REX GILDO
Leben und Werk!

Lesen Sie HIER einen Artikel aus dem smago! Archiv vom 22.06.2015 …:

 

 

Im Rahmen der smago! Serie „Schlager-Rückblick ‚Vor 40 Jahren'“ widmete sich der seinerzeitige smago! Redakteur Stephan Imming dem Titel „Schließ die Augen, wenn Du glücklich bist“ …:

Am 02.07.1936 wurde unter dem Namen Ludwig Franz Hirtreiter in Straubing  ein Kind als jüngstes von fünf  Geschwistern geboren, das später als Rex Gildo große Karriere machen würde (in vielen Biografien ist das falsche Geburtsjahr „1939“ zu finden – nicht nur diesbezüglich wurde in offiziellen Lebensläufen des Sängers „etwas“ geschummelt). Sein Vater war Postschaffner (oft wird auch „Handelsvertreter“ und ähnliches angegeben), seine Mutter Katharina (Hausfrau) hatte  der Legende nach den Wunsch, Opernsängerin zu werden, wurde dies aber doch nicht mit Rücksichtnahme auf ihren Ehemann. Sie verstarb an Multipler Sklerose, als ihr jüngster Sohn 11 Jahre alt war.

Bereits früh wurde das Talent des Jungen erkannt – der zu Lebzeiten behauptete Punkt im Lebenslauf, er habe bei den Regensburger Domspatzen mitgesungen, stellte sich posthum allerdings als erfunden heraus (- so wurde es Jahre später zumindest in der ARD-Dokumentation „Legenden“ dargestellt). Erst 1981 in seiner TV-Show sang Rex Gildo mit dem Chor. Unwidersprochen bis heute ist, dass er die Volksschule Sankt Jakob und später die Handelsschule besuchte (mit dem Ziel, einen kaufmännischen Beruf zu ergreifen – zeitweise soll er im Straubinger Kaufhaus Silberbauer als Dekorateur gearbeitet haben) und intensiv in Tanz, Gesang und Schauspielerei geschult wurde, was angesichts seiner imposanten Fähigkeiten durchaus glaubhaft ist. Gefördert wurde er schon in jungen Jahren von seinem Mentor und späteren Manager Fred Miekley, der bis zu seinem Tode im Jahr 1988 in Gildos Leben eine große Rolle spielen würde, offensichtlich auch sein Lebenspartner war, obgleich Rex ihn als seinen Onkel ausgab. Widerlegt werden konnte hingegen  seine zu Lebzeiten vorgebrachte Behauptung, er habe an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule Schauspielunterricht gehabt.

Seine Karriere startete Rex Gildo als Schauspieler. Er drehte ca. 30 Spielfilme und stand in verschiedensten Rollen auf unzähligen Bühnenbrettern. Los ging es mit Rollen als Statist und mit Nebenrollen wie 1956 die in „Peterchens Mondfahrt“ an den Münchner Kammerspielen und 1957 in „Karl der V.“, wo er einen Hofnarren spielte.

Fahrt nahm die Karriere 1958 auf, als die Managerin Ada Tschechowa Rex Gildo eine Rolle im Film „Immer, wenn der Tag beginnt“ vermittelte. Für diesen Film an der Seite von Ruth Leuwerik wurde aus Ludwig Franz Hirtreiter „Alexander Gildo“. Möglicherweise führte dieser ursprünglich verwendete Vorname dazu, dass zu Lebzeiten fälschlicherweise in fast allen Biografien der bürgerliche Name Ludwig Alexander Hirtreiter zu finden ist. In dem Film spielt Rex Gildo einen Klarinettenspieler im Orchester Franz Grothes – u. a. ist dort dessen berühmter „Mitternachts-Blues“ zu hören.

Den Durchbruch schaffte „Alexander Gildo“ mit dem im gleichen Jahr gedrehte Film „Hula Hoop Conny“, in dem er an der Seite der damals sehr populären Conny Froboess spielte. Premiere des Kinofilms war am 05.03.1959.

Ebenfalls 1958 wurde der Nachwuchsschauspieler von Kurtz Feltz zum Vorsingen eingeladen. Der damals sehr umtriebige Schlager-Produzent nahm mit ihm eine von ihm im Gespann mit Heinz Gietz geschriebene Nummer namens „Cafeteria Santa Lucia“ auf. Das Lied erschien bei Polydor, als Interpret wurde „Alexander Gildo“ vermerkt – der Erfolg war übersichtlich.

Noch im gleichen Jahr versuchte er es mit einer neuen Schallplattenfirma, der Electrola, Fuß zu fassen – die vom damals sehr populären Rundfunkmoderator Camillo Felgen getextete deutsche Version des Randy-Starr-Hits „Count On Me“ – „Rexy zähl auf mich“ war bestenfalls ein Achtungserfolg. Erstmals wurde aber eine Schallplatte unter dem Namen „Rex Gildo“ veröffentlicht.

Mit „Lass mich geh‘n“ wurde ein weiterer Cover-Song ausgewählt (Original „Turn Me Loose“). Die erste Duett-Schallplatte mit Rex Gildo nahm im Jahre 1960 mit seiner damaligen Filmpartnerin Conny Froboessauf: „Sag mir, was Du denkst“ war ein Werner-Scharfenberger-Song aus dem Film „Conny und Peter machen Musik“. „Peter“ war in dem Fall Peter Kraus, der bei Polydor unter Vertrag stand – Conny hingegen bei Electrola. Das Original-Duett wurde ergo nicht auf Tonträger veröffentlicht, sondern die Version der beiden Electrola-Kollegen, die sich sehr gut verstanden. Auch Cornelias Vater war sehr mit der Verbindung zu Rex Gildo einverstanden, so dass das Duett „Yes My Darling“ als B-Seite von Connys damaligem Hit „Lippenstift am Jacket“ wurde.

