MICHELLE
„Spiritualität hat mich gerettet!“
In der MDR-Talkshow „Riverboat“ sagte Michelle am 09.01.2026 im Gepräch mit Wolfgang Lippert und Kim Fisher …:
Wolfgang Lippert: Bist Du gut angekommen?
Ja, die Autobahn war frei, ich hatte das Gefühl, wir sind die Einzigen, die unterwegs waren.
Nur ein bisschen Regen und wir konnten gut fahren.
Kim Fisher: Ich habe sogar dem Kachelmann kurz ne Nachricht geschickt: Jörg, komme ich gut in Leipzig an? Bin ich in Lebensgefahr? Da hat er nur ganz kurz verwundert zurück geschrieben: Äh, ja!?! Steig einfach in Berlin in den Zug und fahre los. Ich glaube, er hat sich mit den Menschen, die das Wort „Lebensgefahr“ in diesem Zusammenhang in den Medien zu häufig nutzten, auch auseinandergesetzt und ihnen gesagt: Ne, so ist das nicht.
Wolfgang Lippert: Es ist Wahnsinn, welche Röhre aus Dir zierlichen Person heraus kommt.
Also, man hasst meine Stimme oder man liebt sie. Das war schon immer so. Ich weiß noch, vor 33 Jahren, als Jean Frankfurter noch mein Produzent war, da hat man mich gefragt, ob ich Kreide essen würde, dass meine Stimme so klingt. Ich bin jetzt 53 und meine Stimme hat ihre Einzigartigkeit behalten.
Wolfgang Lippert: Und das alles willst Du jetzt aufgeben?
Ich habe einfach keine Lust mehr auf die Reiserei. Es war ein längerer Prozess, diese Entscheidung zu treffen. Ich habe jetzt Enkelkinder und merke, wie wenig Zeit ich doch trotz meiner guten Organisation als alleinerziehende Mutter mit meinen Kindern hatte. An meinem Enkelkind sehe ich, wie die Zeit rast. Ich will nichts mehr verpassen und dieser Entschluss steht fest wie sonstwas. Ich möchte mehr Zuhause und Tanja sein. Will mich wieder mehr um mich kümmern. Keine Wimpern mehr, keine High Heels mehr, kein Haare färben mehr. Mir tun die Füsse weh, ich will einfach wieder ganz normal Tanja sein. Zuhause ankommen und Ruhe haben. Die Bühne werde ich nicht vermissen. Ich bin dankbar für die 34 Jahre auf der Bühne und diese tolle Reise.
Wolfgang Lippert: Hast Du Deinen Entschluss mit Deinen Kindern besprochen?
Nein. Ich habe es Ihnen einfach gesagt. Die kennen mich ja, deswegen war es für sie keine Frage. Ich hätte auch keinen Rat dazu von ihnen angenommen.
Wolfgang Lippert: Du hattest als Kind wenig Schutz. Hast Du Deine Kinder deswegen besonders beschützt?
Dein Leben war ein ganz schön hartes. Deswegen habe ich meine Kinder nie beschützen wollen. Ich habe sie ihren Weg gehen lassen und das Wichtige: Wir sollen da sein, wenn sie fallen. Das war bei mir nicht der Fall. Alles, was dir im Leben begegnet, ist richtig. So sehe ich das. Weil es dich zu diesem Menschen macht, der du dann bist. Ich bin dankbar über alle schlechten Dinge, die mir passiert sind. Natürlich kann man als Kind das noch nicht einschätzen. Wenn man aber erwachsen ist und das reflektiert und fühlt sich da rein, dann weiß man: Alles, was passiert, war richtig. Auch wenn es weh tat und furchtbar war. Ich lasse meine Kinder laufen und sage ihnen, sie sollen auf ihr Gefühl hören. Ich stehe hinter ihnen, wenn sie fallen. Ich bin ihr Fels in der Brandung. Diese Sicherheit hatte ich in meiner Kindheit leider nicht.
