SEMINO ROSSI
Das große Interview zu seiner Live-CD „Ein Teil von mir – Live aus Berlin“ …

… sowie zu seiner DVD „Ein Tourtag mit Semino“!

Du hast gerade eine erfolgreiche Tour hinter dir, die ja jetzt auch als Live-Album und DVD veröffentlicht wird. Das war sicher sehr anstrengend. Wie geht es dir gerade?

30 Termine in 6 Wochen sind schon eine Herausforderung, aber es war eine wunderschöne Tournee. Die Zeit war für mich nicht anstrengend, da ich sehr diszipliniert lebe. Jeden Tag gehe ich spazieren, wenn möglich an einem Fluss. Ich ernähre mich gesund, trinke viel Wasser und Tee. Und um meine Stimme für den Abend zu schonen, spreche ich ganz wenig. Jetzt nach der Tournee nehme ich mir bis auf einzelne Termine eine Auszeit, widme mich meiner Familie und genieße mein Leben. Ich war gerade auch in Argentinien und habe meine Mutter besucht.

Auf der DVD wurde ein ganzer Tourtag begleitet und aufgezeichnet, wie hat sich das für dich angefühlt?

Es war ein besonderer Wunsch von mir nach vielen Jahren den Fans wieder eine Erinnerung an die Tour ins Wohnzimmer zu bringen. Einige konnten auch bei den Konzerten nicht mit dabei sein. Für sie ist das nun die Gelegenheit einen Einblick zu bekommen. Auch ich schaue gelegentlich alte Konzert-Aufnahmen an und erinnere mich an diese Zeit zurück. Bei dieser neuen DVD habe ich mir mit meinem Team noch etwas Besonderes ausgedacht und der Zuschauer darf mich einen ganzen Tag lang begleiten.

Wie muss man sich eigentlich die Auswahl der Songs im Vorfeld einer Rossi-Live-Produktion vorstellen? Wie läuft das ab?

Vor der Tournee legen mein musikalischer Leiter Christoph Papendiek und ich die Titel fest. Die finale Songauswahl wie sie dann bei der Tour umgesetzt wird steht dann oft aber erst in den Proben vor der Tour. Wichtig ist eine gute Mischung der Lieder vom aktuellen Album, bekannte Klassiker und auch die ein oder andere Überraschung darf nicht fehlen. Auf der Live-CD haben wir alle auf der Tour gespielten Lieder platzieren können. Auf der DVD gibt es neben dem Tourtag mit mir einen ausgiebigen Einblick in die Show am Abend.

Du bist ein guter Gitarrist. Gibt es auf dem Live-Album wieder Lieder, bei denen du dich live nur mit Gitarre selbst begleitest? Songs dieser Art sind ja live ohne Ausnahme Höhepunkte deines Programms.

Bei unserem Italien-Medley und bei „No llores por mi Argentina“ spiele ich auch Gitarre. Der spanische Titel ist für mich allerdings seit Jahren immer wieder eine Besonderheit, da ich diesen meinem verstorbenen Vater widme und man bei der Aufführung immer eine Stecknadel fallen hören könnte, so aufmerksam ist das Publikum.

Fühlt sich heute die Liebe zur Musik immer noch genauso an wie damals, als du noch als Straßenmusiker unterwegs warst? Eine Zeile wie „Ich sing dieses Lied aus tiefster Seele/und weil die Musik mein Leben ist“ klingt ja so, als hätte sich daran nichts geändert…

Die Liebe zur Musik ist ein großer Teil meines Lebens, das wird sich auch nicht ändern und gehört zu mir. Besonders eine Tournee erfüllt einen immer sehr. So musizieren wir auch immer wieder hinter den Kulissen oder auch mal im Tourbus wenn die Spannung nach den ersten Shows abfällt.

Hat dich deine Mutter wieder auf der Tour besucht? Wie oft kommt deine Frau Gabi zu den Konzerten?

Meine Mama hat mich nicht besucht. Sie ist jetzt schon 83 Jahre und ich glaube, dass es vielleicht zu anstrengend für sie zwischen den ganzen Besuchern wäre. Von dieser Tour kann ich ihr dann aber wieder mal das Konzert als DVD zeigen. Meine Frau und meine Töchter besuchen mich wenn es ihre Zeit erlaubt und ich z.B. in Innsbruck oder München spiele. Laura hat ihre Arbeit, Vanessa studiert und Gabi arbeitet auch in ihrem Beruf.

Du bist gelernter Rettungsschwimmer und weißt demnach, wie man den Kopf über Wasser hält – auch was die Karriere angeht?

Das habe ich durch meine Erfahrungen auf der Straße gelernt. Man darf nie aufgeben und muss immer an sich glauben, auch wenn es mal nicht so gut läuft.

Zurück zur Musik: Plattenverkäufe in Millionenhöhe, unzählige Gold- und Platinauszeichnungen, etliche Preise von der Goldenen Stimmgabel über den Echo bis zur Krone der Volksmusik – was bedeutet dir das alles? Und: gewöhnt man sich an den Erfolg?

