WENCKE MYHRE
Wencke Myhre pur: Ein Wohnzimmer(konzert) voller Musik, Erinnerungen und Lebensfreude!
Die norwegische Entertainerin begeistert im restlos ausverkauften Schlosspark Theater – ein fast zweistündiger Streifzug durch knapp sieben Jahrzehnte Bühnengeschichte!
Berlin-Steglitz, 2. November 2026. Wer WENCKE MYHRE kennt, weiß, dass sie nicht nur eine außergewöhnliche Sängerin, sondern auch eine Entertainerin mit viel Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie ist. Dass sie sich selbst am besten auf den Arm nehmen kann, bewies sie gleich zu Beginn ihres exklusiven „Wohnzimmerkonzerts“ im Schlosspark Theater von Dieter Hallervorden. Auf der Großbildleinwand war zu sehen, wie sie ihre mittlerweile 79 Geburtstagskerzen auspustet – eine durchaus sportliche Herausforderung, die sie nach vollbrachter Arbeit mehr oder weniger erschöpft zusammenbrechen ließ. Ein herrlicher Auftakt, der sofort deutlich machte: Hier nimmt sich jemand selbst nicht allzu ernst, dafür aber sein Publikum umso mehr.
Fast zwei Stunden, ohne Pause, sollte die musikalische Reise dauern. An ihrer Seite: ihr langjähriger Lebensgefährte Anders Eljas am Klavier sowie zwei junge Chorsängerinnen und ein junger Chorsänger, die dem Programm zusätzliche musikalische Farbe verliehen.
Den Auftakt machte Wencke mit „Da ist ein Lichtschein am Ende des Tunnels“ aus Andrew Lloyd Webbers Musical „Starlight Express“. Es folgte „Når jeg blir 66“, ihre norwegische Version des Udo-Jürgens-Klassikers „Mit 66 Jahren“. Bereits nach dem zweiten Titel war die Stimmung bestens. „Hier gefällt’s mir!“, stellte Wencke zufrieden fest. Und das durfte sie durchaus wörtlich nehmen.
Denn wenig später nahm sie das Publikum mit an ihren privaten Sehnsuchtsort: Über die große Leinwand zeigte sie ihr Haus am Oslo-Fjord. Dort, so erzählte sie, habe sie mit vier Kindern und inzwischen zehn Enkelkindern reichlich Leben um sich. „Ich hab’ so viel Spaß mit denen!“, schwärmte sie. Auch Anders Eljas kam dabei nicht zu kurz. Über ihren musikalischen und privaten Weggefährten, der sie seit vielen Jahren am Klavier begleitet, sagte sie augenzwinkernd: „Der wohnt da seit 26 Jahren.“
Eine musikalische Verbeugung vor großen Diven
Dass Wencke Myhre auch musikalisch stets neugierig geblieben ist, zeigte sich besonders eindrucksvoll bei ihrer Hommage an Hildegard Knef. Als 16- oder 17-Jährige hatte sie einst ein Konzert der großen Chansonnière in der Berliner Philharmonie erlebt. Der Zauber dieser Begegnung ließ sie nicht mehr los. Persönlich kennenlernen sollte sie „die Knef“ allerdings erst 1995 bei einer Patrick-Lindner-Show.
Die Begegnung hatte nachhaltige Folgen: Für ihr 2002 erschienenes Album „Viva la Diva“ nahm Wencke Myhre Lieder von Hildegard Knef, Marlene Dietrich und Zarah Leander auf. Im Schlosspark Theater erinnerte sie mit zwei besonderen Kostbarkeiten daraus an diese großen Künstlerinnen: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ und „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Eine musikalische Verbeugung vor drei außergewöhnlichen Frauen der Unterhaltungsgeschichte.
Ein Leben zwischen Schlager, Fernsehen und großen Künstlerpersönlichkeiten
Überhaupt war dieser Abend weit mehr als ein Konzert im herkömmlichen Sinne. Wencke hatte reichlich Bild- und Filmmaterial mitgebracht und ließ ihr Publikum an den vielen Stationen ihrer Karriere teilhaben.
