"SCHLAGERMOVE"
smago! Event-Bericht: Hamburg lässt sich das Singen nicht verbieten – "Musik und Liebe statt Straßenkriege"!

20 Jahre „Schlagermove“ – der „Karneval des Nordens“ ist beliebter denn je! 

Im Jahr 1997 hatten Frank Klingner und Thomas Voigt die Idee, eine „schlagereske“ – Gegenveranstaltung zur damals sehr populären Berliner Loveparade zu entwerfen. Im Vordergrund sollte bei der in Hamburg geplanten Veranstaltung aber der deutsche Schlager und keine Techno-„Musik“ stehen – immerhin 50.000 Freunde des deutschen Liedguts fanden sich im August 1997 zum ersten Schlagermove ein, um die damals immerhin schon 14 Trucks zu feiern.

Die Veranstaltung wurde im Laufe der Zeit immer größer – inzwischen freuen sich alljährlich Hunderttausende von Menschen an der stets friedlich-fröhlichen Veranstaltung. Auch in diesem Jahr sollen laut Veranstalter-Angaben rund 400.000 Menschen den Schlager gefeiert haben – dem Vernehmen nach rund 100.000 mehr als im Vorjahr.

Schon mittags erklang aus den Kneipen der Hansestadt laut Schlagermusik. Gefühlt jeder zweite Passant hatte auf der Reeperbahn das typische Siebziger-Outfit an – kein Wunder, dass der Schlagermove die Bezeichnung „Karneval des Nordens“ zurecht trägt. Schon am Vorabend der eigentlichen Veranstaltung wurde auf dem Heiligengeistfeld vor ca. 2.500 Zuschauern die Warm-Up-Party mit einer Talentveranstaltung würdig begangen.

Am eigentlichen Move-Tag, dem 15. Juli, hatte der Wettergott ein Einsehen – es blieb trocken. Pünktlich um 15 Uhr startete der erste von insgesamt 45 Trucks – um Dieter Thomas Heck zu bemühen: „Startnummer 1“ war der Bild-Truck, den würdigen Abschluss bildete der „Gute-Laune-TV-Truck“, bei dem wir dankenswerterweise mitfahren durften und uns einen tollen Eindruck von dem verschaffen konnten, was den Schlagermove ausmacht. Auf 45 Trucks fanden sich Menschen im Schlager-Outfit ein, um fröhlich zu singen, tanzen und… okay, auch ein bisschen zu trinken. Schon lange bevor es losging, wurden die Partywilligen auf die Trucks gelassen – und so kam es, dass man sich schon fröhlich zuwinkte, bevor der „Move“ sich in Bewegung setzte.

Besonders bemerkenswert ist, dass sich der „Soundtrack“ des Schlagermoves dem Anschein nach über Jahrzehnte hinweg nicht verändert hat. Die Kult-Schlager der 1970er-Jahre stehen klar im Vordergrund. Was dabei besonders überrascht, ist, dass auch das junge Partyvolk bei den Liedern von Bata Illic, Michael Holm, Chris Roberts, Bernd Clüver, Jürgen Marcus und Konsorten laut und begeistert mitsingt. Allerdings müssen Herbert Grönemeyer und Reinhard Mey jetzt ganz stark sein: Deren „Mambo“ und „Über den Wolken“ (ja, auch in der Mey-Version) dienten auch zum Mitträllern. Dieses „Schicksal“ blieben (zumindest in meinem Umfeld) Udo Lindenberg und den Toten Hosen erspart.

A propos Campino… – der hat sich ja kürzlich darüber beschwert, dass Helene Fischer sich nicht politisch äußere. Die Unterstellung, Schlager sei unpolitisch, ist nicht richtig – das hat meines Erachtens der Schlagermove klar unter Beweis gestellt. Die Hansestadt Hamburg hat mit hunderttausenden friedlicher und fröhlicher Menschen nur eine Woche nach dem G20-Gipfel klar ihren eigentlichen Charakter gezeigt. Immer wieder und allgegenwärtig waren selbst gemalte Plakate sichtbar mit Inhalten wie „Musik und Liebe statt Straßenkriege“. Genau so wurde es gelebt. Allgegenwärtig waren fröhlich-singende Menschen wahrnehmbar, die einerseits sicher feierwillig waren, andrerseits aber sicher auch das Statement abgeben wollten, dass Hamburg nicht aus einem „bunten Block“ besteht und eben nicht aus dem „schwarzen Block“, der in der Woche zuvor die Stadt geradezu zerlegt hat. Und wenn auf St. Pauli laut gesungen wird: „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten – das Singen nicht und auch die Fröhlichkeit“, so ist das von erstaunlicher Aktualität…

Der Stadtstaat konnte sich eindrucksvoll als friedlicher Ort präsentieren, an dem auch Großveranstaltungen ohne größere Vorkommnisse abgehalten werden können. Das hat sicher nicht jedem gefallen – gerade leidgeplagte Anwohner hätten vielleicht lieber „ihre Ruhe“ gehabt – dennoch war dieser hochprozentig friedliche Move durchaus auch ein Statement für Freiheit, Toleranz und Nächstenliebe, dem man mehr mediale Aufmerksamkeit wünschen würde (auch bei der 21. Auflage gab es keine Horrormeldung über schlimme Zwischenfälle). Blumenketten tragende Polizisten, die freundlich lächeln, sieht man weiß Gott nicht alle Tage – zumindest mir war der Anblick neu.

Seit 1999 gehört zum Schlagermove die legendäre Aftermove-Party. Gleich in fünf Zelten wurde dem Schlager massiv gehuldigt. Das feierwütige Volk war auch hier zu Tausenden dabei. Besonders imposant war das „Kult-Schlager Bühnen Zelt“. Peter Sebastian (toller Eisbrecher!), die Gruppe Wind (in der aktuellen Besetzung mit Andreas Lebbing, Carolin Frölian, Julia Breuer), Christian Anders (, der seine Frau Birgit leider vergebens auf die Bühne bat …) und Willi Herren wurden von den Fans regelrecht abgefeiert.

Alles in allem war der Schlagermove 2017 eine mehr als gelungene Veranstaltung, der man noch eine langjährige  Zukunft wünscht. Die Veranstalter haben – offensichtlich in Zusammenarbeit mit der Stadt – die Organisation absolut im Griff und gehen verbesserungswürdige Aspekte (Stichworte Wildpinkeln, Müllberge) konstruktiv an. Es war schon bemerkenswert, dass sonntagsmittags kaum noch Spuren des Schlagermoves auf der Reeperbahn erkennbar waren.

Ein herzliches Dankeschön geht noch mal an Gute-Laune-TV für die Einladung auf deren Truck 45, bei dem eine tolle Stimmung herrschte.

http://www.schlagermove.de
http://www.schlagermove.de

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