G.G. ANDERSON
„Alles wird gut“: Das große smago! Exklusiv-Interview mit G.G. Anderson!

Die CD „Alles wird gut“ ist ab heute (04.10.2019) – auch als „Limitierte Fan-Box“ – im Handel erhältlich!

 

 

Das Vorgängeralbum hat es auf Platz 5 der Offiziellen Deutschen Album Charts, die Messlatte für die neue CD „Alles wird gut“  liegt also hoch. In wieweit hält das neue Album diesem Erfolgsdruck stand?

Ich mache immer so meine Tests. Es sieht nicht schlecht aus. Es würde mich natürlich sehr freuen, wenn wir das noch einmal schaffen können. Ich selbst fühle mich nicht so unter Druck. Ich weiß: Wir haben ein wertiges und zeitgemäßes Album mit vielen Autoren gemacht, die wunderschöne Songs geschrieben haben. Es haben viele Personen, die gute Musik machen, mitgewirkt, mit denen habe ich zusammen gearbeitet. Die Messlatte liegt aber in der Tat sehr hoch, die Reaktionen sind aber außergewöhnlich gut. Momentan teste ich den „Diamant“-Song und einige Refrains des neuen Albums auf der Bühne an jedem Wochenende. Und gerade der „Diamant“-Song kommt sehr gut an. Sofort beim ersten Refrain singt jeder mit. Ich habe das Lied auf Kreta mal vorgestellt, da haben 30 oder 40 Mädels geweint oder eine Gänsehaut bekommen – das war schon beeindruckend.

Komponieren Sie aktuell noch für andere Interpreten?

Ich habe momentan viele Aufträge, bin aber noch nicht dazu gekommen, aber seit zwei Jahren arbeitete ich an meinem Album. Das ist vor 14 Tagen fertig geworden, wir haben es gemastered. Leider komme ich jetzt auch erstmal nicht dazu, weil tolle Monate vor uns liegen. Am 4. Oktober kommt das Album, vorher geht schon die Tournee „Die deutsche Schlagerparade“ mit vielen netten Kolleginnen und Kollegen los. Insofern werde ich bestimmt bis vor Weihnachten voll im positiven Stress sein. Aber – man hat ja immer mal frei und Muße, sich in die Ecke zu setzen und bei einem Cappuccino am Kamin nachzudenken. Eigentlich habe ich ja ohnehin den ganzen Tag Musik im Kopf.

Sie haben Weltstars wie Engelbert eine echte Renaissance beschert. Empfangen Sie da Dankbarkeit? Haben Sie konkret zu Engelbert noch Kontakt?

Ich habe momentan zu Engelbert leider keinen Kontakt. Ich habe schon darüber nachgedacht, dass ich ihn gerne sprechen möchte, wenn er wieder in Deutschland ist. Auch für Tony Christie habe ich ja sehr schöne Songs geschrieben, ihn auch produziert. Der ist ja auch ein Weltstar – leider habe ich auch zu ihm nicht mehr den Kontakt wie früher. Die beiden liegen mir immer noch sehr am Herzen. Dazu kommen Audrey Landers und Karel Gott, für die ich auch schon mal etwas produzieren durfte. Das sind Kollegen, die mir sehr am Herzen liegen und die ich sehr gerne mal wiedersehen möchte – ganz sicher.

Wenn man die Anfänge mit den Rackets mit einbezieht, dann kommt man auf ein 55-jähriges Bühnenjubiläum. Lebt von den Kollegen noch jemand – bzw. gibt es da noch Kontakte?

 Wenn man so eine Frage gestellt bekommt, weiß man schon, dass man ein bisschen alt geworden ist (lacht). Gott sei Dank leben alle von den Rackets noch. Von den Blue Moons ist leider einer vor einigen Jahren verstorben. Wir haben nach wie vor einen sehr guten Kontakt. Wenn wir uns hin und wieder sehen, dann gibt es ein großes „Hallo“. Dann wird die alte Zeit besprochen. Die 60er Jahre – das war musikalisch mit den Beatles und den Stones die absolute Revolution. Wir haben nun wirklich alle den Rock’n’Roll mitbekommen – Chuck Berry, Elvis Presley, dann kam der Beat mit den Beatles und den Stones. Dann kam die Flower Power. Wir haben die schönste Zeit der Musik miterlebt – das war grandios.

Nächstes Jahr gibt es zudem „40 Jahre G.G. Anderson“ zu feiern. Wird zu dem Anlass die schon einmal geplante große G.G. Anderson-Tour stattfinden?

