FRED WEYRICH
100 Jahre FRED WEYRICH – ein Jubiläum!

Der Vater von Pit Weyrich wäre am Samstag (28.08.2021) 100 Jahre alt geworden! Lesen Sie HIER eine Würdigung von Claudia Karner …:

 

Am 28. August 2021 hätte Textdichter FRED WEYRICH seinen 100. Geburtstag gefeiert. Der DTV erinnert an einen der Größten der Branche, der nicht nur ewige Hits wie „Zwei Apfelsinen im Haar (A Banda)“ und „Einmal um die ganze Welt“ schrieb, sondern auch Alexandra entdeckte. „Es war ein Sonntag im August 1921, als Fred Weyrich in Neustadt/Weinstraße das Licht der Welt erblickte. Und vielleicht wurde ihm, dem Sonntagskind, gerade deshalb die Gabe der schönen und leichten Muse in die Wiege gegeben, mit der er die Menschen in guten wie auch in leidvollen Tagen viel Hoffnung und Freude schenkte“, heißt es in der Festschrift zu den Jubiläumsfeierlichkeiten. Sein Lebenswerk habe ihn „für alle Freunde der leichten Unterhaltung unsterblich gemacht.“ Textdichterin und Journalistin Claudia Karner (www.songtexte-schreiben-lernen.de) hat Fred Weyrich portraitiert. 

 
Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld… sang 1972 der tschechische Sänger Karel Gott. Die Tschechoslowakei war damals noch hinter dem Eisernen Vorhang, Deutschland ein geteiltes Land und eine ungehinderte Ausreise für viele Menschen ein umöglicher Traum. Die Idee zu dieser Sehnsuchtshymne hatte der Textdichter Fred Weyrich. Er krempelte das Lied, das im tschechischen Original tatsächlich Hey, Hey, Baby heißt (Text: Jiri Stajdl, Musik: Karel Svoboda) komplett um und schenkte so Karel Gott einen seiner größten Hits in Deutschland.


 
EIN KLEINES HERZ UND EINE GROSSE LIEBE


Fred (eigentlich: Alfred) Weyrich wurde am 28. August 1921 in Tauberbischofsheim geboren. Wäre es nach seinem Vater gegangen, wäre er Zahnarzt geworden. Doch Fred zog es ans Theater. Er studierte, unterstützt von seiner Mutter, in Berlin Schauspiel, das er mit dem Examen abschloss. Die künstlerische Karriere musste kriegsbedingt warten. Weyrich wurde zum Wehrdienst einberufen und nach der Grundausbildung in der Truppenbetreuung eingesetzt. In Norwegen arbeitete er als Programmleiter und Moderator bei Radio Tromsö und leitete eine kleine Kapelle. Nach dem Krieg war er als Schauspieler und Kabarettist tätig, wurde Haussänger von Radio Hamburg und begleitete Lale Andersen mit seiner Band auf Tournee. 1950 nahm das Multitalent die ersten Platten auf, darunter Die Nacht ist voller Zärtlichkeit und Ein kleines Herz und eine große Liebe. 160 Platten sind es geworden, einige davon im Duett mit Rolf Simson unter dem Namen Fred und Rolf.


