MICHAEL HOLM
smago! Serie "Schlager-Rückblick "vor 40 Jahren" von Stephan Imming: Teil 21 – Michael Holm ("El Matador")!

Neuzugang 14.04.1975! 

MICHAEL HOLM wurde am 29.07.1943 unter dem Namen Lothar Bernhard Walter  in Finkenwalde in Stettin (damals Polen) geboren. Drei Jahre später verschlug es seine Familie mit seiner Zwillingsschwester Mechthild und drei weiteren Geschwistern nach Erlangen, wo er später das Humanistische Gymnasium Erlangen besuchte (dort hatte er 1958 seinen ersten Musik-Auftritt auf einem Schulball), sein Abitur machte er in Nürnberg. Nach dessen Anschluss schrieb er sich im Jahr 1962 an der Freien Universität Berlin für ein Jura-Studium ein und zog deshalb auch in diese Großstadt.

Schon früh lernte Michael, Flöte zu spielen in einem Familien-Ensemble (Eltern und Geschwister spielten Geige, Bratsche, Cello und Klavier). Als Kind war er auch Mitglied des Kinderchors von Professor Kempf, der damals im Raum Erlangen sehr bekannt war. Lange hält es Michael nicht bei der Klassik – Bill Haleys Song „Rock Around the Clock“ hat ihn so fasziniert, dass er sich als Teenager eine Schlaggitarre („Framus“) kaufte, die er sich mit einem Ferienjob bei einem Bauern in Möhrendorf bei Erlangen selber verdient hatte (vielleicht entstand schon damals seine Naturverbundenheit, bis 2008 wohnte er ja mit seiner Frau Beate ("Bimbi") und seinen Kindern Maximilian und Anna-Franziska auf einem 40 Hektar großen Bauernhof im oberbayrischen Weilheim).  (In der Anfangszeit wohnte auch noch Holms Tochter Franziska mit im Haus). Das Spielen brachte er sich als Autodidakt selber bei, wobei seine Notenkenntnisse aus der Hausmusik sicher hilfreich waren.

Die Rock’n‘Roll-Songs, die er u. a. in Radio-Sendern wie AFN hörte, inspirierten ihn so, dass er sie nachspielte und damit in Erlangen mit einer Band auch auftrat und dort schnell regional bekannt wurde. Ab und zu streute er schon damals auch eigene Nummern in das Programm mit ein. Noch zu Schul-Zeiten legte er sich einen Manager zu: Mitschüler Klaus Buhl nahm Demo-Bänder mit von Michael gesungenen Titeln wie „Tutti Frutti“ und „Moonlight“ auf und legte sie Schallplattenfirmen vor.

So kam der Kontakt zur Plattenfirma Telefunken zustande, wo er von Kapellmeister Gert Wilden zu einer Party eingeladen wurde, bei der er Bert Berger kennen lernte (auch „Boy Berger“ genannt, bürgerlich Albert Schützenberger – nicht zu verwechseln mit Norbert Berger, dem verstorbenen männlichen Part von Cindy und Bert).  Mit ihm improvisierte er noch bei der Party einen gemeinsamen Auftritt, was zu ersten Aufnahmen und schließlich zum ersten Plattenvertrag führte.

Die erste im März 1961 entstandene Aufnahme des neu formierten Duos „Die Missouris“, „Ich will Dich immer wieder küssen“, entstand unter der musikalischen Leitung ihres Entdeckers Gert Wilden. Die Produktion übernahm damals Mal Sondock, der Jahre später als DJ-Moderator des WDR über viele Jahre hinweg überaus populär wurde. Eine Moderatoren-Karriere blieb Michael Holm verwehrt, auch wenn er 1967 für vier Wochen als Urlaubsvertretung für Dieter Thomas Heck Sprecher bei Radio Luxemburg war und zwischen 1971 und 1974 sogar für den WDR als Moderator der TV-Sendung „Stars präsentieren Stars“ tätig war.

Schon mit der zweiten  Single, „Texas Jimmy“, nahm das Duo am 4. Juni 1961 bei den ersten deutschen Schlagerfestspielen im Kurhaus in Baden Baden teil und erreichte dort mit diesem Western-Schlager einen beachtlichen  zweiten Platz. Mit dem „Rückenwind“ kam es im August 1961 sogar zu einer Platzierung in den Top 50 der meist verkauften Singles in Deutschland, und das Duo kam als Gast in dem Schlagerfilm „Schlagerparade 1961“ vor.

Bis zu seiner Auflösung  im Jahre  1963 wurden mit den „Missouris“ immerhin neun Singles herausgebracht, später auch unter der Produktion von Wolf Kabitzky. In dieser Zeit gelang lediglich ein weiterer Hit-Erfolg, „Der King“, eine Coverversion des Elvis-Presley-Titels „The King Of the Whole Wide World“.

Aufgrund des Erfolgs mit dem Duo beschloss die Plattenfirma, auch mit Michael Holm als Einzelinterpreten an den Start zu gehen. Die erste Solo-Single war ebenfalls die deutsche Adaption eines Elvis-Hits: Aus „Wild In The Country“ wurde „Das Lied von der Liebe“ – der Song wurde auch zu einem Hit-Erfolg, allerdings in der Interpretation des damals sehr erfolgreichen „deutschen Elvis‘“ Ted Herold. Bemerkenswert: Auf der Rückseite der 1961 produzierten Single war Holms erste veröffentlichte Komposition zu hören: „Denk‘ nicht mehr daran o Cowboy“.

