DIETER HALLERVORDEN
Absurder Humor vom Feinsten: “Der König stirbt” – “Premiere” in Dessau …

… am Mitteldeutschen Theater in der Marienkirche zu Dessau-Roßlau! Ein Schauspiel von Eugène Ionesco! ALLE Vorstellungen so gut wie ausverkauft!

 

Im Grunde genommen ist es für das Stück “Der König stirbt” in DIESER Konstellation bereits die dritte Premiere …

Da das Schauspiel von Eugène Ionesco am 05.01.2023 jedoch zum ersten Mal am Mitteldeutschen Theater in der Marienkirche zu Dessau-Roßlau aufgeführt wurde, kann man durchaus von einer “Premiere” sprechen.

Und nicht nur die “Premiere” fand vor ausverkauftem Haus statt. ALLE Vorstellungen bis 29.01.2023 sind bereits so gut wie restlos ausgebucht.

Neben Dieter Hallervorden wirken mit: Dagmar Biener, Annika Martens, Christiane Zander, Karsten Kramer sowie Georgios Tsivanoglou.

 

 

 

 

Und darum geht es in “Der König stirbt” …

 

 

Um König Dieter (den Ersten!) ist es schlecht bestellt: Sein Reich schrumpft, sein Palast zerfällt, die Natur schlägt zurück und verwüstet das Land, und gleich zu Beginn des Theaterabends erhält er die unschöne Mitteilung, dass er an dessen Ende sterben wird… Schließlich heißt das Stück des Meisters des Absurden, Ionesco, ja auch so!

Zu allem Überfluss bekriegen sich dazu noch die alte und die neue Gattin des Königs (also die Königinnen). Ein Arzt, Sterndeuter und Scharfrichter (das scheint hier alles eins zu sein) stellt andauernd düstere Prognosen. Ein letzter Wächter versucht das militärische Desaster und manches Andere noch zu verhindern – natürlich vergeblich – und eine Dienstmagd, vulgo: Putzfrau, gibt zu allem noch ihren Berliner Senf dazu…

Absurder Humor vom Feinsten!

„… ein toller König … Sein Auftritt hat nichts Eitles. Stattdessen: pure Spiellust. Hallervorden bedient perfekt die zwei Tonlagen, die Ionesco anschlägt … Zu Recht mit Standing Ovations bedacht.“ (Der Tagesspiegel)

 

Regie: Philip Tiedemann

Bühne & Kostüm: Alexander Martynow

Musik: Henrik Kairies

 

Vorstellungen im Mitteldeutschen Theater in der Marienkirche zu Dessau-Roßlau: 05.01. – 08.01., 12.01. – 15.01. + 26.01. – 29.01.2023

 

 

 

smago! Chefredakteur war sowohl bei der ersten Premiere im Apollo Theater in Siegen, bei der zweiten Premiere im Schlosspark Theater in Berlin sowie bei der dritten Premiere am Mitteldeutschen Theater in der Marienkirche zu Dessau-Roßlau anwesend, um Dieter Hallervorden in seiner Paraderolle als “König Dieter I.” zu erleben.

Mehr als 60 Jahre hat das Stück “Le roi se meurt” (= “Der König stirbt”) von Eugène Ionesco (1909 – 1994) bereits auf dem Kerbholz. Dass es trotz alledem kein bisschen Patina angesetzt hat, liegt nicht zuletzt an dem Regisseur Philip Tiedemann, der das Werk behutsam in die Neuzeit adaptiert hat.

Wobei die “Vorlage” als solche geradezu erschreckend aktuell erscheint: “Die Bevölkerung überaltert” (trifft zumindest auf die deutsche Bevölkerung zu …), die Umwelt zerstört (Stichwort “Klimawandel”), das Militär zu nichts zu gebrauchen … (Auch werden in dem Stück zwei Bestseller von Hape Kerkeling gestreift … Und Handys gibt es ebenso bereits wie Elektro-Roller …)

Derzeit brilliert Dieter Hallervorden also am Mitteldeutschen Theater in der Marienkirche zu Dessau-Roßlau als “König Dieter I.”. Ein ‘Kurz-Autogramm’ mit den Initialen von Dieter Hallervorden ziert den Thron von “König Dieter”. (Und das ist nur eine von vielen tausend Feinheiten, die einem auffallen …

Die (eher “schroffe”) Königin Margarete überbringt ihrem Gemahl die – nicht sehr frohe – Kunde: “Majestät, wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass Sie sterben werden! – Am Ende der Vorstellung bist du tot.”

Der königliche Hausarzt bestätigt König Dieter I., dass er dem Tode geweiht ist. Doch König Dieter I. nimmt das nicht für bare Münze. Und nach einer Anregung von www.smago.de sagt “König Dieter I.” statt “Erinnern Sie mich daran, wenn es so weit ist.” jetzt “Schreiben Sie’s auf, ich beschäftige mich später damit” … (Kenner wissen Bescheid!).

