FLORIAN SILBEREISEN mit DJ ÖTZI, MICHELLE, ROSS ANTONY, VANESSA MAI, FEUERHERZ und DDC (= DANCEFLOOR DESTRUCTION CREW)
Konzertbericht von Holger Stürenburg: "Das Beste der Feste"; 02.04.2016, Oberhausen!

Lesen Sie HIER Stürenburgs ausführliche Kolumne …: 

„Schlager sind geil“ – mit diesem aufmüpfigen, geradezu revolutionären Titel aus der ersten CD, „Vorsicht unzensiert“, des von ihm mitbegründeten Gesangstrios „Klubbb3“, startete der gefeierte TV-Conférencier Florian Silbereisen das bis zum Bersten mit bester Laune und (fast) ausschließlich toller Musik aus ebenjenem Genre gefüllte Programm seiner diesjährigen Package-Tour unter dem Motto „Das Beste der Feste“, Mit dieser machten der gebürtige Passauer und seine zahlreichen Gäste am vergangenen Samstagabend, dem 02. April 2016, in der „König-Pilsner-Arena“ zu Oberhausen Station.

Knapp drei Stunden lang feierten mehrere Tausend Gefolgsleute in der nicht ausverkauften „KöPi-Arena“ zeitnahe und betagtere Schlagerhits, dargeboten von dem sogar „BRAVO“-kompatiblen, von derartigen Medien als „erste echte Schlager-Boygroup“ apostrophierten Quartett „Feuerherz“ – der legendäre österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) hätte in Anbetracht eines solchen musikhistorischen Halbwissens garantiert eingefordert: „Lernen’s mal Geschichte, Herr Reporter!“ -, der zauberhaften, inzwischen wolkenfrei-freien, brünetten Popschlagerschönheit Vanessa Mai, dem unzerstörbaren „D.J. Ötzi“, dem so facettenreichen, urbritischen Schlagerentertainer Ross Antony und der ebenso unkaputtbaren, merklich gereiften Schlager-Chansonette Michelle – und präsentiert von dem fürwahr hochtalentierten Sänger, Spaßmacher, Moderator, Artist, Tänzer, Akkordeon-Derwisch, letztlich dem geborenen Muntermacher der Nation, the ‚One and Only‘ Florian Silbereisen. Tänzerisch unterstützt wurde das Ganze von der aus Schweinfurt stammenden, im Allgemeinen neunköpfigen Formation „Dancefloor Destruction Crew“, kurz „D.D.C.“, die in ihren oft gewagten, dabei immer wieder faszinierenden Vorführungen frohsinnige Schlagerheiterkeit kongenial mit zeitgeistiger Breakdance-Akrobatik verbanden.

Doch immer der Reihe nach: Nachdem smago! Chefredakteur Andy Tichler kürzlich auf seinem Portal einen ausführlichen, spitz und köstlich formulierten Bericht über die Prämiere der diesjährigen „Das Beste der Feste“-Konzertreise im oberfränkischen Hof veröffentlicht hatte, lief mir schon das Wasser im Munde zusammen. Ich bekam Appetit darauf, mir dieses Showvergnügen doch mit eigenen Augen anzusehen und mit eigenen Ohren anzuhören. So setzte mich der Veranstalter SEMMEL Concerts Köln netterweise auf die Gästeliste – und es ging am ersten realen, wärmlich-gemütlichen Frühjahrswochenende des angebrochenen Jahres 2016 nach Oberhausen, in jene kreisfreie Großstadt im Regierungsbezirk Düsseldorf, die – glaubt man meinem singenden Namensvetter Holger Thomas – bislang musikalisch überwiegend von dort angeblich ansässigen, wilden Punkrockbands beherrscht gewesen zu sein schien (Erinnere: „Er hat ne Pu-Pu-Punkrockband in Oberhausen“, 1978)

