SONIA LIEBING
smago! CD-Kritik „Wunschlos glücklich“!

Foto-Credit: Nikolaj Georgiew

Wird aus dem „Shooting Star des deutschen Schlagers“ der neue Superstar des deutschen Schlagers?

 

Noch vor nicht einmal zwei Jahren war SONIA LIEBING eine Sängerin, die in NRW hier und da bei kleineren Veranstaltungen mitwirkte, ansonsten aber eher Hobbymusikerin war. Das änderte sich im Januar 2018, als sie bei einer Schlagermesse in Oberhausen die Produzenten Stefan Pössnicker, der als Stefan Peters selber als Sänger aktiv – u. a. auch als „Schlagerpilot“ – ist, und Armin Pertl kennen lernte. Am gleichen Abend kam auch der Kontakt zu „Mr. Schlagernacht des Jahres“ Karl-Heinz Schweter zustande. Man verstand sich auf Anhieb gut, und Sonia fuhr nach Bayern, um erste Aufnahmen unter der Regie von Stefan und Armin anzufertigen.

Gleich die erste Single der Kölnerin ging durch die Decke. Mit „Tu nicht so“ gelang Sonia auf Anhieb ein toller Rundfunkhit, auf dem sich aufbauen ließ. Karl-Heinz Schweter ging das Risiko ein, die blonde Schönheit bei den Schlagernächten als Programmpunkt einzubauen und sollte Recht behalten – von Beginn an wusste Sonia mit ihrer Performance zu überzeugen.

Nun liegt das Debutalbum von Sonia Liebing vor – es heißt „Wunschlos glücklich“ – passend zum ansteckenden Optimismus, den Sonia einfach ausstrahlt und der auch namengebend für ihr Album ist. Folgerichtig wurde der Name der CD auch gleich als Opener des Debutalbums installiert. In dem Lied thematisiert Sonia die langjährige Beziehung zu einem geliebten Menschen. Das klingt fast wie eine Hymne für ihren Ehemann, mit dem sie zwei Kinder hat.

Mit „Nimm dir, was du brauchst“ gelang Sonia der Anschlusstreffer zu ihrer Debüt-Single. Ihre im Disco-Fox-Stil verarbeiteten Herzschmerzen wurden in dieser Form vom Publikum sofort angenommen. In eigentlich allen relevanten Airplay-Schlagerparaden konnte sich die Newcomerin damit beeindruckend durchsetzen. Der Schmerz der Verlassenen, wenn „er“ sich einer anderen Frau zuwendet (oder umgekehrt) bietet zweifelsohne Identifikationspotenzial.

Die vierte Vorab-Single des Albums ist „Auch wenn’s für uns kein Morgen gibt“. Die melancholische, aber doch auch optimistisch gehaltene Ballade zeigt, dass Sonia auch die langsame Gangart beherrscht. Erneut hat sie ein typisches Schlagerthema gefunden – es kommt einfach immer mal vor, dass der Angebetete nicht „nein“ sagt, obwohl die Liebesnacht eigentlich verboten war. Und doch ist Sonia bereit, den Moment zu genießen: „Auch wenn’s für uns kein Morgen gibt, bleibt mir der Augenblick“….

Track vier des Albums war der eingangs erwähnte Debutknaller Sonias. Auch wenn „Tu nicht so“ leicht an Helenes Klassiker „Phänomen“ erinnert (oder gerade weil), ist der Schlager ein absoluter Ohrwurm, den jeder sofort mitsingen kann. Erneut geht es um einen Mann, der ganz offensichtlich mehrgleisig fährt und glaubt, dass das nicht auffällt – da mahnt Sonia streng: „Tu nicht so, als wäre nichts gewesen“…

Mit tanzbaren Beats unterlegt ist „Ein Zimmer auf dem Mond“ – diesmal geht es um eine glückliche Zweierbeziehung, bei der es keine Diamanten und Juwelen geben muss, kein Gold und keine weiße Kutsche – es reicht schlicht „Ein Zimmer auf dem Mond“ – ganz offensichtlich eine Metapher für den guten alten Heinz-Rühmann-Spruch „Zweisamkeit liebt Einsamkeit“.

Eine Gänsehaut-Ballade wie man sie vor Jahrzehnten oft beim Grand Prix Eurovision oft hören konnte, ist „Jedes Lächeln“. Diesen Song schrieb Mitch Keller für Sonia, die ihre innige Liebe beschreibt. Der Chor im Hintergrund lässt orakeln, dass der Titel beim Adventsfest der 100.000 Lichter die Golden Voices Of Gospel den Titel interpretieren werden.