Auch die unter der Produktion von Wolf Kabitzky entstandenen Nachfolge-Singles waren Cover-Versionen: „Bald wirst Du wieder glücklich sein“ (deutsche von Günter Loose getextete Version des Johnny-Ferguson-Hits „No One Can Love You Like I Do“) und „Die junge Liebe ist süß“ (deutsche von Claus Ritter getextete Version des Elvis-Hits „Just Tell Her Jim Said  Hello“).

Der erste „Nicht-Cover“-Song Michael Holms war auch sein allererster eigener Hit in den Charts: Mit „Lauter schöne Worte“, einer Komposition des erfolgreichen Schlagerkomponisten Werner Scharfenberger und der damals bekannten Texterin Fini Busch, fand er sich am 01.08.1962 erstmals in den Verkaufs-Bestenlisten.  Als Co-Interpreten wurden auf der Single die „Sunnies und die Cornels“ erwähnt.  Dieser Chor hat nicht nur bei erfolgreichen Schallplatten-Aufnahmen mitgewirkt, sondern vor allem auch bei Fernseh-Musiksendungen wie z.B. Hotel Viktoria als Background- oder Begleitchor, aber auch solistisch. Michael Holm selbst hatte 1962 seinen ersten TV-Auftritt in der Sendung „Zu Gast bei Trude Hesterberg“.

Als Interpret trat der ehrgeizige Jurastudent 1963 mit Tony Sheridan in München im „Löwenbräu-Keller“ auf. Trotz einer großen Liebe in Berlin zog es ihn in jenem Jahr nach München. Ein Jahr später war er bei der „Tournee der Goldenen“ mit Schlager-Größen wie Nana Mouskouri, Gerhard Wendland, Heidi Brühl und Peter Beil und anderen auf Tournée. Er begann, für andere Interpreten erste Lieder zu schreiben, so wurde in diesen Jahren „Kann ich Dir vertrauen“ von Petula Clark ein Achtungserfolg.

In dieser Zeit stellte er entscheidende Weichen für die Zukunft, indem er in Berlin mit Peter Meisel von den Meisel-Musikverlagen Zukunftspläne schmiedete.

Einige Zeit später, 1965, hat Michael Holm auch Erfolg als Komponist – der Berliner Jazzmusiker Roger Bennett hatte mit dem Instrumental-Stück „Kungsleden“  (der eigentliche Song-Titel „Desert Island“ wurde in Japan verworfen wegen der Namensidentität mit einem schlüpfrigen Film) in Japan(!) einen Riesen-Erfolg. Das ist umso bemerkenswerter, als Holm das Lied bereits als 16-jähriger Oberschüler geschrieben hatte. Von „Desert Island“ entstanden im Laufe der Zeit zahllose Cover-Versionen, es war das erste Lied, mit dem Holm richtig gut Geld verdiente.

Im gleichen  Jahr hatte er seinen bis dato mit Abstand größten nationalen Hit-Erfolg mit dem Lied „Alle Wünsche kann man nicht erfüllen“, einer Komposition Joachim Heiders, mit dem er fortan zusammenarbeitete. Aufgrund dieser Erfolge  beschloss Michael Holm mit dieser Entwicklung, sein Jura-Studium nach sechs Semestern aufzugeben.

Mit Joachim Heider, den er bei einer Drafi-Deutscher-Session in Berlin kennen lernte und dessen musikalische Fähigkeiten ihm imponierten (Heider spielte Klavier, komponierte, textete und arrangierte), gründete er übrigens damals ein Duo namens „Mike und Joe“. Obwohl die Plattenfirma vollmundig versprach: „Ein toller Hit-Sound ist geboren“, erschienen nur drei eher erfolglose Schallplatten (u. a. der Beat-Schlager „Blue Beat Baby“).

Mit Heider schrieb Holm 1965 auch den Song „Summer in Hawaii“, den er gemeinsam mit niemand geringerem als Drafi Deutscher unter dem Pseudonym „Blue Brothers“ veröffentlichte – nachdem der Titel floppte, wurde das Projekt „Blue Brothers“ wieder auf Eis gelegt.

Ein weiteres Pseudonym war „Gary And the Gamblers“ – unter diesem Namen wurde 1965 der Flop „Vertrau auf mich“ veröffentlicht.

Seine „Lehrzeit“ bei Telefunken lief mit Vertragsablauf 1965 ab – die vielsagenden Titel „Das kann doch nicht das Ende sein“ und „Lass mich gehen!“ waren die letzten Lieder.

In der Folgezeit war Holm zunächst für Philips aktiv – der Heider-Song „Ich kann Dich nicht vergessen“ floppte, und Michael unterschrieb noch im gleichen Jahr einen Vertrag mit der damals gerade für Nachwuchssänger umtriebigen Hansa.

Dort produzierte er eine knappe Handvoll eher erfolgloser Singles, allerdings begann nun die Zusammenarbeit mit Hansjörg „Giorgio“ Moroder, mit dem er in späteren Jahren noch große Erfolge erzielen sollte, indem die beiden  für etliche Schlagerstars Kompositionen nach Maß anfertigten. Die Hansa-Produktionen „Es kam wie der Blitz“, „SOS – Herz in Not“, „Tausend Volt“ und „Top Secret“ vermochten sich in den Jahren 1966 bis 1968 allerdings noch nicht durchzusetzen.

Als Song-Writer lief es in dieser Zeit für Holm besser, so schrieb er für Ricky Shayne gemeinsam mit Giorgio Moroder dessen Hit „Ich sprenge alle Ketten“. Auch Roy Blacks bei den Schlagerfestspielen 1966  vorgetragenes Lied „Irgendjemand liebt auch Dich“ mit einem Text von Michael Holm fällt in diese Zeit.

Das  Liberty-Intermezzo mit der Single „Regenprinzessin“ wurde hingegen kein Erfolg, so dass Michael Holm 1969 erneut die Plattenfirma wechselte – diesmal verschlug es ihn zur Ariola.