Jetzt gehen wir erst mal zum wiederholten Mal auf die „Deutsche Schlagerparade“-Tour. Das macht mir immer ganz besonders Spaß. Ich bin ja der absolute Kumpel-Typ. Ich mache so etwas gerne mit einer Gruppe immer sehr gerne. Alleine aufzutreten im Rahmen einer Tour  – das ist zugegeben etwas überfällig. Eine große Solo-Tour würde mir wohl auch große Freude machen, ich würde das auch richtig pompös und groß machen. Wir arbeiten daran. Wir werden nächstes Jahr – das kann ich schon jetzt versprechen – ein paar Testkonzerte machen. Wenn das so läuft wie wir uns das alle erhoffen und wie wir uns das vorstellen, dann wird es das Jahr darauf eine Solo-Tournee geben. Beckenbauer würde sagen: „Schauen wir mal!“.

Wäre es nicht eigentlich eine Idee, die frühen Aufnahmen als Alexander Marco oder Tony Bell mal auf CD zu veröffentlichen?

Ja, das ist eine gute Idee. Zumal die Songs gar nicht so schlecht waren, die ich damals gemacht habe. Wenn ich an „Weine nicht zum Abschied“ von Alexander Marco denke oder an Lieder wie „Ein kleines Lied vom Sonnenschein“ oder „Wir tanzten nur einen Sommer“. Das sind keine schlechten Melodien und Texte. Das waren die ersten Versuche. Vor einigen Jahren habe ich einen Alexander-Marco-Song noch einmal herausgekramt („Weine nicht zum Abschied“). Ich muss die ganzen Lieder noch einmal durchgehen – schauen wir mal, ob etwas dabei ist. Ich muss sagen – schlechte Sachen haben wir eigentlich nie gemacht.

Auf dem neuen Album ist eine deutsche Version deines Hits „African Baby“ enthalten. Wie kam es dazu, gerade diesen Song noch einmal neu aufzunehmen?

Man muss sich vorstellen, der Titel ist vierzig Jahre alt. Das war Anfang der 1980er Jahre ein Riesen-Hit in Frankreich. Ich habe mit der englischen Version in Frankreich alle großen Fernsehshows gemacht – „Champs Elysees“ und wie die großen Sendungen in Frankreich damals so hießen. Wir hatten einen Mega-Erfolg in Frankreich gehabt. Immer wieder, wenn ich Freunde und DJs treffe, gibt es viele Kollegen, die kommen und sagen, dass mein schönstes Lied „African Baby“ sei. Das habe ich sehr oft gehört. Hinzu kam, dass mein Freund und Produzent Gerd Jacobs in einer Viersener Disco vernommen hat, dass dort am Abend ständig „African Baby“ läuft, und die Menschen sich dort an diesem Song erfreuen. Da haben wir überlegt, dass es höchste Zeit ist, eine deutsche Version dieses Hits zu veröffentlichen. Mein Freund Hannes Kleiner hat einen wunderschönen Text gemacht: „Weine nicht, African Baby“ – ich glaube, das ist ganz gut gelungen.

Wie wurdest du auf den Song „Ale Ale Alexandra“ aufmerksam?

Auf das Original wurde mein Freund und Mentor Michael Holm aufmerksam, der sich an diesem Lied meines Wissens auch die Rechte gesichert hat. Ich habe das gehört, und Gerd Jacobs hat mich auf den Titel aufmerksam gemacht. Ich habe mir den Song angehört und gesehen, dass dieses Lied über 80 Millionen Klicks hat. Da dachte ich mir, das kann nicht so schlecht sein. Mir hatte das sowieso von Anfang an gefallen, ich finde den Song sehr witzig. Der polnische Original-Sänger heißt André. In der polnischen Version gibt es ein fantastisches stimmungsvolles Video, in dem gute Laune Trumpf ist und unglaublich attraktive polnische Mädels tanzen. Das hat mir sehr gefallen, da habe ich gedacht – komm, das machen wir einfach.

Wer verbarg sich seinerzeit hinter der Formation „Cartoon“? Der Titel wurde auch in Spanien veröffentlicht.

„Cartoon“ – das waren zwei Mädels aus Göttingen, die Bernd Dietrich und ich produziert haben. An den Titel werde ich immer wieder erinnert, wenn ich den Spot der Telekom höre (singt die Werbemelodie), weil die Melodie eigentlich 1:1 meiner Komposition entspricht. Ich habe schon mal überlegt, bei der Telekom anzurufen und zu fragen, ob die sich von mir haben inspirieren lassen. Aber ich glaube, wir haben da keine Chance – diese fünf Töne gab es auch anderweitig schon mal. Da kann man nichts machen, aber es ist witzig.

