FELDBERGER
Nachruf von Lothar Böhler auf seinen Band-Kollegen und Freund Chris Laubis!

Auf seiner Facebook-Seite schreibt er …:

 

 

🙏🏻Lieber Chris,

 

drei Tage ist es nun her, als ich am Mittwoch einen Anruf bekommen hab mit der Nachricht, Du hattest einen schweren Arbeitsunfall und Du würdest es nicht überleben. Ich war einerseits wie gelähmt, andererseits hatte ich mir versucht einzureden, dass alles entweder nur ein schlechter Traum ist oder, dass sich die Ärzte einfach geirrt hatten und Du es bestimmt schaffen wirst. Am Donnerstag morgen holte mich dann die Realität ein, als wieder das Telefon klingelte: „Chris ist gestorben!“

Knapp 33 Jahre ist es nun her, dass ich Dich kennenlernen durfte. Nun kreisen so viele Bilder in meinem Kopf, was ich durch Dich und mit Dir erleben durfte.

Wir – beide 16 Jahre alt – trafen uns am 1. Oktober 1987 zur ersten Musikprobe der „Original Feldberger Spitzbuebe“ und dieser Tag sollte mein Leben entscheidend bestimmen. Unsere Band war von Anfang an davon geprägt, dass wir eine gute Musik machen wollten und dazu hast Du entscheidend dazu beigetragen. Du warst ein Virtuose auf Deinem Akkordeon, Du warst der Profi, wenn es um Volksmusik ging, weil Du die Musik geliebt hast. Mit Deiner Stimme hast Du vom ersten Tag an immer Akzente gesetzt.

Was haben wir mit der Band alles zusammen erlebt: wir waren die unerfahrenen Jungs aus dem Schwarzwald, die im Ländle anfangs an keinem Dorffest und an keiner Hochzeit gefehlt haben. Es stand immer im Vordergrund, Spaß zu haben, unsere Leidenschaft, gute Musik zu machen, zu genießen. Du warst dabei immer der perfekte Musiker, der ohne zu proben immer glänzte. Du hattest immer in einer Klasse gespielt, die ich als Musiker nie erreichen konnte. Ich war musikalisch im Vergleich zu Dir immer ein „Greenhorn“, wie Du sagen würdest. Dagegen war meine Stärke schon immer, der Organisator zu sein, der Termine verwaltet hat und sich um das Management gekümmert hat – eben Dinge zu tun, für die Du gar keine Muse hattest. Diese Eigenschaften haben uns wohl „ein Leben lang“ verbunden, da wir uns gegenseitig ergänzt haben und keiner dem anderen neidisch oder eifersüchtig auf sein Können war.

Nachdem wir dann die erste CD produziert und mittlerweile in ganz Deutschland unsere Konzerte feierten, wurden wir in den Medien von Fernsehsendung zu Fernsehsendung gereicht, Hitparaden standen bei uns nahezu auf der Tagesordnung. Wir reisten mit der Band nach Tokio, spielten in Südfrankreich – wir hatten das Gefühl, uns gehört die Welt. Goldene und platine Schallplatten wurden uns verliehen. Als wir 25 Jahre alt waren, planten wir mit den Feldbergern ein Festival, an welches ich mich heute trotz der Erfahrung nicht mehr rantrauen würde. Wir waren einfach verrückt und wollten die Welt verändern. Wir wollten Joe Cocker dabei haben, wenn wir die platine Schallplatte erhalten und Du konntest zum Abschluss nach seinem Konzert im Maritim-Hotel in Titisee Deinen Whiskey mit Mr. Woodstock trinken und anstoßen auf das Leben.

Die Medienlandschaft forderte von uns, dass wir unsere Musikrichtung nach und nach anpassen mussten. Deine so geliebte Oberkrainermusik mussten wir leider vernachlässigen und schlagerhafter produzieren – in einem leicht moderneren Gewand daherkommen. Du hast es jedoch mitgetragen und wir haben es geschafft, dass wir auch diesen Spagat hinbekommen haben. Deine warme und exzellente Stimme verlieh vielen Songs einen ganz besonderen Glanz – Dein außergewöhnliches Akkordeonspiel gab uns die Chance, dass auch die neueren Songs sich vom Mainstream abgehoben haben. Wie die Badische Zeitung geschrieben hat: wir blieben bodenständig ohne altmodisch zu sein.

