HUMUS
Der Geheimtipp aus dem Ötztal: die Gruppe „Humus“ aus Kärnten mit ihrem Titel “ Kum drah ma um“!

Oder, wie es Andy Zahradnik formuliert: „Nur 5 Minuten oder der Sieg über die Angst vor dem Ausschaltimpuls“…: 

Humus heißt nix anderes als Erdboden. Gut, da gibt’s noch dieses  Kichererbsenpüree aber das ist hier und jetzt definitiv eine andere Geschichte und nicht die des Pürees. Es geht um Humus die Band, deren einzelne Musiker ihre kreativen Wurzeln schon fest verankert haben und die keine neu gesetzten Frischlinge sind.

Ossi Huber, Giovanni Jandl, Richie Vejnik und Peter Gröning treten gemeinsam unter dem Namen ‚Humus‘ auf. Es gibt zwei CDs, die erste wurde noch im Trio produziert. Die künstlerische Vita der vier Herren würde hier den Rahmen sprengen, weshalb man gerne aufs Internet verweist, dort einfach Google bemüht und dann kommt man schnell drauf, dass da in Summe über zwei Jahrhunderte an Musikerleben zusammen gekommen sind. Im Stenografen-Stil: Huber war bei den Bluesbreakers, Jandl gründete die Bengels, Vejnik war und ist einer der meistgebuchten Studio-Cracks des Austropop und Gröning war schon in einem Land, welches es heute als Staat nicht mehr gibt, ein gefragter Jazz Drummer. Peter Gröning, einer der Stars der ehemaligen DDR. Bühnenböden kennt jeder der vier zur Genüge.

‚Humus‘ sind ursprünglich nicht angetreten um sich den späten Lebenstraum vom Rock-Star zu erfüllen sondern endlich nur das zu machen, was ihnen persönlich taugt. Keine Tanzmusik mehr, nicht mehr die lebende Jukebox abgeben müssen und wer bei ihnen ein Bier an der Bühnenkante parkt, der erntet schnell eine entsprechende Moderation. Im Land der Bierzelte eine Ausnahmeerscheinung. Eine Band aus Kärnten, musizierend in der Schlager-Hochburg Österreichs. Alles ist möglich und wenn die Dinge einmal in Bewegung sind, lassen sie sich schwer wieder stoppen. Manchmal ist das auch gut.

Vor ungefähr zwei Jahren, es war der 19. Dezember 2011, stand die Band im Studio und nahm den Titelsong des neuen Albums auf: ‚Nur 5 Minuten‘. Der Name war Programm. Der Song dauert 5 Minuten, er wurde durchgespielt und live aufs Tape gebannt. Das Lied erlebte so eine Authentizität, die durch x-maliges einspielen, Overdubs und dergleichen nie so erreichbat gewesen wäre. Ossi Huber, der Mann hinter dem  Gesangsmikro, nahm, nachdem die Regler runter gezogen wurden, die Kopfhörer ab, ging in den Regieraum, hörte mit den Kollegen die Aufnahme ab und brach zusammen. Herzinfarkt. Ein Nahtod Erlebnis und viele Monate der Rekonvaleszenz später war im Leben des Mannes alles anders. Das zweite Leben des Ossi Huber ist wahrlich nicht mehr vergleichbar mit seinem ersten. Was aber blieb, aus diesem ersten Leben und das es in das zweite geschafft hat, ist ein Lied. Das sind diese ‚5 Minuten‘. Ein Lied welches schon ob seiner Länge nicht gerade als radiotauglich gelten darf und dann das: ein langes Sprechintro! No Way – normalerweise – aber dann gibt es Menschen beim Radio, die sich trotzdem getrauen diesen angeblichen Ausschaltimpuls einmal zu hinterfragen. ‚Nur 5 Minuten‘ wurde bei Radio Kärnten gespielt. Zuerst einmal, dann immer öfter und siehe da. Keine Rede von Ausschalten. Das Lied traf den Nerv der Menschen indem es ihnen sagte, einfach jeden Tag 5 Minuten über sich selbst, das Leben, die Begleiterscheinungen  nachzudenken. Mehr ist es nicht und offenbar braucht es auch nicht mehr um zu berühren.

Das Lied wanderte von Kärnten nach Tirol und auch dort, siegte der Mut über die Angst vor dem Ausschaltimpuls. Es ist somit mehr als nur 5 Minuten Musik und Text geworden. Dieses Lied, welches im ersten Leben des Ossi Huber von diesem zurückgelassen, in seinem zweiten Leben ohne irgendwelche Überarbeitungen zu erfahren, auf die Reise geschickt wurde, setzt nun einen Schritt nach dem anderen. ‚Mal schauen‘, sagt Huber und in einer Zeit, wo alles genau geplant, vermessen, mit Zielvorgaben versehen wird, wandert ein Song in allen Belangen gegen genau diesen Zeitgeist.

Das Album dazu, es wird dieser Tage neu veröffentlicht, wird nun über alle kommerziellen Vertriebskanäle verfügbar sein. Und die Band? Sie macht weiter Musik. Sollte der Erfolg unaufhaltsam werden, steht trotzdem nicht das Festzelt am Programm. ‚Wir brauchen Menschen die gerne zuhören, die Texte mögen, Chor-Arrangements etwas abgewinnen können‘, sagt Huber und in der Tat – es fehlt vollkommen das Vermögen sich diese Musik, angesiedelt zwischen Nu-Folk, Blues und traditionellem Singer-Songwriting,  als Soundtrack zu Grillhühnern und Bratwürsten vorzustellen.

„Listen Closely – oder gut zuhören, das ist das was wir uns wünschen… wir erzählen auch immer wieder Geschichten zwischen den Liedern und nachdem niemand davon läuft, dürfte das auch so passen“! sagt Huber. Nachsatz gibt es keinen, dafür den Gesichtsausdruck eines Menschen, der seine Mitte gefunden hat, der stets darauf bedacht ist, dass nicht der Eindruck entsteht, Huber = ist gleich = Humus. Er spricht daher so gut wie ausschließlich in der Wir-Form. So sagt er ‚Wir bestimmen wie CD-Produktion klingt‘ und Sätze wie diese, wurzeln in Erfahrungen aus rund 40 Jahren Musikerleben und sind fast so was wie eine Garantie dafür, dass Lieder wie ‚Nur 5 Minuten‘ entstehen und auf die Reisegehen dürfen.

Andy Zahradnik für VM Records / MCP (Textvorlage)


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