Wie geht es Gary Grab und Tony Macaroni?

(Lacht) – du bist aber bestens involviert ins Thema. Das schöne ist, dass diese „Macarena“-Version, die wir damals gemacht haben – da habe ich damals in Frankfurt Gerd Jacobs kennengelernt. Wir haben damals u. a. in Frankfurt für Lory Glory und andere Acts einige Dance-Sachen gemacht. Wir haben uns ewig aus den Augen verloren. Als ich dann hörte, dass für Andrea Berg ein gewisser Gerd Jacobs tätig war und auch für Fantasy, wollte ich ihn kennenlernen. Und als ich ihn „kennenlernte“, stellte ich fest, dass ich ihn schon längst kannte aus unserer Frankfurter Zeit. Das war damals ein großes „Hallo“. Wir sind inzwischen ein Herz und eine Seele. Gerd und Gerd – uns bringt keiner mehr auseinander. Wir sind ein starkes Team, und wir haben viel Freude zusammen.

Stimmt es, dass Sie der Entdecker von Thomas Anders sind? Dass vielleicht sogar einige Demos gibt, die in den Archiven schlummern?

Es gibt nicht keine Demo-Aufnahmen, sondern Schallplatten. Bernd Dietrich und ich haben die ersten Aufnahmen mit Thomas Anders gemacht. Dieter Bohlen behauptet ja immer gerne, er habe ihn entdeckt. Ich habe in Koblenz Bernd Weidung, wie er ja bürgerlich heißt, kennengelernt. Der kam rein, sah toll aus, hatte eine tolle Stimme und wusste, was er wollte: Im Stil von Udo Jürgens im weißen Anzug an einem weißen Klavier deutsche Schlager zu präsentieren – wir haben drei Titel produziert, die wir unterbringen konnten. Das ist nichts geworden, dann hat Dieter Bohlen mit ihm einige deutsche Sachen gemacht, bis dann die Hansa – allen voran Petra Schumann – auf die Idee kam, dass Dieter mal mit Thomas was auf Englisch macht. Die Nummer, die Dieter gemacht hat, „You’re My Heart, You’re My Soul“, war dann ja ein großer Erfolg. Es ist aber richtig, dass Bernd Dietrich und ich die ersten Veröffentlichungen mit Thomas Anders gemacht haben.

Gibt es unter den weit über 1.000 Kompositionen Lieblingslieder, oder hat man alle gleich lieb?

Das sind ja alles irgendwie „Babies“, sage ich immer. Mittlerweile gehen wir auf die 1.500 zu. Das ist ganz ganz schwer, wenn ich manchmal hier in meiner Kellerbar, in der ich meine CDs habe, Partys mache, Gäste einlade, dann mache ich meinen Freunden nicht nur mit einem Eschweger Pils „AKE“ frisch vom Fass eine Freude – nein, ich spiele auch Songs, bei denen ich Lieder spiele. Da passiert es oft, dass ich zu CDs von mir greife und irgendwie Begeisterung für diese Lieder aufkommt – auch bei Liedern, die Potenzial haben, aber dann vielleicht nicht so erfolgreich waren. Damals wie heute ist es ja üblich, nur zwei, drei oder vier Singles auszukoppeln – das war es dann. Das ist eigentlich schade. Die Lieblingstitel sind eigentlich die, bei denen etwas Besonderes passiert ist. Die „Goldene Drei“ habe ich aus den Händen von Dieter Thomas Heck für „Am weißen Strand von San Angelo“ bekommen. Später wurde ich mit „Sommernacht in Rom“ sogar Nummer Eins der ZDF-Hitparade – noch vor Nena, die zuvor noch nie in der Sendung geschlagen wurde. Das war eine Riesen-Sensation, an die niemand geglaubt hatte – ich am allerwenigsten. „Jeanie“ und „Weiße Rosen schenk ich dir“ sind mir auch sehr ans Herz gewachsen. Das waren schöne Nummern. Oder natürlich „Lieb mich ein letztes Mal“ oder „Schach Matt“ für Roland Kaiser, das sind auch besondere Lieder. Da könnte man jetzt noch eine Stunde erzählen. Da gibt es ganz viele Lieblingslieder.

Welchen Stellenwert hatte die ZDF-Hitparade in der Karriere von G. G. Anderson?