Aber Du hast mir in meinem Leben nicht nur gezeigt, was Du für ein unglaubliches, für mich oft nicht nachvollziehbares Talent als Musiker hast. Du warst einer der wenigen Menschen, denen Werte wie Respekt, Anstand und Ehrlichkeit wichtig waren und hast immer gewusst, diese auch jedem Menschen zu schenken.

Für Dich galt es, jedem den vollsten Respekt zu zollen. Dabei war es Dir nicht wichtig, wer Dir gegenüberstand – war es ein Veranstalter, ein Fan, ein Geschäftspartner – Dir war es egal welcher Titel derjenige trägt, ob Anwalt, Doktor, Bürgermeister oder Kellner, Putzfrau oder Verkäuferin; Du hast alle gleichbehandelt. Du hast allen zugehört und allen Deine Zeit geschenkt. Du hast die Oberflächlichkeit gehasst. Dir waren nie Marken wichtig – der Mensch mit dem Gucci-Schal war Dir eben nicht mehr wert als einer mit dem selbstgestrickten Pullover.

Obwohl Du bei vielen Konzertprogrammen, bei denen auch andere Künstler mitgewirkt haben, mit Abstand der beste Musiker auf der Bühne warst, hast Du Dein Ego hinten an gestellt und hast anderen den Platz in der 1. Reihe gegeben, hast den anderen die Chance gegeben, dass sie ihren Applaus abholen. Selbst wenn andere Vollplayback gesungen haben, hast Du Dich mit Kritik zurückgehalten und hast sie im Glauben gelassen, dass sie was Besonderes geleistet haben. Dir war nur wichtig, dass Du, respektive wir mit den Feldbergern, einen guten Job machen.

Wie ich schon geschrieben hatte, war ich in der Band sicherlich der wesentlich schlechtere Musiker als Du. Trotzdem hast Du mir zugehört und mich auf Augenhöhe behandelt wenn wir über Musik diskutiert haben. Du hast einem Newcomer gerne Tipps gegeben und hast Dich auch gerne mit „alten Hasen“ unterhalten. All das zeichnete Dich eben aus.

Du warst einer der Menschen, denen noch Grundwerte wie Dankbarkeit wichtig waren. Du hattest den Anstand, Dich bei allen, die für Dich, für uns was getan haben, zu bedanken. Beim Techniker Dich zu bedanken nach jedem Konzert war für Dich genauso selbstverständlich wie bei mir und meinem Team. Ein Hotel für Dich zu buchen oder selbst ein von Dir heiß geliebter Wurstsalat hinter der Bühne war Dir immer ein Dank wert. Dir war es auch hier nicht wichtig, ob Du mit dem Auszubildenden gesprochen hast oder mit dem Chef selbst. Für jeden hattest Du ein Schulterklopfen, ein Lachen und ein Augenzwinkern übrig.

In der kurzlebigen und oft stressigen Showbranche hast Du es immer wieder geschafft, mich und viele Kollegen zu entschleunigen. „Jetzt mol langsam“ oder „Morge isch au no in Dag“ oder „Es wird nix so heiß gesse, wie´s kocht wird“ waren Deine Mottos.

Du warst ein wirklich feiner Mensch, dem man noch vertrauen konnte. Man konnte Dir auch ein Geheimnis anvertrauen und musste nicht explizit dazu sagen, dass es niemand wissen darf. Man musste nicht damit rechnen, dass Du genau dieses Geheimnis irgendwann gegen einen verwendest. Es gab für Dich noch einen echten Kodex unter Freunden.

„Die Welt von ganz weit oben seh´n“ wurde zu einem unserer größten Erfolgstitel. Ich hatte zu dem Titel schon immer einen ganz besonderen Bezug, da ich ihn ausgewählt hatte, dass er vor über zehn Jahren am Grab meines Papas gespielt wird. Niemals hätte ich dran gedacht, dass es irgendwann für Dich Realität werden wird und es nun „Dein“ Titel ist.

Lieber Chris, ich Danke Dir dafür, dass Du 33 Jahre die Bühne des Lebens mit mir geteilt hast. Ich wünsche Dir eine gute Reise, spreche „Ein leises Gebet“ für Dich und bin sicher, Du bist immer ganz nah bei uns.

 

Ruhe in Frieden


Textquelle/Bildquelle:
Facebook-Seite von Lothar Böhler (Textvorlage)

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