Bevor er aber als Solo-Künstler loslegte, erinnerte er sich an seinen Kumpel Joachim Heider, mit dem er ja bereits als „Mike und Joe“ und auch 1967 in einem einmaligen Intermezzo als „The Hippies“ unterwegs war und probierte es unter neuem Pseudonym mit ihm als „Daisy Clan“. Die Rechnung ging auf, der Song „Muny Muny Muny“ platzierte sich Anfang 1969 in den Charts; insgesamt wurden unter diesem Namen zwischen 1968 und 1972 sechs Singles veröffentlicht. Die Schallplattenveröffent-lichungen kamen auch international – insbesondere in Japan und Spanien – an.

Seinen Urlaub verbrachte er in dieser Zeit auf Sylt. Beim Reiten wurde er von einer Stute abgeworfen, brach sich den Arm und landete in einem Münchener Krankenhaus, wo er von Kumpel Giorgio Moroder besucht wurde,  der ihm dort eine Schallplatte namens „Mendocino“ vom texanischen Sir Douglas Quintett vorspielte. Holm gefiel der Song auf Anhieb – in der Klinik hatte er ohnehin nichts besseres zu tun, also verfasste er einen deutschen Text zu diesem Song. Er verwarf die Überlegung, angesichts der Flops der Vorjahre als Sänger nicht mehr in Erscheinung zu treten und lieber nur noch zu produzieren und komponieren und nahm den Song auf, der 1969 zu einem Millionen-Hit wurde und bis heute als Evergreen bezeichnet werden kann: Gleich die erste Ariola-Single schlug also mächtig ein und war der Beginn einer 10-jährigen Zusammenarbeit. Sein Beiname „Mr. Mendocino“ war geboren.

Nicht zuletzt aufgrund mehrerer erfolgreicher Platzierungen (zwei mal Platz 1) in der ZDF-Hitparade verwies Holm mit seiner Version das Original auf die hinteren Plätze der Verkaufs-Charts. Gleich zwei Goldene Schallplatten  (als Sänger und Texter), die Goldene Europa und den „Silbernen Löwen“ von RTL konnte er für diesen Song in Empfang nehmen.

Im gleichen Jahr gelang es Holm, gemeinsam mit Giorgio Moroder  unter dem Pseudonym „Spinach“ den Song „America – America“ in Japan zum Renner zu machen. Mit dieser Bubblegum-Music hatten die beiden einige Erfolge, auch die Songs „Sweet Sixteen“ und „Action Man“ kamen in Japan an. Nach der Trennung von Giorgio Moroder übernahm vorübergehend Rainer Pietsch dessen Part in der Gruppe, allerdings war das nur ein kurzes Intermezzo, da die Gruppe sich 1973 wegen ausgebliebenen Erfolgs auflöste.

Diese Zeit war der Beginn einer unglaublichen Hit-Serie, die sich über Jahre hinzog. Gleich der Anfang 1970 zum Erfolg avancierte Nachfolge-Song „Barfuß im Regen“ (erneut von Kumpel Giorgio Moroder komponiert und produziert, Text  Michael Holm) wurde wieder ein Top-10-Hit.

Mit „Wie der Sonnenschein“, einem  weiteren Top-10-Hit, der wieder Platz 1 der ZDF-Hitparade erreichte, wurde noch im gleichen Jahr der Hit-Erfolg auch in Deutschland fortgesetzt. Der Song war von „Sheila“ (, die später als Sheila B. Devotion Karriere machte,) adaptiert und hieß im Original „Fernando“ (nicht zu verwechseln mit dem späteren ABBA-Song). Holms Version ist vermutlich aber an ein weiteres Cover angelehnt, nämlich an „Un rayo de sol“ von Los Diablos. Jedenfalls ist Michael Holms Version die erfolgreichste dieses Hits in Deutschland. Diesen Song interpretiert er übrigens auch in einem 1973 produzierten Kinofilm, in dem er sich selbst spielt mit dem „anspruchsvollen“ Titel „Mein Vater, der Affe und ich“.

Mit „Ein verrückter Tag“, der auch auf englisch aufgenommen wurde („That’s Right“), wurde 1971 für drei Jahre die Liste der Top-10-Hits beendet, wenngleich die Hit-Serie weiter ging.

Nebenbei war Michael Holm auch international erfolgreich, so platzierte er sich als Interpret zwischen 1970 und 1972 vier mal in den „South African Rocklists“ mit den Songs „Mademoiselle Ninette“, „Mendocino (engl.)“, „Dancing In the Sun“ und „I Will Return“.

Der kongeniale Partner Michael Holms jener Jahre, Giorgio Moroder, veröffentlichte 1971 in englischer Sprache einen Song, in dem er erneut mit Synthesizer-Klängen experimentierte – „Son of My Father“. Der Song war so modern produziert, dass er sogar in die Top-50 der US-Charts kam. Die Version der britischen Band Chicory Tip war so erfolgreich, dass dieser Song mit dem Co-Autor Michael Holm Platz 1(!) der britischen Charts enterte und auch sonst international überaus erfolgreich war. Michael Holms deutsche Version „Nachts scheint die Sonne“ war zwar ähnlich modern produziert, kam über einen Top-30-Hit (immerhin) in Deutschland aber nicht hinaus – vielleicht war man damals der  Zeit etwas voraus, der Song ist bärenstark produziert und klingt selbst heute noch ansprechend. In der ZDF-Hitparade wurde das Lied zwar vorgestellt, konnte sich jedoch nicht platzieren.