Seinen ersten Solo-Hit hatte Rex Gildo Anfang 1960 mit dem Song „Sieben Wochen nach Bombay“, erneut eine Cover-Version (Original Lloyd Price – I’m Gonna Get Married). Entscheidenden Anteil am Erfolg dürfte aber auch die andere Seite der Single gehabt haben – „Denk an mich in der Ferne“ war die deutsche Version des Paul-Anka-Hits „Put Your Head On My Shoulder“.

Die Hit-Maschinerie des Rex Gildo begann langsam, Schwung aufzunehmen. Die nächste Single war keine Cover-Version, sondern ein von Charly Niessen und „Peter Ström“ geschriebener Song namens „…und dann fuhren sie wieder nach Jamaika“, der mich persönlich etwas an den Hank-Williams-Klassiker „Jambalaya“ erinnert. Peter Ström war ein Pseudonym für Nils Nobach, der damals Produktionsleiter bei Electrola war und wohl den Kontakt zu dieser Plattenfirma herstellte. Nobach war damals der Ehemann der Chansonsängerin und Diva Angele Durand , mit der Rex Gildo am 06.02.1960 unter dem Titel „Schlagerparade“ an der Vorentscheidung zum Grand Prix 1960 mit dem Titel „Abitur der Liebe“ von Gerhard Jussenhoven teilnahm. Es reichte nicht für einen Platz auf dem Siegertreppchen – die Vorentscheidung gewonnen hatte damals Wyn Hoop, „nur“ Zweite wurde Heidi Brühl, deren Song „Wir wollen niemals auseinandergehen“ im Gegensatz zum Siegersong ein großer kommerzieller Erfolg war.

Mit dem Peter-Kraus-Cover „Va Bene“ gelang Rex Gildo erneut der Sprung in die Hitparaden, und mit „Das Ende der Liebe“, einer deutschen Version des Hits „Tell Laura I Love Her“ gelang erstmals sogar eine „eigene“ Top-10-Notiz in den deutschen Charts.

Auch die nächsten Schlager wurden Hits, ohne dass der ganz große Wurf gelang, als da 1961 wären „Hast Du alles vergessen?“, die deutsche Version des Hits „Will You Stilll Love Me Tomorrow“ von den Shirelles,Firulin“, ein weiteres Duett mit Conny Froboess und „Rosina“, ein Lied, das Rex auch im Schlager-Film „Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln geh’n“ intonierte.

In dieser Zeit hegte Rex Gildo aber auch ernstere Schauspiel-Ambitionen, so spielte er im Berliner „Theater des Westens“ an der Seite von Karin Hübner ca. 100 mal den Freddy im Musical „My Fair Lady“. Die Ende 1961 veröffentlichte Single „On the Street Where You Live (In der Straße wohnst Du)“ war dabei nicht sonderlich erfolgreich, wohl aber der Soundtrack zum Musical, der als historischer Schallplattenerfolg bezeichnet werden kann: Das Album war monatelang auf Platz eins der LP-Charts, und hielt sich dort nonstop vom 15.07.1962 bis zum 15.03.1968 – knapp sechs Jahre platzierte sich das Album in einer Zeit, als noch wirklich massiv Tonträger verkauft wurden – und Rex Gildo war neben Karin Hübner und Paul Hubschmid einer der wesentlichen Protagonisten des Sensations-Erfolgsalbums.

Mit dem Heinz Gietz / Hans-Bradtke-Stück „Eine Story ohne Happy End“ und der Eindeutschung des Leroy van Dyke-Songs „Walk On By“ („Geh nicht vorbei“) ging es zunächst eher unspektakulär weiter.

Der große Durchbruch gelang mit einer kleinen Maus. Bereits 1961 lief im US-Fernsehen eine Zeichentrickserie „Speedy Gonzales“ über das Leben einer kleinen Maus, die als Figur sogar schon 1953 erschaffen wurde. Die Erkennungsmelodie wurde erfolglos auf Schallplatte veröffentlicht. Erst, als der in den Staaten damals sehr populäre Pat Boone sich des Songs annahm, wurde in den USA daraus ein Hit. Wie es damals üblich war, wurde dazu eine deutsche Version ersonnen – den Zuschlag bekamen die deutschen Textdichter Alexander Gordan (bürgerlich Joachim Goroncy) und Charles Gerard (bürgerlich Gerhard Hämmerling). Mit seiner noch temporeicheren deutschen Version als der von Pat Boone schaffte Rex Gildo seinen ersten Nummer-Eins-Hit in Deutschland.

Interessanterweise kam die zugehörige Zeichentrick-Figur erst zehn Jahre später, 1972, im Rahmen der Serie „Schweinchen Dick“ ins Fernsehen als „die schnellste Maus von Mexiko“ – offensichtlich hatte Rex Gildo schon immer eine Affinität zu diesem Land. Der witzig gestaltete opernhafte Gesang während des Liedes wurde in ähnlicher Form manchmal erneut in der Popmusik aufgegriffen, beispielsweise in Elton Johns „Crocodile Rock“.

Der Nachfolge-Hit war nach längerer Zeit kein Cover, sondern eine von Heinz Gietz und Hans Bradtkeerdachte Slapstick-Nummer: „Maddalena“ spielte wie die Vorgänger-Single in Mexiko und war leicht frivol angehaucht: „Maddalena, wann fängt die Nacht der Nächte an?“ – ganz offensichtlich wollte man den Schwung des Vorgänger-Songs noch etwas aufrecht erhalten, was in dem Fall leidlich gut gelang – erneut kam ein Gildo-Song in die Top-5 der deutschen Verkaufshitparade.

