ALEXANDRA
smago! top-exklusiv: Interview mit Jörg Wieckhorst – dem Polizisten, der vor 50 Jahren den tödlichen Autounfall von Alexandra „aufgenommen“ hat!

Foto-Credit: Koch Universal Music

smago! Chefredakteur Andy Tichler traf sich am 06.08.2019 in Tellingstedt zum Exklusiv-Gespräch mit Jörg Wieckhorst, der seinerzeit 24 Jahre jung war!

 

Der tragische Unfalltod der Sängerin und Liedermacherin ALEXANDRA, er gibt auch noch 50 Jahre nach ihrem Tod Rätsel auf.

War es wirklich ein Unfall? Oder war es Mord? Suizid? Waren Medikamente im Spiel? Wurde ihr Auto manipuliert? Hatte die 27-Jährige eine Todesahnung?

Die Gedenk-Seite „Alexandra Freunde“ beschäftigt sich mehr als ausführlich mit all diesen Theorien. HIER können Sie die Ausführungen nachlesen.

smago! Chefredakteur ist – gut eine Woche nach dem 50. Todestag der unvergessenen Chanson-Sängerin – ein Exklusiv-Interview mit Jörg Wieckhorst zu führen. Jörg Wieckhorst, damals 24 Jahre jung, war einer der beiden Polizisten, der den tödlichen Autounfall damals „aufgenommen“ hat, wie man im Polizei-Jargon sagt. Jörg Wieckhorst war am 31.07.1969 innerhalb weniger Minuten am Unfallort.

Eigentlich hatte er vor einigen Jahren schon gesagt, dass er zu dem Thema keine Interviews mehr geben werde. Für smago! machte Jörg Wieckhorst dankenswerterweise noch einmal eine Ausnahme.

smago! Chefredakteur Andy Tichler traf sich am 06.08.2019 mit ihm in Tellingstedt.

 

 

Herr Wieckhorst, hätten Sie vor 50 Jahren gedacht, dass der „Fall Alexandra“ auch 50 Jahre später noch heute die Menschen beschäftigen würde?

Eigentlich ja. Ob Sie es glauben oder nicht – die Frau hat mich 50 Jahre lang begleitet. Das letzte Mal kriegte ich den Anruf von einem Fan, der wollte noch etwas wissen. Und auch dem sagte ich – das ist 50 Jahre her.

Erinnern Sie sich daran, wie Sie zum Unfallort gerufen wurden? Es gab ja noch keine Handys?

Ich wurde von den Anwohnern gerufen. Die erzählten uns, dass sich ein schwerer Unfall zugetragen habe. Das kannten wir eigentlich schon – von der Kreuzung her. Da gab es schon vorher etliche schwere Unfälle. – Es war damals ein heißer Tag. Wir wurden gerufen, und wir sind dann hingefahren, ein Kollege und ich. Wir fanden das Unfallwrack dann so vor, wie es später in den Zeitschriften und Zeitungen beschrieben wurde.

Wussten Sie gleich, dass sich in dem Unfallwagen die Sängerin Alexandra befand?

Nein! Wir kamen dahin. Im Fahrzeug saßen ja noch Alexandra und ihre Mutter. Die wurden dann herausgebracht. Und die Alexandra, die war gleich tot. Der Dr. Meier, der nachher vor Ort war, hat den Tod dann auch sofort festgestellt. Unsere Aufgabe war es, an die Personalien heranzukommen. Wir mussten ja wissen, wer die Verstorbene war. Da habe ich den Personalausweis von Alexandra gefunden. Da stand aber nicht „Alexandra“ drin, da stand „Nefedov“ drin. Erst auf der letzten Seite stand drin: „Die Inhaberin führt den Künstlernamen Alexandra.“. Da wussten wir dann Bescheid.

Wir brauchten dann auch Hilfe von der Station in Heide. Es musste ja alles abgeriegelt werden, damit wir in Ruhe arbeiten konnten.

War Alexandra bereits tot, als Sie eintrafen, oder war sie noch am Leben?

Alexandra war sofort tot, auch die Mutter war nicht mehr ansprechbar, sie atmete aber noch. Die ist dann hinterher mit dem Krankenwagen nach Heide gekommen und ist auf dem Weg dahin verstorben.

Der Sohn ist ja wie durch ein Wunder fast unverletzt geblieben. In welcher Verfassung fanden Sie ihn vor?

Den habe ich gar nicht gesehen. Der wurde gleich weggebracht. Der wurde zunächst in ein Nachbarhaus weggebracht, weil der den schrecklichen Unfallort nicht sehen sollte.

Ist es richtig, dass Sie innerhalb von zwei Minuten am Unfallort waren?

Ja, das waren zwei bis drei Minuten.

Wie erklären Sie sich den Mythos Alexandra?

Sie hat ja eigentlich viele gute Lieder gesungen. Ich selber mochte sie auch. Es war eine Sängerin, die eine ganz besondere Stimme hatte. Und die Melodien waren sehr ansprechend, die Texte auch.

War es wirklich ein Unfall, oder steckte vielleicht doch mehr dahinter?