Um 19.35 Uhr gingen die Lichter in der halbierten, ergo „kleinen“, „KöPi-Arena“ aus; das Publikum, bestehend mehrheitlich aus Frauen und Männern von 40 aufwärts, unter denen sich aber immer wieder auch jüngere Semester 20plus eingefunden hatten, setzte an zu klatschen… die Tänzer der „D.D.C.“ eröffneten die Show mit einem getanzten Medley, zusammengestellt aus den bekanntesten deutschen Schlagern des vergangenen Jahrhunderts, von „Mein kleiner, grüner Kaktus“, „Ein bisschen Spaß muss sein“, über „Im Wagen vor mir“, „Aber bitte mit Sahne“ bis hin zu Wolle P.‘s „Wahnsinn“… Florian Silbereisen erstürmte die Bühne… und es geschah nun etwas, was auch ein passionierter Konzertbesucher, wie der Rezensent seit inzwischen 1982 (und beruflich seit 1996) einer ist, nur ganz selten erlebt hat. Die ersten Takte des – musikalisch und harmonisch unüberhörbar an den Eric Clapton/Volker-Lechtenbrink-Country/Blues-Rock-Klassiker „Tulsa Time“/“Leben, so, wie ich es mag“ angelehnten – „Klubbb3“-Mottohymnus „Schlager ist geil“ waren kaum erklungen, schon herrschte wahrlich vom ersten Moment an beste Stimmung in der gesamten Halle, ohne Aufwärmzeit, ohne Gewöhnungsphase, ohne unnötige Animation – die Arena bebte in Sekundenschnelle und diese ausgelassene Haltung der Anwesenden schien bis zum Ende der Show, kurz vor 23.00 Uhr, pausenlos und ununterbrochen anzuhalten.

Im Anschluss an „Schlager ist geil“, zelebrierte zunächst Florian solo ein paar ebensolche, ergo: geile Schlager, wie immer mit fester, starker und zudem überaus wandlungsfähiger Stimme. „Marmor, Stein und Eisen bricht“ (Drafi Deutscher), „Anita“ (Costa Cordalis), „Babicka“, „Die Biene Maja“ (beide: Karel Gott) und „Dschinghis Khan“’s 1979er-Reiseempfehlung nach „Moskau“, luden die Zuschauer vor Ort sogleich zum lautstärksten Mitsingen ein.

Einen zweckdienlichen „Schlager-Boygroup-Alarm“, habe das im Sommer 2014 entdeckte, vulgo: rein nach kommerziellen Gesichtspunkten zusammengestellte Gesangsquartett „Feuerherz“ ausgelöst, so Gastgeber Florian, als Dominique Baltas, Matt Stiffers, Karsten Walter und Sebastian Wurth erstmals unter diesem Namen in seiner „Die Besten im Frühling“-Show am 14. März 2015 auftraten und ihre allererste, gemeinsame Single „Verdammt guter Tag“ ebendort vorstellten. Insgesamt vier Mal gaben sich die vier Burschen letztes Jahr im Silbereisen-Kontext die Ehre; ihre erste CD, benamt nach ebengenanntem Debüthit, gelangte im Juni 2015 immerhin auf Rang 36 der deutschen Albumcharts.

Die beiden daraus in Oberhausen dargereichten Titel „Ohne Dich“ und – eben – „Verdammt guter Tag“ sind liebliche, aber viel konventionelle Popschlager; durchaus anhörbar, aber unter den Massen stilistisch ähnlich ausgerichteter Produktionen keineswegs besonders hervorstechend. In Sachen Livedarbietung und Umsetzung auf der Bühne imitieren die vier fraglos sympathischen, aber künstlerisch völlig fehlgeleiteten Jungs darüber hinaus viel zu sehr die angloamerikanischen Klischee-Boygroups der 90er Jahre, von „Backstreet Boys“ bis „N*Sync“, die, mir überzeugtem 80er-Freak, ohnehin (von wenigen Ausnahmen abgesehen) eh meist zu gestelzt, zu unwirklich, zu geplant, erschienen waren.

