NOCKIS
smago! CD-Kritik: Der Name ist Programm – „Alles Hits!“!

Die neue ‚Best Of‘ Hit-Kopplung der „Nockis“ fliegt gerade so richtig ab – auch und gerade in den Offiziellen Deutschen Charts, ist smago! sich zu 100 Prozent sicher …!

 

 

Die wohl zweifellos beliebteste österreichische Schlagergruppe heißt zweifelsohne „Nockis“ – der Name hat sich inzwischen eingebürgert. Das ehemalige Nockalm Quintett kann auch im 38. Jahr seines Bestehens auf eine treue Fanbase setzen. Das hat Gründe – die Band hat sich über Jahre hinweg kontinuierlich weiterentwickelt, modernisiert und ist immer mit der Zeit gegangen. Andrerseits wurden die Wurzeln nie verleugnet: Die Nockis stehen für eingängige, gut komponierte und produzierte Schlagertitel – früher eher im volkstümlichen Sound, heute im Popschlager-Stil.

Gleich 20 Perlen ihres Schaffens – inklusive zwei brandneuer Songs – umfasst das neue Best-Of-Album „Alles Hits!“. Kein einziger „Fülltitel“ ist auf dem Album – jedes Lied ist es wert, vorgestellt zu werden.

Echte Schlagerlegenden schrieben den Opener der „Alles Hits!“-Compilation. Im WM-Jahr 2006 schrieben Andreas Martin, Michael Buschjan und Dr. Bernd Meinunger den Kracher „Die Wahrheit“. Im fröhlichen „Anita“-Klassikersound geht es in dem Song um einen Mann, der nach einer Trennung „sein eigenes Leben“ führt und sich nach außen hin gut gelaunt gibt. „Die Wahrheit“ ist aber eine andere – ein Song mit Identifikationspotenzial: „In Wahrheit, da wein’ ich um dich“. Ein eingängiger Schlager nicht ohne Tiefgang, ins Jahr 2020 transportiert.

Noch recht jung ist der aus dem Jahr 2019 stammende Song „Ich glaube an dich“, ein Hit aus dem letzten Nockis-Album „Für ewig“ – erneut ein melancholisches, aber dennoch eingängiges Liebeslied, das vom Intro etwas an den Popsong „If You Leave Me Now“ erinnert. Auch hier gibt es einen Rückblick auf eine schöne Liebe – mit schönen Finessen im Arrangement, in dem insbesondere die Streicher zu gefallen wissen.

Eins der vielen Nummer-1-Alben in den österreichischen Charts war „Zieh dich an und geh“, das 2011 in einer Zeit entstand, als es noch nicht kommod war, vom „Fremdgehen“ zu singen, wobei das kuriose Gedankenspiel ja darin besteht, dass die aktuelle Freundin von der „Ex-Frau“, die „um halb zehn“ voerbei kommt, gesehen werden könnte. Die Nockis haben damals durchaus den Vorreiter für derartige Schlagerthemen gegeben. Damals waren die Jungs übrigens noch das „Nockalm Quintett“. „Rote Schuhe im Flur, rote Reste im Glas“ – das sind Texte, die schon ungewöhnlich sind und beweisen, dass sich die Nockis sich schon länger von der volkstümlichen Musik entfernt haben. Und wieder ist es der Wein, der „schuld“ ist…

Einen klassischen Discofoxschlager lieferten die Nockis mit „Das kleine Haus am Meer“ ab, das 2014 auf dem Erfolgsalbum „Du warst der geilste Fehler meines Lebens“ enthalten war. In dem eingängigen Song geht es darum, der Hektik des Alltags zu entfliehen, um für „eine Woche, ein Monat, ein Jahr“ „ein Haus am Meer aus Bambus und Lehm“ mit der geliebten Partnerin zu bewohnen. Wie in vielen anderen Songs weiß auch hier wieder der mehrstimmige Nockisgesang zu überzeugen.

Mit „Erzähl mir nichts von ihm“ legten die Nockis 2017 ein Liebeslied der speziellen Art vor. Im gitarrenlastigen Schlager geht es um „eine Stunde Ewigkeit“. Wenn mehrere Herren um eine Dame buhlen, gilt: „Wenn Gefühle brennen, kennt die Sehnsucht kein Tabu“. Das sind Texte, wie sie die Nockis lieben – auch wenn „zwischen uns kein Blatt Papier“ bleibt, ist im Hintergrund doch auch „der andere“ spürbar – heute würde man vielleicht sagen: „Sie sagte doch, sie liebt mich“ – auch hier waren die Nockis Vorreiter.

Romantische Zeilen wie „Ich streichle ihre weiche Haut – von unsrer Zärtlichkeit noch warm“ sind eine Spezialität der NOCKIS. Im Jahr 2012 veröffentlichten sie das balladesk startende  Lied, aus dem diese Zeilen stammen: „Einer von uns lügt“. Sobald es in den Refrain geht, wird es wieder rockig. – Wobei auch dieser Titel natürlich einen melancholischen Aspekt verfolgt – wenn die „berühmten drei Worte“ ausgetauscht werden und der Herr es aber eigentlich gar nicht so meint, ist das oftmals eine traurige Sache, wenn „einer von uns lügt“. Erneut ein Text aus dem Leben gegriffen.

