MAITE KELLY
„Es gibt viele Rekorde von Helene Fischer – die sollten auch bei ihr bleiben!“
Maite Kelly über ihre Rekord-Nachfolgerin, sportlichen Ehrgeiz und warum manche Bestmarken einfach bei „Helenchen“ bleiben sollten …:
Vor etwas mehr als drei Monaten war MAITE KELLY bei „Radio Schlagerparadies“ zu Gast. Im exklusiven Interview mit Heike Betz stellte sie ihr aktuelles Album „24/7“ vor. Das gefilmte Interview mit Maite Kelly ist dabei eine regelrechte Sternstunde: Heike Betz hatte sich absolut perfekt auf das Gespräch mit ihrem Top-Star vorbereitet – und das führte dazu, dass Maite Kelly sich ihr zu hundert Prozent öffnete.
In dem bemerkenswert offenen Gespräch stellte Heike Betz Maite Kelly unter anderem folgende Frage:
„Du hast es geschafft, mit diesem Titel Frau Fischer von einem Thron zu schieben. Der Hit ‚Der Morgen danach‘ hat in dem Moment Musikgeschichte geschrieben, als er 11 Wochen in Folge auf Platz Nr. 1 der deutschen Airplay Charts war. Also, das hat auch Frau Fischer mit ‚Atemlos‘ nicht geschafft. Und dieser Rekord ist geknackt von Maite Kelly mit ‚Der Morgen danach‘. Das ist schon Hammer. Da kann man nur gratulieren.“
Zu diesem Zeitpunkt war der 11-Wochen-Rekord von Maite Kelly mit „Der Morgen danach“ noch ziemlich frisch. Helene Fischer hatte es mit „Atemlos durch die Nacht“ „nur“ zehn Wochen in Folge auf die Pole Position geschafft.
Maite Kelly reagierte auf die Glückwünsche allerdings nicht mit Triumphgeheul oder großspurigen Worten. Ganz im Gegenteil. Ihre Antwort zeigt, wie sie selbst ihren damaligen Rekord einordnet – und wie groß ihre Wertschätzung für Helene Fischer ist.
smago! hat die Antwort von Maite Kelly protokolliert:
„Danke schön. Natürlich strebt man nie an, eine Kollegin vom Thron zu stoßen. Das war niemals der Ansatz. Ich glaube, wir haben alle eine Krone. Jede Frau hat eine Krone mitbekommen im Leben. Und auch die Krone hat Dornen. Ob das die Krone der Mutterschaft oder die Krone der Unternehmerin oder die Krone der Liebe ist – alles hat Dornen. Das heißt, alles hat auch Leistungs- und Erwartungsschmerz. Ich war immer schon eine Mitschwester und werde es immer bleiben. Deswegen schreibe ich auch für Frauen.
Es ist trotzdem schön – man nimmt es ja auch ein bisschen sportlich – und der Hammer, zu merken, dass ein Lied so beliebt ist, dass es einen fast unmöglichen Rekord brechen konnte. Ich finde es auch gut, dass es für die Kollegen Ansporn gibt zu sagen ‚Ich gehe jetzt wieder auf die Olympiade‘.
Aber es gibt viele Rekorde von meiner Kollegin – ich nenne sie Helenchen, weil sie wirklich ein ganz, ganz, ganz lieber Mensch – die sollten auch bei ihr bleiben. Weil: Dafür sind wir alle dankbar.
Ich glaube, was für die junge Generation zu merken ist, dass Rekorde brechen noch möglich ist. Ich will nicht, dass die junge Generation das Gefühl hat, dass sie sich das gar nicht zu träumen wagen. Für jeden Sportler ist es wichtig, das Gefühl zu haben: Vielleicht kann ich doch diesen Rekord brechen. Weil: In dem er davon träumt, kommt er viel weiter, als wenn er nicht träumen würde. Das ist der sportliche Aspekt. Und der ist auch gesund. Die sollten auch bei ihr bleiben.“
Dieser Satz von Maite Kelly bekommt aus heutiger Sicht eine ganz besondere Bedeutung. Denn inzwischen hat sich das Rekordkarussell weitergedreht: HELENE FISCHER hat mit „Heute Nacht“ zwölf Wochen in Folge die Spitze der Airplay Charts „Deutschland Konservativ Pop“ behauptet und damit den erst wenige Monate zuvor von Maite Kelly aufgestellten Rekord von elf Wochen übertroffen.
Ausgerechnet Maite Kelly hatte also bereits vor Monaten eine bemerkenswert großzügige Haltung zu genau diesem Thema formuliert. Sie gönnte ihrer Kollegin nicht nur deren Rekorde, sondern machte zugleich deutlich, dass Rekorde überhaupt erst dadurch ihren besonderen Reiz bekommen, dass sie irgendwann gebrochen werden können.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft ihrer damaligen Worte: Es geht nicht darum, einer Kollegin etwas wegzunehmen. Es geht darum, sich gegenseitig zu Höchstleistungen anzuspornen.
Maite Kelly hat mit „Der Morgen danach“ Musikgeschichte geschrieben. Helene Fischer hat nun mit „Heute Nacht“ ein neues Kapitel dieser Geschichte aufgeschlagen.
Und während sich die Rekorde verändern, bleibt eine Aussage von Maite Kelly besonders bemerkenswert:
„Es gibt viele Rekorde von meiner Kollegin – ich nenne sie Helenchen, weil sie wirklich ein ganz, ganz, ganz lieber Mensch – die sollten auch bei ihr bleiben. Weil: Dafür sind wir alle dankbar.“
Mehr Kollegialität, Respekt und Größe kann man kaum in Worte fassen.
Textquelle: Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de