An den Erfolg gewöhnt man sich nicht, dieser ist absolut nicht selbstverständlich. Es ist wie im Leben ein Auf und Ab und ich freue mich sehr, dass meine Fans meine Musik lieben und mir treu sind.

Erinnerst du dich noch an das erste Autogramm, das du jemals gegeben hast?

Ich weiß nicht mehr wo es war, aber ich kann mich erinnern, dass ich nicht glauben konnte, dass mich jemand um ein Autogramm bittet.

Gehen wir noch ein bisschen weiter zurück in die Vergangenheit – und zurück nach Argentinien. Womit bist du musikalisch aufgewachsen? Was für Musik lief in deinem Elternhaus?

Ich habe das schon oft erzählt. Meine Familie ist sehr musikalisch. Mama spielt immer noch Klavier, mein Vater war Tango-Sänger und mein Bruder spielt Schlagzeug.

Bei uns wurde lateinamerikanische Musik wie Tango gemacht, aber auch die damals aktuellen Hits haben wir gespielt.

Kannst du dich an einen Moment erinnern, in dem dir klar wurde, dass du dein Leben voll und ganz der Musik widmen willst? Dass die Musik weitaus mehr sein könnte als ein Hobby?

Das habe ich ziemlich früh gemerkt. Als ich im Kirchenchor und in der Schule gesungen habe, kamen die Menschen danach immer zu mir und haben meine Stimme gelobt. Singen bestimmte schon damals meinen Alltag. Umso mehr freut es mich natürlich, dass ich nun schon so lange Zeit auf der Bühne stehen und die Menschen für die Zeit eines Konzertes glücklich machen darf.

Hat die enorme Popularität auch eine Kehrseite? Gibt es Dinge, die dich nerven/stören?

Ich habe immer davon geträumt mal als Sänger berühmt zu sein. Was soll mich daran stören? (grinst)

Wenn man schon so viele Songs gesungen und so viele Auftritte gemacht hat, wie schafft man es, sich immer wieder neu zu motivieren und neue Ideen zu finden? Wie gelingt es einem, dass es nie langweilig wird?

Jeder Auftritt ist anders und immer wieder spannend. Ich brauche mich nicht zu motivieren und die Ideen kommen von selber. Manchmal beim Autofahren oder zu Hause beim Kochen. Und wenn man doch mal eine kleine Blockade hat, dann gibt es wunderbare Menschen um mich herum, welche mich mit ihren Ideen inspirieren.

War deine Familie immer eine Art Ruhepol, ein Rückzugspunkt, der dir Halt gegeben hat?

Es ist für mich immer sehr wichtig, dass ich nach Auftritten oder großen Tourneen nach Hause komme und abschalten kann. Hier bin ich der Mann und Papa und muss den Müll rausbringen oder im Garten arbeiten. So komme ich zur Ruhe und schöpfe neue Energie.

Du hast mal gesagt, dass deine Frau „zu Hause der Chef“ ist – stimmt das nach wie vor?

Bei den vielen Tagen im Jahr, an denen ich nicht zu Hause bin, bewältigt Gabi den Alltag immer alleine. Wenn etwas Wichtiges ansteht sprechen wir uns ab, aber den Alltag meistert sie seit jeher immer alleine. Gabi ist der Halt in der Familie.

Was machst du eigentlich, wenn du während der Tour mal frei hast?

Während der Tournee komme ich nicht nach Hause, dazu sind die Termine und Reisetage zu eng gestrickt. Nach der Tour genieße ich meine freien Tage mit Motorradfahren, gehe in die Berge spazieren oder schwimme.

Mal ganz allgemein: Was bedeutet ein erfülltes, glückliches Leben für dich?

Das was ich im Moment erlebe.

Hast du ein Lebensmotto?

Leben und leben lassen

Was ist deine größte Schwäche?

Dass ich manchmal bei Süßigkeiten nicht nein sagen kann. Besonders nach der Tour mit den ganzen süßen Geschenken muss ich immer diszipliniert sein (grinst)

Und wie sieht’s mit deiner größten Stärke aus?

An Visionen zu arbeiten bis es klappt. Auch wenn es manchmal ein langer Weg ist oder beim ersten Versuch nicht klappt.

Zum Schluss noch eine Frage, die nie fehlen darf: Was sind deine Ziele, Wünsche und Träume für das Jahr 2018?

Mein Wunsch ist, dass den Fans mein neues Live-Album und die DVD „Ein Tourtag mit Semino“ gefällt. Für mich war es eine ganz besondere Reise mit dem Album „Ein Teil von mir“, die vor fast zwei Jahren begann, mir sehr viele schöne Momente beschert hat und nun langsam dem Kapitelende entgegen steuert. Danach werden wir ein neues Kapitel starten und die Geschichte fortführen.

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