"ECHO"
smago! Gast-Glosse: "ECHO 2017" – Nie war er so wertvoll wie heute!

Der Staffelstab der TV-Übertragung wurde vom „Ersten“ an VOX übergeben – Stephan Imming „freut“ sich schon auf die Änderungen …:
 

Alle Jahre wieder…. – begeisterte uns das „Erste“ in den letzten Jahren nicht nur mit der Vorentscheidung zur Eurovision und immer tolleren Konzepten und „Überraschungen“, die zu „Erfolgen“ führten – nein, jährlich findet auch die Echo-Preisverleihung statt. Auch bei diesem „Gipfeltreffen der großen Musikfamilie“ (so nennt es VOX) wussten die Entscheidungsträger zu brillieren mit einer an Kreativität kaum zu überbietenden Regelkunde.

Zum Glück wird jetzt alles anders. Zum 25-jährigen Jubiläum des Echos hat man mit VOX einen TV-Partner zur Hand, der „seine Musikkompetenz unter Beweis gestellt hat“. Nun – endlich – wissen wir, was genau damit gemeint ist – also wie die Musikkompetenz unter Beweis gestellt wird:

Bereits knapp zwei Wochen vor dem Event findet eine tägliche Informationssendung statt. Als Experten konnten hochkarätige Kandidaten wie die Fashion-Bloggerin Laura und die Rentnerin Marion gewonnen werden. Sie werden in der Musikfachsendung „Shopping Queen“ alles geben. Die Idee der TV-Macher ist raffiniert: Weil der Echo in Berlin stattfindet, werden die „Shopping Queens“ in Wiesbaden und Mainz unterwegs sein. Man darf gespannt sein, ob Moderator Guido Maria Kretschmer sich später sach- und fachkundig auch zu den Outfits der Prominenz auf dem roten Teppich äußern wird.

Der TV-Produzent Michael Jürgens hat kürzlich ja ein Statement abgegeben, dass ein Hit tendenziell nicht mehr über das Radio, sondern über das Fernsehen gemacht werde. Wichtig sei, dass der Musiker seine Kunst „sichtbar“ mache. Genau DAS hat man sich bei VOX zu Herzen genommen und die anerkannte Musikshow „Grill den Henssler“ zur besten Sendezeit ins Programm genommen. Die Wartezeit bis zum größten Musikpreis wird von absoluten Musikexperten wie Reiner Calmund  verkürzt.

Bei einem Großevent wie dem Echo ist natürlich wichtig, dass auch das kritische Feuilleton mit an Bord ist. DAS Zentralorgan der kritischen Feuilletonisten und Kulturliebhaber Deutschlands ist zweifelsohne das Magazin „Prominent“. Auf der Homepage des Senders finden sich brisante und knallhart recherchierte Reportagen mit Überschriften wie „Pipi Panne bei Justin Bieber“ und „Beatrice Egli: Darum lässt sie die Hüllen fallen“. Man darf sich auf spannende, kompetente und kritische  Berichterstattung der Moderatoren Amiaz Habtu und Nina Bott freuen. Letztere hat ja nicht zuletzt durch musikjournalistische Reportagen in Büchern wie „999 Begriffe rund um die Schwangerschaft“ auf sich aufmerksam gemacht hat.

Ein bisschen aus dem Rahmen fällt dann die Doku „25 Jahre Echo“ – aus irgendwelchen Gründen meinte man wohl, auch mal einen Beitrag zur Musik bringen zu müssen. Unter anderem wird – der „unaufhaltsame Aufstieg des Schlager-Genres“ beleuchtet. Deshalb wird an „ECHO-Momente verstorbener Preisträger“ gedacht. Als Beispiel werden die Namen Michael Jackson, Whitney Houston, Amy Winehouse und David Bowie genannt. Insgesamt gibt es sechs Künstler, die in der „Echo Hall of Fame“ posthum geehrt werden. Neben den vier genannten wären da noch Peter Alexander und Udo Jürgens zu nennen. Die Namen werden dann mal lieber verschwiegen (, wobei man zu Lebzeiten die beiden ohnehin so gut wie nicht auf dem Schirm hatte…).

