NICOLE
CD-Kritik „50 ist das neue 25“: Nicole bleibt sich treu und entwickelt sich weiter!

Auch smago! wünscht dem Album einen möglichst hohen Einstieg in die Offiziellen Deutschen Charts!

 

Sie ist eine unglaubliche Künstlerin. 1982 gewann sie siebzehnjährig den Eurovision Song Contest. Seitdem hat sie viele Höhen des Musikgeschäfts durchlebt, war die erfolgreichste Sängerin in der legendären ZDF-Hitparade, hatte unzählige Nummer-Eins-Hits, gehört einfach zum festen Etablissement der deutschen Showszene. Wenn jemand vier fast vier Jahrzehnte kontinuierlich präsent ist, erfindet sich mancher Kollege gern neu, wechselt das Fach, entwickelt sich vom Schlagersänger zum Chansonier oder wird Musicaldarsteller. All das hat sie nicht nötig, diese Frau ist sich immer treu geblieben, hat an sich gearbeitet und sich doch weiterentwickelt. Jetzt stellt sie ihr neues Album „50 ist das neue 25“ vor – NICOLE!

Sie hat sich Zeit gelassen für eine neue Produktion. Vor mehr als zwei Jahren erschien ihr vielbeachtetes Album „12 Punkte“ mit Eurovision-Titeln auf Deutsch. Für die neue Produktion holte sie sich hochkarätige Musiker wie Heinz Rudolf Kunze ins Boot. Geht so etwas gut? Eine bekannte Schlagersängerin und ein Pop-Poet? Es geht! Und wie! Kunze zeichnet für insgesamt acht Texte verantwortlich. Vor allem das sehr sensibel gesungene Duett zwischen Nicole und Heinz Rudolf Kunze fällt sehr angenehm aus dem Rahmen, unplugged und auf das Wesentliche reduziert. So kann der Song aus den 1980 er Jahren durchaus weiterleben. Für das Arrangement von „Alle Menschen sind besonders“ wurde auf großen Pomp verzichtet, das schmust sich leicht in die Ohren. Fast wie eine Märchenerzählerin interpretiert sie den Song „Der Maharadscha“. Mit „Können wir nicht Fremde bleiben“ dürfte die Sängerin vielen Frauen, vielleicht auch Männern“, aus dem Herzen sprechen. Die Nummer setzt sich damit auseinander, dass Liebe und Beziehung auch immer Arbeit und Beachtung bedeutet.

Auch als Textdichterin und Komponistin ist Nicole auf dieser Produktion vertreten. Das wird vor allem bei dem Lied „Mein lieber Mann“ ganz deutlich. Den Text scheint die Sängerin aus Überzeugung geschrieben zu haben – und doch mit einem Augenzwinkern. Der Twist-Rhythmus ist zwar Retro, aber das macht auch den Charme des Songs aus. „Eine richtige Frau“ schielt ein wenig auf den Titel „Männer“ von Grönemeyer – dieser Kunze-Text war mehr als überfällig. Nicole überzeugt damit grandios! Ob man sich noch Texten und Liedern wie „Goodbye Hollywood“ annehmen muss, ist eine Geschmacksfrage. Das Lied wirkt auf dem Album ein wenig verloren, als hätte man einen dreizehnten Song gesucht. Die Traumfabrik ist einfach schon zu oft in Szene gesetzt worden.

Insgesamt hat Nicole eine sehr starke Produktion vorgelegt. Modern, tanzbar, anspruchsvoll von den Texten und Arrangements. Ihre Stimme hat immer noch dieses wundervolle Timbre, das sie schon 1982 besaß, nur jetzt eben entwickelter und gereifter, bei allem Respekt!

 


Textquelle/Bildquelle:
Hans-Peter Schmidt-Treptow (Textvorlage)

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