UDO JÜRGENS
smago! exklusiv vorab: Die Udo-Jürgens-Serie "Sein Leben – seine Erfolge"! Teil 7: "Tausend Träume""!

Ein weiteres Kapitel von René Jochade – mit einigen Video-Links…: 

Bevor wir in unserer Handlung fortfahren, noch ein kurzer Nachtrag zu "Jenny":

Auch Lale Andersen, welche bereits zu Kriegszeiten mit ihrer "Lili Marleen" Geschichte geschrieben hatte, nahm Ende 1960 eine spezielle Version von Udos "Jenny" auf, zu welcher dieser ebenfalls den Text schrieb. Heraus kam dabei ein Seemannslied, welches natürlich keinen anderen Titel außer "Jonny" haben konnte.

Zum ersten Mal tauchten hier also bereits "Jenny" und "Jonny" auf. Auch später sollten diese Namen für Udo noch eine große Bedeutung haben…

Eine weitere kleine Geschichte, welche unmittelbar mit der "Jenny" zusammenhing, hatte sich kurz nach Udos erolgreicher Teilnahme beim Schlagerfestival in Knokke zugetragen. Udo hatte eine Einladung zu einer Gala nach Brüssel bekommen. Als er vor dem Theater ankam, wollte er seinen Augen nicht trauen, denn dort stand über so bekannten Namen wie dem des Trompeters Eddie Calvert in riesiger Schrift auf einmal sein eigener Name: Udo Jürgens!

"Um Gottes Willen, was mache ich da bloß mit meinen zwei Liedern, die ich nur kann", meinte Udo später zu den Gedanken, welche ihm dabei kamen.

"Ich habe dann anschließend meine Noten im Orchester verteilt, und die fragten mich prompt: 'Was singst Du denn außerdem noch?'

'Ach, das mache ich schon – das mache ich ganz allein am Klavier!'

Ich war wahnsinnig nervös und habe einen Schluck Whiskey nach dem anderen getrunken, eine ganze Flasche! Als ich dann auf die Bühne mußte, war ich schon vollkommen betrunken.

Aber ich habe mich mächtig zusammengerissen! Auf der Bühne merkte ich sofort, daß mir eine unheimliche Sympathie entgegenschlug. Mein Lied 'Jenny' war bereits so populär, daß die Menschen jubelten.

Da habe ich dann praktisch mit dem Rücken zur Wand einen Trapezakt vollführt und habe eine Stunde lang auf der Bühne gestanden. Ich habe mit den Leuten geredet und Klavier gespielt. Ich habe spontan dieses und jenes gesungen, und es wurde ein riesiger Erfolg!"

Dies nur als kleiner Nachtrag…

Ein Jahr später sah es nicht mehr ganz so rosig für Udo aus. Nach "Reach For The Stars" war auch auf kompositorischer Seite erst einmal wieder etwas Ruhe eingekehrt. Er schrieb noch einen Titel für seinen Freund Frank Forster: "Im Golf von Mexiko (Marita)". Diesen nahm Forster auch kurz darauf bei seinem neuen Label "Jupiter Record" auf. Ein großer Erfolg wurde die Single leider nicht.

Schlechte Zeiten also, wenn da nicht sein Freund, der Filmregisseur Rolf Olsen gewesen wäre, welcher Udo immer wieder zu einzelnen Rollen verhalf.

Eine besondere Stellung kam dabei sicher dem Film "Drei Liebesbriefe aus Tirol" zu, in welchem Udo zum ersten Mal mit dem berühmten Schauspieler Hans Moser zusammentraf. Der Film kam zwar erst am 24.04.1962 in die Kinos, aber die Dreharbeiten hatten natürlich schon weitaus früher begonnen.

Wie es nun kam, daß Hans Moser ausgerechnet an Udo Jürgens einen regelrechten Narren gefressen hatte, weiß niemand. Allein die Tatsache, daß sich Moser nur noch durch Udo vom Hotel zum Drehort chauffieren ließ, sprach schon Bände!

"Von Hans Moser habe ich gelernt, was Sparsamkeit heißt", so Udo Jürgens.

"Als wir zum ersten Mal in der Kantine unseres Filmstudios Würstchen bestellten, machte er den größten Wirbel, weil der Wirt drei Schilling pro Paar verlangte. Hans Moser konnte sich noch genau daran erinnern, daß sie im Vorjahr nur zwei Schilling fünfzig gekostet hatten. Er wollte sich überhaupt nicht darüber beruhigen, daß alles teurer wurde und brachte sich ab sofort seine Würstchen von zu Hause mit. Dabei war er ein steinreicher Mann."

