DIETER THOMAS HECK
DANKE, DIETER THOMAS HECK !!!

„Mr. Showbusiness himself“, wie er von einem renommierten Musikjournalisten einmal genannt wurde, ist am 23.08.2018 im Alter von 80 Jahren verstorben! HIER erinnert sich smago! Chefredakteur Andy Tichler an seine erste Begegnung mit Dieter Thomas Heck …:
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Meine erste Begegnung mit Dieter Thomas Heck verlief (für mich!) so unvorstellbar peinlich, dass ich noch heute alleine schon bei dem Gedanken daran am liebsten vor Scham im Boden versinken würde…

Seinerzeit, Anfang 20, noch bei WOM – World Of Music in Freiburg beschäftigt, hatte mich ein Vertreter der heutigen Universal zur 50. Ausgabe der „Deutschen Schlagerparade“ (mit anschließender After-Show-Party), damals noch moderiert von Jürgen Drews, eingeladen. (Diese Sendung wurde von der Dito Multimedia Produktions-GmbH, also von den Hecks, produziert.) Auf dem Weg nach Baden-Baden meinte der Vertreter zu mir: „Andy, wenn ich Dir heute Abend jemanden vorstellen soll, sag mir einfach Bescheid“. „Also…“, setzte ich sogleich an, „ich würde mich sehr, sehr gerne einmal mit Dieter Thomas Heck unterhalten“. Der Vertreter erschien mir völlig baff und verlegen: „Oh, Dieter Thomas Heck… – also offen gestanden, an Herrn Heck traue selbst ich mich nicht heran. Aber weißt Du was: Ich stelle Dir dafür zehn andere Künstler vor“.

Für mich war es unsagbar spannend, zunächst der TV-Produktion und im Anschluss dann auch noch der After-Show-Party beiwohnen zu dürfen. Und siehe da: Im Laufe des Abends stellte mir der Vertreter tatsächlich (Seinerzeit Universal-)Künstler wie Petra Zieger, Jürgen Drews etc. vor. Die Zeit verging wie im Fluge. Und der sympathische Vertreter betonte nunmehr nach jedem neuen Glaserl Wein „Andy, wenn ich Dich jemanden vorstellen soll, sag einfach Bescheid. Ich stelle Dich JEDEM vor“. So gegen 01.30 Uhr kann dann erstmals ‚der gefährliche Satz‘ „Soll ich Dich mal mit Dieter Thomas – hicks – Heck bekannt machen?“ – „Nein, nein, bitte nicht!“, entfuhr es mir – ob des fortgeschrittenen Promillewertes „meines“ Vertreters…

Es war 04.00 Uhr nachts (bzw. morgens). Aufbruchstimmung. Ich wollte mir ein Taxi rufen lassen. Da sah ich Dieter Thomas Heck, ebenfalls an der Rezeption stehend – mit einem Glas Mineralwasser in der Hand. In just diesem Moment kam, leicht torkelnd, der Vertreter um die Ecke. Er ging direkt auf Dieter Thomas Heck zu, klopfte ihm von hinten kräftig auf die Schulter, so dass sich dieser heftigst verschluckte, und meinte „Llllieber Dieter Thomas Heck…hicks… – darf ich Dir jemanden vorstellen…hick…? Das ist Andy Ti…hicks…chler aus Freiburg. Der macht – hicks – bei WOM in Freiburg die Unterhalt…hicks…abteilung und setzt sich sehr für den deutschen – hicks – Schlager ein“. Dieter Thomas Heck sah mich mit einer gesunden Mischung aus Fassungslosigkeit und Mitleid nur kurz an, reichte mir die Hand und sagte: „Schön, Sie kennengelernt zu haben, Herr Tichler. Wir brauchen solche Leute wie Sie“. – Ich hätte sterben – zumindest aber vor Scham im Boden versinken können!!! Mein großes Idol Dieter Thomas Heck!!! Indes freute sich der Vertreter wie ein kleines Kind und feixte und jubilierte „Andy, ich kenne Sie alle!“… – „Sogar Dieter Thomas Heck. Da staunste, was?“ – Und wahrlich, ich staunte…

JAHRE SPÄTER (!!!) traf ich Dieter Thomas Heck wieder. Es ging um ein großes Porträt für das WOM-Journal zum Thema „30 Jahre ZDF-Hitparade“. Als ich – es war in einem Restaurant in Berlin „um die Ecke kam“, da schoss es sofort aus ihm heraus: „Sagen Sie mal, kennen wir uns nicht?! Damals um 04.02 Uhr im Fairway Hotel, Baden-Baden nach der 50. ‚Deutschen Schlagerparade‘?“ – Ich war völlig baff und – geplättet! Das Interview fand trotzdem statt. Der mehrseitige Bericht über seine „Hitparade“ wurde ein großer Erfolg. Und für mich quasi zum Türöffner in die Branche.