Am 6. April ist es dann so weit. Die 26. Echo-Verleihung findet in Berlin statt. Wie zu erfahren ist, sperrt man das Fußvolk von der Preisverleihung lieber aus. Der Abend steht unter dem Motto: von Musikern für Musiker. Jeder weiß ja, dass der Echo „von Musikern“ veranstaltet wird und nicht von irgendwelchen sonstigen Organisatoren. Und sicher wird die Veranstaltung auch nur „für Musiker“ sein – die Plattenbosse sind gaaaanz bestimmt nicht bei der Echoverleihung dabei… Nur einen Tag nach dem Event wird VOX dann den „ECHO 2017“ in einem zweieinhalbstündigen Mitschnitt präsentieren – in alter RTL-Tradition kann man dann unliebsame Kategorien wie volkstümliche Musik noch mehr zusammenschneiden  als das eh schon der Fall war (in früheren Jahren, bevor man zur Liveausstrahlung überging).

Hinsichtlich der Preisverleihung ergibt sich eine Neuerung –im Pressetext ist zu lesen: Erstmals entscheidet neben den Erfolgen am Markt für jedes Genre eine eigene Fachjury mit über die Preisvergabe. Werfen wir in dem Zusammenhang mal einen Blick auf die erste Echo-Verleihung. Der damalige Vorsitzende der Phonoakademie, Gerd Gebhardt, gab seinerzeit zu Protokoll: „…dass es sich die Deutsche Phono Akademie vorgenommen hat, Musik aus Deutschland zu fördern und jedes Jahr deutlich zu machen, wer in den vergangenen Monaten mit seiner Musik am erfolgreichsten war. Dafür hätten Insider, Kritiker und Persönlichkeiten, die jeden Tag hautnah am Musikgeschehen seien, in diversen Jurys ihre Entscheidungen getroffen. Aber auch die Platzierungen in den Top-100 Listen des MM..hätten für die Ermittlung der Echo-Preisträger eine große Rolle gespielt.“ (Quelle: Musikmarkt vom 01. Juni 1992). Der Einbezug einer Jury ist insofern in der Tat eine geradezu revolutionäre „Neuigkeit“, die schon deshalb zu begrüßen ist, als somit verhindert werden kann, dass Helene Fischer womöglich schon wieder Echos abräumt, obwohl sie gar keinen Tonträger veröffentlicht hat. (…wobei die skurrilen Regeländerungen an der Stelle eigentlich schon ausgereicht hätten…)

Im Anschluss an die Echo-Veranstaltung, also der Veranstaltung „von Musikern für Musiker“, wird abschließend die Sendung „Prominent! Echo Spezial“ ausgestrahlt. Da es ein Branchenevent ist, muss die Sendung natürlich von fachkundigem Branchen-Personal moderiert werden. Erneut ist Nina Bott am Start. Hat sie außer ihren „musikjournalistischen“ Veröffentlichungen weitere Qualifikationen? Ein Blick auf ihre Webseite verrät: „Ich bin zweifache Mama, Freundin, Schauspielerin und seit Oktober 2015 auch Bloggerin.“ Okay – wenn DAS keine Qualifikation ist, um für VOX eine Veranstaltung von „Musikern für Musiker“ zu moderieren, dann weiß ich es nicht…

Auf jeden Fall kann man sich wirklich auf die diesjährige mediale Aufbereitung des Echos freuen. Die Kreativität hinsichtlich der begleitenden Beiträge kannte keine Grenzen, das musikalische Know How der Programmmacher kennt quasi keine Grenzen. Auch die Idee, die Show nicht live auszustrahlen, ist großartig. Man kann sicher sein, dass in diesem Jahr – zum 25-jährigen Jubiläum – die Veranstaltung ein großer Erfolg werden wird…

Stephan Imming, 25.02.2017
http://www.musikindustrie.de


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