Eine besondere Geschichte rankte sich um ihren Sohn Dan Myhre. Für den deutschen ESC-Vorentscheid war seinerzeit der Titel „Wir beide gegen den Wind“ produziert worden – und zwar von keinem Geringeren als Harold Faltermeyer. Um ihren damals erst achtjährigen Sohn ein wenig zu schützen, erschien die Single unter der Bezeichnung „Wencke Myhre und Sohn“. Einen kurzen Ausschnitt davon präsentierte sie ihrem Berliner Publikum.
Der Eurovision Song Contest spielte natürlich ebenfalls eine Rolle. 1968 hatte Wencke Myhre Deutschland beim Wettbewerb in London vertreten. Ihr damaliger Beitrag „Ein Hoch der Liebe“ durfte deshalb auch live nicht fehlen.
Es folgte ein unterhaltsamer Streifzug durch ältere Fernseh- und Filmproduktionen. In einem Videoausschnitt spielte Wencke eine kleine Maus, die sich in einen Kater verliebt hatte. Dazu gab es ein Sprechduett mit Anders Eljas in schwedischer Sprache – ein weiterer Beleg dafür, wie selbstverständlich sich die beiden auch auf der Bühne ergänzen.
Mit großer Wertschätzung erinnerte Wencke an Peter Alexander. „Er war für mich einer der größten Entertainer“, sagte sie. Gemeinsam hatten sie unter anderem als Mary Poppins auf der Bühne gestanden, während Peter der Große mit „Superkalifragilistikexpialigetisch“ für Begeisterung sorgte.
Auch James Last durfte in diesem persönlichen Rückblick nicht fehlen. „Er war mein erster Arrangeur. Und – mein Babysitter“, erzählte Wencke mit einem Lächeln. An ihren Produzenten Bobby Schmidt erinnerte sie sich ebenfalls mit großer Dankbarkeit.
Ein Wiedersehen gab es zudem mit Ausschnitten aus dem Film „Unsere Pauker fliegen in die Luft“ aus dem Jahr 1970. Darin sang Wencke unter anderem „So eine Liebe gibt es einmal nur“ und flirtete mit Chris Roberts um die Wette. Auch Wolfgang Rademann, Hans-Jürgen Bäumler, Michael Schanze und Udo Jürgens fanden ihren Platz in diesem liebevoll zusammengestellten Rückblick.
Eine interessante Rarität gab es obendrein: Wencke Myhre hatte 1983 auch den Udo-Jürgens-Titel „Nur ein Lächeln“ in norwegischer Sprache aufgenommen. Nicht jeder im Saal dürfte das gewusst haben.
Wenn ABBA auf Wencke Myhre trifft …
Nach so vielen Erinnerungen wurde es wieder ausgesprochen musikalisch. Mit „Does Your Mother Know“ präsentierte sich Wencke live von ihrer ABBA-Seite. Und das kam nicht von ungefähr: Anders Eljas verbindet mit der schwedischen Erfolgsgruppe eine ganz besondere Geschichte. Seit 1977 arbeitet er mit ABBA zusammen, war unter anderem an der Produktion des Musicals „Chess“ beteiligt und kennt die musikalische Welt der vier Schweden aus nächster Nähe.
Wencke selbst betonte, ABBA bereits in den 1960er-Jahren getroffen zu haben. Anders Eljas wiederum war 1977 mit der Gruppe in Australien unterwegs.
Aus dieser Verbindung entstand ein mitreißendes ABBA-Medley. Mit „Thank You For The Music“, „Rock Me“, „Gimme Gimme Gimme (A Man After Midnight)“ und „So Long“ ließ Wencke die Musik der schwedischen Supergruppe aufleben. Bemerkenswert: Auf die üblichen Verdächtigen „Dancing Queen“ und „Waterloo“ verzichtete sie ganz bewusst. Zum Abschluss kehrte „Thank You For The Music“ noch einmal zurück – ein musikalisches Dankeschön, das kaum treffender hätte ausfallen können.
