THOMAS WOITKEWITSCH
Thomas Woitkewitsch (1943-2026). Ein Nachruf.

Lesen Sie HIER den gemeinsamen Nachruf auf Thomas Woitkewitsch von SONG e.V. und Celler Schule …:

 

 

 

„Ich hab ein zärtliches Gefühl
für jede Frau, für jeden Mann
für jeden Menschen, wenn er nur
vollkommen wehrlos lieben kann.“

 

 

Vier Zeilen, die wohl zu den schönsten deutschen Liedzeilen überhaupt gehören. Geschrieben hat sie THOMAS WOITKEWITSCH. In der Nacht auf den 28. August 2026 ist unser lieber Freund und Kollege zehn Tage nach seinem 83. Geburtstag verstorben. Er war der Textdichter vieler großer Hits (u.a. „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“, „Hurra, wir leben

noch“, „Wenn man Freunde hat“) und hat außerdem legendäre TV-Formate wie Wetten, dass…?, Am laufenden Band und Bio’s Bahnhof mit aus der Taufe gehoben. Von 2003 bis 2024 war er Gastdozent in der Celler Schule. Er hat ihren Förderverein mitgegründet, saß viele Jahre im Wertungsausschuss der GEMA und war Vorstandsmitglied des Deutschen Textdichter-Verbands (heute: SONG e.V.). 2022 wurde ihm im Berliner Fernsehturm der LYRIKON. Preis für deutsche Textdichtung verliehen und 2025 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

Thomas Woitkewitsch war seit vielen Jahren krank und wusste bereits, dass es keine Aussicht mehr auf Heilung gab. Diesen Sommer war er noch einmal mit seinem Sohn in Belgien am Meer, und am Wochenende vor seinem Tod hat er noch ein Konzert seines Freundes und kreativen Partners Herman van Veen besucht. Für ihn hatte Thomas fast alle deutschen Texte geschrieben.

Thomas Woitkewitsch hinterlässt seine Ehefrau Renate, seine Kinder Laura und Till sowie zwei Enkelkinder.

Biographie

 

„Thomas Woitkewitsch hat in seinem jahrelangen Wirken eine große Bandbreite von Texten in ausgezeichneter Qualität erschaffen. Er erreichte so ein Millionenpublikum, während er selbst nur selten im Mittelpunkt einer öffentlichen Bühnen- und Medienpräsenz stand. Sein großartiges Gesamtwerk hat zum Erfolg vieler Interpretinnen und Interpreten beigetragen.“

So begründete die LYRIKON-Jury 2022 ihre Wahl. Im Berliner Fernsehturm wurde der damals 78-Jährige im Kreise seiner Kolleginnen und Kollegen mit dem Preis für deutsche Textdichtung ausgezeichnet.

Erste Karriereschritte führten den 1943 in Posen geborenen Thomas Woitkewitsch zur Bavaria. Sein Chef hieß Dr. Alfred Biolek. Mit ihm startete Thomas einige der interessantesten Abenteuer der Fernsehgeschichte, beginnend mit einer Anthologie über die holländische Kleinkunst, bei der sie auch Herman van Veen entdeckten und nach Deutschland holten. Kurz darauf Bio’s Bahnhof. Wer sich an diese Sendung erinnert, der erinnert sich an die Bandbreite, die da musikalisch abgeliefert wurde: Da sangen Udo Lindenberg und Nana Mouskouri im Duett, eine 14-jährige Anke Engelke trat neben Karlheinz Stockhausen auf, Sting spielte zum ersten Mal im deutschen Fernsehen, und Kate Bush hatte ihren ersten TV-Auftritt überhaupt. Hinzu kam Experimentelles, Rauhes, Unerwartetes. Sammy Davis junior bezeichnete Bio’s Bahnhof als die außergewöhnlichste und am wunderbarsten gemischte Fernsehshow, in der er jemals die Ehre hatte, aufzutreten. Bio und Woitkewitsch holten gemeinsam auch Monty Python´s Flying Circus nach Deutschland! Thomas ist in einigen Folgen dieser Serie sogar zu sehen und zu hören. Der Holzfäller-Song, unten links kniend. Auch das war Woitkewitsch.

Überhaupt, das Fernsehen: Thomas Woitkewitsch half dabei, Shows aus der Taufe zu heben, die heute noch legendär sind. Er übernahm die Redaktion und/oder schrieb Drehbücher, zum Beispiel für die Grand-Prix-Vorentscheidungen mit Hape Kerkeling. Oder für die herrlich anarchische Plattenküche im WDR mit Helga Feddersen und Frank Zander. Er hob Wetten dass…? mit aus der Taufe als Autor und Redakteur. Und dann natürlich Am laufenden Band, die TV-Show der 70er Jahre. Alles das trug Woitkewitschs Handschrift. Sogar der damals 10-jährigen Andrea Jürgens, dem erfolgreichsten weiblichen Kinderstar Deutschlands, verhalf er zu ihrem TV-Debüt. Alfred Biolek kommentierte: Wandler zwischen Kunst und Kitsch, das ist Thomas Woitkewitsch.

Last but not least: Thomas Woitkewitsch als Textdichter! Für Milva: „Zusammenleben“, „Ich hab keine Angst“, „Hurra, wir leben noch“ und alle weiteren Hits, die die Künstlerin in Deutschland groß gemacht haben. Für Herman van Veen: „Ich hab ein zärtliches Gefühl“, „Kleiner Fratz“ (auf dem Kinderrad), „Warum bin ich so fröhlich“ – kurz: alle Hits, die den Künstler in Deutschland groß gemacht haben. Thomas Woitkewitsch schrieb für Dalida und Harald Juhnke, für Bianca und Florian Silbereisen, für Mary & Gordy und die Höhner, für Fortenbacher und Mathieu. Für Caterina Valente, Joy Fleming, Gianni Morandi und Edo Zanki den wunderschönen deutschen Text: „Wenn man Freunde hat“. Und natürlich: Rudi Carrell! „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ ist von Woitkewitsch. Fast ALLE Carrell-Texte sind von Woitkewitsch. „Goethe war gut“- aber Woitkewitsch konnte ihm wohl das Wasser reichen.

Spannend übrigens ist die Geschichte, wie Thomas Woitkewitsch überhaupt dazu kam, Textdichter zu werden. Alfred Biolek und er entdeckten also Herman van Veen und wollten ihn nach Deutschland holen. Allein, es fehlten deutsche Texte.

„Die machst du“, sagte Biolek.

„Ich?“, fragte Woitkewitsch, „ich hab so was noch nie gemacht.“

„Aber“, sagte Biolek, „immer wenn eine Sekretärin Geburtstag hat, schreibst du so herrliche Vierzeiler. Du kannst auch das.“

Bio sollte Recht behalten.

 

 

Lieber Thomas!

Du warst einer der gütigsten, liebenswertesten und bescheidensten Kollegen überhaupt. Als solcher wird man Dich nie vergessen. Du hast uns – den Kolleginnen und Kollegen, dem Nachwuchs, den Freundinnen und Freunden und auch dem GEMA-Team – so viel gegeben und so viel bedeutet! Wir glauben, dass Du das wusstest.

Wenn man Freunde hat – die hattest Du, und sie bleiben Deine Freunde.

Irgendwann trifft man sich wieder…

 

Deine Freundinnen und Freunde von SONG e.V. – Berufsverband Songwriting und

Celler Schule

 

Foto-Credit: Manuel Vescoli / Cineworx
Textquelle: Tobias Reitz

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