GORDY
Ein Gedenkort im Donaupark Tuttlingen!

Und: Vom Donaupark in die Ohren der Fans –GORDYs Songs kehren zurück!

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Höhepunkt seiner Popularität erhält REINER KOHLER alias GORDY BLANCHE in seiner Heimatstadt Tuttlingen einen dauerhaften Erinnerungsort. Im Donaupark Tuttlingen entsteht eine gestaltete Gedenkfläche, die nicht nur an den Künstler erinnert, sondern auch an sein Vermächtnis als Travestie-Pionier und Wegbereiter für Sichtbarkeit und Toleranz.

Parallel dazu werden drei Titel aus seinem 1990 erstmals erschienenen Album „Ein neues Leben“ neu veröffentlicht – remastered und damit klanglich behutsam in die Gegenwart geholt. Die Wiederveröffentlichung rückt eine Facette in den Fokus, die neben der schillernden Bühnenfigur oft übersehen wurde: den Chansonnier, Erzähler und gesellschaftlich wachen Beobachter.

Ein Ort der Verwandlung – passend zur Kunstfigur

Der neue Gedenkort entsteht auf einer Anhöhe mit Blick auf die Donau – bewusst gewählt als Platz der Ruhe und Reflexion. Im Zentrum steht künftig die Skulptur „Was für ein Zirkus im Glück“, die selbst eine Transformation durchläuft: vom Flussobjekt hin zu einem festen Bestandteil des Parks. Dieses Motiv des Wandels spiegelt Gordys künstlerisches Prinzip wider.

Als Teil des legendären Duos „MARY & GORDY“ – gemeinsam mit GEORG PREUßE alias MARY MORGAN – zelebrierte er das Spiel mit Identitäten lange bevor Diversität ein selbstverständlicher Bestandteil gesellschaftlicher Debatten war. Die Bühne war sein Raum der Metamorphose; der neue Platz im Donaupark wird nun zum Raum des Erinnerns.

Die drei Songs – Zwischen Unterhaltung und Haltung

1. „Schließ mich in dein Lächeln ein“ (Remastered)

Musikalisch bewegt sich der Titel im Easy-Listening-Bereich mit deutlicher Cha-Cha-Cha-Anmutung – eine bewusste Anknüpfung an die Tradition großer Entertainer. Die Komposition von ANTON AASENER, getextet von REINER KOHLER selbst, ist kommerziell zugänglich, ohne banal zu wirken.

Inhaltlich zeigt sich GORDY hier verletzlich. Die Selbstbeschreibung „kein Mann der großen Tat“ positioniert das lyrische Ich als Durchschnittsmensch in einer komplexen, von Geld dominierten Welt. Die Zeile „Ein Lächeln ist doch stärker als ein Spiel“ fungiert als programmatische Pointe: Freundlichkeit als subversive Kraft.

Das Lächeln wird zum Gegenentwurf zu Zynismus und Aggression, was ein humanistischer Reflex in einer als bedrohlich empfundenen Realität ist. Hinter der beschwingten Tanzrhythmik liegt damit eine leise Gesellschaftskritik. Genau dieses Spannungsverhältnis zwischen leichter Form und ernstem Kern war typisch für GORDYs Bühnenarbeit.

2. „Ich wär so gern ein Clown“ (Remastered)

Dieser Titel arbeitet stärker mit autobiografischen Untertönen. Der Clown erscheint als Projektionsfigur: geliebt, poetisch, humorvoll, er ist aber zugleich melancholisch. Die Referenz an den „dummen August“ verweist bewusst auf die Tradition des Zirkusclowns, der Komik und Tragik vereint.

Musikalisch strukturiert ein Saxophon-Solo den Song und verstärkt den nostalgischen Charakter. Der Text reflektiert ein Spannungsfeld zwischen Bewunderung und unerfülltem Traum. „Als Kind, da schien das alles leicht – doch es hat leider nicht gereicht“: Hier klingt Resignation an, ohne Bitterkeit.

Bemerkenswert ist die Metaebene: Der Clown hält dem Publikum den Spiegel vor – eine Tätigkeit, die auch GORDY als Travestie-Künstler ausübte. Unterhaltung war bei ihm stets gekoppelt an Beobachtung und subtile Kritik. Der Song lässt sich daher auch als Selbstporträt lesen: Der Künstler als Grenzgänger zwischen Maske und Authentizität.

3. „Lichter in der großen Stadt“

Der wohl gesellschaftlich deutlichste der drei Titel. „Sie leben im Verborgenen – abseits der lauten Welt“ eröffnet ein Szenario urbaner Einsamkeit. Der Refrain – „Lichter in der großen Stadt, die machen keinen Menschen satt“ – dekonstruiert die Illusion urbaner Glitzerwelten.

Hier verlässt GORDY das Terrain der persönlichen Sehnsucht und wendet sich sozialer Beobachtung zu: Alter, Vergänglichkeit, Isolation. Die wiederkehrende Bildsprache des Zimmers, der Bilder an der Wand und des Alleinseins erzeugt eine beklemmende Statik.

Ein E-Gitarren-Solo bricht diese Stille musikalisch auf, ohne den melancholischen Grundton aufzulösen. Der Song wirkt wie ein stiller Kommentar zu gesellschaftlichen Randexistenzen – möglicherweise auch ein Echo auf Erfahrungen, die queere Künstlerinnen und Künstler in früheren Jahrzehnten selbst machten.

Wiederveröffentlichung als kulturelle Einordnung

Die Neuauflage der drei Titel stellt GORDY BLANCHE als ernstzunehmenden Liedermacher neben die schillernde Bühnenfigur. Vielen bleibt er vor allem durch „So leb dein Leben“ in Erinnerung – seine deutsche Version von Sinatras „My Way“, die jede Show beschloss. Doch „Ein neues Leben“ dokumentiert eine andere Seite: die introspektive, gesellschaftlich reflektierende.

Mit dem Gedenkort im Donaupark und der musikalischen Wiederveröffentlichung wird ein künstlerisches Gesamtbild sichtbar: Entertainer, Grenzgänger, Beobachter. Ein Mann, der Verwandlung zur Kunstform machte – und dessen Lieder auch heute noch eine bemerkenswerte Aktualität besitzen.

Der neue Erinnerungsort schafft einen physischen Ankerpunkt in Tuttlingen. Die remasterten Songs liefern den emotionalen Resonanzraum dazu. Zusammen erzählen sie die Geschichte eines Künstlers, der seiner Zeit in vielem voraus war – und dessen Botschaften von Empathie, Mut und Menschlichkeit weiterklingen.

 

 

Textquelle: WESPO (Textvorlage)

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