THOMAS WOITKEWITSCH
Thomas Woitkewitsch ist tot: Ein Großer der deutschen Unterhaltung ist gegangen!

Textdichter („Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“), Showautor und kreativer Kopf hinter unzähligen Erfolgen!

 

 

 

Es gibt Menschen, die stehen jahrzehntelang im Rampenlicht.

Und es gibt Menschen, die dafür sorgen, dass andere dort glänzen können.

THOMAS WOITKEWITSCH gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.

Am 31. August 2026 ist der bedeutende deutsche Textdichter, Showautor, Übersetzer und Produzent im Alter von 83 Jahren gestorben. Er selbst stand nur selten im Mittelpunkt. Seine Arbeit dagegen erreichte ein Millionenpublikum.

Mit Thomas Woitkewitsch verliert die deutsche Unterhaltung einen ihrer großen kreativen Köpfe.

Einen Mann, dessen Name vielleicht nicht jedem Fernsehzuschauer und Musikfan geläufig war – dessen Texte, Sendungen und Ideen aber über Jahrzehnte zum kollektiven Gedächtnis der deutschen Unterhaltung gehörten.

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“

 

Wenn es ein Lied gibt, das untrennbar mit Thomas Woitkewitsch verbunden ist, dann ist es wohl „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“, gesungen von Rudi Carrell. Der Titel wurde zum Evergreen. Und er steht beispielhaft für Woitkewitschs besondere Fähigkeit: Er konnte Texte schreiben, die leicht und selbstverständlich wirkten – und gerade deshalb im Gedächtnis blieben.

Doch „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ war nur einer von zahlreichen Höhepunkten seines Schaffens. Woitkewitsch schrieb unter anderem für Rudi Carrell, Herman van Veen, Milva, Harald Juhnke, Caterina Valente, Tim Fischer, Joy Fleming, Florian Silbereisen und viele weitere Künstlerinnen und Künstler.

Zu seinen bekannten Arbeiten gehören auch „Goethe war gut“, „Mein Dorf“, „Ich hab ein zärtliches Gefühl“, „Kleiner Fratz“, „Zusammenleben“, „Hurra, wir leben noch“ und seine deutsche Fassung von „My Way“ für Harald Juhnke.

Die GEMA und der Deutsche Textdichter-Verband würdigten ihn 2022 deshalb mit dem LYRIKON, dem Preis für deutsche Textdichterinnen und Textdichter.

Die Auszeichnung würdigte einen Mann, der über viele Jahre eine große Bandbreite an Texten in ausgezeichneter Qualität geschaffen und damit ein Millionenpublikum erreicht hatte, obwohl er selbst nur selten im Mittelpunkt der öffentlichen Bühnen- und Medienpräsenz stand.

Ein Mann hinter den Kulissen

Seine Karriere begann beim Fernsehen.

Woitkewitsch arbeitete beim WDR und war für die Shows von Rudi Carrell verantwortlich. Gemeinsam mit Alfred Biolek entdeckte er in den Niederlanden den damals in Deutschland noch weitgehend unbekannten Herman van Veen. Zunächst übertrug Woitkewitsch dessen Lieder ins Deutsche. Daraus entstand eine der wichtigsten künstlerischen Verbindungen seines Lebens. Er wurde zum Stammtexter van Veens und schrieb zahlreiche deutsche Texte für den niederländischen Künstler. „Ich hab ein zärtliches Gefühl“ gehört zu den bekanntesten Ergebnissen dieser Zusammenarbeit.

Doch Woitkewitsch war weit mehr als ein Lied-Texter. Er schrieb Drehbücher und Texte für Fernsehsendungen, arbeitete als Redakteur und Produzent und war unter anderem an „Am laufenden Band“, „Bio’s Bahnhof“, „Plattenküche“ und „Wetten, dass ..?“ beteiligt.

Auch „Wetten, dass..?“ gehörte zu seiner Geschichte

 

Bei „Wetten, dass..?“ war Thomas Woitkewitsch von Beginn an dabei.

Frank Elstner hatte seinen Namen im Abspann von „Am laufenden Band“ entdeckt. Woitkewitsch wurde Teil des Gründungsteams und arbeitete in den ersten elf Jahren als Autor, Wettentester und redaktioneller Berater für die Sendung.

Damit war er an einer der erfolgreichsten Unterhaltungssendungen beteiligt, die das deutsche Fernsehen hervorgebracht hat.

Und wieder war er einer der Menschen, die nicht unbedingt vor der Kamera standen – aber dafür sorgten, dass vor der Kamera etwas funktionierte.

Vom Fernsehen zum Liedtext – und wieder zurück

 

Woitkewitschs Talent ließ sich nie auf eine einzige Disziplin reduzieren.