Einen echten Ohrwurm kreierten die NOCKIs im Jahr 2016 – natürlich wie immer aus dem Leben gegriffen: „Solange du mich liebst“ aus dem Album „Wonach sieht’s denn aus?“. Das  ist ein Schlager, der die nicht so tollen Tage beschreibt, an denen man keine Lust auf Aktivitäten hat. Der sowohl gitarrenlastige als auch mit Synthieflächen versehene Song erklärt, wie wichtig es ist, an solchen Tagen eine geliebte Partnerin an seiner Seite zu haben, mit der auch schwierige Zeiten gemeistert werden können: „Du gibst mir die Kraft!“.
Noch aus dem letzten Jahrtausend, genauer gesagt aus dem Jahr 1998, stammt der Schlager „Der Himmel spielte Hollywood“, der ebenfalls digital remastered wurde und moderner denn je klingt. Fast schon sinfonisch klingen Streichinstrumente, die den flotten eingängigen Schlager einläuten. Wenn „der Vorhang für den schönsten Film aufgeht“, dann ist das natürlich ein romantisches Bild, wenn ER sich „wie James Dean“ fühlt – diesmal unbeschwert, ein Song zum Mitsingen, wie er typisch in den frühen Jahren des damaligen Nockalm Quintetts war.

Ganz tief in die Vergangenheit schauen die Nockis mit dem nächsten Titel. „Schwarzer Sand aus Santa Cruz“ wurde erstmals 1993 vom damaligen Nockalm Quintett erfolgreich besungen. Den Text zur Komposition Gottfried Würchers schrieb damals die unvergessene Texdichterin Irma Holder. Damals besangen die Nockis noch schöne Reiseziele wie hier die marokkanische Stadt Agadir. Schon damals bewies das Quintett sein Talent für tanzbare und eingängige Ohrwurm-Melodien. Da darf das Meeresrauschen zu Beginn des Schlagers nicht fehlen – ein Titel zum Träumen, der ähnlich klingt wie heute die Amigos oder der Fernando Express Musik produzieren. Ganz bewusst sollen auch Lieder der frühen Zeit auf dem Album enthalten sein.

Die – ähnlich dem „Hollywood“-Song – erst langsam und mystisch startende, dann aber explodierende Nummer „In der Nacht“ aus dem Jahr 2017 zeigt, wie sehr sich die Nockis in den letzten Jahren weiterentwickelt haben. In dem Lied geht es um eine Männern den Kopf verdrehende Frau („Männer würden sterben für eine Nacht mit dir“), die sich nur ihrem Liebsten hingibt und den vielen vorhandenen Verehrern so vor den Kopf stößt.

Ein echtes Schmankerl aus der Zeit, als die Nockis sich noch der volkstümlichen Musik widmen, stammt aus dem Jahr 1990 – und ist hier in der 2018er Version zu hören: „Weine nicht um ihn“ ist ein bei den Nockis-Fans überaus beliebter Titel, der auch bei vielen Konzerten zu hören ist – gern genommen ist z. B. die Unplugged-Version des Liedes, das in der „Schlagerparty“-Version auf die Best Of genommen wurde. Eine beschwingte Melodie, die im Sound der Jetztzeit neu produziert wurde. Auch textlich erkennt man seit 1990 („Gestern war es aus – er ging aus deinem Haus“) eine enorme Weiterentwicklung bei den Nockis. Wobei „Weine nicht um ihn“ wirklich Mitsing-Potenzial hat.

Ebenfalls aus der „Schlagerparty“-Session stammt die Aufnahme des Nockis-Klassikers „Gina – das ist die Liebe“, wieder mal ein Text der uvnergessenen Irma Holder. Der Titel ist fast genau 25 Jahre alt und wurde erstmals auf dem Album „Sternenhimmelgefühl“ veröffentlicht. Ein Lied über die erste Liebe, die mit Schwierigkeiten und „1000 Fragen“ verbunden ist: „Es ist nicht leicht, auf einmal 17 zu sein“. Auch dieser Klassiker wurde neu modern produziert, ohne den Ohrwurmcharakter des Liedes zu zerstören.

Mit „Und über Rhodos küss ich dich“ gibt es einen weiteren Klassiker aus der volkstümlichen Ära der Nockis auf die Ohren, der noch ein Jahr älter ist und einer der größten Hits der Nockis der damaligen Zeit war. Auch dieser Titel wurde im modernen aktuellen Nockis-Sound transferiert, wobei die klingenden Mandolinen natürlich nicht fehlen dürfen – ansonsten wurde der Titel aber im tanzbaren Clubsound neu produziert.