Nach den beiden erwähnten eigenen Liedern und einem – sehr gestellt wirkenden (sich wahrscheinlich in jeder Stadt, in der die diesjährige „Feste“-Tour gastiert, wortwörtlich wiederholenden) – Interview durch Florian, setzten „Feuerherz“ nun an, ihre Sichtweisen der Schlager bzw. Deutschpop-Klassiker „Ich war noch niemals in New York“ (Udo Jürgens), „Tür an Tür mit Alice“ (Howard Carpendale) und „Wahnsinn“ (Wolfgang Petry) aufzuführen, gipfelnd in – naja, eigentlich ggf., lediglich in volltrunkenem Zustand annehmbaren – Dance-Fox-Pop-Auslegungen von – bitte festhalten! – „Tage wie diese“ („Die Toten Hosen“) und (nee, bei dem Lied muss man echt blau sein!) „Auf uns“ von Jammerbarde Andreas Bourani.

(Exkurs: Wenn „Campino“ diese ganz und gar seltsame, sagen wir ruhig: würdelose Interpretation seines so banalen, wie (gerade dadurch) exzellenten Punkschlagers „Tage wie diese“ durch „Feuerherz“ gehört hätte, wäre der nicht gerade als CDU-freundlich bekannte Berufspunk vermutlich überglücklich, das ursprünglich nicht übel vor sich hin rockende Original künftig bei jeder Merkel-Kundgebungen als Einzugshymne der Kanzlerin zur Verfügung stellen zu dürfen…)

Nach dieser ersten und einzigen, nicht unbedingt als erstklassig zu klassifizierenden Deklamation im Rahmen der Oberhausener „Feste“-Show, folgte nun ein echter Höhepunkt nach dem anderen. Den ersten dieser Art verantwortete der weibliche „Shooting Star“ des deutschen Schlagers schlechthin, Vanessa Mai. Seitdem diese ohne den Bandnamen „Wolkenfrei“ auf Solopfaden wandelt, zudem von „Pop-Titan“ Dieter Bohlen  als Produzent unterstützt wird, scheinen für die hübsche, brünette Aspacherin keinerlei Grenzen mehr zu bestehen.

Die sehr attraktive 23jährige legte los mit ihrer aktuellen Single „Ich sterb’ für Dich“, die am 19. Februar d.J. vorab aus ihrer kommenden, neuen Album-CD „Für Dich“ ausgekoppelt wurde, welche in wenigen Tagen, am dieses Jahr offenkundig eine besondere Bedeutung verstrahlenden 15. April 2016 (zum einen, weil an diesem Tag ehrlich sooo wenige (…) neue, spannende Schlager-CDs veröffentlicht werden, und zum anderen vielleicht sogar zu Ehren meines dann vonstattengehenden 45. Geburtstags ;-)) bei Ariola/SONY erscheint und von mir in jenen Tagen ebenfalls auf smago! ausführlich gewürdigt wird.

Gewinnend schüchtern und publikumsnah am Bühnenrand sitzend, schmetterte Vanessa nun problemlos „a-capella“, von atemberaubender Stimmstärke beseelt, das Intro ihres letztjährigen (Noch)-„Wolkenfrei“-Sommerevergreens „Wolke 7“, bevor das knallige Playback einsetzte, und die junge Lady, tänzerisch begleitet von der wild und feurig herumdancenden „D.D.C.“, die wummernde Fox-Version dieses 2015er-Schlagerhighlights impulsiv und überzeugend intonierte.

Kurz darauf erschien Florian, nur von einer Akustikgitarre umhangen, und zirpte sich inmitten des Publikums durch die grandios-augenzwinkernd-überzeichnete „Klubbb3“-Edelschnulze „Romantische Männer“, die er dann, wiederum auf der Bühne angekommen, im Halbplaybackverfahren gekonnt zu Ende brachte.

„Fang das Licht“, eine schier famose, unvergessliche Chansonballade bester Machart, mit der Karel Gott und das (damalige) tschechische Teenagermädel „Darinka“ vor genau 30 Jahren, im Frühjahr 1986, bis auf Rang 15 der „Media Control“-Hitparaden steigen konnten, und auf diese Weise einen romantischen Schlagerstandard für die Ewigkeit schufen (mit dem wir damals, in der zehnten Klasse auf dem Jenisch-Gymnasium, also mein Banknachbar Guido F. und ich, unsere scheußliche Lateinlehrerin Frau Dr. Saenger während des Unterrichts (!) gesanglich in den Wahnsinn trieben!), erwies sich nun als wahrhaftig traumhaftes Duett von Vanessa und Florian, wobei Florian hierfür kurzzeitig zum „Gott“ avancierte und Vanessa phänomenal die „Darinka 2.0“ imitierte.

