neue Partnerschaften zu schaffen, Veranstaltungen miteinander zu verbinden und gleichzeitig die nächste Generation auf die großen Bühnen zu holen.

Der deutsche Schlager hat schließlich immer von Veränderung gelebt.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, die nächste Veränderung selbst zu gestalten.

Ein Versuch wäre es wert.

Textquelle: Peter Traut – Mit freundlicher Abdruckgenehmigung

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