DIETER THOMAS HECK
“Wie alles begann” – heute (18.01.2019) vor 50 Jahren wurde die erste “ZDF-Hitparade” gesendet!

Der Rest ist Geschichte!

 

 

Das „5 Uhr Blatt“ schreibt am 5. Oktober 1968 unter dem Titel „Noch Geheimsache: Fernseh-Hitparade!“: Die Mainzelmännchen haben eine dicke Überraschung für Schlagerfreunde in der Tasche: Im nächsten Jahr wird das Zweite Deutsche Fernsehen ständig Fernseh-Hitparaden ausstrahlen. Ein Mann mit großem Namen soll Regie führen: Truck Branss! Und Dieter „Thomas“ Heck von der Europawelle Saar, dessen „Deutsche Schlagerparade“ jeden Samstag im „5-Uhr-Blatt“ erscheint, soll als TV-Disk-Jockey plaudern und agieren. Er hatte bisher nur beim Funk Erfahrung gesammelt, hatte bei Radio Luxemburg als „Thomas“ einen großen Namen und ist jetzt Hit-Paradepferd des Saarländischen Rundfunks. Seine täglichen Sendungen „Hits mit Dieter ‚Thomas’ Heck“ (17.05 Uhr) und die „Deutsche Schlagerparade“ (samstags 16.05 Uhr) zählen zu den Hörer-Hits der Europawelle Saar.

Mit dieser Fernseh-Hitparade, bislang noch „Geheimsache“ beim Zweiten Deutschen Fernsehen, kann es den Mainzern gelingen, die beliebteste Schlagersendung auf deutschen Mattscheiben zu bieten. Die Hitparaden werden voraussichtlich nach den Verkaufszahlen der Plattenindustrie zusammengestellt. Die Sendungen sollen in verschiedenen deutschen Städten produziert werden


Jetzt sind wir gespannt darauf, ob sich die Herren vom 1. Programm eine echte Konkurrenzsendung zu dieser geplanten ZDF-Hitparade einfallen lassen werden. Die „Musik aus Studio B“ soll bekanntlich verschwinden. Die „Ersatzsendung“ dafür wird vielleicht als Konkurrenzbeitrag zur Hitparade der Mainzelmännchen eingerichtet.

Die „Hamburger Morgenpost“ verkündet am 8. Oktober 1968: Regisseur Truck Branss („Meine Melodie“) wird ab Januar nächsten Jahres für das ZDF eine neue Farbserie für alle Schlagerfans aufnehmen. Das bestätigte jetzt Programmdirektor Joseph Viehöver. Sinn der Sendung ist es, alle von der Plattenindustrie ermittelten Hits auch dem Fernsehpublikum vorzustellen. Die Show-Sendungen sollen etwa fünfzig Minuten dauern und alle sechs oder acht Wochen ausgestrahlt werden. Als Discjockey wurde Dieter „Thomas“ Heck von der Europa-Welle Saar verpflichtet. Heck stellt auch in der „Morgenpost“ die erfolgreichsten deutschen Schlager vor.

 

Diese da sind derzeit:

  1. 01. (01) Ich bau dir ein Schloss – Heintje
  2. 02. (–) Deine Welt – meine Welt – Freddy
  3. 03. (02) Lieber mal weinen im Glück – Renate Kern
    04. (04) Bunter Luftballon – Nena
    05. (03) Wer das verbietet – Rex Gildo
    06. (05) Du bist da – Roy Black
    07. (06) Eifersüchtige Mädchen – Peter Alexander
    08. (–) Wahre Liebe ist ganz leise – Udo Jürgens
    09. (07) Susanna – Erik Silvester
    10. (09) Mit verbundenen Augen – Bata Illic

Der Programmzeitschrift „Hör Zu“ hat Truck Branss im Vorfeld mitgeteilt: „Ich habe Dieter Thomas Heck als Aushängeschild für die Hitparade gewählt, weil er unverbraucht ist und sich im Rundfunk bewährt hat.“ „Hör Zu“ kündigt die Sendung wie folgt an: „Frohe Botschaft für Schlager-Fans. Am 18. Januar startet das ZDF eine deutsche Hitparade. Damit die Sendung wie eine Rakete in den Schlagerhimmel steigt, hat man einen Heck-Motor besonderer Art installiert. Ohne Zylinder, voller Takt will Dieter Thomas Heck all das präsentieren, was sich auf unserem Hit-Treppchen ganz oben tummelt.“ Die Zeitschrift „Gong“ zeichnet gar ein Psychogramm von Heck: „Er hat ein kompliziertes, hintergründiges Gesicht, jung in den Konturen – trotz Andeutung von Ziegenbart. Ein Gesicht mit skeptischen Augen hinter funkelnden Gläsern. So könnte Herzog Alba als Twen ausgesehen haben – oder Sammy Davis jr., wenn er hellhäutig und 30 cm größer wäre.“

Diese aller erste Ausgabe, die ursprünglich bereits eine Woche früher ausgestrahlt werden sollte, ist keine Live-Sendung und beginnt daher noch nicht, wie später üblich, mit dem genauen “Blick zur Uhr” und der exakten Zeitansage von Dieter „Thomas“ Heck, sondern mit dem Zählwerk, dass nach kurzem Anfangsapplaus zu laufen beginnt…:

„Hier ist Berlin! Das Zweite Deutsche Fernsehen präsentiert Ihnen Ausgabe Nr. 1 der Hitparade! Am Mikrofon Ihr Dieter Thomas Heck, guten Abend!“

 

 

Niemand ahnt, dass an dem Tag die erfolgreichste Showsendung des deutschen Fernsehens aus der Taufe gehoben wird. Man ahnt zu diesem Zeitpunkt auch nicht, dass Dieter „Thomas“ Heck seinen Wortschwall so genau dosieren kann, dass er die letzte Silbe („Eff!“) immer nach exakt 2.999 Sekunden ausstößt.

