NIK P.
„Ich war ein musikalischer Spätzünder!“ – Das große smago! Exklusiv-Interview mit Nik P. …

… anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Albums „Seelenrausch“!

 

 

 

Lieber Nik, die erste Frage bezieht sich – wenn du gestattest – auf deinen neuen Look. Wie oft bist du in letzter Zeit mit BEN ZUCKER verwechselt worden? Du siehst ja fast aus wie der Bruder von BEN ZUCKER?

(Lacht) Ist das so? Ich höre das zum ersten Mal, dass ich mit BEN ZUCKER verwechselt werde. Das habe ich noch nie gehört. Ist da wirklich eine Ähnlichkeit zu finden? (schmunzelt)

Nach langer Zeit bei Sony Music hast du nun die Plattenfirma gewechselt und bist nun bei Electrola unter Vertrag. Was war der Grund für den Wechsel?

Vor zwei Jahren war die Veröffentlichung eines neuen Albums geplant. Ich habe mit meiner alten Plattenfirma, bei der ich 15 Jahre unter Vertrag war, nicht den Konsens gefunden, wie wir das angehen können. Wir haben uns dann entschieden, getrennte Wege zu gehen. Ich habe mich nach einer anderen Plattenfirma umgesehen und da hat sich die Electrola für mich interessiert. 

Wir haben uns zusammengesetzt und eine gemeinsame Basis gefunden. Ich bin nun sehr froh, dass der Wechsel stattgefunden hat und weil ich das Team auch recht gut kenne. Ich war ja vor Sony schon fünf Jahre lang bei der Electrola. Da hatte ich damals schon zum Teil mit einigen Leuten zu tun, mit denen ich jetzt wieder zu tun habe. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.

Neu ist ja auch das Produzententeam: HENNING VERLAGE und THORSTEN BRÖTZMANN. Wie kam es dazu?

Mit THORSTEN BRÖTZMANN arbeite ich schon seit vielen Jahren zusammen und ich kenne ihn schon sehr lange. Bei fast allen Alben in den letzten Jahren hat er auch immer wieder einige Lieder produziert. Bei HENNING VERLAGE gefällt mir sein Zugang zu meinen Songs. Er hat bei meinem letzten Album „Ohne wenn und aber“ eine gute Arbeit geleistet und er hat auch den modernen Touch, der aktuell gefragt ist. Er kleidet den Schlager in ein rockig/popiges Kleid, was mir sehr gut gefällt. 

Und das war für mich der ausschlaggebende Punkt, dass ich enger mit ihm zusammenarbeiten wollte, also nicht nur für ein paar Songs. Das hat wirklich super funktioniert und der erste Song, „Wer teilt die Farben aus?“, zeigt schon, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert. Die Basis passt, die Chemie stimmt. Das ist für mich als Songschreiber und als Komponist sehr wichtig, dass ich mich Leuten zusammenarbeite, die mich verstehen, meinen Zugang zur Musik verstehen und auch mit meinen Songs umzugehen verstehen.

Könnte man im weitesten Sinne sagen, dass „Wer teilt die Farben aus?“ von der Kernaussage her so etwas ist wie der 2. Teil von „Berlin“ ist? Die Zeile „Oft fehlt der Mut. Und man vergibt die Chance, dass sich endlich etwas tut“ ist irgendwie eine Fortsetzung, wenn man so will – oder?

Als ich den Text zum ersten mal laß  habe ich daran zwar nicht gedacht, aber wo du es ansprichst – ja, man kann es gerne als Fortsetzung dieses Songs sehen, ja. Es ist schon richtig, es beschreibt ein Leben das einen Ablauf hat. Man fragt sich ja oft im Leben, warum man bestimmte Dinge nicht getan hat, die man eigentlich tun wollte. So gesehen könnte man es als „Anhängsel“ oder weiteren Teil von „Berlin“ sehen. 

Berlin“ ist ein Titel, der nicht nur mich, sondern auch viele andere Menschen immer noch zu Tränen rührt bei jedem Hören. Ausgerechnet der Song wurde nicht von dir geschrieben, wobei du normalerweise deine Songs in aller Regel ja selbst schreibst. Da ist es ja durchaus auch ein Zeichen wahrer Größe, mal einen fremden Titel zuzulassen. Es ist ein Song deiner Musiker. Wie kam es dazu, dass du den Song eingesungen hast, obwohl er nicht von dir ist?

Ich bekomme sehr viele Songs angeboten. Es gibt viele Songschreiber die meinen, dass ihre Lieder zu mir passen würden und ich sei der Richtige dafür, der diese Texte in ein musikalisches Kleid verpacken kann. Das sind wirklich viele. Ich selektiere da schon sehr stark. Für mich ist immer wichtig, dass es einen persönlichen Hintergrund gibt. Ich möchte den Menschen kennen, der hinter den Texten steckt. 