In dem Film sang Udo zwei Lieder: "La Serenata" und "Ich sag' dir nicht, ich liebe dich" – beides keine Eigenkompositionen. Die Titel wurden bei der Polydor noch einmal auf Vinyl gepreßt und erschienen im April 1962 in den deutschen Plattenläden.

Es sollte Udos letzte Single bei diesem Label werden, denn kurz darauf wurde er zu einer denkwürdigen Verhandlung bestellt.

"Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen", so Udo Jürgens.

"Mein Vertrag lief damals gerade ab. Er war zwar keineswegs glänzend gewesen, aber immerhin noch Gold gegen das, was man mir nun bot. Mein alter Vertrag war zu diesem Zeitpunkt nicht ganz erfüllt. Die Firma schuldete mir noch acht Aufnahmen. Im Falle einer Vertragsverlängerung sollte ich nun erstens auf diese acht Aufnahmen entschädigungslos verzichten, und zweitens keinerlei Garantie für weitere Aufnahmen bekommen. Kein sehr feines Angebot. Diesen Vertrag hätte nicht einmal ein 'Geistesgestörter' unterschrieben."

Udos erster Gedanke war, seine Firma zu verklagen. Aber schließlich mußte er sich selbst sagen, daß er solch einen Prozeß finanziell kaum hätte durchstehen können. Und so verließ er also die Firma, für die er jahrelang treu und brav gesungen hatte.

"Ich glaubte immer daran, daß ich ein Talent zum Komponieren habe", sagt Udo später: "Aber an meinen sängerischen Fähigkeiten begann ich damals zu zweifeln. Ich war drauf und dran, die Singerei für immer an den Nagel zu hängen."

Dies tat Udo aber nie wirklich. Für's Erste riskierte er allerdings eine beinahe einjährige "vertragslose" Zeit.

Genug zu tun gab es dennoch: Durch den Erfolg in Knokke konnten sich weder Udo noch sein Freund Frank Forster über fehlende Auslandsengagements beklagen. Und immer wieder gab es Auftritte mit dem Johannes-Fehring-Orchester.

Auch kompositorisch war Udo weiterhin tätig. So schrieb er fast alle Nummern für den Film "Tanze mit mir in den Morgen", in welchem er natürlich auch mitspielte und dabei zwei seiner Titel selbst sang: "Daisy" und "Das sind unsere goldnen Jahre".

Es sollte nicht sein letzter Film sein.

Wenig später begannen die Dreharbeiten zu dem Union-Film "Hochzeit am Neusiedlersee", in welchem Udo eine weitere Eigenkomposition "Das kann auch dir geschehn" singen durfte. Der Film kam allerdings erst mit über einem Jahr Verspätung in die Kinos, nämlich am 23. Dezember 1963, und sollte auch später noch mehrmals umgeschnitten werden.

Und noch ein Medium erlangte für Udo immer mehr Bedeutung: das Fernsehen.

Zusammen mit Harald Juhnke und Silvio Francesco spielte er eine Hauptrolle in dem kleinen Fernsehspiel "Annelie-Annelou", das am 20.09.1962 über die deutschen Bildschirme flimmerte.

Aber Udo verstand auch weiterhin zu leben. Wenn gefeiert wurde, dann meist zusammen mit seinem Freund Frank Forster und Ralph Maria Siegel.

So erhielten die Freunde auch zur Faschingszeit eine Einladung von Udos Verleger. Ein Kostümfest sollte es werden, zu welchem sie kommen sollten.

Da beide Künstler schon seit längerer Zeit ein durchaus "kumpelhaftes" Verhalten zu Ralph M. Siegel hatten, willigten sie auch gern zu einem karnevalistischen Sonderwunsch von Frau Siegel – "Sternchen" genannt – ein.

Sternchen hatte just an diesem Tag Geburtstag, daher durfte sie auch das "Fetenmotto" bestimmen.

Sie wünschte sich also, einmal im "Märchenland" feiern zu können. Die beiden "Jungmänner" Udo und Frank sollten doch bitteschön als Schneeweißchen und Rosenrot zur Festivität erscheinen…

Tagelang hetzten die Beiden nun durch sämtliche Kinder-Textilläden und Kostümverleihe der Stadt, um den märchenhaften Zwirn zu ergattern. Dazu stellte ihnen Siegel sogar noch seinen großen "Ami-Schlitten" zur Verfügung.