„Laptop und Lederhose“, nein, Freud’scher Versprecher… Lederhose und Dirndl waren nun an der Reihe. Vanessa versprach Florian kryptisch, ihn nun folgend tänzerisch in irgendeiner Form herausfordern zu wollen… Die unvermeidliche „D.D.C.“ setzte zunächst an zu einem knallharten Oktoberfest-Dance mit soundso viel hunderten ‚Beats per Minute‘; Florian streute per Akkordeon ein paar Akkorde der „Lustigen Holzhacker Buam“ ein, bevor sich Vanessa und Florian ein so selbstironisches, wie liebenswertes, dabei grundsätzlich kunstvolles Tanzduell, unterstützt von der „D.D.C.“, lieferten.

Unmittelbar darauf folgend, wurden wir – ohne Übertreibung – Zeuge einer echten Überraschung für jeden interessierten Beobachter des Schlagergeschehens im gesamten deutschsprachigen Raum. Nachdem der mutmaßlich ewige „Anton aus Tirol“, „D.J. Ötzi“ alias Gerry Friedle, bei nicht wenigen seiner letzten Live- wie TV-Auftritte seltsam ungelenk, ausgelaugt, zudem stimmlich angeschlagen wirkte – so waren genau diese unglückseligen Faktoren bei seiner phantastischen Aufwartung im Rahmen von „Das Beste der Feste“ in Oberhausen wie weggeblasen!

Kraftstrotzend, selbstironisch, kernig, immer wieder einen Jux auf den Lippen… dies war ein „D.J. Ötzi“, den wir seit langem nicht mehr in dieser ausgeprägten Bestform erleben durften. Er schäkerte mit sich, mit Florian, mit dem Publikum, und versprühte ehrlich und authentisch bestmögliche gute Laune. Der Gerry war einfach menschlich und gesundheitlich Top drauf, als er sich bereits für die Interpretation seines aktuellen Hits „Geboren, um Dich zu lieben“, einer neuerlichen vokalistischen Kooperation mit „Stern“en-Kind Nik P. (hier natürlich solo vorgetragen), vom begeisterten Publikum feiern ließ.

Florians Stylistinnen und Kleidungsberaterinnen versuchten daraufhin mit viel Geschick (aber ohne überwältigenden Erfolg), für Gerry eine neue Kopfbedeckung zu eruieren, damit dieser nicht immer mit seiner stilbildenden weißen Wollmütze herumlaufen müsse – Doch Cowboyhut, Krone oder Pudelmütze, standen dem 45jährigen Tiroler zwar nicht schlecht zu Gesicht, aber… „D.J. Ötzi“ OHNE weiße Mütze aus Wolle auf dem fast kahlen Haupte? Nein, dies wäre nicht derjenige „D.J. Ötzi“ der, gleich nach dieser ironischen Modeberatung, seine ersten, liebevoll tapsigen Versuche als originärer Tänzer (!) startete und, mittels eines offenbar brandneuen, funky-ethno-angehauchten Discothekenrenners in spe. namens „Sexy (ich fühl‘ mich sexy, wenn ich tanz‘)“ das bislang „nur“ phonstark sangesfreudige Auditorium zu kleinen, aber feinen Tanzorgien in den Rängen der „KöPi-Arena“ zu bewegen vermochte.