Nachdem Rex mit zwei Mexiko-Songs einen Erfolg landen konnte, hatte man wohl vorerst(!) damit genug und wechselte die Masche. Vor über 50 Jahren, im Jahr 1963, hatte der Grand Prix Eurovision noch eine Bedeutung. Sehr viele Hits gingen aus ihm hervor. So wurde in jenem Jahr England von Ronnie Carroll mit dem Lied „Say Wonderful Things To Me“ vertreten – bei der Eurovision reichte es für einen vierten Platz – und auch für Rex Gildo sprang ein vierter Platz heraus – das war seine bemerkenswerte Höchstplatzierung in den deutschen Verkaufscharts mit seiner eingedeutschten Version des Liedes, „Zwei blaue Vergissmeinnicht“ (deutscher Text: Kurt Feltz). Für die Interpretation dieses Liedes erhielt er den Silbernen Löwen von Radio Luxemburg.

Im Anschluss wurde erneut ein Duett-Titel veröffentlicht. U. a. wegen der Berichterstattung, die beiden seien ein Paar, wollte Conny keine weiteren Veröffentlichungen mit Rex herausbringen. Als neue Duett-Partnerin entschied man sich für Gitte, die gerade furios die deutschen Schlagerfestspiele mit „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ gewonnen hatte. Beim NDR war man so begeistert, dass man gleich eine ganze TV-Show mit Gitte machen wollte und überlegte sich, wer dieser Partner werden könnte. Die Wahl fiel auf Rex Gildo – und in der ARD-Show „Kein Tag ohne Musik – Ein Rendezvous mit Gitte und Rex“ wird u. a. ein Schlager von Heinz Gietz und Kurt Feltz präsentiert: „Vom Stadtpark die Laternen“. Die gleichnamige Single  schoss auf Platz 1 der deutschen Verkaufs-Hitparade. Dafür gab es den Goldenen Löwen von Radio Luxemburg. (Gleichzeitig erhielt Gitte sogar noch den Silbernen Löwen für ihren Cowboy-Song).

Gitte und Rex werden fortan als „Traumpaar des deutschen Schlagers“ gehandelt. Viele weitere große Erfolge wurden produziert: „Zwei auf einer Bank“, „Jetzt dreht die Welt sich nur um Dich“ (3. Platz der deutschen Schlagerfestspiele 1964), „Hokuspokus“ (1964), „Dein Glück ist mein Glück“ (1965), „Süß wie Schokolade“ und „Sweet Hawaii“ waren allesamt Verkaufs-Erfolge. Dennoch wurde zum Leidwesen vieler Fans Anfang 1966 bekannt gegeben: „Rex Gildo und Gitte Haenning wollen in Zukunft nicht mehr gemeinsam vor dem Mikrofon stehen“.

Aber auch solo lief es in jenen Jahren rund für Sexy Rexy: Gleich mit dem „Laternen-Nachfolgelied“  landete er einen großen Hit: Aus Elvis‘ Presleys Song „Devil In Disguise“ wurde 1963 „Liebe kälter als Eis“ – wie so oft hatte die deutsche Version mit dem Original inhaltlich wenig zu tun – in diesem Fall ist anzunehmen, dass buchstäblich der „Teufel“ im Detail steckte und deshalb die deutsche Version (Text: Peter Buchenkamp) dieses Wort nicht beinhalten sollte.

Rex‘ Solo-Hits der damaligen Zeit waren recht harmlos-naiv. Die Lieder fanden sich meist in den Bestenlisten zwar wieder, aber die sich ausdehnende Beat-Masche machte Rex zu schaffen. Dennoch gelangten zunächst alle Single-Veröffentlichungen in die Hitparaden: „Glück gehört dazu“ (1963; davon gab es sogar eine englische Version: „Look At Me Today“), „Bravo Bambina“ (1964), „Der Colt steckt immer im Pyjama“ (1964; Schlagerfan Mikel731 vertritt zu diesem Song die interessante Theorie, dass der Song eine Antwort auf das Mae-West-Zitat „Ist das eine Pistole in Deiner Hose, oder freust Du Dich nur, mich zu sehen?“ sein könnte), „Leider leider“ (1965; deutsche Version des Larry Finnegan Hits „Dear One“) und „Wenn es sein muss, kann ich treu sein“ (1965; das Original heißt „The First Night of the Full Moon“ und stammt von Jack Jones – dessen Original war in Deutschland aber nicht ansatzweise so erfolgreich wie Rex‘ deutsche Originalversion).

Nach der Trennung von Gitte verfolgte Rex weiter konsequent das Ziel, im Musical- und Schauspiel-Bereich weiter Fuß zu fassen – seine von Hans Bradtke getextete deutsche Version des Mary-Poppins-Hits „Chim Chim Cheree“ war ein Beleg dafür, die Single kam recht gut an. Der letzte Hit der Electrola-Ära war 1966 „Rosen brauchen Sonnenschein“ von Heinz Gietz und Kurt Feltz.

Auf Vermittlung des damaligen Ariola-Chefs „George“ Ehmke in Richtung Peter und Thomas Meisel (Hansa-Musik) wechselte Rex Gildo im Herbst 1966 zur Ariola und war damit einer der ersten aus einer Reihe von Stars, die zur Bertelsmann-Tochter wechselten – im gleichen Jahr unterschrieb dort Peter Alexander und nur kurze Zeit später auch z. B. Udo Jürgens und Mireille Mathieu.

