JÜRGEN MARCUS
smago! Serie "Schlager-Rückblick "vor 40 Jahren" von Stephan Imming: Teil 12 – Jürgen Marcus ("Ein Lied zieht hinaus in die Welt")!

Neuzugang 10.03.1975! 

Der am 06.06.1948 (manche Quellen nennen fälschlicherweise 1949 als Geburtsjahr) in Herne geborene Jürgen Beumer machte als Schlagersänger unter dem Namen JÜRGEN MARCUS Karriere.

Er absolvierte nach der Schule eine Ausbildung zum Maschinenbautechniker und wollte später Ingenieur werden. Während seiner Ausbildung tourte  er über drei Jahre lang als Mitglied einer Amateuerband namens „Crashes“, aber auch als Solo-Sänger durch das Ruhrgebiet und trat in Beat-Clubs auf.  1967 siegte er mit den „Crashes“ beim European-Festivals in Brüssel.  1968 und 1969 nahm er beim damals sehr bekannten Beat-Festival von Recklinghausen erfolgreich teil.

Schließlich bekam er im Oktober 1969 das Angebot, die Hauptrolle (Wassermann „Claude“) in einer deutschen Aufführung des Musicals „Hair“  zu übernehmen. Jürgen Marcus kam so hervorragend an, dass er Schallplattenangebote bekam, die er aber zunächst ablehnte, weil die angebotenen Titel nicht seinen Vorstellungen entsprachen.

Während seiner Tournee mit „Hair“ kam er auch nach Berlin, wo Klaus Buhl, der damalige Manager von Michael Holm, Jürgen Beumer mit dem Erfolgsproduzenten Jack White bekannt machte. Dieser schickte Jürgen auf eigene Kosten zum Zahnarzt (Zitat „mir fiel auf, dass er fast schwarze Zähne hatte“) und gab ihm den Künstlernamen „Jürgen Marcus“  (Zitat „, wobei ganz wichtig war, dass Marcus mit „c“ geschrieben wurde“). Mindestens genau so wichtig war bei der Wahl des Künstlernamens wohl auch die bestehende Verwechslungsgefahr mit dem Namen des damals populären Eiskunstläufers Hans-Jürgen Bäumler, der ähnlich klang wie Jürgens bürgerlicher Name (Jürgen Beumer).

Jack White nahm den Sänger unter Vertrag und produzierte 1970 dessen erste Single „Nur Du“ , eine deutsche Version des damals populären internationalen Simon & Garfunkel-Hits „El Condor Pasa“. Wenngleich das kein gigantischer Hit wurde, verkaufte sich die Platte gegen ca. 20 weitere auf dem Markt befindliche deutsche Coverversionen dieses Welthits gut genug durch, um mit Zuversicht in ähnlichem Stil („modisch in der Hippietradition stehender Liebesapostel“) weiterzumachen. So wurden in der Folgezeit die Songs „Du bist mein ganzes Leben“ (1970), „Nur Liebe zählt (Adaption der klassischen „Perlenfischer“ von Georges Bizet; 1971) und „Warum kann ich Deine Liebe nicht vergessen?“ (Deutsche Version des Bee-Gees-Klassikers „Massachussettes“; 1971).

Wenngleich der geborene Herner die beiden letztgenannten Songs in Dieter Thomas Hecks ZDF-Hitparade vorstellen konnte, blieb der ganz große durchschlagende Erfolg der Jack-White-Produktionen noch aus.

Parallel übernahm Jürgen Marcus neben später arrivierten Leuten wie Ron Williams, Su Kramer und Julia Migenes die Hauptrolle in der im Pop-TV-Oper  „TRIP“ (ORF-Produktion) von Fatty George und Silke Schwinger (in Zusammenarbeit mit Prof. Fuchs in Wien).  In dieser für den Salzburger Opernpreis inszenierten Pop-Oper ging es um einen religiösen Verführer und Drogen – in den 70er Jahren ein brandaktuelles Thema.

