FLORIAN SILBEREISEN, GIOVANNI ZARRELLA u.a.
Nachgefragt bei UWE HÜBNER: Wenn sich Schlager im Fernsehen nicht mehr rechnet …!
Hohe Kosten, immer weniger Ertrag: Warum Plattenfirmen die Teilnahme ihrer Künstler in den großen TV-Shows von Florian Silbereisen und Giovanni Zarrella zunehmend hinterfragen …:
www.smago.de fiel ein interessanter und provokanter Beitrag von Uwe Hübner, der von Januar 1990 bis Ende 2000 die „ZDF-Hitparade“ moderierte und seit nunmehr bald 18 Jahren mit seiner „dj-hitparade“ sehr erfolgreich ist, auf. Mit freundlicher Genehmigung von Uwe Hübner dürfen wir diesen abdrucken.
Vor rund zwei Jahren hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit dem Chef einer großen Plattenfirma. Er sagte damals ziemlich deutlich, dass er allmählich keine Lust mehr habe, seine Künstler in die großen Samstagabendshows von ARD und ZDF zu schicken.
Sein Argument: Die Kosten seien inzwischen enorm. Wenn es nur ein Solokünstler ist, mag das noch einigermaßen überschaubar sein. Aber sobald – was das TV gerne sieht – Tänzer, Bandmitglieder oder eine größere Produktion dazugehören, wird es schnell teuer. Reisekosten, Hotels, Make-up, Styling, Transporte, Essen, Betreuung – all das bleibt letztlich an der Plattenfirma hängen. Ein Auftritt bei Silbereisen oder Giovanni Zarrella könne da durchaus ordentlich ins Geld gehen.
Damals habe ich diese Aussage ehrlich gesagt nicht überbewertet. Das Gespräch war sehr emotional geführt, und ich dachte mir: Okay, da macht jemand seinem Ärger Luft. Außerdem wurden von ihm ja weiterhin, wenn auch in der Tat weniger Künstler zu diesen Sendungen geschickt.
Trotzdem ist mir dieser Gedanke immer im Kopf geblieben. Vor allem, weil er damals mit erstaunlich viel Nachdruck vorgetragen wurde.
Und jetzt wird es interessant: In den vergangenen Monaten haben mir mehrere Insider aus der Musikbranche unabhängig voneinander etwas Ähnliches erzählt. Die Stimmung scheint sich tatsächlich zu verändern. Manche Plattenfirmen fragen sich offenbar immer häufiger, warum sie erhebliche Summen investieren sollen, um Künstler ins Fernsehen zu bringen, wenn sie das Gefühl haben, dafür zu wenig zurückzubekommen. CDs verkaufen sich nicht mehr, Downloads holen kein Geld, Streaming lohnt sich erst, wenn eine immense Anzahl von Aufrufen getätigt wird. Aber selbst diese holt eine TV-Sendung heute kaum mehr rein.
Ob das wirklich so ist, also ob Plattenfirmen intensiv nachdenken und das oben genannte Major Label nicht das einzige ist, kann ich per heutigem Stand nicht beurteilen. Ich weiß auch nicht, wie die aktuellen Vergütungsmodelle im Detail aussehen. Ehrlich gesagt kann ich mir kaum vorstellen, dass das Fernsehen gar nichts zahlt. Aber möglicherweise reichen die Zahlungen schlicht nicht aus, um die tatsächlichen Kosten zu decken.
Spannend fand ich, dass zwei Gesprächspartner sogar die provokante These aufgestellt haben, dass das langfristig zu einem echten Problem für Formate wie die von Silbereisen oder Giovanni Zarrella werden könnte. Nämlich dann, wenn die großen Labels irgendwann sagen: Wir schicken unsere Top-Acts nicht mehr zu jedem TV-Auftritt.
Ich finde diese These sehr beunruhigend, weil solche Sendungen natürlich auch von großen Namen leben. Und noch mehr, weil ich dann für den Nachwuchs noch schlechtere Chancen sehe, dass in ihn investiert wird.