Das änderte sich wieder mit dem deutlich ruhigeren  und melancholischem, aber erneut modern produzierten ersten 1972er-Hit, einer deutschen Vokal-Version des Springwater-Instrumental-Hits „I Will Return“ mit dem Titel „Du weinst um mich“.

Die deutsche Version des The-Gallery-Hits „Nice To Be With You“ hieß bei Michael Holm „Es ist schön, bei Dir zu sein“ – erneut kam der Song 1972 zwar in die Hitlisten und wurde erneut ein Top-30-Erfolg – der ganz große Wurf wie frühere Hits war aber auch das nicht, zumal der Song sich erneut trotz Vorstellung in der ZDF-Hitparade nicht platzieren kann, was in damaligen Jahren immer ein guter Indikator war.

Vermutlich sah Michael Holm daher den Bedarf, etwas zu ändern, und beendete Ende 1972 die Zusammenarbeit mit Giorgio Moroder, um fortan selbst als Produzent in eigener Sache tätig zu werden – unterstützt vom Co- (und späteren Haupt-) Produzenten Rainer Pietsch, der schon früher für ihn arrangierte. Holm trat ja selbst auch schon für andere Künstler erfolgreich als Produzent in Erscheinung, z. B. für Martin Mann, dessen Ralph-Siegel-Komposition „Meilenweit“ er u. a. produziert hatte.

Apropos Ralph Siegel – in jenem Jahr textete Michael Holm dessen Rex-Gildo Komposition „Fiesta Mexicana“ – der legendäre Schlager-Schlachtruf  „Hossa!“ ist also Holms Idee…

In diesen Jahren wurde Michael Holm von einem damals sehr umtriebigen Manager namens Dieter Behlinda betreut, der auch Co-Produzent Holms einiger Schallplatten (z. B. „Needles And Pins“, Rock And Roll Lullaby“ und „Much Too Young“) von Holms Begleit-Band „Love And Tears“ war (Mitglied dieser Band war u. a. G. G. Anderson). Behlinda war damals für viele Schlager-Größen ein Begriff, so war er auch Christian Anders‘ und Dieter Thomas Hecks Manager und nahm für sich in Anspruch, Holm mit Hilfe der von ihm betreuten „Hitparaden-Tourneen“ groß gemacht zu haben (Zitat „Ich brachte ihn ganz nach oben“). Offensichtlich ist der Streit derart eskaliert, dass zu dieser Zusammenarbeit zwischen Behlinda mit Michael Holm, aber auch mit anderen seiner Schützlinge so gut wie nichts an Information  zu bekommen ist.

Die erste von Michael Holm in Eigenregie produzierte Single war „Gimme Gimme Your Love“, ein Song, den der junge Ralph Siegel mit komponiert hatte. Erneut modern mit Synthesizer-Klängen produziert und gefällig komponiert, war der Song gerade mal drei Wochen in den Verkaufs-Hitparaden.

Mit den Liedern „Glaub‘ daran“ und „Das Beste an Dir“ nahm Michael Holm 1973 an der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix teil und belegte mit beiden Liedern hintere Plätze, so dass von diesen Songs auch keine Single-Veröffentlichungen erfolgten.

Die nächste Schallplatte unter der neuen Konstellation schlug gewaltig ein: Den gleichnamigen Hit „My Lady Of Spain“ der niederländischen Band The Classics übertrug Holm ins Deutsche und schrammte damit knapp an einem Top-10-Hit vorbei (Platz 11). Mit seiner zweiten  eigenen Produktion für sich selbst landete er nach längerer Zeit auch  mal wieder auf Platz 1 der ZDF-Hitparade. Auch die B-Seite dieser Single, „Halte fest den, der Dich liebt“ ist bemerkenswert – die Nummer wurde nämlich Jahre später vom „Meister“ Guildo Horn unter der Produktion von Michael Holm 1998 neu veröffentlicht.

Bestandteil dieser Guildo-CD war auch der mit Holm 1997 im Duett gesungene Song „Baby, Du bist nicht alleine“ – dieses Lied war ein Cover von Lobos „Baby – I’d Love You To Want Me“. Der englische Song war Bestandteil der damals sehr populären TV-Krimireihe „Der Kommissar“ und war entsprechend erfolgreich, Holm konnte mit seinem Text und seiner Interpretation an diesen Erfolg  anknüpfen.

Mit „Nur ein Kuss Maddalena“ läutete Michael Holm die 1974er Schlager-Saison ein – diesmal war es wieder ein Uptempo-Schlager mit imposantem Drum-Solo im Mittelteil: „Heey Maddalena!!“. Der Song, der auch erneut Nummer 1 in der ZDF-Hitparade war,  wurde Jahrzehnte später (2001) unter Mitwirkung von Holm erneut ein Hit in der Version von Olaf Henning – diesmal mit dem Zusatz „Du Luder!“.

Nun war wieder eine Ballade fällig, die zu Michael Holms einzigem Nummer-1-Hit in Deutschland werden sollte. Er hörte im Autoradio eine Instrumental-Ballade, die in Italien bereits ein Hit war – „Soleado“, die Bearbeitung Ciro „Zacar“ Damiccos einer 500 Jahre alten Komposition des päpstlichen Sekretärs Antonia Zacara de Teramo. „Zacar“ machte mit seiner Gruppe „Daniel Sentacruz Ensemble“ diesen Song zu einem Hit in Italien.

Michael Holm ließ sich auf diese Melodie, die im Original nur den Text „ahahaha ha…“ enthielt, einen deutschen Text einfallen – seine erste Idee „Wenn ein Kind geboren wird“ wird jedoch von der Plattenfirma abgelehnt. Bei einem Spaziergang an der Isar kam ihm dann die zündende Idee – „Tränen lügen nicht“ war geboren – ein Song, den Holm am 19.09.1974 in der Starparade des ZDF vorstellte und mit dem Holm abermals den Spitzenplatz in Hecks Hitparade erreichte. Im Zeitalter des sexuellen Befreiung wollte Holm dem Vernehmen nach eine unzeitgemäße Hymne an die Treue veröffentlichen – das Publikum hat es dankbar angenommen.