Sein Einstand war gleich erfolgreich: Für „Augen wie zwei Sterne“, die von Günter Loose getextete deutsche Version des Hits „That’s Nice“, wurde ihm der Bronzene Löwe von Radio Luxemburg überreicht.

Es folgte auch 1967 Hit auf Hit: Mit „Ein Ring aus Gold“ (,die erste Komposition für Gildo aus der Schmiede des damals erfolgreichen, leider sehr früh verstorbenen Dieter Zimmermanns), „Sommerblau“, ein Frühwerk aus der Schmiede Joachim Heiders und Michael Holms und Peter Moessers Der Mond hat seine Schuldigkeit getan“ kam er in die deutschen Hitparaden.

Nachdem mit „Comme ci comme ca“ und „Wer Dich kennt, der muss Dich lieben“ eine kleine Hit-Durststrecke überwunden werden musste, wurde er etwas progressiver und kam damit wieder in die Erfolgsspur zurück. In dem Lied „Wer das verbietet“ heißt es: „Ich küss Dich mitten in der Stadt – auch wenn uns tausend Menschen seh’n. Und wenn man was dagegen hat, dann finden wir’s noch mal so schön“ – für Rex Gildos Verhältnisse war dieser anti-repressive Text von Fini Busch (Musik: Henry Mayer) schon fast revolutionär, was mit dem fünften Platz des 1968er deutschen Schlagerwettbewerbs belohnt wurde.

Ende 1968 entschloss man sich dann mal wieder, eine Cover-Version aufzunehmen. Aus dem Original der Turtles, „Sound Asleep“, wurde in Italien eine Version namens „Dondolo“ (interpretiert von I Bertas). Angelehnt an diese italienische Version bastelte der umtriebige Michael Holm einen gleichnamigen deutschen Text. Mit diesem Schlager war Gildo in der allerersten Hitparade im ZDF im Januar 1969 vertreten, wo er sich mit diesem Lied mehrfach (bis auf Rang 2) platzierte und fortan Dauer-Gast war –  und erreichte nach längerer Zeit mal wieder einen Top-10-Erfolg.

Davon beflügelt, versuchte er es mit seinem Lieblingsthema: Mit einer Musical-Melodie. Doch „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ aus dem gleichnamigen Kindermusical fiel beim Publikum ebenso durch wie die deutsche Version des Hits „Tout est si beau“ von Serge Prisset namens „Das große Spiel“ (- auch wenn er damit erfolgreich in der ZDF-Hitparade auftrat). Zu allem Überfluss fiel Rex auch bei der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision 1969 durch – es war wohl nicht „Die beste Idee meines Lebens“, dort anzutreten – in der zweiten Wertungsrunde der Vorentscheidung hatte er das „Ann-Sophie-Syndrom“: Es gab null Punkte.

Eine weit bessere Idee war es, den Reggae-Schlager „Love A Little Bit (Melinda)“ als Single herauszubringen. Dieter Zimmermann und Fred Jay schrieben diesen Song, der Rex Gildo erstmals auf Platz 1 der ZDF-Hitparade katapultierte. Er trug das Lied auch in der Heinz-Erhardt-Filmkomödie „Was ist denn nur mit Willy los?“ vor.

Danach produzierte er Anfang der 70er Jahre wieder regelmäßig gut laufende Hits am Fließband wie die beiden ebenfalls vom Gespann Zimmermann/Jay geschriebenen „Keine Macht auf Erden“ (1970) und „Hast Du Angst vor der Liebe“ (1970). Südländisch wurde es wieder mit der deutschen Version von Perets spanischem Hit „Borriquito“ (1971, Text: Fred Jay und Michael Holm). Ein recht erfolgreicher Top-15-Hit war im Sommer 1971 die deutsche Version eines Michel-Sardou-Erfolgs – aus „Mourir de plaisir“ machte Hans-Ulrich WeigelMemories“.

Die deutsche Version des „Butterfly Waltz‘“, „Tausend und eine Nacht“, weist die Besonderheit auf, dass es eine der wenigen Singles ist, bei denen Rex Gildo auch als Mit-Autor angegeben wird: Den deutschen Text zu diesem Wiener Walzer schrieb er höchstselbst – der Erfolg fiel aber eher bescheiden aus.

Die letzten Thomas-Meisel-Produktionen waren die auf einer Single enthaltenen Stücke „Dunja“, ein Frühwerk Jean Frankfurters (unter dem Namen Ben Juris) mit einem Text von Peter Orloff und „Darling“ (erneut getextet von Rex Gildo).

Nachdem Rex Gildo zwar erfolgreich im Geschäft war, der „ganz große Hit“ aber seit längerer Zeit nicht mehr gelang, wechselte erneut den Produzenten: Auf Heinz Gietz und Thomas Meisel folgte 1972 der damals recht junge Ralph Siegel.

Gleich die erste gemeinsame Produktion wurde ein gigantischer Erfolg und kann als größter Hit überhaupt von Rex Gildo angesehen werden – auch wenn „Fiesta Mexicana“ „nur“ bis auf Platz 5 der Charts kam – der von Michael Holm getextete Siegel-Song mit dem Schlachtruf „Hossa!“ ist bis heute Kult. Mit diesem Lied wurde Gildo fortan bis an sein Lebensende identifiziert, was Fluch und Segen war – einerseits gab es einen enormen Popularitätsschub, andrerseits war die Identifikation damit bis ins Alter eine spürbare Belastung für einen Sänger, der sich eher als Musical-Darsteller verstand und damit haderte, immer nur mit „Hossa“ identifiziert zu werden.