Vanessa, Florian und die vier ‚feurigen Herzen‘ tanzten mitsamt der unzweifelhaft hochprofessionell agierenden „D.D.C.“ freudig mit, bevor der daran anschließend – im wahrsten Sinne des Wortes – atemlose Gerry erst mal nicht singen musste, sondern vielmehr den Taktstock schwingen und im Sinne eines Dirigenten die immer wieder von ihren Sitzen aufspringenden Zuschauer zum chorähnlichen Mitsingen des tränenreichen 1974er-Tränendrüsendrückers „Tränen lügen nicht“ (im Original von Michael Holm) animieren sollte. Brennende Feuerzeuge wurden in die Lüfte gehalten, die Menschen in der Halle schwelgten im Sinne der Schlagerglückseligkeit der frühen 70er Jahre träumerisch vor sich hin – bevor „D.J. Ötzi“ zur hochexplosiven Schlagerfete per Excellance aufrief: Der sagenhafte „Anton aus Tirol“ (2000), der 2001er-Oktoberfest-Hit „Hey Baby“ (im Original von Bruce Chanel, 1961) , Neil Diamonds bombastisch-knisternde Liebeserklärung an die unschlagbare „Sweet Caroline“ aus dem Jahr 1969 und schlussendlich der berühmte „Stern, der Deinen Namen trägt“, verwandelten die „KöPi-Arena“ zu Oberhausen für konstruktiv surreal anmutende zehn Minuten lang in das große „Schottenhammel“-Schickeria-Festzelt auf der alljährlichen Münchener „Wies’n“ – wobei bei letztgenanntem Titel der sichtlich wohlgelaunte, mit sich und der Welt zufriedene und einfach nur glücklich dreinblickende Gerry Friedle von Vanessa, Florian, „Feuerherz“ gesanglichen und von der „D.D.C.“ tänzerischen Support erhielt.

Um punkt 21.10 Uhr wurde das Licht in der „KöPi-Arena“ wieder angeschaltet und es ging nun in eine knapp 25minütige Pause. Als diese, die der Rezensent mit dem eingehenden Studium der von Udo Lindenberg illustrierten Sonderausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ verbrachte, die just an jenem 02. April 2016 ihr 70jähriges Bestehen feierte, weshalb es sich der dieses Jahr ebenfalls 70 Jahre jung werdende Panikrocker nicht nehmen ließ, zur bildnerischen Ausgestaltung jener „WELT“-Ausgabe einen „Ejakulator“ in die Hand zu nehmen, um dieselbe mit spezifischen „Likörellen“ auszuschmücken, wiederum vorbei war, folgte sogleich ein weiterer unbedingter Höhepunkt des „Das Beste der Feste“-Repertoires anno 2016: Der so aufstrebend-wilde, wie schrullig-anarchische, gutmütig und kess zugleich aufscheinende, stets „very british“ agierende Entertainer Ross Antony gab nun – nur unterbrochen von einigen eindeutig zweideutigen Spielereien mit zu Lustschlagen, sorry, weiterer Freud’scher Versprecher, ich meine natürlich: Luftschlangen, umfunktionierten Klopapierrollen – seinen aktuellen Radiohit „Das alles sind wir“ (aus der vor sechs Wochen erschienenen CD „Tatort Liebe“), sowie die zutiefst atmosphärische Funkelperlen-Ballade „Bewundernswert“, im besten ‚very british“ „Sophisticated-Pop“-Modus gehalten und seinem schwerkranken Vater, wie allen ‚bewundernswerten‘ Menschen dieser Welt gewidmet, zum Besten.

Da sich der verheiratete, karitativ sehr engagierte Vollblutmusiker, nach seiner Zeit bei der Casting-Boyband „Bro’Sis“; umgehend und unwiderruflich in den Deutschen Schlager verliebte, wie das liebenswürdig exaltierte Multitalent aus Brigdnorth ein ums andere Mal zu Protokoll gibt, kann es nicht als besonderes Wunder eingestuft werden, dass Ross Antony nun ein rhythmisch und instrumentell vehement aufgepepptes Potpourri aus seinen persönlichen Favoriten dieses Metiers darlegte, das da bestand aus Jürgen Marcus‘ generationenübergreifendem Genrehymnus „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, Roy Blacks fröhlichem Kinderlied „Schön ist es auf der Welt zu sein“, Roger Whittakers adeliger Familiensaga „Albany“ und Gitte Haennings Partyoldie Numero Eins, „Ich will `nen Cowboy als Mann“.