Um die Bedeutung Dieter Thomas Hecks auch nur halbwegs vollständig zu würdigen, würde selbst eine 100-seitige Abhandlung in smago! (oder sonst wo) nicht im Ansatz ausreichen. Herr Heck hat die deutschsprachige Musik- und Entertainmentszene geprägt wie kein Zweiter. Dass „deutsche Musik“ (und das hat nun rein gar nichts mit Deutschtümelei zu tun) so ausgesprochen prächtig gedeiht und sich heute in ihrer schier unglaublichen Vielfalt präsentieren kann, ist zu einem ganz wesentlich Anteil einzig und allein sein Verdienst. Man mag sich überhaupt nicht vorstellen, wo die deutsche Musikszene – speziell der deutsche Schlager – stehen würde, wenn es Dieter Thomas Heck nicht und gäbe. Wir hätten den Schlager vermutlich längst zu Grabe tragen müssen. Allein mit der von ihm ins Leben gerufenen „Goldenen Stimmgabel“ lebte er eindrucksvoll vor, wie man alle engstirnig gesetzten Formatgrenzen aufweichen und munter durchschreiten kann. Bis zuletzt konnten viele Interpreten nach Aufritten in seinen Shows geradezu erdrutschartige Veränderungen in den Charts feststellen. Wann immer irgendwo der Begriff „Hitparade“ fällt, denkt man unweigerlich automatisch an Dieter Thomas Heck. Seine „Hitparade“ hat Generationen von Künstlern hervorgebracht, die man heute noch kennt und nach wie vor ein gutes Auskommen mit ihren Hits von damals haben.

Eigentlich hätte jeder Musikschaffende in Deutschland einen Solidaritätsbeitrag an Herrn Heck entrichten müssen.

Als ich, seinerzeit Anfang 20, Dieter Thomas Heck vor etwas mehr als 20 Jahren das erste Mal persönlich begegnen durfte, fühlte ich mich an meine ganz frühen Kindheitstage zurückerinnert – als ich mir vorgestellt hatte, wie es denn wohl wäre, einmal dem lieben Gott gegenüberzusitzen. Nach diesem ersten Gespräch mit Herrn Heck wusste ich, wie sich das wohl anfühlen dürfte. Herrn Heck umwehte eine Aura, die in diesem Universum schlicht und ergreifend einzigartig ist.

Der frühere ZDF-Intendant Prof. Dr. Dieter Stolte hat es einmal auf den Punkt gebracht, in dem er „Mr. Showbusiness himself“, wie der geschätzte Journalistenkollege Hans Schaffner einst schrieb, als „den größten Kommunikator, den das ZDF jemals gehabt hat“ würdigte. Die neue Generation in der oberen ZDF-Etage ließ diesen Respekt leider bisweilen etwas vermissen. Dabei ist Dieter Thomas Heck für viele bis heute das personifizierte Zett Deh Eff.

Mich persönlich hat Dieter Thomas Heck geprägt wie kaum wer anders. „Danke, Dieter Thomas Heck, dass ich noch ein Stück weit mit Ihnen als ‚meinem Showmaster‘ aufwachsen durfte.“ Es wird mir sehr fehlen – unser fast schon traditionelles jährliches Treffen mit der „Bestandsaufnahme“ zu seiner „Goldenen Stimmgabel“. Herr Heck ist auch unbequeme(re)n Interview-Fragen niemals ausgewichen. Was ich Herrn Heck ganz besonders hoch anrechne, ist, dass er einen auch mal über die Stränge schlagen ließ und mit väterlicher Güte über manche „Journalisten-Hitzigkeit“ hinwegsah. Die Zusammenarbeit mit ihm und seinem Büro verlief über all die Jahre ausgezeichnet. Auch hierfür meinen ausdrücklichen Dank. Dass Heck im Juni 2006 in einer großen Boulevard-Zeitschrift auf die Frage „Welche Website ist Ihr Favorit, Herr Heck?“ unser Online-Portal www.smago.de nannte, war dies ein Motivationsschub für mindestens zehn weitere Jahre. Als wir im Januar 2007 smago! Radio ins Leben riefen, war er einer der ersten, die sofort zusagten, eine Sendung zu moderieren. Auch und gerade, um uns auf diese Weise eine Starthilfe zu geben. Seine einzige „Bedingung“: bloß keine Gage für die erste Sendung! Kurze Zeit später gab er ungeniert in der „NDR Talk Show“ zu Protokoll: „Das habe ich bei smago! gelesen“.

In drei Worten zusammengefasst würde ich sagen wollen: Lieber Dieter Thomas Heck: DANKE FÜR ALLES !!!

 

Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de

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