SEER
smago! CD-Kritik 'Erneut auf Hit-Kurs': die Seer überzeugen mit "Des olls is Hoamat" einmal mehr!

Die in Österreich exorbitant erfolgreiche Gruppe habt erneut ein weit überdurchschnittliches und vielseitiges Album produziert! 

Zweifellos eine der populärsten Gruppen unserer österreichischen Nachbarn sind die Seer. Vor 20 Jahren gegründet, verschafften sie sich binnen kürzester Zeit eine beachtliche Popularität. Seit 2002 haben sie nicht weniger als 17 Top-5-Alben platzieren können, wobei bislang 10 Spitzenreiterpositionen zu Buche stehen.

Nachdem die Seer im vergangenen Jahr ihr Jubiläum mit einer Best-Of-CD und einem Duettlalbum begingen, das auch im Rahmen einer TV-Show präsentiert wurde, greift die ungebrochen populäre  Gruppe nun mit einem neuen Album nach den Sternen. Schon vor zehn Jahren beschäftigte sich die Erfolgsgruppe auf ihrem Nummer-1-Album „Ein Tag“ mit der Frage, was „Heimat is…“. Das Thema ist den Seern offensichtlich nach wie vor wichtig, heißt doch der Titel des neuen Albums „Des olls is Hoamat“. Die Gruppe um Fred Jaklitsch stellt gleich mit dem Titelsong klar: „100.000 Geschichten, die mein Leben do beschreiben“ – das ist das, was den Begriff „Heimat“ ausmacht – für jeden ist der Begriff nun einmal anders belegt.

Mit „Wia der See“ führt die Gruppe diesen Gedanken fort. Wichtig ist das innige Gefühl, das man spürt – nicht der äußere Anschein, oder wie die Seer es formulieren: „Der schenste Tog braucht koa Kaiserwetter“. Erneut wird in der romantischen Ballade der treffende Vergleich der menschlichen Liebesbeziehung zur Natur (bzw. zur Heimat) gezogen.

Schon Kinder singen sehr gerne Rolf Zuckowskis Klassiker „Wie schön, dass Du geboren bist“. Die Seer haben diesen Gedanken auf eine Liebesbeziehung gemünzt und ein Lied aufgenommen, indem sie dem Schicksal danken: „A Glück“ (, dass i Dir begegnet bin).

Im Slowrock „Der letzte Abschied bis zum Wiedersehen“ geht es darum, dass das Gefühl der Heimatverbundenheit auch generationenübergreifend gleiche Gefühle auslösen kann – „am Ufer vom Bach“, an dem schon Großvater und Vater saßen, sitzt man nun selbst und genießt einerseits die Zeit, denkt andrerseits wehmütig an Eltern und Großeltern zurück.

Dass es manchmal ganz einfache Lösungsansätze gibt, davon handelt das schwungvolle Lied „Trick 17“. Der berühmte (insbesondere Wiener) Schmäh ist sprichwörtlich – genau das steckt für die Seer hinter „Trick 17“, der im Kleinen (bei Beziehungs- und Berufsproblemen) wie im Großen (z. B. in der Politik) seine Wirkung nicht verfehlt. Und da die Rede von „oanserm Schmäh“ ist, ergibt sich auch hier der heimatliche Gedanke. Allgemeiner gehalten ist hingegen das volkstümliche „Wunderboar wunderboar“ – ein Lied, in dem es erneut um die Faszination der Natur geht und das fast wie ein Liebeslied an die Natur angesehen werden kann – ein Lied, bei dem man am liebsten schuhplatteln würde…

Wer in „Weil’s wen gibt für Di“ gemeint ist, lässt das Lied offen – mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Titel ein religiös angehauchtes Lied, das darauf hinweist, dass man auch in verzweifelten Momenten eine „höhere Instanz“ gibt, die Hoffnung gibt – auch „Wassa tolwärts rinnt“.

Mit „Geht eh“ zeigen die Seer, wie ernst es ihnen mit der Naturverbundenheit ist. Spätestens beim Satz „Handy obgschalt. I geh‘ in’n Wald“ dürften einige Teenager Schnappatmung kriegen. Die Seer plädieren in dem (schön) minimalistischen heimatverbundenen Lied  für eine Entschleunigung und dafür, seine Zeit nicht ununterbrochen auf permanente Erreichbarkeit abzustellen. Denn: das „geht eh“.

Mit „Landflucht“ thematisieren die Seer die Konsequenzen der Entwicklung, dass immer mehr Menschen mangels Wirtschaftlichkeit ihre Bauernhöfe und ihre Landwirtschaft aufgegeben haben, um in den Städten ihr Glück zu suchen, die sich im Prinzip nichts sehnsüchtiger als ein glückliches Leben auf dem Land wünschen würden, von dem sie ja eigentlich geflohen sind.