Jahre bevor nun Marina Marx mit dieser Textzeile ihr Glück versucht, haben die Nockis bereits 2014 mit „Du warst der geilste Fehler meines Lebens“ auf sich aufmerksam gemacht. Der innovative Popschlager war vor sechs Jahren ein großer Erfolg für die Jungs. Im Video spielt übrigens eine junge Dame mit, die gewisse Ähnlichkeiten mit Marina hat – insofern werden die Nockis sich über die „Anleihe“ sicherlich freuen. Denn wie bei Frau Marx geht es auch bei der österreichischen Band darum, erlebtes Leben nicht zu bereuen. Wenn die langfristige Beziehung doch scheitert, bleiben dennoch die Erinnerungen – so die Aussage des offensichtlich richtungsweisenden und andere inspirierenden Songs. „Ich stehe voll zu dieser Zeit – auch wenn wir heut getrennte Wege gehen, mit dir, das hab ich nie bereut“.

Im vergangenen Jahr hieß der Nockis-Hit „Fair Play“. Der rockig-modern produzierte Titel ist partytauglich und macht gute Laune. Die Aussage, dass mit Geld keine Liebe erkauft werden kann, hat den Fans einmal mehr aus dem Herzen gesprochen und hat Ohrwurm-Charakter. „Ihre dunklen Haare kamen in die Jahre – etwas Grau steht ihr gut“ – das sind Zeilen, die nicht alltäglich sind. Ein richtig toller und tanzbarer Song. Auch die Aussage, dass der Besungene die Herzdame nicht verdient hat. Die Story erinnert vom „Goldenen Käfig“, in dem sich eine Frau manchmal befindet.

Vor vier Jahren gab es eine Zäsur bei den Nockis – man formierte sich wieder zu einem Quintett um, und der Keyboarder Kurt Strohmeier stieg in die band ein. Mit „Wonach sieht’s denn aus?“ war klar, dass die Umformierung dem Erfolg keinen Abbruch tat – im Gegenteil. Leicht erotisch angehaucht, geht es diesmal um eine Affäre, die ohne verschämte Heimlichtuerei daherkommt. Auch diese Mitsing-Nummer ist mit funky Grooves und sogar fetten Bässen sehr modern produziert worden.

Auf dem 1990 veröffentlichten Album „Aus Tränen wird ein Schmetterling“ befindet sich ein bis heute beliebter Schlager der Nockis, die ebenfalls Bestandteil des „Schlagerparty“-Albums war und von daher auf der „Alles Hits!“-CD nicht fehlen darf: „Jenny Jenny“ – ein bei den Fans sehr beliebter Oldie mit leichtem Rock’n’Roll Appeal. Mit leichtem selbstironischen Augenzwinkern interpretieren die Nockis ihren im 50er Jahre Sound gehaltenen Song, bei dem sich vermutlich auch Andreas-Gabalier-Fans zu Hause fühlen würden.

Vor zwei Jahren trumpften die Nockis mit „Weil du meine Liebe bist“ auf. Inzwischen klingen die Songs von Gottfried Würcher und seinen Kollegen rockiger denn je. Auch wenn sich beim Flirt das Liebeskarussell dreht, steh der Song dafür, dass es darum geht, die große Liebe für den Rest des Lebens zu finden.

Den runden Abschluss des „Alles Hits!“-Albums der Nockis bilden zwei brandneue Songs. Bei „War’s das schon?“ kommt die Frage auf, ob eine heiße Affäre fortgesetzt werden sollte oder sie schon beendet ist – ein Midtempo-Song im typischen modernen Nockis-Sound. Popschlager, wie man ihn von der Gruppe kennt. Wenn sich „sanft die Fahrstuhltür schließt“ und dann gilt: „deine Hand berührt mich nur für einen Augenblick“, wird es spannend. „Der Zufall schafft das schon“, ist die Quintessenz.

Titel Nummer 20 schlägt etwas aus der Nockis-Art. Eine tolle Ballade im Country-Sound ist „Ich weiß es schon“. Ein schöner Gedanke – ein Liebespaar kennt sich seit vielen Jahren und ist einander so vertraut, dass auch ohne große Worte der eine vom anderen weiß, was er fühlt. Ein sehr schönes akustisches Gitarrensolo verleiht dem Song eine besonders romantische Note.

Aus dem Füllhorn von hunderten von Liedern die 20 besten und beliebtesten auszusuchen, war für die Jungs sicher nicht einfach und vielleicht vermisst der eine oder andere Fan das eine oder andere Lied. Insgesamt ist „Alles Hits!“ eine würdige Compilation, die den tollen Werdegang des einstigen Nockalm Quintetts eindrucksvoll belegt und aufzeigt, warum die Nockis bis heute Österreichs erfolgreichste Band sind. Wir gratulieren zu einem rundum gelungenen Album und freuen uns schon auf die nächste neue Studio-CD, die schon in Produktion ist.

 

 


Textquelle/Bildquelle:
smago!

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