Eine weitere überbordende Überraschung stand nun auf der Tagesordnung: Michelle, von mir einstmals (in Anlehnung an eine ähnliche Definition meines einstigen Deutschlehrers, Klaus von Stanislawski, in Bezug auf den Klasse-9b-Chaoten Jenes K.) als „(Schlager-)Tragödie auf Beinen“ geschmäht/bemitleidet (je nach Sichtweise), machte auf mich an jenem denkwürdigen Samstagabend in Oberhausen, ähnlich wie Kollege Gerry Friedle, einen spürbar gesunden, von Power, Lebensmut und Zufriedenheit nur so durchzogenen, nahezu triefenden, stimmlich auf bestem Niveau angesiedelten, geradezu superben Eindruck. Da war nichts mehr von jedweden Schicksalsschlägen, Depressionen und sonstigen Unannehmlichkeiten zu spüren, als die ernsthafte, frauliche, keinesfalls mehr zuckrig-piepsige, nun endlich unwiderruflich große Dame des herzzerreißenden deutschen Schlagers mit dem donnernd-opulenten, punktgenau dramatisch inszenierten Titelgeber ihrer (natürlich am 15.04.2015 – wann auch sonst??) erscheinenden, neuen Silberscheibe „Ich würd‘ es wieder tun“ ihren ureigenen Beitrag zum diesjährigen „Das Beste der Feste“-Spektakel begann. Allein mit diesem aufbrausenden, höchst elitären Synthipop-Chanson, hat Michelle mich in aller Form dafür gewonnen, mich auch ihrer kommenden CD in Bälde wohlwollend journalistisch anzunehmen (das werden echt arbeitsreiche Tage, da bleibt keine Zeit zum Geburtstagfeiern 😉 Ebenfalls diesem vermutlich enorm spannenden Tonträger entnommen, war Michelles zweiter Liedbeitrag bei „Das Beste der Feste“: „Wir feiern das Leben“ ist ein außergewöhnlich optimistischer, zukunftsträchtiger und geradliniger Ohrwurm imponierendster Machart, der vielleicht tatsächlich die beste, progressivste und konstruktivste Michelle an den Tag legt, die es je gab.

In Medley-Form arbeitete sich die gebürtig aus dem schwäbischen Villingen-Schwenningen stammende Sängerin daran anschließend durch ihre bislang größten Erfolge. Dazu zählen natürlich die Tanznummer „Herzstillstand“ (2015), der vom Kollegen Matthias Stingl (Liebe Grüße an dieser Stelle!) verfasste 2001er-Beitrag zum Grand Prix Eurovision de la Chanson, „Wer Liebe lebt“, der einwandfreie 2014er-Sommerhit „Paris“ und – ganz zum Schluss, mit Unterstützung von „D.J. Ötzi“, Florian Silbereisen und „Feuerherz“ reanimiert, das – wie ich einst schrieb – „vortreffliche Loblied auf die ambivalente Liebe“, „Idiot“ (2002).

Die seit 1992 im Schlagermetier aktive Michelle, von der ich schon manche Auftritte, mal in dieser, mal in jener Verfassung, erlebt habe, hat in Oberhausen bei „Das Beste der Feste“ eine absolut positive Figur abgegeben. Ich hoffe, dass sie sich nun endgültig gefangen hat – wie gesagt, ich spreche aus eigener Erfahrung – und freue mich (Geburtstag hin, Geburtstag her) sehr, mich bald ausführlich, und garantiert von viel Sympathie getragen, zu ihrem neuesten Opus „Ich würd‘ es wieder tun“ journalistisch äußern zu können.

Gerry (alias „D.J. Ötzi“) und Florian begaben sich nun direkt in ein weiteres Medley, bestehend aus eher feinfühligen, ruhigeren Schlagergassenhauern. Gemeinsam interpretierten sie Peter Alexanders kleinbürgerlich-betuliche „Kleine Kneipe“, Udo Jürgens‘ wohlmundenden „Griechischen Wein“ („Feuerherz“ stießen nun gesanglich hinzu), Reinhard Meys Mär von der sprichwörtlichen ‚Luftaufsichtsbaracke‘, „Über den Wolken“ (Ross Antony enterte hierfür die Bühne), und Vicky Leandros‘/Andrea Bergs eindringliche Durchhalteparole „Ich liebe das Leben“ (Michelle kam als vokalistische Vervollständigung hinzu).

