DSCHINGHIS KHAN
Gast Kolumne „Das Khan doch nicht wahr sein“ von Frank Ehrlacher!

Was einmal ganz klar gesagt werden musste, bringt der ultimative Chart (Show) Experte hier auf den Punkt …:

 

Stellt Euch vor, Ihr geht zu einem Amigos-Konzert – und wisst nicht, stehen da die echten Amigos auf der Bühne oder zwei Falsche. Oder zu einem Silbermond-Konzert – und plötzlich stehen da ganz andere Monde. Oder zu einem Metallica-Konzert und auf der Bühne…

Unvorstellbar?

Nicht ganz. Heute, am 14. Juni, erscheint eine neue Single von Dschinghis Khan: „Die Straßen von Paris“. Dabei wissen stehen Dschinghis Khan doch gerade erst mit Ralph Siegel im Studio, um etwas neues aufzunehmen und wissen von gar nichts… wie kann das sein?!

Kurzer FlashbacK: Ende 1978 schreiben Ralph Siegel und Bernd Meinunger den Song „Dschinghis Khan“ und reichen ihn zur deutschen Vorentscheidung für den ESC (damals noch „Grand Prix d’Eurovision de la Chanson“ und jaaa, damals durfte noch jeder einreichen und mitmachen) ein. Ralph Siegel schreibt dazu, der Song werde von der Gruppe „Dschinghis Khan“ gesungen – und die Jury wählte den Song prompt unter die besten 12. Das Problem: Eine Gruppe Dschinghis Khan gab es gar nicht. Die stellte Ralph Siegel innerhalb von 6 Wochen zusammen und auf die Bühne. Am 17. März gewannen sie als Newcomer die Vorentscheidung, genau zwei Wochen später schon standen sie beim ESC in Jerusalem auf der Bühne und wurden international Vierte. Danach begann eine beispiellose Karriere mit Nr. 1-Hits und Goldenen Schallplatten in ganz Europa und Asien und weiteren Hits wie „Moskau“, „Rom“, „Loreley“ … und und und…

Das ist 40 Jahre her und es ist viel passiert – zwei der ursprünglich 6 Mitglieder sind leider verstorben, einer hat als Produzent Karriere gemacht und wollte irgendwann mit Dschinghis Khan nichts mehr zu tun haben. Die beiden Damen, Edina Pop und Henriette Heichel, wurden wieder um junge Tänzer und Sänger ergänzt und touren weiter durch Europa, mit Genehmigung und Unterstützung von Ralph Siegel. Im Vorjahr nahmen sie zur Fußball-WM eine neue Version von „Moskau“ auf, die leider nach dem Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft wie alle WM-Songs etwas stecken blieb. Aber bald schon kommt neues…

… wie kommt es aber nun zu den „Straßen von Paris“?

Wolfgang Heichel, der 6. verbliebene „Khan“, tat sich vor einiger Zeit mit Stefan Track, der seit mehreren Jahren mit der Cover-Band „Rocking Son Of Dschinghis Khan“ vor allem auf Mallorca mit bekannten Nummern der Originalgruppe auftrat, zusammen. Vor einem Jahr beschlossen sie dann plötzlich, das „Rocking Son Of“ aus dem Gruppennamen zu streichen und sich einfach nur „Dschinghis Khan“ zu nennen – genau wie das Original. Und mehr noch: Sie beantragen eine offizielle Internetadresse, den „blauen Haken“ für ihre Facebook-Seite, nutzen das Original-Logo, das Ralph Siegel damals für das erste Platten-Cover verwendet hat, schreiben sich auch mit „h“ im „Dschinghis“, wie es Ralph Siegel damals erfunden hat, damit man die Band vom Mongolenführer Dschingis Khan unterscheiden kann – und stiften damit heillose Verwirrung in der Branche, denn sie bieten sich nun auch den Veranstaltern als „Dschinghis Khan“ an und inzwischen wissen die meisten nicht mehr „Wer ist nun Original und wer ist Fälschung?“ – und damit wären wir beim obigen Szenario: Wer sind die „echten“ Amigos, die echten Silbermonde, die echten Metallica – oder wer waren die echten Beatles oder ABBA.

Dabei ist die Sache im Urheberrecht eigentlich ganz einfach:

Ein Song, eine Band, ein Name entsteht mit erstmaliger Verwendung – und daran, dass Ralph Siegel der „Vater“ von Dschinghis Khan ist, besteht und bestand in der Branche nie ein Zweifel. Und auch nicht daran, welche „Khäne“ er unterstützt und wem er vertraglich seit Jahren gestattet, den Namen Dschinghis Khan zu verwenden (diese hier: https://www.dschinghis-khan.com/und https://www.facebook.com/officialdschinghiskhan/).