Das Lied „Berlin“ schrieb WILLI GANSTER, der bereits seit über 16 Jahren in meiner Band spielt. Wir kennen uns beide sehr gut und ich glaube zu wissen  wie er fühlt, wie er denkt, wie er tickt. Ihm nehme ich seine Texte zu 100 Prozent ab. WILLI hat ja eine Geschichte niedergeschrieben, die recht lang ging. Hätte ich den Song wie ursprünglich geschrieben genommen, dann wäre es ein Zehn-Minuten-Lied geworden.(lacht) Es war sehr viel Text, sehr viel Geschichte. Ich sagte zu WILLI, dass es eine unglaubliche Story ist aber wir müssen das kürzen. Es muss in eine Songlänge von ca. 4 Minuten gebracht werden, in der die Zuhörer die Geschichte  erzählt bekommen. 

ER hat mir sein Vertrauen geschenkt und zusammen haben wir den Text dann nochmals überarbeitet. Dieses Zusammenarbeiten ist für mich auch wichtig. Wenn mir jemand einen Text anbietet dann  muss ich daran auch arbeiten können. Ich muss dafür auch nichts bekommen, aber es ist mir wie gesagt wichtig, dass ich daran arbeiten kann und vielleicht auch etwas umtexten kann, damit es auch für mich stimmig ist. Das ist bei WILLI so und auch bei ANDREA GUTMANN, die „Wer teilt die Farben aus?“ getextet hat. Da stecken Texter dahinter, die ich nicht nur als Autoren kenne, sondern auch ein bißchen als Menschen. 

Wie hast du ANDREA GUTMANN kennen gelernt? Wie kam es zur Zusammenarbeit?

ANDREA GUTMANN bietet mir schon seit Jahren immer wieder Texte an. Sie schreibt sehr schöne niveauvolle Geschichten aus allen Facetten des Lebens. „Wer teilt die Farben aus?“ hat sie mir schon vor einigen Jahren geschickt. Der Song lag lange bei mir in der Schublade, weil ich lange Zeit irgendwie nicht die Muse hatte, zu diesem Text eine Melodie zu finden. Das geht bei mir immer so – ich mache mich irgendwann dran und wenn ich merke, es geht, arbeite ich weiter. Wenn es nicht geht, dann lasse ich es schnell wieder.

ANDREA ist ein sensibler und feinfühliger Mensch. Sie weiß genau, was sie schreibt. Bei ihr habe ich das gleiche Gefühl wie bei WILLI GANSTER, dass ich von der Gefühlsebene mit ihr auf der gleichen Ebene bin. Ich bekomme so viele Texte zugesandt, bei denen schon die ersten beiden Zeilen so klischeehaft sind, dass ich sie gleich beiseitelege. Man hört so oft Dinge, die man nicht mehr hören kann: „Ich liebe dich, du fehlst mir, wann sehen wir uns wieder“ usw. 

Nach deinem Superhit „Geboren, um dich zu lieben“ heißt es nun „Da, um zu leben“. Will dieser Titel als Hymne als das Leben oder eher als Protestsong verstanden werden? Es geht ja auch um Umweltverschmutzung?

Ich habe seit 1997, als das erste Album kam, 18 Alben veröffentlicht. Ich war ständig am Schreiben und Komponieren, um Songs abzuliefern. 2017, nach dem letzten Album, konnte ich nicht mehr und habe mir vorgenommen, mich für ein paar Jahre zurückzuziehen als Komponist und Textdichter, weil es mir zu viel wurde. Ich brauchte eine Pause. Nach diesen zwei Jahren wollte ich wieder schreiben, was ich auch getan habe – dann kam die Pandemie.

Ich habe also so viel Zeit wie nie zuvor gehabt, an Songs zu arbeiten und mich mit Themen zu beschäftigen, die früher an mir vorbeigerast sind, weil ich einfach wie ein Getriebener von einem Termin zum anderen gehetzt bin. Durch die Pandemie bekomme ich noch intensiver den je mit,  was weltweit abgeht. Zu sehen, wie mit Menschen in Nordkorea, in Weißrußland und vielen anderen Ländern umgegangen wird ist schockierend und erschreckend zugleich. Oder was bei DONALD TRUMP in Amerika passiert ist, dieser Sturm auf das Weiße Haus. Das Thema mit dem Klimawandel. Was auf der ganzen Welt abgeht ist teilweise schon krass.Seinen Platz in der Welt zu finden ist schwer. Manche sehen sich als Herscher über alles und wollen ihre Regentschaft mit allen Mitteln ausbauen. Auch diese Rassenkonflikte in Amerika – weiße Polizisten knallen einfach schwarze Menschen ab. Das kann doch nicht sein. Vergessen denn viele, wozu wir hier sind auf dieser Welt? Das hat mich zu dem Song gebracht: „Wir sind da, um zu leben“.

Das ist natürlich textlich nicht das typische Schlagerklischee. Aber ich bin schon lange davon überzeugt, dass der typische Schlager wie wir ihn kennen, thematisch viel mehr Potenzial verträgt als wir ihm zutrauen. Themen, die wir nicht gewohnt sind im Schlager zu hören funktionieren. Ich erlebe das auch immer wieder bei meinen Konzerten, dass viele Menschen sich in diese Richtung bewegen und auch im Schlager Botschaften finden und hören wollen. 