Im Fernsehgarten präsentierte Sonia ihre Single „Sonnenwindpiloten“ und startete mit „Ich schlaf mit dir…“ – der Schock des Publikums hielt nur eine Sekunde, denn es ging mit „…bei offenem Fenster“ weiter – und damit ist auch das gesagt, worum es geht – . Der Titel ist ein positiver Schlager mit „elektrisierender Energie“, wie die Plattenfirma es beschreibt.

In „Lass mich nicht fallen“ werden die Rollen verdreht. Diesmal bekennt Sonia, diejenige zu sein, die einen schwachen Moment hatte und bestimmten Versuchungen nicht widerstehen konnte. Ihr Gegenüber fragt sie: „Kannst du mir noch einmal verzeihen?“ und bittet: „Komm, lass uns reden!“. Ob „er“ ihr die im Lied erbetene „letzte Chance“ gibt, bleibt offen. Auch bei diesem Lied stand Mitch Keller als Co-Autor zur Verfügung.

Eine kuriose Situation beschreibt Song Nummer 9 – „Der Motor ist längst aus, so stehen wir schon seit Stunden(!!!)“. Da scheint Sonias Gegenüber aber wirklich willenstark zu sein. „Ein paar Blicke“ werden getauscht, und seine Worte gehen ihr unter die Haut. Sonia wünscht sich im treibenden Rhythmus „Verführ mich, wenn du kannst“ – auch hier bleibt offen, ob Sonia letztlich doch noch erfährt, „wie du dich anfühlst, wie du küsst – und wie danach der Morgen ist“.

Zufall oder nicht – beim Song „Nur, weil du einsam bist“ haben sich Stefan Pössnicker und Armin Pertl weibliche Verstärkung geholt: Natascha Arnold. Und schon kommt auch wieder etwas Moral ins Spiel: „Nur, weil du einsam bist, darfst du dich nicht verschwenden“ – weil das „böse enden“ kann. Der Titel ist erneut ein gefälliger Discofox-Stampfer.

Etwas aus dem Rahmen fällt das mystische „Bis du die Sterne siehst“. Die Textzeile „Ich schieb die Wolken weg, würd alles für dich tun“ ist irgendwie von einem anderen Titel entliehen. Genau: „Schieb die Wolken einfach weiter“ heißt es auch im Lied „Sonnenwindpiloten“. Genau dieses Bild gefällt Sonia offensichtlich gut – so gut, dass handschriftlich im Booklet noch einmal deutlich zu lesen ist: „Ich schieb die Wolken weg“.

Bei den Schlagernächten coverte Sonia den Ute-Freudenberg-Evergreen „Jugendliebe“ und begeisterte damit ihre Fans so sehr, dass sie sich entschlossen hat, den Titel mit auf ihr Debutalbum zu nehmen.

Handverlesen sind die neuen Songs, die der Erfolgskomponist Adam Schairer neu veröffentlicht. Insofern ist es sicher eine Ehre, dass er mit Gina Tielmann den gefälligen und kommerziell komponierten und mit schönen Chören versehenen Titel „Gänsehaut“ für Sonia geschrieben hat – nach unserer Kenntnis ein neuer schöner Titel, in dem es heißt: „Du hast mir zu tief ins Herz geschaut“.

Zu tief in die Augen gesehen – das Thema beinhaltet der letzte Titel: „Du hast mich einmal zu oft angesehen“, den Shootingstar Sonia mit Schlagertitan Bernhard Brink aufgenommen hat. Die Thematik der verbotenen Liebe ist nicht so neu, aber einmal mehr wird ein neuer Blickwinkel präsentiert – „ein Mann in seinen besten Jahren“ lernt „eine Frau, deren Frühling erst anfängt“. Der „Xtreme“-Mix von Mike Rötgens und seinem Team ist absolut tanzbar und wird vermutlich in den Tanztempeln der Republik gut abgehen. Vielleicht ist die Aufnahme auch ein Fall für den Schlagerbooom?

Unter dem Strich muss man Stefan Pössnicker und Armin Pertl attestieren, ein absolut rundes, kommerzielles und gefälliges Album mit dem Shootingstar Sonia Liebing hingelegt zu haben. Es ist förmlich spürbar, dass Pössnicker schon mit Größen wie Andrea Berg zusammengearbeitet hat – er weiß, welche Textzeilen, welche Sounds und welche Melodien beim Publikum ankommen. Hier kann man von einer tollen Teamleistung sprechen – Sonia Liebing setzt genau das um, was ihr erfahrenes Team ihr auf den Weg gibt. So gesehen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass „Wunschlos glücklich“ eine sehr gute Platzierung in den deutschen Album Charts erreichen kann.

 

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Textquelle: smago!

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