Das war alles in den Zeitschriften. Der Herr Böttcher war ja auch bei mir. Für mich ist und bleibt es ein Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang. Alles andere, was an Hypothesen hinterherkam – Vermutungen über Mord oder so was – das kann ich so nicht sagen in meinen Augen. Meines Erachtens kann man nicht voraussagen, dass da ein großer Lkw kommt, der ihr ins Auto fährt. In meinen Augen ist das einfach ein schwerer Unfall gewesen.

Es gibt Theorien, Alexandra habe womöglich Bremspedal und Gaspedal miteinander verwechselt. Weiß man da etwas drüber?

Das kann man jetzt natürlich nicht mehr sagen. Die Unfallstelle selber war von beiden Seiten eigentlich sehr gut einsehbar. Wie und warum sie dennoch die Vorfahrt des Lkws nicht wahrnahm – keine Ahnung, das wissen wir auch nicht.

Ein Autofahrer, der damals dabei war, sagte, Alexandra sei eine verkehrswidrige und wilde Fahrerin gewesen. War sie vielleicht doch zu schnell? (Im Bericht stand, dass sie nicht zu schnell gefahren sei)?

Den Spuren nach ist nicht feststellbar, dass sie zu schnell war. Sie soll auf dem Wege zur Unfallstelle noch andere Fahrzeuge überholt haben – daher kommt auch die Aussage, dass sie zu schnell gewesen sei.

Können Sie bestätigen, dass Alexandra auf dem Armaturenbrett einen handgeschriebenen Zettel hatte, auf dem Bedienungsanleitungen für das Auto standen? War sie vielleicht nicht Herrin des großen Wagens?

Sie hatte tatsächlich einen Zettel, auf dem draufstand „1. Gang, 2. Gang, 3. Gang“ etc. Deshalb vermuteten wir, dass sie mit dem Wagen noch nicht ganz klarkam.

Das Auto war kurz zuvor in Reparatur?

Meines Wissens war sie in Itzehoe in der Werkstadt, um die Zündspulen auszutauschen. Ein Sachverständiger hat aber festgestellt, dass die Bremsanlage komplett in Ordnung gewesen sei.

Alexandra soll drei Tage vor ihrem Tod ihr Testament verfasst haben – ungewöhnlich für eine 27-jährige. Ob sie vielleicht eine Vorahnung hatte?

Das weiß man nicht, kann ich auch nicht sagen.

Die zweite Schwester von Alexandra soll einmal gesagt haben, dass sie aus Angst, Horror und Nervosität in den Tod gefahren sei. Andrerseits war sie ja auf dem Weg in den Urlaub. Ist das nicht ein Widerspruch? Was meinen Sie?

Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins der Alexandra-Freunde erzählte mir, dass Alexandra damals lange gearbeitet und kaum geschlafen habe. Denkbar ist, dass sie übermüdet war. Sie fuhr den langen Weg von Hamburg hierhin.

Wissen Sie noch, wann die so genannte „Todeskreuzung“ begradigt wurde?

Es ist später eine Brücke gebaut worden – das muss etwa Mitte der 1970er Jahre gewesen sein.

Wissen Sie, warum damals keine Obduktion angeordnet wurde?

Die Staatsanwaltschaft wurde gefragt, ob obduziert werden soll. Die Entscheidung fiel damals durch den Staatsanwalt bzw. das Gericht.

Warum gab es damals keine Leichenschau? Hing das mit Alexandras Popularität zusammen?

Nein, daran lag das nicht. Der Arzt war ja da, insofern wurde das nicht als erforderlich gesehen.

Sie wurde nicht aufgebahrt?

Sie lag in der Leichenhalle. Mehr ist mir dazu nicht bekannt.

Hatten Sie selbst einmal Kontakt mit Alexandras Verlobten Pierre Lafaire? Hat der sich bei Ihnen mal gemeldet?

Nein! Beierlein hat sich mal gemeldet.

Hatten Sie mal Kontakt zu Alexandras Familie?

Nein, hatte ich nicht.

Gibt es eine Erklärung für die widersprüchlichen Beerdigungsscheine?

Ja, das stand in einem Zeitungsbericht. Es gab einen Vordruck, ob Feuerbestattung vorgesehen ist oder nicht. Und da wurde zunächst angekreuzt: Feuerbestattung ist erwünscht, und das wurde dann wohl durchgestrichen. WER das war, ob da z. B. ein Kollege von mir war – das kann ich nicht sagen. Das war aber in der Tat komisch.

Wie lange waren Sie noch im Polizeidienst?

35 Jahre lang war ich danach noch im Polizeidienst. Ich war 24 Jahre alt, als das mit Alexandra passierte.

Hatten Sie jemals so einen spektakulären Fall in ihrer Dienstzeit?

Nein. Ich wurde öfter von der Presse „belästigt“ – aber immer nur wegen Alexandra.

Foto-Credit: Ernst-Otto Mewes

 

 

Der handgeschriebene Zettel von Alexandra.
Foto-Credit: Ernst-Otto Mewes

 

 

Die Unfallskizze vom 31.07.1969
Foto-Credit: Ernst-Otto Mewes

 

 

Der Gedenkstein in Tellingstedt.
Foto-Credit: Ernst-Otto Mewes

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Textquelle: Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de

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