Das Lied wird zum Evergreen und sorgt immer wieder für Furore: In der von Fred Jay getexteten englischen Version „When A Child Is Born“ schaffte Michael „Mike“ Holm es sogar in die US-Charts (Platz 53) und war selbst in Kanada erfolgreich (Platz 25). Eine von Holm gesungene spanische Version („Soleado“) wurde in Portugal veröffentlicht.

Aber auch andere Interpreten wurden damit erfolgreich – so schaffte es eine Techno-Version von Mark-Oh 1995 erneut auf Platz 1 der deutschen Charts („Tears Don’t Lie“). Die deutsche Version diente Schlager-Kult-Sänger Dieter Thomas Kuhn als Schluss-Song seiner Konzerte, auch Guildo Horn hat das Lied bei fast allen seiner Konzerte im Gepäck. Gern wurde das Lied auch parodiert – am bekanntesten ist sicher Otto Waalkes‘ Parodie „Dänen lügen nicht“; die „originelle“ Version der „Quietschboys“ („Titten lügen nicht“) ist hingegen ähnlich wenig erfolgreich gewesen wie die Coverversion Howard Carpendales. Selbst der große Udo Jürgens war sich nicht zu schade, eine Fußball-Version dieses Klassikers 1989 herauszubringen („Trainer lügen nicht“).

Für den Song wurde Michael Holm mit Auszeichnungen überschüttet, so erhielt er die Goldene Europa der Europawelle Saar, den Goldenen Löwen von Radio Luxemburg und eine Goldene Schallplatte für mehr als 1 Mio. verkaufte Singles – eine Zahl, die heutzutage nicht mal ansatzweise vorstellbar ist.

Der Nachfolgetitel dieses Mega-Hits war vor genau 40 Jahren in den deutschen Verkaufs-Charts. In „El Matador“ besingt Michael Holm das Schicksal eines Stierkämpfers, der zunächst glorreich ist, bis es dazu kommt: „Da fühlt er wie mit letzter Kraft – ihn der Stier erfasst – und es ist vorbei“. Mit diesem eher nachdenklichen Traditional, dessen Text Michael Holm im Stile eines Liedermachers verfasst hatte (der Text ist auch auf der Rückseite der Single abgedruckt), war er kommerziell leider nicht annähernd so erfolgreich wie mit dem Vorgänger-Song. Die Werbung der Plattenfirma „Der Löwengewinner wieder auf Erfolgskurs“ traf also nur teilweise zu.

In dieser Phase seines Schaffens gelang Michael Holm allerdings ein anderer Triumph – der von ihm geschriebene Text „Ein Lied kann eine Brücke sein“ wurde in der Interpretation von Joy Fleming zum Grand Prix Eurovision geschickt und kann getrost bis heute als Kult-Song bezeichnet werden. Die Eurovisions-Sieger des Folgejahres waren Brotherhood Of Men – deren 1975er Hit „Kiss Me, Kiss Your Baby“ wurde von Michael Holm gemeinsam mit der Sängerin Ulla Miller in deutscher Sprache unter dem Pseudonym „Peppermint“ wenig erfolgreich veröffentlicht. Erfolgreicher war in diesem Jahr allerdings sein Peter-Maffay(!)-Text „Ein Bild kann nicht lachen so wie Du“.

In die Erfolgsspur zurück kehrte Holm mit seiner  nächsten Single, die wieder aus Italien stammte: Die Band I Santo California hatte einen großen Hit mit ihrem Lied „Tornero“. Michael Holm machte daraus „Wart auf mich“ und landete erneut einen großen Top-5-Hit, seine englische Version „I’ll Return“ verzeichnete in Südafrika beachtliche Verkaufs-Zahlen. Auch dieser Holm-Hit wird bis heute gerne gecovert – zum Leidwesen vieler Freunde des klassischen Schlagers hat Antonia aus Tirol aus dem Lied eine Ballermann-Nummer mit dem Titel „Tausend Träume weit“ gemacht – wem’s gefällt….

Die nächste Single zeigte im Frühjahr 1976 wieder das andere Gesicht Michael Holms – so benannte er auch seine damalige LP: „Zwei Gesichter“ mit flotten Disco-Nummern auf Seite B und gefühlvollen Ballden auf Seite A. Von der Disco-Fraktion ausgekoppelt wurde das Lied „Lady Love“, als gefühlvollerer Songs aus der LP ausgekoppelt wurde die Eigen-Komposition „Wenn Dein Herz spricht“. Zwischendurch wurde mit mäßigem Erfolg  der Sheer-Elegance-Hit „Life Is Too Short Girl“ auf Deutsch veröffentlicht („Lass Dein Herz doch frei“).

1977 machte Michael Holm einen holländischen Hit des Sängers Jack Jersey in deutscher Sprache populär: Nicht zuletzt aufgrund seines eingängigen Refrains platzierte sich das Lied „Desperado“, den Holm auch in englischer Sprache aufnahm („Colorado“) erfolgreich in Dieter Thomas Hecks Hitparade. In dieser Zeit produzierte Holm übrigens auch mit Dieter Thomas Heck die wenig erfolgreichen Songs „Alter Freund“ und „Die Tage in unserem Leben“.