Einen sehr großen. Das gilt nicht nur für mich. Ich glaube, es gäbe viele große Kollegen nicht, wenn es die Hitparade nicht gegeben hätte – gerade in den 70er Jahren, wenn ich z. B. an Namen wie Roland Kaiser, Bernhard Brink, Michael Holm, Drafi Deutscher, Rex Gildo, Chris Roberts und Ireen Sheer denke. All diese Namen, die ich genannt habe, würde es ohne die Hitparade vermutlich nicht geben – Gott sei Dank gab es das damals. Auch für mich war das natürlich ein großer Schritt. Man muss sich vorstellen- in den 70er Jahren haben über 20 Mio. Menschen eingeschaltet. Wenn du das Lied am Samstag Abend in Berlin gesungen hattest wie z. B. „Der Junge mit der Mundharmonika“, wurden am darauffolgenden Montag 60.000 bis 80.000 Schallplatten verkauft, wenn der Titel ankam. Das war schon wirklich ein großer Schritt, dort auftreten zu dürfen. Und allen Schlagersängerinnen und –sänger hat das sehr geholfen.

Du hast in der Begleitband von Michael Holm mitgespielt. Wie war Michael als „Chef“?

Also Michael ist nach wie vor ein Freund. Er ist sehr gastfreundlich. Er hat immer nett eingeladen. Musikalisch war er unheimlich genau. Wir haben die Titel sehr akribisch eingeübt – Lieder wie „Mendocino“ und „Barfuß im Regen“ zum Beispiel. Das klang alles sehr schön, und er war ganz begeistert. Er war dann auch derjenige, der die „Blue Moons“ später als „Love & Tears“ nach England verkauft hat. Wir haben in England im berühmten Marquee-Club gespielt. Da sind wir als „Justin Wolf With Love & Tears“ aufgetreten. Wir haben vor Smokie die erste Coverversion von „Needles And Pins“ herausgebracht. Wir liefen jeden Abend auf Radio Luxemburg bei Tony Prince. Wir kamen in London am Flughafen an, da wurden wir mit Rolls Royce mit Standarte abgeholt – wir hatten das Gefühl, wir werden so erfolgreich wie die Beatles und den Rolling Stones mit eigenem Flieger etc. Wir haben vor 350 Presseleuten, die eine Kamera in der Hand halten, gespielt und hatten sogar die Titelseite des „Melody Makers“ erreicht. Das war ein großer Schritt, aber – immer, wenn ich Michael treffe und wir uns über die damalige Zeit unterhalten, dann sagt er zurecht, dass wir großes Potenzial hatten, etwas ganz Großes mit „Love & Tears“ bzw. „Blue Moons“ zu werden, aber das Glück hat gefehlt.

Ist der Beruf des Komponisten in der heutigen Zeit heute eine brotlose Kunst geworden, weil kaum noch ein Radiosender deutsche Schlager spielt?

Das ist nicht unrichtig. Da hast du leider den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist wirklich furchtbar, dass jeder Radiosender in Deutschland das gleiche spielt. Wenn du von Flensburg nach München fährst, hörst du im gesamten Norden gar nichts mehr. Wenn du durch Göttingen, Kassel und Fulda fährst, hast du Gott sei Dank noch HR4, die etwas Schlager spielen. Unten Richtung München hörst du auf Bayern1 nur noch Oldies und Evergreens wie auf allen Kanälen und Programmen in Deutschland. Aber es gibt natürlich auch entsprechende Schlagersender bei den großen Anstalten. Auch die ganzen digitalen Sender wie Radio Paloma, Schlagerparadies und B2 – die sind auf dem Vormarsch. Es gibt in keinem Land auf der Welt das Phänomen, dass die eigenen Songs nicht gespielt werden. Das muss man sich mal vorstellen, wie erfolgreich der Schlager momentan ist, wenn man sich die Charts anschaut: Amigos, Calimeros, Andrea Berg, Helene Fischer, Roland Kaiser etc. – die sind doch alle in den vorderen Positionen der Charts. Und im Radio wird gesagt, dass man die nicht will. Versuch aber mal eine Party oder eine Party ohne diese Stars und Künstler zu machen.

Wird sich auch im Schlagerbereich das Streamen durchsetzen?

Ja, ganz sicher. Die CD wird es leider nicht mehr lange geben. Aber du hast es ja gerade gesagt, das Streamen wird es ganz sicher geben – ganz sicher.

Dankeschön für dieses tolle Gespräch!

BITTE BEACHTEN SIE:Weitere Teile des großen Exklusiv-Interviews mit G.G. Anderson finden Sie in der aktuellen Ausgabe der STADLPOST sowie im Programmheft zu der Erfolgstournee „Die große Schlager-Hitparade“, das kostenlos bei allen (insgesamt 70) Tournee-Terminen ausliegt.

 

 

 


Textquelle/Bildquelle:
Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de

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