Mit „Geh mit dem Regenbogen“, ihrer deutschen Version des Simon-&-Garfunkel-Klassikers „Bridge Over Troubled Water“, schlug sie anschließend wieder ruhigere und gefühlvolle Töne an.
Fast sieben Jahrzehnte Musikgeschichte im Gepäck
1960 hatte alles begonnen. Damals gewann Wencke einen Talentwettbewerb in Norwegen, im selben Jahr erschien ihre erste Single „Åh, det er søndag!“ – zu jener Zeit noch unter dem Namen Wenche Myhre. Im Rückblick auf ihre mittlerweile fast 70-jährige Karriere stellte sie zufrieden fest, sie habe „doch ein paar Hits in meinem Rucksack gesammelt“.
Und was für welche!
Mit „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“, ihrem Siegertitel bei den Deutschen Schlager-Festspielen 1966 in Baden-Baden, erinnerte sie an einen weiteren Höhepunkt ihrer Karriere. Zuvor hatte sie mit „Gute Jahre“ noch einmal einen Titel aus einer späteren Schaffensphase präsentiert. Fast 100 Wochen sei sie damit in verschiedenen deutschen Charts vertreten gewesen, erzählte sie.
Auch „Lass mein Knie, Joe“, die deutsche Originalaufnahme des Bonnie-Tyler-Hits „It’s a Heartache“, durfte nicht fehlen. Zur großen Freude ihrer Fans sang sie außerdem die deutsche Version von „Keep Smiling“.
Spätestens bei „Er steht im Tor“ und „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ war die musikalische Zeitreise endgültig bei jenen Liedern angekommen, mit denen Wencke Myhre bis heute untrennbar verbunden ist. Es sind Titel, die Erinnerungen wecken und die generationsübergreifend ihren ganz eigenen Platz im deutschen Unterhaltungsgedächtnis haben.
Doch Wencke wäre nicht Wencke, wenn sie den Abend einfach nach einem vorgegebenen Programmplan beendet hätte. „Schafft ihr noch eine Nummer?“, fragte sie in die Runde. Mit „Wir leben“ wurde es zunächst etwas nachdenklicher. Aber offenbar war auch danach noch nicht Schluss. „Schafft ihr zwei Minuten noch?“, wollte sie wissen.
Die Antwort dürfte ihr nicht schwergefallen sein. Mit „The Glory of Love“, dem Klassiker von Bette Midler, verabschiedete sie sich schließlich von ihrem Berliner Publikum.
Zeit für die Fans – und ein Wiedersehen 2027
Was diesen Abend zusätzlich sympathisch machte: Wencke Myhre hatte nicht nur auf der Bühne Zeit für ihr Publikum. Obwohl sie derzeit kein aktuelles Produkt zu verkaufen hat, nahm sie sich nach dem Konzert ausgiebig Zeit für ihre Fans. Geduldig erfüllte sie Wünsche nach persönlichen Begegnungen und Autogrammen – eine Geste, die viel über ihr Verhältnis zu den Menschen aussagt, die sie seit Jahrzehnten begleiten.
Mit diesem exklusiven Gastspiel hat Wencke Myhre im Schlosspark Theater eindrucksvoll bewiesen, dass große Unterhaltungskunst keine Frage des Alters ist. Sie verbindet musikalische Vielseitigkeit mit Humor, Charme und einer beeindruckenden Erinnerungskultur. Dabei wirkt sie weder nostalgisch noch rückwärtsgewandt, sondern ausgesprochen lebendig und gegenwärtig.
Dieter Hallervorden und sein Schlosspark Theater dürfen sich schon jetzt auf ein Wiedersehen freuen: Anfang November 2027 wird Wencke Myhre erneut mit ihrem Programm in Berlin-Steglitz gastieren.
Und wer sie an diesem Abend erlebt hat, weiß: Ein Wohnzimmerkonzert mit Wencke Myhre ist eben alles andere als gewöhnlich. Es ist eine Begegnung mit einer Künstlerin, die auch nach fast sieben Jahrzehnten auf der Bühne noch immer etwas zu erzählen, zu singen und vor allem zu lachen hat.
Textquelle: Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de