Die „falschen Khäne“ versuchten es mit einem andren Kniff: Sie meldeten die Marke „Dschinghis Khan“ auf sich beim Deutschen Marken- und Patentamt in München an. Das kann eigentlich jeder: Das Patentamt kennt sich nämlich nicht unbedingt mit Musik aus bzw. es ist nicht sein Job, zu prüfen, ob das die echten sind, sie prüfen (vereinfacht gesagt) nur eins: Gibt es die Marke „Dschinghis Khan“ schon? Ist das nicht der Fall, tragen sie die Marke ein. Zumindest solange, bis der wirkliche Inhaber des Namens wieder die Löschung verlangt. So kann ich heute auch ABBA, Beatles, Smokie, Bee Gees oder eben Amigo, Flippers oder Silbermond eintragen lassen – wäre aber ziemlich sinnlos, da die Echten schnell eine Löschung verlangen würde. So wie auch im Fall Dschinghis Khan. Das Verfahren läuft und ich habe nach Einsicht in die Akten nicht den geringsten Zweifel, dass sich der Spuk bald erledigt hat und auch rechtlich wieder ein-eindeutig ist, wer wirklich Dschinghis Khan ist. In der Branche weiß man das längt – wer außer Ralph Siegel dürfte für sich in Anspruch nehmen, die echten Dschinghis Khan zu produzieren?

Solange geht das bizarre Spiel wohl weiter, denn inzwischen beantragen auch die „falschen“ Khäne an manchen Orte ein Auftrittsverbot für die richtigen Khäne Also genau hingucken, denn im Moment steckt nicht überall, wo „Dschinghis“ drauf steht, auch ein echter Khan drin.

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Textquelle: Frank Ehrlacher

4 Kommentare
  1. Leoburg 4 Monaten ago
    Reply

    So einfach ist das leider dann doch nicht. Für mich sind beide Formationen nicht „Dschinghis Khan“ da sie mit der Ur-Formation klanglich und von der Präsentation nichts mehr zu tun haben. Viel schlimmer noch bewegen Kupreit und co zu den Originalplaybacks von 1979 die Lippen. Aber das „Phänomen“ ist allseits bekannt und betrifft viele alte Kultbands: Chilly, Geier Sturzflug, Boney M. usw. usf. Bereits das „7 Leben“ Album war Startschuss für ein langewährendes Dilemma. Man hätte es bei dem einzigen und wirklich kultigen Auftritt von 2005, hier noch mit Steve Bender (also insgesamt vier Originalmitgliedern) belassen sollen. Statdessen setzten Zersetzungsprozesse ein und gekränkte Eitelkeiten führten zu dem Status Quo, der weder der einen noch der anderen Formation hilft. Und Steve und Louis schauen sich das „Spektakel“ aus der Ferne an und schütteln vermutlich mit dem Kopf…

  2. Petra Weber 4 Monaten ago
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    Werter Herr Ehrlacher, mag sein dass Sie meinen, dass Sie gut recherchiert haben. Haben Sie aber leider nicht. Wolfgang Heichel ist das Urgestein und die männliche Stimme von Dschinghis Khan. Dies war so von 1979 – 1986 so und auch von 2005 – 2014. Im Jahr 2005 kam es zu einem (erst einmal) einmaligen Reunion-Konzert in der Moskauer Olympiahalle. Damals waren Wolfgang Heichel, Henriette Strobel, Edina Pop und der dann in 2006 verstorbene Steve Bender dabei. Stefan Track war damals auch dabei und wurde vom intriganten Management gegenüber den drei Sängern schlecht gemacht. Stefan Track zog die Konsequenzen. Aufgrund des grossen Erfolgs folgten weitere Auftritte z.B. in der Mongolei. 2007 kam es dann zur deutschen Reunion mit einer neuen CD (7 Leben). Auch hier sang Wolfgang Heichel die männlichen Stimmen. Nachdem Wolfgang Heichel 2014 keine Lust mehr auf die Machenschaften hatte, hörte er auf. Trotzdem wird seit dem bei Auftritten der von Ihnen genannten Formation mit Henriette Strobel und Edina Pop die Playbacks verwendet, die Wolfgang Heichel eingesungen har. Am besten hat man das auf dem CSU Ball in München im Februar gehört als der Song Temudschin gesungen wurde – der Original Solopart mit der Stimme von Wolfgang Heichel und ein anderer bewegt die Lippen… . Herr Siegel ist dann aber weit gefallen.

  3. Christina Moehre 4 Monaten ago
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    Ich finde es sehr schade, wie sich das alles entwickelt hat, dennoch bin ich froh Edina und Henriette weiterhin auf der Bühne zu sehen. Was Wolfgang betrifft, bin ich eigentlich sehr schockiert. Das er sich mit dem selbsternannten Dschinghis Khan Stefan Track einlässt. Man sieht noch heute auf Interviews (B2 Radio oder Mercure Hotel), was für Geschichten er erzählt und wie er alles (u. A. Wolfgang) in der Hand hat und alles einfädelt. Ebenso erzählt er, Geschichten über den Manager Heinz Gross was gar nicht wahr ist. Wer Heinz kennt, weiss was für ein Mann und Manager er ist. Stefan Track hat echt Eier sich gegen Ralph Siegel, Heinz Gross und deren Anwälte anzulegen.

    • Florian Hentschel 4 Monaten ago
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      Finde das auch echt schade, dass es alles ausgerechnet so kommen musste. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht vereint sich die Band ja wieder eines Tages. Mir kommt es irgendwie so vor, als ob Stefan Track (der ja eigentlich nichts mit Dschinghis Khan zu tun hatte, außer dass er bei dem Reunion-Konzert 2005 dabei gewesen ist und der Band danach nachgeeifert hat (Stichwort Rocking Son)) einfach hergekommen ist und jetzt so tut, als sei er von Anfang an dabei gewesen. Louis und Steve würden den Kopf schütteln, wenn sie das mitkriegen würden.

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