“Wir fahren live“, erklärt der damals 31-jährige Moderator gleich zu Beginn. „Das heißt: Nur das Orchester, nur der Chor kommt vom Band, alles andere kommt direkt vom Original – von unseren Interpreten. Meine Damen und Herren, wir möchten Ihnen eine Hitparade präsentieren. Eigentlich ist das Ganze noch keine Hitparade, denn heute stellen wir Ihnen zum ersten Mal insgesamt vierzehn Titel vor. Wir haben den Schallplattenfachhandel befragt, die Musikboxaufsteller und last not least eigentlich Sie befragt, denn wir haben die Hitparaden uns angeschaut, die bestehenden Hitparaden. Sie sollen aus diesen vierzehn Titeln ihre Lieblinge auswählen, denn: Die Hitparaden machen nicht wir, die machen Sie! Heute Abend vierzehn Titel in alphabetischer Reihenfolge…“

14 Titel, 14 Interpreten also. Jeder Interpret kann dreimal wiedergewählt werden, insgesamt also 4x in Berlin dabei sein (1x als Neuvorstellung, 3x als Platzierter). Und schließlich: Jeder Zuschauer kann 1969 mit seiner Postkarte die Platzierung mitbestimmen. Sänger mit großen Fanclubs sind eindeutig im Vorteil.

Bata Illic rührt „Mit verbundnen Augen“ auch noch Jahrzehnte später zu Tränen. Elke Heidenreich,  vom Reclam Verlag um einen Beitrag für das Buch „Schlager, die wir nie vergessen“, mahnte im Juni 1996 an: „Vergessen Sie aber nur ja nicht das schöne Lied von Bata Illic: ‚Abends ging ich durch die Straßen und sah einen Schatten stehn’…, als dann nämlich die Lampen ausgingen, passierte folgendes Refrainwunder: ‚Disch erkenn isch mit värbundnen Augen, ohne Lischt (!) und (!!) in där Dunkälheit’. Noch heute treibt mir soviel Liebe die Tränen in die Augen. Schluchzend, Ihrä Älkä Heidenreich“.

Renate Kern muss ihren Auftritt als Folge eines Autounfalls an Krücken absolvieren.

Eine Einrichtung der ersten Stunde ist der sogenannte Schnelldurchlauf, der alle Titel nochmals in umgekehrter Reihenfolge Revue passieren lässt, um diese dem Zuschauer für die Wahl per Postkarte ins Gedächtnis zu rufen. Hierbei kommen die Ausschnitte jedoch stets von den originalen Schallplatten-Aufnahmen, während bei den eigentlichen Auftritten nur das Halbplayback (Chor und Orchester) von einem ziemlich nervösen „Achim“ (mit langem „A“) vom Band eingespielt wird (in dieser Sendung). Später übernimmt der legendäre Reiner diese Funktion und wiederum später „Klaus“ bzw. auch mal dessen Urlaubsvertretung Wolfgang.

Eine weitere Besonderheit der Hitparade: Der Abspann am Ende der Sendung läuft nicht durchs Bild, der Abspann wird von Dieter „Thomas“ Heck im Schnelltempo vorgelesen (eine Idee des Regisseurs Truck Branss). Bis heute klingt die legendäre Zuschauerinformation „Szenenbild: Joachim Czerczenga” wie Musik in den Ohren aller Hitparaden-Fans. Wobei sich Dieter „Thomas“ Heck in dieser ersten noch etwas schwer tut mit diesem zungenbrecherischen Namen („Zerzenga“ – statt „Tscherschenga“).Nach einem kleinen „Stolperer“ bei der Adresse des ZDF hat der neue TV-Moderator es dann auch endlich geschafft und verabschiedet sich sichtlich erleichtert mit den Worten, die als weiterer Satz in die Fernsehgeschichte eingehen sollten: „Eine Sendung dessssss ZDF“.

Das Team damals:

Regie: Truck Branss

Redaktion: Dieter Weber

Produktionsleitung: Eberhard Klein

 

 

 

Hitparade Nr. 001 – 18.01.1969
Titel Interpret
Rot ist die Liebe Anna Lena
Ich denk’ an dich Roy Black
Wähle 3-3-3 Graham Bonney
Mein Herz sagt oui Jacqueline Boyer
Dondolo Rex Gildo
Weißt Du wohin Karel Gott
Mit verbundenen Augen Bata Illic
Du musst mit den Wimpern klimpern Renate Kern
Der Herr Marquis Lisbeth List
Zigeunerhochzeit Siw Malmkvist
Guantanamera Manuela
Sie schaut mich immer wieder an Peter Orloff
Olala, sie hat rotes Haar Erik Silvester
Liebst du mich Gerhard Wendland

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