Im gleichen Jahr stieß Holm auf einen Kenny Rogers-Hit namens „It’s the right time to leave me, Lucille“, den er eindeutschen wollte. Die deutsche Version von Volker Lechtenbrink („Du lässt mich ganz schön hier hängen, Lucille") floppte kolossal. Holm erkannte, dass dessen Text zu sperrig war und erschuf einen neuen Text: „Musst Du jetzt gerade gehen, Lucille?“ ließ das Original in den Verkaufs-Charts erneut weit hinter sich.

Im folgenden Jahr, 1978, unternahm Michael Holm mit einem Freund eine ausgiebige Südamerika-Reise, die ihn u. a. in das Land der damaligen Fußball-WM (Argentinien) führte. Diese Reise inspirierte ihn zur Gründung des Instrumental-Projekts „Cusco“, das mit ungewöhnlichen Klängen zwischen New Age und Pop von sich hören ließ und zu einem Millionen-Erfolg wurde, insbesondere auch in Japan. Neben Michael Holm war der am 22.11.2011 verstorbene Keyboarder Kristian Schultze (ehemaliger Keyboarder der Jazz-Rock-Band Passport (Klaus Doldinger)) Kopf des Projekts. Größter Erfolg des Projekts war wohl „Desert Island“, der Song, der Jahre zuvor bereits vom Klarinettisten Roger Bennett zum Hit gemacht wurde.

Cusco wurde zur international erfolgreichen Marke, die CDs wurden insbesondere in Japan, Südkorea und den USA überaus erfolgreich. Insgesamt dreimal wurde die Gruppe sogar für einen Grammy nominiert („Best New Age Album“).

Bevor Holm sich nach Südamerika verabschiedete, brachte er noch die deutsche Version des Amedeo Minghi-Songs „L’immenso“ raus – Das 5-Minuten-Epos „Allein mit Dir“ war Holms vorerst letzter Single-Hit. Nach einer unglaublichen Erfolgs-Serie kamen seine nächsten Singles nicht mehr in die Hitlisten – vielleicht, weil er in Deutschland wegen seiner Südamerika-Reise nicht präsent war.

Weder die 1978er Eigenkomposition „Traumhotel“ noch der Cover-Song „Saudade“, der vornehmlich instrumental gehalten ist und in dem Holm erst gegen Ende des Liedes mit Sprechgesang aufwartet, werden zu Erfolgen.

Auch im Jahr 1979 gelang es Michael Holm weder mit seiner Country-Ballade  „Ich weiß, Du denkst, ich bin ein schlechter Mensch“ noch mit der Dire-Straits-Cover-Version von „Sultans Of Swing“ (!) namens „Wenn die Zukunft beginnt“ in die Charts zu kommen, wenngleich gerade letztgenannter Titel nachdenklich über einen möglichen Atomkrieg im Jahr 1997 (aus damaliger Sicht futuristisch) als Teufel an die Wand malte.

Nach dieser kleinen „Hit-Durststrecke“ beauftragte niemand geringerer als Frank Farian Michael Holm damit, die deutsche Version des Welthits „El Lute“ zu interpretieren. Farian trat höchstpersönlich als Produzent in Erscheinung, allein die Abmischung der Aufnahme hat über vier Wochen gedauert. Den Text schrieb ausnahmsweise nicht Michael Holm selbst, sondern Fred Jay, der auch schon Co-Autor der englischen Original-Version war. Der Aufwand hat sich gelohnt – der Song schrammte knapp an einem Top-10-Hit vorbei (Platz 11) und war über 20 Wochen in den Charts präsent.

Nach fünf Jahren Vorbereitungszeit gründete Michael Holm mit seinem Partner Rainer Pietsch 1979 das Label und den Verlag „Autobahn“, in das die beiden „mehrere hunderttausend Mark“ investiert haben. Mit der PhonoGram kam es damals zu einem Produktionsvertrag. Die ersten Interpreten des Labels waren u. a. Holms New Age Projekt Cusco, Ricky Shayne und die polnische Gesangsgruppe 2+1 („Easy Come Easy Go“) . Zielsetzung des Labels war, deutschen Interpreten, mit denen Qualitätsansprüche erfüllt werden können, zu etablieren. Der Name „Autobahn“ wurde übrigens gewählt, weil man einen deutschen international bekannten Begriff finden wollte und „Kindergarten“ und „Waldsterben“ weniger passend fand.

Provokant könnte man behaupten, dass Michael Holm diesen Anspruch wohl bei sich selbst nicht erfüllt sah, jedenfalls wechselte er nach elf Jahren großen Erfolgs bei der Ariola im Jahr 1980 von dort zur RCA nach Hamburg. Die erste Single unter neuem Label war die deutsche Version des philippinischen Hits „Anak“, die bei Michael Holm „Kind“ heißt.

Diese erste Single-Veröffentlichung wurde ein Achtungs-Erfolg in den Hit-Listen – einige Monate später erschien dann die erste LP auf dem neuen Label, „Halt mich fest!“, bei der Holm damals sehr populäre Studio-Musiker wie Curt Cress, Paul Vincent, Sigi Schwab und Günther-Eric Thöner mit ins Boot holte. „Die LP möchte er als ein aktuelles Dokument anspruchsvollen deutschen Schlagers verstanden sehen“, war damals in der Presse zu lesen. Insgesamt verzichtete er auf der Produktion weitestgehend auf Cover-Versionen und setzte auf deutsche Autoren.

Das galt aber nicht für die zweite Single-Auskopplung aus dem Album, „Leb wohl!“, die deutsche Version eines von Will Tura gesungenen Hits aus Belgien („Vaarwel“). Wie in Belgien, wurde auch in Deutschland der Titel zum Erfolg – die Single war der letzte Top-20-Hit für Michael Holm.