Tiefsinnig ist auch „Das schönste Geschenk“ – vermutlich aus eigener Erfahrung wissen die Seer, dass das nur Kinder sein können, die mit ihren „strahlenden Augn“ unendlich viel mehr Glück als alle materiellen Dinge bringen können.

Nach 20 Jahren Bandgeschichte haben sich die Seer auch Gedanken um das Älterwerden gemacht und kommen zu dem klaren Schluss: „Vierzig is ka Alter“. Das gilt übrigens auch für 50, 60, 70, 80 und 90 nach Seer-Logik. „Carpe diem“ – dieser einfache lateinische Satz dürfte hinter der Idee des Songs stehen – egal wie alt man ist – „wenn ma lebt und liabt und tuat und mocht und locht“, dann ist alles gut. Der mehrstimmig gesungene Song kommt als Blues daher – traditionell instrumentiert. Sehr schön gemacht!

Leicht Country-angehaucht kommt die Ballade „Du bist die Frau“ daher, in der die Seer eine Liebe zur Frau beschreiben, die „die Mutter unserer Kinder“ ist, was klar die „intensivste Zweisamkeit“ ist – das Lied eines glücklichen Familienvaters.

Mit dem Power-Stück „Jetzt“ feiern die Seer die Kraft der Gemeinschaft, wenn sich viele zusammentun. Musikalisch ist insbesondere der Schluss richtig toll – gospelartig klingt der Song a capella wunderbar mehrstimmig aus.

„Hopfen und Malz – Gott erhalt’s“ – so könnte ein neuer Titel von Helene Fischer angesichts deren Vorliebe für den Gerstensaft lauten. Die Seer sehen es anders: „Rock’n’Roll is wia Hopfen und Malz – wia Pfeffer und Solz – darum Gott erholts“. Auch (und gerade) heimatbewusste Musikgruppen lieben also den Rock’n’Roll – kein Wunder, wenn man derart starke Sängerinnen in den eigenen Reihen hat, die das Ding rocken- eben mit dem Lied „Wir rocken des Ding“.

Wenn wir schon beim Rock’n’Roll sind, ist auch die Sünde nicht weit. Wie wir bei den Seern im rockigen „Mei Lieblingssünde“ erfahren, verzeiht der Himmel gewisse Sünden nur zu gerne. Schön ist auch die Wortschöpfung: „vergiss die Moralapostelschiene“ – die Seer-Sängerinnen wissen halt, was sie wollen – klasse!

Nach diesen Ausflügen in Rock’n’Roll-Gefilde wird es wieder Zeit für patriotische Gefühle. Eine Ode an ihr Heimatland Österreich haben die Seer mit „Unser Land“ geschrieben – fast schon im Stil einer Nationalhymne: „Vom Neusiedler- bis zum Bodensee – von der Wachau bis zum Glocknerschnee – es ist unser Lond Hoamatlond – bleibt es für a Leben lang“. Mit „Pass auf Di auf“ beweisen die Seer, dass sie auch Country-Ballade im Walzertakt beherrschen.

Im VoXXclub-Sound („Rock mi“) thematisieren die Seer die Schnellebig der Zeit, die zu schnell vergeht, oder um es mit den Worten der Gruppe zu sagen: „Zefix“.  – Mit „Überraschung“ klingt das 2017er Album der Seer aus. Augenzwinkernd geht es um Missgeschicke und unliebsame Erlebnisse, bei denen „Panier vom Schnitzel“ fliegt.

Dass die Seer in Österreich exorbitant erfolgreich sind, ist nicht unbedingt verwunderlich. Wer gleichzeitig sehr vielseitig ist und dennoch einen charakteristischen Sound hat (perfekter mehrstimmiger Satzgesang, angenehme Akkordeon und Gitarrenklänge),  hat einen individuellen Weg gefunden. Auch das thematische Spektrum ist ausgesprochen vielseitig – großes Kompliment! Gleich 19 Songs umfasst das Nachfolgealbum von „Fesch“, dem letzten regulären Studioalbum der Seer – die Kreativität kannte in den letzten zwei Jahren offensichtlich keine Grenzen.

„Des olls is Hoamat“ ist ein Album, dem man definitiv auch in Deutschland Erfolg wünschen kann, weil es von der Qualität der Produktion definitiv mit der ersten Liga der volkstümlichen und Schlagerelite mithalten kann.

smago!
http://www.ariola.de/
http://www.dieseer.at/


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