Mit seinem in Deutschland (Platz 2 der Single-Charts) erfolgreichsten Riesen-Hit „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ (1972) begann dann für Jürgen Marcus endgültig ein neues Leben. Jürgen Beumer, Horst Nußbaum und Friedrich Alex Jacobsen alias Jürgen Marcus, Jack White und Fred Jay haben mit diesem Schlager mitten ins Herz der Schlagergemeinde getroffen – es entstand ein Evergreen mit bis heute anhaltender Popularität. Neben der ersten von insgesamt acht Nummer-Eins-Platzierungen in Hecks Hitparade durfte er nun auch in den ganz großen TV-Shows wie der „Starparade“ auftreten und wirkte 1972 sogar in dem Jack-White-Portrait-Kinofilm „Heut hau’n wir auf die Pauke“  mit. (Auf diesen Film wurde bereits in der „Vor 40 Jahren“-Reihe im Zusammenhang mit Tony Marshall eingegangen).

Es begann eine Reihe von überaus erfolgreichen Jahren mit großen Schlager-Erfolgen  und vielen Auszeichnungen (u. a. wurden 15 Goldene Schallplatten, vier Bravo-Ottos, vier Goldene Löwen von RTL und die Goldene Europa der Europawelle Saar verliehen. 1975 wurde er neben Richard von Weizsäcker und Frank Elstner zum bestgekleideten Mann Deutschlands gewählt. Selbst international räumte der Frauenschwarm  Preise ab, z. B. den „Valentino d’Oro“ (1974) in Rom und das „Heilige Kreuz von Jerusalem“. 1972 erschien in Sinai sogar eine Sonderbriefmarke mit Jürgen Marcus‘ Bild.)

Jürgen Marcus‘ Bruder Hans-Werner Beumer musste seinen prominenten passionierten NICHT-Autofahrer-Bruder schon mal 8.000 km durch Europa kutschieren in dieser Zeit.

Gleich der Nachfolge-Hit  von „Eine neue Liebe…“, „Ein Festival der Liebe“, avancierte erneut zum  Super-Hit mit bis heute anhaltender Popularität, so wurde die Textzeile gleich mehrfach  für den alljährlich in Hamburg stattfindenden „Schlagermove“ als Motto gewählt. Die beiden genannten Hits werden bis heute erfolgreich von Kult-Schlagersängern wie Guildo Horn und Dieter Thomas Kuhn gecovert. Böse Zungen behaupten (es ist ja auch nicht zu überhören), dass Elemente des heutigen Superhits von Helene Fischer, „Atemlos“, (gemeint ist hier das für beide Songs charakteristische „oohoo, oohoo“)  sich schon 1973 in Marcus‘ Hit „Ein Festival der Liebe“ wiederfinden. Allerdings lebt Marcus‘ Schlager (im Gegensatz zu dem von Helene Fischer) musikalisch u. a. auch von dem langen von Jürgen Marcus übersungenen Schlagzeug-Solo.

Der kommerzielle Erfolg des „Festivals der Liebe“ (Platz 3 der deutschen Single-Hitparade) könnte auch mit dem Einsatz des Liedes im erfolgreichen Schlager-Kinofilm „Blau blüht der Enzian“ zusammenhängen.

Die Hit-Serie wurde ohne Unterbrechung fortgesetzt – ebenfalls 1973 wurde „Schmetterlinge können nicht weinen“ veröffentlicht – mit diesem Song hatte Jürgen Marcus interessanterweise seinen größten Erfolg in Österreich – und das, obwohl Jürgen Marcus später in einem Interview zu Protokoll gab, dass er das Lied habe partout nicht singen wollen, es dann aber doch auf Jack Whites Druck hin getan habe.

Die 1974er-Erfolge Jürgen Marcus‘ kamen nicht mehr ganz so hoch in die Charts, obwohl auch „Irgendwann kommt jeder mal nach San Francisco“, insbesondere „Der Grand Prix d’Amour“ (wurde als Grand-Prix-Beitrag von einer Jury abgelehnt) und auch „Ich hab‘ die Liebe nicht erfunden“ sich erfolgreich in den Hitlisten platzieren konnte.