Die dritte Single des ersten RCA-Albums, „So weit die Füße tragen“, war Michael Holms vorerst letzter Hit als Solo-Interpret in den Charts – diesmal gelang das mit einer deutschen Produktion. Die späteren Partner G. G. Andersons, Ekkehard Stein und Engelbert Simons, waren Co-Autoren des Liedes.

Ähnlich wie bei vielen anderen Interpreten dieser Serie riss die Erfolgs-Strähne nachhaltig ein mit der Konzentration auf vermeintlich anspruchsvollere Lieder. Die zweite RCA-LP, „Im Jahr der Liebe“ und die darauf enthaltene Single „Liebe braucht Nähe“, auf der Holm erneut (wie bei seinem Hit Tränen lügen nicht) die Oberflächlichkeit in Beziehungen anprangert, kamen beim Publikum nicht an.

Mit „Fällt der Vorhang für uns zwei“ und einer Neuauflage des Ivo-Robic-Klassikers „Mit 17 fängt das Leben erst an“ endete 1982 dann die RCA-Episode. Michael Holm war lt. Interview rückwirkend betrachtet der Meinung, dass „seit dem Aufkommen der Neuen Deutschen Welle seine Arbeiten nicht so recht in die musikalische Landschaft“ passten. Angesichts der rückläufigen Verkaufszahlen vieler klassischer Schlagerproduktionen in jener Zeit dürfte das eine zutreffende Analyse sein.

Aus diesem Grund machte Holm eine längere Pause, um 1984 auf dem kleinen Label Piccolo aktiv zu werden – allerdings wurde bei dieser Plattenfirma lediglich eine erfolglose Single veröffentlicht: „Einsamkeit danach“, getextet von Hans Greiner, der sich u. a. einen Namen mit dem Udo-Jürgens-Titel „Donnerstag“ gemacht hatte.  – Nachdem der Song floppte, zog sich Michael Holm für einige Zeit zurück.

1987 nahm er einen neuen Anlauf bei seiner alten Plattenfirma: Aus Gerry Raffertys Song „Island“ machte er „Inseln im Strom“, produziert vom damals umtriebigen Christian de Walden, der seinerzeit u. a. erfolgreich mit Bonnie Bianco und Amanda Lear zusammenarbeitete. Nachdem auch dieser Song nicht „einschlug“, gönnte sich Holm erneut eine langjährige Pause.

In dieser Zeit ging es in seinem Privatleben turbulent zu: Im Herbst 1988 heiratete er die Sprachstudentin Silvana Hoitt, eine US-Amerikanerin, nachdem er sich kurz zuvor von seiner langjährigen Lebensgefährtin, Fotomodell Beate „Bimbi“ Gräsnitz, getrennt hatte. Doch schon kurz danach stellte er (so stand es in der Regenbogen-Presse) fest, dass Silvana und er zu unterschiedlich gewesen seien und „Bimbi“ und er zusammen gehören – die Scheidung erfolgte am 29. März 1990. Am 20. Juni 1990 war dann die Hochzeit mit „Bimbi“, die er rund zehn Jahre zuvor schon auf Ibiza kennengelernt hat. Trauzeuge war niemand geringerer als Dieter Thomas Heck.

1989 zog Michael Holm mit Beate(!) auf den bereits genannten Bauernhof „Schörghof“, den sie aufwendig renovierten und der bis 2008 ihr Lebensmittelpunkt (und der ihrer Kinder)und Sitz des „Autobahn“-Verlags war, u. a. baute Holm dort Hafer und Dinkel an.

Zwischendurch trat Michael auch zaghaft wieder ins Rampenlicht, so nahm er 1990 gemeinsam mit  dem damaligen Fun-Punker „King Rocko Schamoni“ im Duett eine Neuaufnahme seines Klassikers „Mendocino“ auf.

Erst 1991, anlässlich des von Dieter Thomas Heck moderierten ersten deutschen  Song-Festivals „Schlager `91“, trat er wieder solo aus der Versenkung hervor mit dem Uptempo-Song „Elektrisiert“, den er gemeinsam mit seinem alten Kumpel Martin Mann geschrieben hatte, dessen ersten Riesen-Hit „Meilenweit“ er ja einst produziert hatte. Trotz eines Achtungserfolgs – fünfter Platz – setzte sich der starke Song in den Charts nicht durch.

Im nächsten Jahr (1992) komponierte er die Titelmelodie zur RTL-Reihe „Sielmann 2000“. Den „Vogelstimmenwalzer“ brachte er dem Tierfilmer Heinz Sielmann zu dessen 75-jährigen Geburtstag zu Gehör.

1995 erfuhr der Super-Hit von Michael Holm „Tränen lügen nicht“ ein beachtliches Comeback – „Mark Oh“ hatte mit „Tears Don’t Lie“ in einer Techno-Version einen Nummer-1-Hit, Holm selber veröffentlichte seinen Titel modern produziert ebenfalls neu.

 

Fortan trat Michael Holm über viele Jahre mit seinen alten Klassikern bei Auftritten und Tourneen immer gerne mit altem Repertoire auf, ohne neue Lieder zu schreiben, weil er recht lange der Meinung war, dass seine Songs auch ein breites Publikum ansprechen müssten, was mit neuen Liedern offensichtlich nicht gelang – folglich wollte er lieber alte Lieder singen. Und für diese Oldies bekam er immer noch regelmäßig Auszeichnungen, so erhielt er in den Jahren 1981, 1983,1988, 1995 und 1997 jeweils eine „Goldene Stimmgabel“.

In diesem Jahr begann auch die Zusammenarbeit mit Kult-Sänger Guildo Horn, dessen CD „Danke!“ überaus erfolgreich von ihm produziert wurde. Den Song „Baby, Du bist nicht alleine“ sangen Horn und Holm auf dieser Veröffentlichung im Duett.