Der Song war derart erfolgreich, dass er dafür sogar vom Mexikanischen Botschafter Dr. Casellas einen „Sombrero-Charro“ überreicht bekam. Immerhin hatte er mit „Speedy Gonzales“ und „Maddalena“ auch schon das Thema Mexiko in seinen Schlagern erfolgreich transportiert. Später wurde er sogar zum Ehrenbürger Mexikos ernannt.

Aber auch in Österreich kam er an, so erhielt er 1973 das „Stadtsiegel der Stadt Salzburg“ als Vorbild der Jugend.

Mit der Siegel-Nummer „Hasta la Vista (schönes Mädchen, weine nicht)“ wollte man im Sommer 1973 erneut auf der Südamerika-Welle reiten, was aber nur bedingt gelang. Melancholischer ging es mit den Abschieds-Schlagern „Der Sommer ist vorbei“ (Text: Rex Gildo) und „Mary-Ann Goodbye“ weiter. In dieser Zeit war Sexy Rexy auch international erfolgreich, so wurde er von „Radio Maritim“ zum beliebtesten ausländischen Sänger des Jahres 1973 in Spanien gewählt (er erhielt  einen wertvollen Kristall, in dem verschiedene Tiere und Pflanzen des Mittelmeers eingeschmolzen sind) und absolvierte im Rahmen einer Japan-Tournee 28 Konzerte und produzierte einen TV-Film über Mexiko.

Im Herbst 1974 lief es auch national wieder rund – Ralph Siegel schrieb ihm einen weiteren Super-Hit auf den Leib: „Marie, der letzte Tanz ist nur für Dich“ avancierte erneut zum Top-10-Hit in Deutschland und war sogar in Österreich ein Top-20-Erfolg. Erneut bewies Michael Holm als Textdichter ein goldenes Händchen. Rex‘ Art kam aber nicht nur beim Publikum an. So wurde ihm 1974 von einer Jury aus Fach-Show-Journalisten eine Rose für „Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und gute Zusammenarbeit“ überreicht. Die Anerkennung scheint verdient zu sein – beispielsweise erinnert sich der frühere Bravo-Fotograf Didi Zillwie folgt: „Mehr als hundertmal habe ich Rex Gildo getroffen, aber ich habe nicht ein einziges Mal erlebt, dass er schlecht gelaunt war. Extrem höflich und freundlich im Umgang mit Menschen, die er nicht kannte – ein wahrer Gentleman“. Mit seinem „Marie“-Song gelang Rex Gildo das Kunststück, zum vierten mal in Folge mit seinem Hitparaden Song drei mal dabei gewesen  zu sein.

Vor ziemlich genau 40 Jahren kam dann der Anschluss-Song an diesen Hit, der als Zwischenstation zwischen mehreren Super-Hits angesehen werden kann: Die Siegel-Nummer „Schließ die Augen, wenn Du glücklich bist“ war nur kurz im Mai 1975 in der Bestenliste, die (lt. Dieter Thomas Heck) „Anti-Autofahrer-Nummer“ befand sich aber auf dem äußerst erfolgreichen Ariola Hit-Sampler „Super 20 Super Neu“.

Im Herbst 1975 gab es dafür wieder einen großen Erfolg – im Zeitalter des „Griechischen Weins“ und von Stars wie Costa Cordalis, Vicky Leandros, Demis Roussos und Nana Mouskouri durfte es wohl auch für Rex mal griechisch werden: „Der letzte Sirtaki“ war ein Top-10-Hit, der „mal wieder“ drei mal in der ZDF-Hitparade zu hören war. „Komm, Melina, tanz mit mir“ heißt es in dem Stück – nachdem der letzte Tanz „Marie“ galt, war der letzte Sirtaki demnach „Melina“ vorbehalten.

Auf diesem Höhepunkt der Karriere heiratete er seine Cousine „Marion“ (so wurde ihr Name immer angegeben) am 31.07.1975. Seine Ehefrau hieß bürgerlich allerdings – wie sich posthum herausstellte – nicht Marion, sondern Margot Anneliese Margareta Ohlsen.

Beflügelt von der Vielzahl der vergangenen Erfolge wurde im März 1976 ein weiterer Fünf-Jahres-Vertrag mit der Ariola abgeschlossen.

Ein Frühwerk des später weltweit erfolgreichen Harold Faltermeyers markierte den Start in das Jahr 1976. Dem Stück „Tu es noch einmal“ wurde aber nicht viel Beachtung geschenkt, weil nur wenige Wochen später eine weitere Single veröffentlicht wurde. Nachdem Gildo schon 1963 großen Erfolg mit der Eindeutschung eines britischen Eurovisions-Hits hatte, gelang das auch 1976 wieder: „Küsse von Dir“, die deutsche Version des englischen Grand-Prix-Siegertitels „Save Your Kisses For Me“, schlug ein – vielleicht auch deswegen, weil Gildo voll hinter dem Song stand, so gab er damals zu Protokoll: „Ich habe schon lange vor dem Grand Prix meiner Firma gesagt, dass ich diesen Titel aufnehmen möchte, selbst wenn er ganz abgeschlagen hinten landen würde“.

Was Rex nicht ahnte: Mit diesem Lied hat er seinen vorerst letzten Hit landen können.  Im zweiten Halbjahr konnte er seine Fans weder mit der volkstümlichen LP „So klingt’s mit Rex“ noch mit seinem Schlager „Ein Fest für Luzifers Freunde“ überzeugen.