Vor ziemlich genau 40 Jahren (genauer gesagt am 03. Februar 1975) beschloss Jürgen Marcus, an der Vorausscheidung zum Grand Prix Eurovision namens „Ein Lied für Stockholm“ teilzunehmen – mit dem von Jack White komponierten Lied „Ein Lied zieht hinaus in die Welt“. Wenngleich Joy Fleming mit ihrem Epos „Ein Lied kann eine Brücke sein“ den Wettbewerb aufgrund einer Jury-Entscheidung gewann, hatte Jürgen Marcus mit seinem Lied trotz des enttäuschenden 9. Platz bei der Vorentscheidung  den weitaus größeren kommerziellen Erfolg beim „echten“ Publikum. Es wurde einer seiner größten Hits und wurde lange Zeit später über viele Jahre als Eröffnungslied von Dieter Thomas Hecks Erfolgs-Show „Superhitparade – Galaabend zugunsten der Deutschen Welthungerhilfe“ genutzt.

Bereits 1974 bewarb sich Jürgen Marcus übrigens lt. seiner Aussage (Quelle: Eurovisions-Buch „Ein Lied kann eine Brücke sein“ von Jan Feddersen) mit den Songs „Wunder der Liebe“, „Sternstunden der Liebe“ und – man höre und staune – „Auf dem Karussell fahren alle gleich schnell“ (späterer großer Hit) – aber der damals zuständige Hessische Rundfunk  lehnte sowohl seine Vorschläge als auch die der aus Cindy und Bert und Anne-Karin bestehenden Konkurrenz ab, wobei der Legende nach auch Cindy und Berts „Spaniens Gitarren“ durch das Raster fiel. Erst nachdem weitere Songs eingereicht wurden, entschied man sich gegen Jürgen Marcus‘ „Grand Prix d’Amour“ und für Cindy und Berts „Sommermelodie“, die in dem Jahr gegen ABBA nicht den Hauch einer Chance hatte.

Für den Song „Ein Lied zieht hinaus in die Welt“ erhielt Jürgen Marcus im Herbst 1975 den „Silbernen Löwen“ in der Dortmunder Westfalenhalle und war damit zu der Zeit der „erfolgreichste Löwen-Sammler der letzten fünf Jahre“, konnte allerdings vor 40 Jahren mit diesem Song nicht an Udo Jürgens‘ Mega-Hit „Griechischer Wein“ vorbeiziehen.

Dennoch war 1975 für den frisch gebackenen „Bravo-Bronzener-Otto“-Gewinner  ein bedeutendes Jahr, weil er am 03. April 1975 mit seiner Personality Show „Einer für Viele“ (so der Name der Show) „Premiere“ (so der Name der LP zur Show) feierte – flankiert von wichtigen TV-Shows wie der ZDF-Hitparade, die er mit dem hier besprochenen Klassiker erneut doppelt gewann, aber auch Ilja Richters Disco und der ZDF-Drehscheibe. In dieser Zeit wurde der Versuch gestartet, ihn als neuen deutschen Entertainer zu etablieren. Er selbst tat damals kund, er wolle „keine Eintagsfliege sein. Ich möchte einen festen Platz in der deutschen Unterhaltungsbranche einnehmen etwa so wie Udo Jürgens oder Peter Alexander“.

Ob das geklappt hat und zur weiteren Karriere Jürgen Marcus‘ (u. a. hinsichtlich seiner Entfremdung von Jack White und seiner Privatinsolvenz) wird im weiteren Verlauf dieser Serie noch berichtet.

 

VORSCHAU: Der 13. Teil von „Vor 40 Jahren“ wird sich mit Superstar Howard Carpendale beschäftigen…

Stephan Imming, 02.03.2015

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Marcus#Quellen

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