Er schrieb Liedtexte.

Er schrieb für Fernsehshows.

Er übersetzte Musicals aus dem Englischen ins Deutsche.

Er produzierte.

Er redigierte.

Und er verstand Unterhaltung als Gesamtkunstwerk.

Seine Partner und Weggefährten hießen unter anderem Alfred Biolek, Rudi Carrell, Herman van Veen, Milva und Frank Elstner. Die Liste seiner künstlerischen Begegnungen liest sich wie ein Stück deutscher Unterhaltungsgeschichte.

Geboren wurde Thomas Woitkewitsch am 18. August 1943 in Posen. Er wuchs in Hamburg auf und studierte in München Zeitungswissenschaften, Germanistik und Psychologie, ohne das Studium abzuschließen.

Sein eigentliches Studium begann ohnehin dort, wo man keine Abschlussprüfung ablegen kann: im wirklichen Leben.

Ein Lehrer und Lehrmeister für die nächste Generation

 

Besonders bemerkenswert ist, dass Woitkewitsch sein Wissen nicht für sich behielt.

Über viele Jahre war er Gastdozent der Celler Schule, einer von der GEMA-Stiftung geförderten Institution zur Förderung des deutschen Textdichter-Nachwuchses. Dort gab er seine Erfahrung an junge Songtexterinnen und Songtexter weiter.

Das passt zu dem Bild, das Kollegen von ihm zeichneten:

Thomas Woitkewitsch war kein Selbstdarsteller.

Er war ein Ermöglicher.

„Ich komme mir vor wie ein Nobelpreisträger“

 

Als er 2022 mit dem LYRIKON ausgezeichnet wurde, zeigte sich auch eine andere Seite dieses zurückhaltenden Mannes.

Die Auszeichnung habe ihn „ganz aus dem Häuschen“ gebracht, sagte Woitkewitsch damals. Er komme sich „wie ein Nobelpreisträger“ vor.

Und er bedankte sich vor allem bei den Interpretinnen und Interpreten seiner Lieder, die dafür gesorgt hätten, dass seine Texte die Ohren und Herzen vieler Musikfans erreichten.

Das ist vielleicht eine der schönsten Beschreibungen dessen, was einen guten Textdichter ausmacht:

Er schreibt die Worte.

Ein anderer singt sie.

Und irgendwann gehören sie allen.

Ein Lebenswerk, das bleibt

 

Im Dezember 2025 wurde Thomas Woitkewitsch zudem mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet.

Es war eine späte, aber eindrucksvolle Würdigung eines Lebenswerks, das sich nicht auf einen einzelnen Hit reduzieren lässt.

Denn Woitkewitsch war nicht nur der Mann hinter „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“.

Er war ein Stück Fernsehgeschichte.

Ein Stück Liedgeschichte.

Ein Übersetzer zwischen Kulturen.

Ein Mentor für junge Textdichter.

Und ein kreativer Kopf, der über Jahrzehnte hinweg dafür sorgte, dass Unterhaltung funktionierte.

Einer der Leisen

 

Vielleicht wird Thomas Woitkewitsch gerade deshalb besonders fehlen.

Er war keiner der Lauten.

Er musste sich nicht selbst zum Star erklären.

Sein Werk sprach für ihn.

Millionen Menschen haben seine Texte gehört, seine Sendungen gesehen, über seine Ideen gelacht oder sich von seinen Zeilen berühren lassen – oftmals ohne zu wissen, wer hinter ihnen stand.

Das ist vielleicht die besondere Kunst eines Textdichters:

Man selbst bleibt im Hintergrund – und die eigenen Worte bleiben.

Thomas Woitkewitsch hat uns sehr viele Worte hinterlassen.

Worte, die gesungen wurden.

Worte, die im Fernsehen gesprochen wurden.

Worte, die Menschen zum Lachen brachten.

Und Worte, die Menschen berührten.

Sein Name mag vielen nicht täglich präsent gewesen sein.

Seine Arbeit war es.

Und sie wird es bleiben.

Danke, Thomas Woitkewitsch.

Für die Lieder.

Für das Fernsehen.

Für die Geschichten.

Für die Ideen.

Und für eine Lebensleistung, die zeigt, dass man nicht im Mittelpunkt stehen muss, um eine ganze Unterhaltungskultur mitzuprägen.

Mach’s gut.

Und wenn es irgendwann wieder einmal heißt:

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“

dann wird auch ein Stück Thomas Woitkewitsch wieder da sein.

 

 

 

Lesen Sie HIER den Artikel „Thomas Woitkewitsch erhält den LYRIKON 2022!“.

Und HIER finden Sie einen großartigen Nachruf von „Schlagerprofi“ Stephan Imming (www.schlagerprofis.de).

Textquelle: smago!

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