 
SEHNSUCHT – DAS LIED DER TAIGA

Ab den 1960er Jahren schrieb Weyrich Melodien und Texte für andere Künstler und startete seine Karriere als Musikproduzent. Er hatte eine ausgeprägte Spürnase für Talente. So wurden Nana GualdiKlaus Wunderlich mit seiner Hammond-Orgel, Edina Pop und Gunter Gabriel von ihm entdeckt. Der größte Fisch, den er an Land zog, war aber Alexandra. „Eine Entdeckung, die man nur einmal im Leben machen kann“, so O-Ton Fred Weyrich. Alexandra, bürgerlich Doris Nefedov, die damals bei einem Verleger arbeitete, soll ihrem Chef nach einem Streit einen Papierkorb aufgesetzt haben. Der warf sie zwar hinaus, schwärmte aber dem Musikproduzenten vor: „Die hat auf unserem Betriebsfest so schön gesungen. Interessiert sie dich?“ Weyrich bestellte die temperamentvolle junge Dame zum Vorsingen und war von ihrer tiefen Stimme überaus begeistert. Schon nach einer halben Stunde bot er ihr einen Fünf-Jahres-Vertrag an. Bereits die erste gemeinsame LP katapultierte Alexandra – auch der Künstlername war Weyrichs Idee – in lichte Höhen. Wehmütige, auf Russisch getrimmte Lieder – diese Nische war auf dem Schlagermarkt der 1960er Jahre noch frei. Sehnsucht (Das alte Lied der Taiga) hielt sich ein halbes Jahr in den deutschen Hitlisten. Dabei hat Alexandra dieses Lied angeblich gehasst. „Es war für sie ein einfältiges Kinderlied, das sie nur ein einziges Mal und unter Tränen einsang“, vermerkte der Autor Marc Böttcher in seiner Biographie. Die Karriere, die so vielversprechend begonnen hatte, endete tragisch. Alexandra starb am 31. Juli 1969 bei einem Autounfall. Das Andenken an sie und ihr musikalisches Vermächtnis wird auch noch fünfzig Jahre nach ihrem Tod von dem Verein Alexandra-Freunde e.V. wachgehalten.


 
KASATSCHOK, KASATSCHOK, RAS, DWA, TRI…


Offensichtlich hatte Weyrich ein Schwäche für die russische Seele: Er produzierte zahlreiche Platten mit Ivan Rebroff, und als Boris Rubaschkin den Modetanz Kasatschok erfand, verfasste Weyrich einen Text zur Melodie. Für Dorthe schrieb der unermüdliche Textdichter Sind Sie der Graf von Luxemburg?, für France Gall Zwei Apfelsinen im Haar, die deutsche Übersetzung von La Banda, und für Karel Gott das eingangs zitierte Lied Einmal um die ganze Welt.
 
Weitere prominente Namen auf der unvollständigen Künstlerliste: Heidi Brühl, Vico Torriani, Gerhard Wendland, Costa Cordalis, René Kollo, Nana Mouskouri, Hanne Haller, Hildegard Knef, Dunja Rajter, Wencke Myhre und Harald Juhnke. Für ihn machte Weyrich, der auch unter dem Pseudonym Fred Conta textete, aus Frank Sinatras Welt-Hit New York, New York eine Hymne an Berlin. Zu seinen letzten Erfolgstiteln gehörten die Paola-Singles Am Anfang einer neuen Liebe und Die Männer im Allgemeinen, die noch heute zum festen Rundfunkrepertoire der Schlagersender gehören. 
Auch in Radio und Fernsehen war der Alleskönner präsent. So produzierte er mit Peter Frankenfeld Peters Bastelstunde. Sein Talent hat er an seinen Sohn Pit Weyrich vererbt, der als erfolgreicher Kameramann, Regisseur und Moderator für das ZDF arbeitete. Weyrich sen. zog sich in den 1990er Jahren aus dem Show-Business zurück und tüftelte in Dießen am Ammersee an seinen Lebenserinnerungen. Am 30. Dezember 1999 starb er völlig unerwartet an einem Herzversagen. Die Memoiren blieben unvollendet.


 
DTV-Präsident Frank Ramond und DTV-Vizepräsident Tobias Reitz:


„Fred Weyrich war ein Großer. Er war stilprägend, vielseitig und hochintelligent. Und er hat dem deutschsprachigen Musikmarkt Künstler:innen und Lieder hinterlassen, die immer noch leben. Wir erinnern gerne an diesen kreativen Kopf, der dem Deutschen Textdichter-Verband immens verbunden war – und es glücklicherweise immer noch ist, denn seine Frau Renate ist heute noch Mitglied bei uns, worüber wir uns sehr freuen und wofür wir dankbar sind. 
Wir werden Fred Weyrich gemeinsam mit ihr ein ehrendes Andenken bewahren und denken zu seinem 100. Geburtstag mit besonderer Achtung an ihn zurück.“  

 

 

 

 

Das Foto (Credit: leider unbekannt) zeigt Hans Blum, Fred Weyrich, Alexandra

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