Manche rollen den roten Teppich aus für Stars, die nicht mehr unter uns sind. Welchen Star vermisst du am meisten, den es nicht mehr gibt?

Am traurigsten war ich, als JOHN LENNON erschossen wurde. Den Tag werde ich nie vergessen, weil ich so ein großer JOHN-LENNON-Fan war, überhaupt auch die BEATLES sehr toll fand. Ich habe damals schon alle seine Lieder gekannt. Er war ein Meister seines Fachs. „Imagine“ wurde zu recht zum besten Song des Jahrtausends gewählt. Ein unglaublich starker Song. Sein Tod hat mich sehr berührt und mitgenommen. JOHN LENNON mußte auf einmal durch einen Wahnsinnigen die Welt verlassen, der ihn einfach abgeknallt hat. Unfassbar!

Auch FREDDY MERCURY, ich war und bin ein großer QUEEN-Fan! Man bekam natürlich mit, dass es ihm nicht gut geht. Und bald mal kam die Meldung dass er verstorben ist. Das war auch so ein Tag, an dem ich sehr traurig war, weil dieser Mensch so früh aus dem Leben geschieden ist. Er hatte ein unglaublich großes Talent Musik zu schreiben und zu performen. 

Du vermisst manchmal den Anspruch an die Songtexte vermisst. Fallen dir dennoch auf Anhieb der Schlagertexte ein, die du gut findest und die nicht aus deiner Feder sind? Fallen dir dennoch aktuelle Texte ein, die du auch gerne geschrieben hättest und gut findest?

Es gibt schon sehr geile Songs, die im Schlager stattfinden und Potenzial haben. MAITE KELLY macht sehr schöne Schlager, die mir gefallen. Auch außerhalb des Schlagers gibt es da tolle Leute. MARK FORSTER schreibt ganz tolle Songs, tolle Texte. Spontan fällt mir auf die Schnelle aber kein Schlager ein, da müsste ich länger nachdenken.

Die Sterne stehen gut“ heißt es auf dem Album, so dass die ersten NIK P.-Fans jubeln: Der Sternenfänger ist wieder da. Stehen die Sterne gut, dass du deine Lebenstraum-Konzerte in diesem Jahr in Salzburg realisieren kannst?

Ich bin Optimist, der war ich immer schon. Aufgrund dessen, dass ich immer an das Gute glaube, auch wenn es nicht so gut aussieht bin ich guter Dinge. Ich bin überzeugt, dass wir diese Pandemie in diesem Jahr in den Griff bekommen und dass wir dieses spezielle Konzert im Salzburger Festspielhaus, auf das ich mich sehr freue, spielen werden. 

Es kann ja nur besser werden und wir sind auf einem guten Weg. Es liegt an jedem Einzelnen von uns, was wir jetzt daraus machen. Wenn wir uns alle an das halten, was die Politik von uns verlangt, dann haben wir auch die Chance, irgendwann wieder unter normalen Umständen durch die Welt zu gehen und auch wieder auf Konzerte zu gehen. Darauf freue ich mich schon sehr. Dieser Stillstand über ein Jahr nervt mittlerweile und ist lästig. Es muss weitergehen. 

Planst du auch ein symphonisches Album?

Noch nicht. Wir schauen mal, wie das Konzert funktioniert. Ich kenne zwar die Lieder, die wir konzertant aufbereitet haben und die klingen wirklich fantastisch. Ich denke, dass wir nicht schon nach dem ersten Konzert ein Album veröffentlichen werden. Aber ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren sicher eines machen werden. 

Sind schon Aktivitäten zum 25-jährigen Tonträgerjubiläum im kommenden Jahr geplant und spruchreif?

Bislang haben wir noch nichts Großartiges geplant, weil wir uns erst mal auf das neue Album konzentriert haben. Wir wissen natürlich, dass es bald kommt und wir müssen uns in der Tat darüber langsam Gedanken machen. Es gibt ja zwei Dinge zu feiern – 25 Jahre NIK P. und meinen 60. Geburtstag. Das ist schon heftig (lacht). Wir werden sicherlich feiern – nur wie, wissen wir noch nicht.

Du warst ja ein musikalischer Spätzünder, wenn man so will?

Wenn man so will, ja. Ich habe mit 35 Jahren mein erstes Album veröffentlicht. Bis dahin habe ich mit Freunden Musik gemacht. Hin und wieder habe ich bei Castingshows mitgemacht, um die Chance zu bekommen, mal ein Lied von mir zu veröffentlichen. „Du bist für mich das Leben“ habe ich z. B. schon mit 19 Jahren bei der Bundeswehr geschrieben. Es hat zu meiner ersten Songveröffentlichung lange gedauert, da bin ich in der Tat ein Spätzünder. Vielleicht fühle ich mich deshalb jetzt noch immer sehr jung und vital, weil für mich die Zeit in diesem Genre, in dem ich mich befinde, noch nicht so lang ist wie bei anderen, die schon mit 20 Jahren Riesenerfolge hatten und auch bald 60 Jahre sind. 

Foto-Credit: Christian Barz

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