KARL DALL
Karl Dall ist tot!

Er erlag im Alter von 79 Jahren den Folgen eines Schlaganfalls, den er zwölf Tage zuvor erlitten hatte!

 

 

 

„Karl Dall ist tot … aber sein Humor bleibt unsterblich …“ (Michael Niekammer)

 

 

KARL DALL ist tot. Er wurde 79 Jahre alt.

Karl Bernhard Dall (* 1. Februar 1941 in Emden, Ostfriesland; † 23. November 2020 in Lüneburg) war ein deutscher Fernsehmoderator, Sänger, Schauspieler und Komiker.

 

 

 

 

Herkunft

 

Karl Dall kam als Sohn eines Schulrektors und einer Lehrerin zur Welt. In der zehnten Klasse verließ er die Mittelschule und machte eine Ausbildung als Schriftsetzer in der Druckerei Rautenberg in Leer. Sein markantes Aussehen mit dem „hängenden“ rechten Auge war die Folge einer angeborenen Lidmuskelschwäche (Ptosis).

 

 

 

 

Karriere

 

1967 gründete er mit Ingo Insterburg, Jürgen Barz und Peter Ehlebracht die Komödiantengruppe Insterburg & Co., der er bis Ende der 1970er Jahre angehörte. Durch die Radio-Bremen-Reihe „Musikladen“ wurde das Quartett weithin populär. Nach der Auflösung von Insterburg & Co. begann Dall umgehend eine Solokarriere als Bühnenkünstler und arbeitete auch fürs Fernsehen. In der WDR-Produktion „Plattenküche“ trat er 1979 in mehreren Folgen als Kantinenkoch „Karl Toffel“ in zahlreichen Sketchen auf. In der von Kurt und Paola Felix präsentierten Sendung „Verstehen Sie Spaß?“, die im ersten Programm der ARD ausgestrahlt wurde, war er von 1983 bis 1990 unter anderem als chaotischer Filmvorführer und Spaß-Telefonierer vertreten.

Im deutschen Hörfunkprogramm von Radio Luxemburg moderierte Dall eine Blödelshow. Im regionalen Fernsehprogramm Südwest 3 hatte er beim „Brettl-Talk“ seine Form des Nonsens-Gesprächs entwickelt. Als RTLplus Ende 1984 einen Nachfolger für den zur ARD gewechselten Mike Krüger suchte, der im RTL-Vorabendprogramm ebenfalls eine Blödel-Talkshow präsentiert hatte, war Dall eine naheliegende Wahl. Am 19. Januar 1985 hatte seine Sendung „Dall-As“ Premiere; ab dem 31. August 1985 wurde sie bis Ende 1991 alle 14 Tage im Spätprogramm des Senders ausgestrahlt. Als ein Höhepunkt des Formats, dessen Konzept es war, Gäste zu irritieren und zu provozieren, gilt Dalls Spruch zu Roland Kaiser: „Na, sing schon mal, damit wir es hinter uns haben“, worauf dieser die Sendung wütend verließ. ((Wenige Ausgaben später sollte er jedoch erneut bei Karl Dall zu Gast sein …)) Die Wildecker Herzbuben nannte er „Wildecker Speckbuben“. Einen anderen Gast fragte er: „Was macht Ihr Friseur im Hauptberuf?“ Nach seinem Wechsel zu Sat.1 setzte Dall die Sendung seit dem 4. Januar 1992 dort unter dem Titel „Jux und Dallerei“ fort. Eine Klage des Fernsehsenders RTL gegen Sat.1 wegen inhaltlicher Überschneidungen wurde abgewiesen.

Ab 1991 moderierte Dall zwei Jahre lang die Sendung „Koffer Hoffer“ bei Tele 5. 1996 war er Mitglied im Anfangsensemble der von Rudi Carrell produzierten Sendung „7 Tage, 7 Köpfe“ auf RTL. Differenzen zwischen Carrell, der seine Sendungen generell mit Akribie plante, und dem spontanen Dall führten dazu, dass dieser das Ensemble 1997 wieder verließ.

Des Weiteren moderierte er bei RTL die Sendungen „Karls Kneipe“ (1997), „Die Karl Dall-Show“ (1999 – 2000) sowie bei Kabel 1 „Weißt Du noch? – Das Retro-Quiz“ (2003–2004). Mitte September 2006 erschien Dalls Autobiografie mit dem Titel „Auge zu und durch“. Im Oktober 2012 feierte Dall mit dem Ein-Mann-Theaterstück „Der Opa“ des isländischen Autors Bjarni Haukur Thorsson Premiere. Dall stand damit auch zum ersten Mal für ein Theaterstück auf der Bühne.Von Mai 2015 bis Oktober 2016 war Dall mit seinem letzten Live-Programm „Der alte Mann will noch mehr“ unterwegs, in dem er einen Querschnitt aus allen Jahrzehnten seines Schaffens zeigte.

Im September 2016 strahlte der Sender Tele 5 die zwölf Folgen umfassende Dokusoap „Old Guys on Tour (OGOT)“ aus. Innerhalb von 21 Tagen wollten vier ehemalige Showmaster (Jörg Draeger, Frederic Meisner, Björn-Hergen Schimpf, Harry Wijnvoord) den Jakobsweg gehen. Dall war der Reiseführer, Moderator und Kommentator während der mehrwöchigen TV-Wanderung.

 

 

 

Musik

 

Karl Dall nahm immer wieder Singles auf, von denen einige erfolgreich in die Hitparade einstiegen. Das Stück „Diese Scheibe ist ein Hit“ kann als Parodie auf das schnelllebige Popmusik-Geschäft verstanden werden („Diese Scheibe ist ein Hit – wann kriegt ihr das endlich mit? Diese Scheibe müsst ihr koofen, das ist ’ne Scheibe für die Doofen“). Das Stück wurde von Dall alleine eingesungen, aber unter Mitwirkung von Insterburg & Co. eingespielt.

Weitere Erfolgstitel waren „Millionen Frauen lieben mich“ (geschrieben von Erik Silvester), „Heute schütte ich mich“ zu und – in den frühen 80ern – „Der älteste Popper der Stadt“. Stilistisch sind Dalls Plattenaufnahmen überwiegend dem Genre „Blödelschlager“ zuzuordnen. Dall spricht dabei meist mehr als er singt, und er wirkt insgesamt etwas fahrig. Textlich nimmt er sich und seine Umwelt ironisch auf die Schippe, oftmals kokettiert er mit Charakteren, die sich selbst für sehr attraktiv und erfolgreich halten, in Wahrheit aber nur kleine Brötchen backen.

Eine Ausnahme war die CD „Hoppla, jetzt komm ich“, auf der Dall alte Seemanns- und Heimatlieder aus Hamburg, darunter Lieder von Hans Albers, interpretierte. Seit 2005 trat er auch wieder zusammen mit Ingo Insterburg auf.

 

 

 

Familie

 

Karl Dall war seit 1971 mit Barbara Dall verheiratet. Er hatte eine Tochter, Janina Dall, die als Stuntfrau in Kanada arbeitet, mit Jovan Nenadic verheiratet ist und aus deren Beziehung eine Enkeltochter stammt. Er hatte zwei Schwestern und einen Bruder namens Otto Dall (* 1938), der von 1988 bis 2003 Inhaber des Lehrstuhls für Technik und ihre Didaktik II an der Technischen Universität Dortmund war. Karl Dall lebte im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Er starb am 23. November 2020 an den Folgen eines Schlaganfalls, den er zwölf Tage zuvor erlitten hatte.

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