Man zog Konsequenzen – im Jahr 1977 ließ Rex Gildo seine Lieder von Rainer Pietsch produzieren, man kam mal wieder auf die südamerikanische Schiene – aber diesmal zog die Masche nicht mehr. Alle Lieder des Gildo-Schlagerjahrgangs fielen durch – weder mit „E Viva el Amor“ noch mit „Amigo, trink aus!“, einem erneuten Abklatsch von Udo Jürgens‘ „Griechischer Wein“ noch mit „Hochzeit in Athen“ (Text: Michael Holm) war ein Blumentopf zu gewinnen.

Nach längerer Zeit probierte man es Anfang 1978 daher wieder mit der Lieblings-Masche der damaligen Schlager-Schaffenden, einer Cover-Version. „Love Is In the Air“ war international ein Riesen-Hit, die von Anthony Monn für Rex Gildo produzierte gleichnamige deutsche Version hingegen kam nicht an. Vielleicht hätte ein Auftritt in der ZDF-Hitparade geholfen, aber die hatte gerade ihren Modus umgestellt, dass nur die bestverkaufenden Künstler dort auftreten dürfen, und das war in jener Zeit nun mal bei Rex nicht der Fall.

Als nächster Produzent wurde Nick Munro, der zuvor mit Vicky Leandros und später mit Roger Whittaker große Erfolge erzielt hatte, berufen. Man probierte es zunächst mit einem typischen Schlager: „Die Liebe, die der Wein gemacht“ – ob das eine charmante Beschreibung von „Schönsaufen“ ist, kann man heute nur erahnen.

Abgeschlossen wurde das Jahr mit einem Lied des Jamaikaners Steve Owen, der auf der Single als „Stevie Bi“ ausgewiesen ist – warum „Bi“, darüber kann man auch nur spekulieren. Jedenfalls war Rex Gildo von dem Song „Sally, komm wieder„, der auf englisch als „If There’s Love in His Eyes“ veröffentlicht wurde, sehr angetan.

Um noch mehr frischen Wind in Rex Gildos Karriere zu bringen, wurde Rex Gildo ab 1979 ein „Presse- und Promotion-Management“ zur Verfügung gestellt; in dieser Funktion war fortan die Show-Journalistin Renate Skurek tätig.

1979 wurde die Zusammenarbeit mit Ralph Siegel wieder aufgenommen. Inspiriert von seinem Riesen-Grand-Prix-Erfolg „Dschinghis Khan“ schrieb der mit seinem Spezi Bernd Meinunger für Rex Gildo den Song „Saragossa“, der zwar stark an seinen Eurovisions-Hit erinnert, aber nicht annähernd dessen Erfolg erzielte.

Mit dem  fröhlichen „Holly Ho Havanna“, einer deutschen Version des gleichnamigen von Jack White für Marc Seaberg geschriebenen Hits  und „Feuer im Wind“ (Original: „Free As A Bird“) klangen die 70er Jahre aus. Zugleich wurde ebenfalls unter dem Namen „Feuer im Wind“ eine vielseitige LP veröffentlicht, auf der Rex Gildo neben seinen fröhlichen Liedern auch Nachdenkliches präsentieren durfte, beispielsweise geht es im Lied „Freunde“ um die Oberflächlichkeit vieler zwischenmenschlicher Beziehungen und im Lied „Im achten Stock blüh’n keine Rosen“ um die Isolation eines  Hochhaus-Bewohners. Erschreckend, wie nahe diese Lieder in gewisser Weise Jahre später wohl sein eigenes Schicksal wiederzuspiegeln scheinen.

Die 80er Jahre starteten verhalten – mit „Leben so frei wie nur Kinder sind“ entschloss man sich erneut für eine Coverversion (Original: „God Bless the Children“ von Loretta Lynn). Ende 1980 ging die Erfolgs-Kurve dann langsam wieder bergauf – nach 3-jähriger Abstinenz war Gildo wieder zu Gast in Dieter Thomas HecksHitparade – mal wieder mit einem Mexiko-Thema: In „La Bandida“ (Musik: Ralph Siegel, Text: Bernd Meinunger) geht es um eine teuflische Mexikanerin. Ob der von einigen Schlager-Fans zitierte Begriff „Beischlaf-Diebin“ hier zutrifft, möge jeder für sich entscheiden.

1981 wurde dann wieder ein echtes Gildo-Erfolgsjahr. Nach fünfjähriger Charts-Abstinenz gelang mit dem von Hanne Haller komponierten und produzierten „Wenn ich je Deine Liebe verlier‘“ ein Top-20-Hit – ausgerechnet in Zeiten der aufkommenden Neuen Deutschen Welle, mit dem Gildo drei mal in Hecks Hitparade auftreten durfte. Gerüchten zufolge soll der Song (ebenso wie „Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund“ von Nicole) bei der Vorentscheidung zum Grand Prix von der „Fachjury“ abgelehnt worden sein). – So oder so begann mit dem Song so etwas wie ein vorübergehender Image-Wechsel – hin zu gehaltvolleren Texten.

Am 15.10.1981 wurde die überaus erfolgreiche ZDF-Show „Gestatten, Rex Gildo“ ausgestrahlt, bei der er die Möglichkeit hatte, selber zu moderieren. Ekkehard Böhmer (Regie), Dieter Weber (Redaktion) und Wolfgang Hofer (Buch) ließen die Show zu einem Quoten-Renner werden. Im Nachhinein ein „Geschmäckle“ hat das mit den Regensburger Domspatzen intonierte Lied, weil Rex Gildo angeblich in dieser Show erstmals überhaupt mit den Domspatzen gesungen habe.