… Spiritualität hat mich gerettet
Durch mein Leben musste ich durch, was blieb mir anderes übrig. „Gespräch mit Gott“ entstand aus einem Suizid-Versuch, der Gott sei Dank nicht geklappt hat. Dort stand jemand, der mir gesagt hat: es ist noch nicht deine Zeit. Du hast drei Leben in eines gepackt, das hast du so entschieden und das lebst du gefälligst. Ich habe heute einfach eine andere Reife. Du wirst im Leben geprägt.Was du damit machst, hast nur du selbst als Mensch in der Hand. Du kannst sagen: Warum passiert nur mir das, ich will das alles nicht. Alles so schrecklich. Ich selbst habe auf der Straße gelebt, wurde halb tot geschlagen, meine Mama war Alkoholikerin. Alles ganz furchtbar – aber am Ende war es mein Weg. Aufstehen ist das Wichtige. Und weiter gehen. Und anerkennen, dass weder Vater noch Mutter schuldig sind.
… verzeihen können ist das Allerwichtigste
Ich bin sehr spirituell und ich glaube daran tatsächlich: Als ich noch nicht geboren war und mir mein Leben geplant habe da oben im Himmel, habe ich gesagt: Du wirst mein Vater, du wirst meine Mutter und du wirst genau diese Dinge mit mir tun, weil ich genau diese Dinge lernen will in diesem Leben. Es gibt kein Gut und es gibt kein Schlecht in diesem Leben, es gibt einen Lernprozess. Wenn man das verstanden hat, dann kann man jedem Menschen, der einem irgendetwas antut, verzeihen. Und das ist das Allerwichtigste, was wir wieder lernen müssen.
… viele in unserer Branche sind unglücklich und saufen
Gerade in unserer Branche ist es oft so, dass man sich sehr oft lenken und leiten lässt. Ein Kleid angezogen bekommt, dass man eigentlich gar nicht tragen möchte. Um erfolgreich zu sein und dem Publikum zu gefallen. Das ist der Druck, den viele Künstler empfinden. Dass sie einfach noch eine Rolle spielen, die sie nicht glücklich macht. Die saufen dann heute … Es gibt ja genügend Leute in dieser Branche, die unglücklich sind. Ich habe einfach immer gesagt: ich lasse mir kein Rüschenkleid anziehen und mache einfach immer das, was ich möchte. Egal, was mein Management oder andere Verbrecher, die da um einen herum sind, gesagt haben. Am Ende stehe ich auf der Bühne und das Publikum würde es spüren, wenn ich da etwas singen würde, was ich selber gar nicht verkörpere.
Wolfgang Lippert: Ich würde gern mal das Thema Männer aufmachen …
Davon könnte ich ein Lied singen (lacht). Und heute kann ich eine richtig gute Antwort darauf geben. Eric und ich sind jetzt seit drei Jahren zusammen und sehr, sehr, sehr glücklich. Grundsätzlich ist es so: Man kriegt das, was man sucht. Ob einem das bewußt ist oder nicht. Wenn man tatsächlich irgendwo in seinem Prozess noch fest steckt, dann werden es meist die Männer, die einem nicht gut tun. Er füllt etwas, was in einem noch leer ist. Wenn man das aber selbst gefüllt hat, dann braucht man das nicht mehr. Ich glaube, das ist so die einfachste Antwort. Heute weiß ich, dass alles gefüllt ist in meinem Leben und ich keine Lücken mehr habe, die ich in Personen suche, von denen ich glaube, dass sie diese Lücken füllen können. Kein Mensch kann dich mit irgendetwas füllen. Das kannst nur du selbst machen.
Wolfgang Lippert: Kommst Du denn auch nochmal wieder zu uns, wenn Du jetzt auf der Bühne aufhörst?
Ich komme gern wieder und erzähle euch dann, was ich danach plane. Es wird sehr viel mit Spiritualität und Persönlichkeitsentwicklung zu tun haben.
Textquelle: Plan A PR, Antje Pohle (Textvorlage)