Schließlich klappte es tatsächlich noch, und die beiden Gebrüder-Grimm-Figuren konnten sich – die größtmögliche Kinderkonfektion auf den Leib gezwängt – auf das Fest trollen. Ein schallendes Gelächter der Gastgemeinde signalisierte ihnen dann, daß dieser Kostümgang vollauf gelungen war!

Doch Siegel hatte nicht immer Grund zur Freude. So verhob er sich leider bei dem Versuch, außer mit einem eigenen Label auf dem Markt auch noch mit einem eigenen Vertrieb präsent zu sein. Selbst Forster hatte Siegel zuvor schon gewarnt: "Es ist Wahnsinn, jede Kleinstadt in Deutschland selbst beliefern zu wollen."

Siegel probierte es dennoch – und verlor Millionen im vergeblichen Wettbewerb mit der übermächtigen Konkurrenz von Telefunken, Philips, Deutsche Grammophon und Electrola…

Bei Siegel Plattenaufnahmen zu machen, kam Udo nie in den Sinn. Stattdessen überlegte er ernsthaft, sein eigener Produzent zu werden. Zumindest seine beiden für den Film komponierten Lieder "Das kann auch dir geschehn" und "Das sind unsere goldnen Jahre" wollte er gern auf einer Single herausbringen. Nachdem Philips dankend ablehnte, landete Udo schließlich bei "Elite Special"/"Austroton", welche die Single dann tatsächlich noch preßten.

Doch auch hier war der Verkaufserfolg bescheiden, so daß Udo langsam aber sicher wirklich nicht mehr wußte, ob er tatsächlich noch als Sänger weitermachen, oder sich nur noch auf's Komponieren verlegen sollte.

Um im Gespräch zu bleiben und dazu noch etwas Geld zu verdienen, spielte im Jahre 1963 auch in der Fortsetzung der Tanten-Reihe "Unsere tollen Nichten" mit.

Udo war bekannt, Udo war beliebt, aber seine Platten kaufte weiterhin kaum jemand…

Für Ralph Maria Siegel komponierte er ebenfalls noch drei Lieder: "Lacrima", "Bossa Nova Fantasie" und "Sonntag".

Zu dieser Zeit geschah es nun, daß ein gewisser Hans R. Beierlein auf Udo aufmerksam wurde, und eines Tages plötzlich bei ihm vor der Tür stand.

Beierlein war damals schon eine der umstrittensten Personen in der Musikbranche, aber ohne allen Zweifel ein Vollprofi, wie er im Buche steht. Zu diesem Zeitpunkt war er das Beste, was Udo überhaupt passieren konnte.

Hans R. Beierlein konnte Udo schließlich davon überzeugen, es auch als Sänger noch einmal zu versuchen – allerdings nicht mit Liedern, welche nur ihm selbst gefielen, sondern mit Liedern, die das Publikum haben wollte. Kompositorisch ließ er Udo dabei freie Hand.

Heraus kam eine Vereinbarung auf Handschlag, welche die Produktion einer Single garantierte. Erfolg oder Mißerfolg dieser Single sollten über alles Weitere entscheiden.

Um eine gewisse Sicherheit zu haben, mußte auf der A-Seite erneut eine Coverversion erscheinen – die deutsche Fassung des Elvis-Presley-Hits "Kiss Me Quick". Die B-Seite war einer Eigenkomposition von Udo vorbehalten. Und dieser wählte einen Titel, welcher gleichsam bezeichnend für all die hohen Erwartungen war, die er nun hegte: "Tausend Träume"!

Sollten sie sich unter Beierlein tatsächlich erfüllen?

Lesen Sie in der nächsten Folge: "Merci Chérie"!

Video-Link "Lacrima (Right Or Wrong)"…:

Video-Link "Im Golf von Mexiko (Marita)"…:

Video-Link "La Serenata"…:

Video-Link "Ich sag dir nicht 'ich liebe dich'"…:

Video-Link "La Serenata" / I"ch sag dir gern 'ich liebe dich'"…:

Video-Link "Das sind unsere gold'nen Jahre"…:

Video-Link "Daisy"…:

Video-Link "Daisy / Das sind unsere goldnen Jahre / Weißer Flieder aus Wien / Wir beide sind alleine auf der Welt"…:

Video-Link "Annelie-Annelou"…:

Video-Link "Weil ich verliebt in dich bin"…:

Video-Link "Happiness-Melodie"…:

Video-Link "Das kann auch Dir geschehn"…:

Foto-Credit: ZDF / Dominik Beckmann

René Jochade
http.//www.ariola.de
http://www.udojuergens.de

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