Auch die beiden nächsten Produktionen Hanne Hallers, „Lass mich Dich noch einmal spür’n“ und „Wenn Du mich brauchst“, schafften es in die Verkaufs-Bestenliste. Das ist umso bemerkenswerter, als die Singles in der Hochzeit der Neuen Deutschen Welle erschienen und kaum ein „traditioneller“ etablierter Schlagersänger in dieser Zeit solche Erfolge aufweisen konnte.

Die nächste Single, „Wenn Du nicht mehr da bist“, nahm das  ZDF wörtlich – diesmal blieb die Einladung zur ZDF-Hitparade aus – ob das der Grund war, warum erstmals unter Hanne Hallers Produktion kein Charts-Erfolg gelang?

1983 war das wieder anders. Beim Grand Prix, der 1983 aus Deutschland ausgestrahlt wurde, fiel ein junger Jugoslawe namens Daniel auf mit seinem Lied „Julie“. Bernd Meinunger schrieb dazu einen deutschen Text – und schon war der nächste Rex-Gildo-Hit geboren, mit dem er nicht nur in der ZDF-Hitparade, sondern sogar in Peter Illmanns ARD-Pop-Show „Formel Eins“ auftreten durfte.

Mit der Trennung von Produzentin Hanne Haller war auch die Hit-Serie vorerst beendet. Der ansonsten überaus erfolgreiche Joachim Heider brachte Rex Gildo kein Glück – auch wenn viele Fans dessen Produktion „Und plötzlich ist es wieder da“ für überdurchschnittlich gut halten, blieb die Single in den Verkaufsregalen weitestgehend stehen.

Mit „Dir fehlt Liebe“, produziert von Gerd Grabowski alias G. G. Anderson, gab es wieder eine Coverversion. Während „Serenata“ von Tuto Cotugno in italienischer Sprache ein großer Erfolg war, gab es für Gildo bestenfalls einen Achtungs-Erfolg im Radio. Ähnliches gilt für „Rendezvous auf spanisch“ (1984; deutsche Version des Engelbert-Hits „The Spanish Night Is Over“) und „Mamma Mia“ (1985).

Mit der Dieter Bohlen(!)-Produktion Du, ich lieb‘ Dich“ (deutsche Version der Modern-Talking-Nummer „Do You Wanna“) ging eine Ära zu Ende: Nach 20 Jahren Zusammenarbeit trennte sich die Ariola von Rex Gildo. Im Gegensatz zu einigen anderen der etablierten Schlagerstars fand Gildo sofort eine neue Plattenfirma, bei der er fortan seine Schallplatten veröffentlichte, nämlich das Frankfurter Bellaphon-Label.

Bei der Bellaphon waren seinerzeit auch die Flippers unter Vertrag. Deren Produzenten-Team, Uwe Busseund Karlheinz Rupprich, haben die Flippers zu unglaublichem Erfolg verholfen. Zwischen 1986 und 1990 versuchten die beiden, auch mit Rex Gildo neue Höhenflüge anzusetzen, was aber misslang – sieben Singles wurden unter der Zusammenarbeit herausgebracht: „Was ist schon eine Nacht?“ (1986), „Torero“ (1986; erneut die deutsche Version des gleichnamigen Engelbert-Hits), „Eine Nacht in Venedig“ (1987), „Wenn Madalena weint“ (1988), „Mexikanische Nacht“ (1989; erneut versuchte man sich am Dauerbrenner-Thema „Mexiko“), „Copacabana“ (1989) und „Das alte Lied von St. Helena“ (1990). Zwischendurch wurde unter der Produktion von Detlef Reshöft und Rudolf Müssig noch der Song „Für mich wirst Du ein neuer Anfang sein“ (1988) veröffentlicht. Unter dem Strich waren einige Radio-Hits dabei – ein nachhaltiger Hit ergab sich in der Bellaphon-Ära jedoch nicht.

In diese Zeit fiel auch ein entscheidender Schicksalsschlag für den Sänger: Sein langjähriger väterlicher Freund (vielfach wird auch spekuliert, es habe eine engere Beziehung zu ihm, den er als seinen „Onkel“ ausgab, gegeben) Fred Miekley verstarb. Wie eng die Beziehung zu diesem Mann war, lässt sich daran erkennen, dass Rex Gildo neben Fred Miekley begraben wurde.

1990 gab es einen einmaligen Versuch mit der Plattenfirma Teldec, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Hanne Haller und Bernd Meinunger fortzuführen – „Darling, bei Dir ist es immer so schön“ blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Der Satz passt übrigens auch zu seinem Privatleben, weil Gildo sich angeblich in jenem Jahr von seiner Ehefrau getrennt hatte, ohne dass es je  zur Scheidung kam. Ob das Gerücht der Trennung stimmt, lässt sich schwer belegen, weil auch in späteren Jahren immer wieder gemeinsame Fotos mit seiner Frau „Marion“ nebst Zeitungsartikeln erschienen.

1991 unterschrieb Rex Gildo dann bei der damals neuen Schallplattenfirma „PILZ“. In den Niederlanden hatte er – angetrieben vom holländischen Schlagermann Harry Thomas – eine niederländische Single veröffentlicht, die dort recht erfolgreich lief: „Andrea“. Dessen deutsche Version, die erste Scheibe bei der neuen Firma, wurde zugleich Rex Gildos letzter Hit in der Verkaufshitparade. Zum Leidwesen einiger Gildo-Fans verfiel er wieder auf seine alte Masche – hieß es bei „Fiesta Mexicana“ noch „Hossa“, rief er bei seiner letzten Hit-Single so etwas wie „jeppa“…