Daraufhin versuchte sich die zweifellos umwerfende „Dancefloor Destruction Crew“ an schottischen Volkstänzen im bumsenden Techno-Sound, garniert mit originalen Dudelsäcken, bevor Michelle, Ross und „Feuerherz“ die einst von „Schlager-Skandalon“ Drafi Deutscher (auch schon wieder zehn Jahre tot… verdamp lang her…) zwecks eines (von Drafi später nicht ganz zu Unrecht in Frage gestellten) Duetts mit Lady Kristina Bach verfasste Monumentalballade „Gib nicht auf“ zu neuem Leben erweckten und der unumstößliche, große Meister des Abends, Herr von und zu Florian Silbereisen, mal mit Akkordeon, mal ohne, mittels der drastischen Schenkelklopfer „Guat drauf“ und „Links a Madl – Rechts a Madl‘“ (beide1999) in furioser Ausgestaltung auf seine Vergangenheit im volkstümlichen Spektrum verwies.

„Du schaffst das schon“, ein weiterer Auszug aus der gefeierten „Klubbb3“-Hit-Scheibe „Vorsicht unzensiert“ (den vermutlich Joachim Sauer seiner „es schaffenden“ Gattin Angela M. jeden Abend vor dem Schlafengehen als Durchhalteparole vorträllert!), leitete nun über zum „Grande Finale“ dieser fulminanten Schlager-Ralley, am 02. April 2016, in Oberhausen. Nein, nicht „Grande Finale“, Udo Lindenbergs so idealistisch friedensbewegtes, wie konservative Herzen verstörend provozierendes Statement aus dessen 1981er-LP „Udopia“, vielmehr die inzwischen zur regelrechten Erkennungsmelodie des Hamburger Panikers erwachsene Liebeserklärung an seine einstige, 1986 verstorbene Privatsekretärin Gaby Blitz, „Horizont“, ehrfürchtig , hymnisch und energiegeladen vorgetragen von allen teilnehmenden Künstlern (mit Ausnahme von Vanessa Mai, die im zweiten Teil der Show nicht mehr aufgetaucht ist), beschloss eine konsequent berauschende, niemals langweilige Revue durch alle Höhen und Tiefen, alle Stilmittel, Ausformungen, Ausprägungen desjenigen musikalischen Phänomens, das sich Deutscher Schlager nennt, von (oft intoleranten) Besserwissern immer wieder arg gescholten, doch vom alltäglichen Normalbürger, wie Dir und mir, immer wieder (und gerade in den letzten Jahren immer eindeutiger und unverblümter) geliebt und geschätzt. Als altbacken, gestrig, womöglich langweilig oder unnötig bieder, zeigt sich der Deutsche Schlager anno 2016 ganz und gar nicht. Da sollen sich manch linksintellektuelle Kultur-Möchtegerns (wie gerade vor einigen Tagen auf Spiegel.de geschehen) noch so sehr in ihr Höschen machen. Florian Silbereisen und seine zünftig ausgewählten Gäste der diesjährigen „Das Feste der Feste“-Tournee legen – selbst, wenn manchem Beobachter, rein subjektiv betrachtet, nicht alles Gebotene gleichermaßen aus der Seele gesprochen hat – unzweifelhaft Zeugnis darüber ab, dass der Deutsche Schlager nicht nur fröhlich und aufstrebend lebt, wächst und gedeiht, sondern dass er einfach nur „Geil“ ist – im besten Sinne dieses so übertrieben viel und nicht immer zurecht genutzten Wortes!

TERMINE & TICKETS …:
 

Holger Stürenburg, 02./03. April 2016
http://www.feste.tv
http://floriansilbereisen.com/


Textquelle/Bildquelle:

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