Der König will sich mit seinem Schicksal jedoch nicht abfinden: “Ich sterbe, wann ich will. Ich bin der König – ich entscheide!”. – “Diese Macht haben Sie verloren!”, wendet sein Hausarzt. “Einfühlsam” wie eh und je setzt Königin Margarete mit “Du hast dem Verfall nichts mehr entgegenzusetzen!” noch einen oben (und nicht hinten-)drauf.

“Dass Könige sterblich sind, trifft mich völlig unvorbereitet”, beschwert sich König Dieter I., woraufhin er von seiner Margarete auf ihre Weise getröstet wird (“Deine Unsterblichkeit war nur provisorisch).” “Es gibt nichts Ungewöhnliches hier. Weil: Das Ungewöhnliche das Gewöhnliche geworden ist”, so des Königs vorläufiges Resümee.

“Ihr wollt mich doch nur auf den Arm nehmen …” – König Dieter I. kann und WILL es noch immer nicht fassen.”Ihr seid doch alle verrückt. Oder Verräter. Oder verrückte Verräter”, tobt Dieter I., um dann zu sinnieren “In Todesgefahr wehrt sich selbst die kleinste Ameise. (…) Sterben ist unangenehm. Ich will leben. Aus. Ende. Basta.”

Aber auch er muss schließlich erkennen: “Meine Gegenwart ist Vergangenheit!”. Und die “Diagnose” seines Leibarztes könnte “präziser” nicht sein als – “Es ist kein vorbildlicher Tod zu erwarten, aber ein recht anständiger. Er wird an seinem Tod sterben.”

Obwohl der König ein bisschen senil und vor allem ein bisschen sehr narzistisch veranlagt ist, ändert nichts daran, dass er – sofern er nicht gerade irgendwelche Kriege führt (, die er dann auch meistens verliert,) – von einem eher gutmütigeren Naturell ist. Ganz besonders köstlich sind die Momente, in denen König Dieter I. wieder zu einem trotzigen Kleinkind wird. Und wenn er krakeelt, “Ich möchte mein Zepter haben !!!” hat man unmittelbar LORIOT als Opa Heppenstedt vor Augen (“Ich will meine Platte spiel’n!”).

Wie eine Gazelle kraxelt Dieter Hallervorden im Laufe des Stückes gleich zweimal eine Leiter hinauf, um seinem Volk zu eröffnen, dass “Der König stirbt”. Und dem Gesang hat er wohl doch nicht abgeschworen zu haben, denn in der ersten Programmhälfte singt er kurz den John Rowles-Klassiker “If I Only Had Time” an und im zweiten Teil stimmt er bei “My Way” mit ein …

Noch dazu hat Hallervorden sein Gespür für das perfekte Timing nicht verloren. “Der König stirbt” – exakt auf die Sekunde genau, wie während des ganzen Stückes immer wieder angekündigt – am Ende der Vorstellung …

Doch nicht nur Dieter Hallervorden spielt die Paraderolle seines bisherigen Theater-Lebens. Das gesamte Ensemble brilliert auf ganzer Linie …:

* Dagmar Biener, die – mit fast durchgehend versteinerter Miene – Margarete, die erste Königin, spielt
* Annika Martens in der Rolle von Maria, der zweiten Königin
* die wunderbare Christiane Hallervorden als Haushälterin, Krankenschwester und Ur-Berlinerin “Julchen”
* Karsten Kramer ((anstelle von Mario Ramos )) als “Der Arzt”, der gleichzeitig auch Sterndeuter, Scharfrichter und – Virologe (!) ist
* Georgios Tsivanoglou “Der Wächter”

PS: Im Programmheft zu “Der König stirbt” kommt Dieter Hallervorden aus dem Schwärmen über das Stück gar nicht mehr heraus:„Mich fasziniert beim absurden Theater Ionescos, dass viele widersinnig erscheinende Passagen so viel ganz offensichtlich Wahres enthalten. – Ein Beispiel: Maria sagt, um Trost bemüht, zum König: ‘Solange der Tod nicht da ist, bist du da. Wenn er dann da ist, bist du nicht mehr da. Du begegnest ihm also nicht!’ – Vor solch skurriler Absurdität verneige ich mich so tief, wie mein alter Rücken es erlaubt.“

 

PPS:Und Christiane Hallervorden (verkörpert das “Julchen”) ergänzt: „Morgen für Morgen kommt man zur Welt. Ich kann diese Dankbarkeit empfinden, Morgen für Morgen aufzustehen – weil ich es KANN! Gesund aus dem Bett zu steigen und unabhängig und frei den Tag zu gestalten! Diese empfundene Dankbarkeit macht mich glücklich.“ – Wie recht sie hat !!!

 

 

Foto-Credit: DERDEHMEL / Urbschat
Textquelle: Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de

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