Trotz sehr etablierter Hit-Schreiber (Text: Bernd Meinunger; Musik: Willy Klüter bzw. Hanne Haller) gelang in der Folgezeit kein beeindruckender Hit mehr mit Liedern wie „Margarita“ (1991), „Toujours Amours“ (1992), „Unvergesslich“ (1992), „Verrückt, verliebt und atemlos“ (1992) und „Das mit uns, das könnt‘ was werden“ (1994). In diesen Jahren erhärteten sich die Gerüchte, Rex Gildo sei homosexuell. 1992 erschien ein Buch namens „Leben, Laster, Leidenschaft“, in dem er als solcher geoutet wurde. Er bestritt vehement, dass dem so sei. In die PILZ-Ära fällt aber auch eine MDR-TV-Show, die im Jahre 1993 in Görlitz aufgezeichnet und ausgestrahlt wurde – mit dem bezeichnenden Titel „Fiesta Rexicana“ – auch 20 Jahre nach seinem Riesen-Hit wurde Rex mit seiner „Hossa!“-Nummer identifiziert.

Mitte der 90er Jahre wurde mehrfach gegen Sexy Rexy der Vorwurf erhoben, er sei alkoholisiert auf der Bühne gewesen – u. a. bei der Geburtstagsfeier eines Unterhosen-Fabrikanten und bei einem Auftritt einer SWF-Veranstaltung („Wunschmelodie“ in Horb). Gildo bestritt die Vorwürfe und behauptete, er sei krank gewesen und habe unter Medikamenten-Einfluss gestanden.

Auch die Betreiber der Detmolder Discothek „Extra“ behaupteten, Rex sei alkoholisiert aufgetreten. Der Fall wurde gerichtlich geklärt – Rex Gildo bekam vollumfänglich recht, seine Gage musste gezahlt werden.

In diesen Jahren lernte Rex Gildo einen jungen Mann namens Dave Klingenberg kennen, der sein Chauffeur und Privatsekretär werden sollte. Insbesondere ein schwerer Autounfall auf der A8 im Jahr 1995 bei sehr hoher Geschwindigkeit schweißte die beiden zusammen.

1997 nahm Rex Gildo bei den Deutschen Schlagerfestspielen teil – Ralph Siegel und Bernd Meinungerhatten die sehr „originelle“ Idee, einen Mexiko-Schlager zu schreiben – „Viva Mexico“ erreichte immerhin den 5. Platz des Wettbewerbs. Mit „Die Stimme Deines Herzens“, einem Song von Willy Klüter und Bernd Meinunger, gelang ein Jahr später ein achter Platz in diesem Wettbewerb.

1999 unterschrieb Rex Gildo wieder bei einer recht großen Plattenfirma einen Vertrag mit Koch-Records. Dort erschienen seine letzten Singles: „Du bist mein Wunder“, „Nur Du und sonst gar nichts“ und (posthum) „San Sebastian“.

Seinen letzten Auftritt absolvierte Rex Gildo am 26.10.1999 in einem Möbelhaus in Bad Vilbel. Von dort aus suchte er seine im zweiten Stock gelegene Münchener Wohnung auf. Von deren Toilettenfenster stürzte er in die Tiefe und erlag drei Tage später seinen schweren inneren Verletzungen. Bis heute ist ungeklärt, ob es sich eher um einen alkohol- und medikamentbedingten Unfall oder um einen Suizid handelte.

Ähnlich wie er mit Fred Miekley einen väterlichen Freund an seiner Seite hatte, hegte er in seinen späten Jahren eine „freundschaftliche Beziehung“ zu seinem bedeutend jüngeren Chauffeur und Privatsekretär Dave Klingenberg.

In der Bravo 35/1968 wurde Rex Gildo gefragt, was er geschenkt bekommen möchte: Ewige Jugend, eine Weltkarriere oder eine Millionen. Seine Antwort war schon damals: Die ewige Jugend. Mit ihr könnte ich die Karriere aufbauen und die Millionen verdienen.

In ähnlicher Form äußerte er sich in den frühen 70er Jahren: „Wenn’s möglich wäre, würde ich mir die ewige Jugend wünschen“ – dieses  Ziel der Alterslosigkeit ist ihm wohl zum Verhängnis geworden. Schlager-Autor Tommi Herrwerth schrieb dazu: „Seit 1980 bietet er ein Bild des Jammers: Immer wieder versucht der gealterte Ex-Star in die Rolle des jugendlichen Beaus zu schlüpfen. Er trägt die Maske immer dicker auf und zappelt mit seinem Unterkörper, als habe er gerade eben seinen achtzehnten Geburtstag gefeiert. Warum, so frage ich mich, kann ein Pop-Star nicht in Würde altern?

In die gleiche Kerbe schlägt ein Schlager-Lexikon – dort ist unter „Berufsjugendlicher“ zu lesen: „Zeigen die Beispiele Udo Jürgens und Heino, wie es geschickten Managern gelingen mag, das Image eines Stars glaubwürdig und zeitgemäß zu halten, belegt das Beispiel von Ludwig Franz Hirtreiter alias Rex Gildo, wie das starre Festhalten an einem bestimmten Außenbild nicht nur für den künstlerischen, sondern vor allem auch für einen menschlichen Niedergang verantwortlich sein kann.“

Der Wunsch nach ewiger Jugend war wohl das große Verhängnis für einen Mann, der – wenn man Zeitzeugen glauben darf – stets höflich, freundlich, verbindlich und nett war, aber aus seiner Haut nicht raus konnte und in vielen Dingen wohl nicht zu dem stehen konnte, wie er war. Dennoch bleibt sein menschliches und musikalisches Lebenswerk unvergessen.

Vorschau: In Folge 29 dieser Serie geht es um den bis heute sehr erfolgreichen Sänger HEINO.

Stephan Imming, 19.06.2015

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