2001 kam es zu einem weiteren Duett – diesmal mit Olaf Henning, der den Song „Maddalena“ gemeinsam mit Michael Holm in die Charts brachte. In diesem Jahr versuchte Michael Holm nach vielen Jahren erneut, gemeinsam mit Joy Fleming zum Grand Prix Eurovision zu fahren – der Song „Power of Trust“ landete aber „nur“ auf Platz zwei der deutschen Vorentscheidung.

Im Folgejahr nahm er mit Joy Fleming einen weiteren Anlauf – erneut musste man sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben, die Produktion „Joy To the World“ erreichte einen zweiten Platz. Das von ihm getextete „To Be Or Not To Be“ der Sängerin Zarah landete in jenem Jahr nicht im Spitzenfeld.

Mit einer Dance-Pop-Version von „Tränen lügen nicht“ im Remix 2002 konnte Michael Holm sich nicht durchsetzen.

Erst 2004 drehte er beim Koch-Universal-Label wieder richtig auf und veröffentlichte erstmals nach 22 Jahren wieder ein Studioalbum namens „Liebt euch“, dessen Titel-Lied 2005 das offizielle Lied zur Christopher Street Day-Parade wurde. Stoßrichtung des von Guido Craveiro produzierten Albums war es, Schlager- und Pop-Elemente zu einer Einheit zu formen, dazu holte Holm auch die „Orthopädischen Strümpfe“, die Begleitband Guildo Horns, dessen 1997er Hit-Album „Danke!“ er wie erwähnt erfolgreich produziert hatte, ins Studio. Neben neuen Liedern hat Michael Holm auf diesem Album einige seiner großen Erfolge in ein modernes Sound-Gewand gepackt.

2009 gab es mal wieder eine schöne Auszeichnung für Michael Holm: er wurde mit dem Willy-Dehmel-Preis ausgezeichnet, also mit einer Auszeichnung, „deren Preisträger im Sinne des Stifters auf dem Gebiet des deutschsprachigen populären Liedes über ein erfolgreiches Gesamtschaffen verfügen und zum Ansehen ihres Berufsstandes beigetragen haben.“

Für viele Schlager-Freunde war dieses Album wohl doch etwas zu modern bzw. „experimentell“, so dass Michael Holm sich unter dem Dach der Plattenfirma DA-Records wieder mehr dem klassischen Schlager zugewandt hat und dort zwei weitere Studo-CDs veröffentlicht hat, nämlich „Mal die Welt“ (2007) mit dem erfolgreichen Rundfunk-Hit „Frühstück“ und „Holm 2011“, auf dem er erneut eine weitere Version seines Hits „Mendocino“ präsentierte. Single-Titel dieses Albums waren u. a. „Schwarz-Rot-Gold“, eine Fußball-WM-Hymne zur Weltmeisterschaft in Südafrika und „Tausend Lügen“.

2011 nahm Holm auch an der viel beachteten Vox-TV-Sendung „Cover My Song“ teil, wo er einen Titel der Rapperin Kitty Kat auf seine Art interpretierte und umgekehrt die Rap-Sängerin sich des Titels „Mendocino“ annahm.

Das aktuelle Album Michael Holms („Tausend Wege“), dessen Titelstück als Single ausgekoppelt wurde, aus dem Jahre 2013 ist ein Querschnitt der beiden letzten CD-Veröffentlichungen, dem noch einige Single-Tracks hinzugefügt wurden und erschien anlässlich Michael Holms 70. Geburtstag.

Mit diesem Album ist Holms Schlager-Schaffen noch lange nicht beendet. Mit seinem langjährigen Kollegen Christian Anders hat er ein bemerkenswertes Duett aufgenommen: „Frieden fängt im Herzen an“.

Sein aktueller Song „Das Leben kann so einfach sein“ ist ein „alltagstauglicher Ohrwurm, der in seinen Textzeilen einfache Lösungen für unsere nur allzu menschlichen (Luxus-) Probleme findet“. Es ist davon auszugehen, dass Michael Holm noch weitere viele eingängige gute Schlager-Produktionen erschaffen wird.

In einem Schlagerbuch wird die Analyse getroffen: „Trotz all seiner Platzierungen auf den ersten Plätzen der Charts und trotz mehrerer Goldener Schallplatten: Ein Teenageridol wie in den Fünfzigern Peter Kraus oder in den Sechzigern Roy Black war Michael Holm nie. Bei den alljährlich von Bravo veranstalteten „Otto“-Wahlen kam er nie über einen Rang im Mittelfeld hinaus. Ihm mangelte es ganz einfach an Sex-Appeal. Zu Teenageridolen wurden andere gekürt“. – Ob da etwas dran ist, möge jeder für sich beurteilen. Fakt ist, dass es kaum einen Schlager-Schaffenden gibt, der über einen derart langen Zeitraum als Interpret, aber auch als Texter und Produzent national und international derart erfolgreich war.

 

VORSCHAU: Folge 22 der Serie „Vor 40 Jahren“ wird sich mit der israelischen Sängerin DALIAH LAVI beschäftigen.

Stephan Imming, 02.05.2015
http://www.da-music.de
http://www.michaelholm.de


Textquelle/Bildquelle:

Ein Gedanke zu „MICHAEL HOLM
smago! Serie "Schlager-Rückblick "vor 40 Jahren" von Stephan Imming: Teil 21 – Michael Holm ("El Matador")!

  • 19. Dezember 2019 um 9:53
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    Ist auf der LP „Zwei Gesichter“ die englische oder die deutsche Version von „Lady Love“ drauf? Bei Spotify hört man die englische Version.

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