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Musik beeinflusst Emotionen: Woran liegt das eigentlich?

Musik geht vom Ohr ins Hirn +++ Spaß und Spannung durch Musik und einzelne Töne +++ Musik als Schlüssel zum Gedächtnis +++ Mit der Musik mitgehen +++ Emotionale Effekte von Musik nutzen +++

 

 

 

Stimmungsvolle Hintergrundmusik bei einem Date, die perfekte Playlist zu Hochzeit und Geburtstag – Musik begleitet unser Leben in wichtigen Momenten. Welcher Song lief bei den ersten Wehen im Radio und welche Melodie steht für den Abiballs 1995? Die Rhythmen unseres Lebens haben sich in unser Hirn gebrannt.

Die Macht der Musik entfaltet sich innerhalb weniger Sekunden und doch verschwenden wir kaum einen Gedanken an diese Prozesse. Wie entsteht der Soundtrack unseres Lebens? Wie werden aus Musik auf einmal Emotionen, wenn ein bestimmtes Lied läuft?

Musik geht vom Ohr ins Hirn

Musikerfahrungen, etwa das Intro einer Kinderserie oder Orgelklänge auf einer Beerdigung, verknüpfen sich stabil mit unseren Erinnerungen. Sie wirken auf dieser Ebene wie ein Türöffner in längst vergangene Zeiten.

Die Bilder vor unserem inneren Auge kommen jedoch nicht allein, sie haben zumeist greifbare Erinnerungen an die dazugehörigen Emotionen im Gepäck. Gefühle kochen auf. Es entsteht eine Erwartungshaltung, die sich beinahe ungebremst auf die aktuelle Situation projiziert. Auch dann, wenn wir weder bewusst auf die Melodien in unserer Umgebung lauschen, noch sagen können, wo wir ein Stück schon einmal gehört haben.

Spaß und Spannung durch Musik und einzelne Töne

Grundsätzlich benötigt es nicht einmal ganze Melodien, um derartige Reaktionen zu triggern. Jahrelange Musikerfahrung lehrt uns, Tonabfall oder Anstieg vorwegnehmend zu deuten. Wird die gewohnte Deutung nicht sofort bestätigt, reagiert unser Gehirn mit Aufmerksamkeit – Spannung entsteht. Wir sind wach und ganz bei der Sache.

Ein Effekt, den wir beinahe täglich erleben – sei es, während wir Filme schauen oder uns die Spielwelten von Videospielen wagen. Die Hintergrundmusik ist zwar oft subtil, kann aber unsere Stimmung entscheidend beeinflussen. Würde man einen Horrorfilm ohne Filmmusik schauen, wären die Schocker meist gar nicht mehr so dramatisch.

Teilweise sind es auch nur einzelne Sound-Effekte, die uns besonders triggern. Man stelle sich vor, dass man das entscheidende Tor beim Fußballspiel EA FC 25 schießt. Dann möchte man auch, dass die Fans jubeln und die Torhymne im Hintergrund erklingt. Diese Verbindung zu einem audiovisuellen Impuls hat große Bedeutung für unsere Stimmung.

Ein ähnliches Phänomen finden wir in der Glücksspielszene. Gelingt dem Spieler ein großer Gewinn an den Slots, wird das in der Regel nicht nur von begeisterter Musik begleitet, sondern auch vom Klappern der virtuellen Münzen. Zwar möchten viele Spieler in neuen Online Casinos zocken, statt die örtliche Spielhalle aufzusuchen, aber die Sound-Effekte möchte man trotzdem hören – weil sie eben wichtig für das Gesamterlebnis sind.

Die Bedeutung von Musik geht über die Unterhaltung hinaus

Die Fähigkeit zu hören gehört zu unseren ältesten Sicherheitsmechanismen. Akustische Eindrücke können blitzschnell über das limbische System ausgewertet werden, eben dem Teil des Gehirns, der zugleich Trieben und Emotionen beherbergt.

Das Gehirn macht sich kaum jemals die Mühe, szenische Informationen über bewusste Prozesse auszuwerten. Musik ist Teil des Gesamtszenarios und greift somit direkt. Sie berührt sozusagen unser Innerstes.

Ein komplexes Zusammenspiel aus persönlicher Veranlagung, Erfahrung, kultureller Prägung und körperlichen Erregungszuständen führt augenblicklich einen Handlungsimpuls herbei.

Musik als Schlüssel zum Gedächtnis

Diese Abläufe funktionieren auch deshalb so gut, weil Musik sich wunderbar mit Gedächtnisprozessen verknüpfen lässt. Ihre rhythmischen Eigenschaften prägen sich gut ein und prognostizieren eine vorhersehbare Einordnung.

Kaum jemandem ist zum Beispiel bewusst, wie stark sich die Wahrnehmung von Zeit über das Gehör manifestiert. Stille ist Stillstand. Schnell fließende Töne hingegen suggerieren Tempo. Geschickte Wechsel und gut gesetzte Übergänge spielen mit diesem Erleben. Sie lassen den Hörer aktiv im Hier und Jetzt sein und zugleich die Zeit vergessen.

Dennoch ist dieses Spiel nicht immer wirksam. Ein und derselbe körperliche Zustand führt nicht zu jeder Zeit und schon gar nicht bei jedem Menschen zu verlässlich immer derselben emotionalen Reaktion, aber Emotion und Haltung können sich widersprechen.

Das Wechselspiel zwischen Körper und Geist ist anfällig und gerät durch weitere situative Einflüsse nur allzu leicht ins Wanken. Wer stimmungsbildende Effekte nutzen will, muss die Zielgruppe gut kennen. So erklärt sich auch die Ablehnung, die Fans zuweilen erleben, wenn die Lieblingsband auf Live-Konzerten die Stimmung im Saal ignoriert.

Mit der Musik mitgehen

Wer die Musik jedoch greifen lässt, spürt, wie sie den Körper und dessen Funktionen direkt beeinflusst. Ähnlich, wie wir uns auf Menschen in unserer Umgebung einstellen können, beginnt unser Körper im Angesicht ausdrucksstarker Musik mitzuschwingen.

Marschmusik und basslastige Titel, aber auch schwere Blasmusik können spontan zu einem Selbstversuch herangezogen werden. Es bedarf keiner expliziten Lyrics, dem Gehirn Geschichten zu erzählen. Selbst rein instrumentale Stücke empfinden wir als ausdrucksstark und tragend.

Herzschlag und Atemfrequenz passen sich wie von selbst den erlebten Rhythmen an. Nicht selten fühlen wir uns zu Bewegung motiviert. Dieses Mitschwingen ist der erste Schritt in die geteilte Emotionen.

Der Effekt nimmt an Stärke zu, wenn Musik als verbindendes Element gemeinsam erlebt oder erinnert wird. Es kommt zu Hormonausschüttungen. Prozesse, die ihrerseits die Stimmungslage beeinflussen. Ein schöner Umstand, wenn wir an Hochzeiten denken, aber eben auch ein handliches Instrument zur Manipulation von Massen.

Emotionale Effekte von Musik nutzen

In Casinos, Restaurants und Kaufhäusern wird Musik dazu eingesetzt, eine gewisse Atmosphäre zu erzeugen. Sei es Leichtigkeit oder ein gehobener Stil. Die Wahl der Hintergrundmusik trennt das Drinnen vom Draußen, empfängt den Kunden in dem von ihm gewünschten Szenario und beschleunigt die Entscheidungsfindung.

Clemens Wöllner, Professor für Systematische Musikwissenschaft an der Universität Hamburg, erklärt sogar, dass wir im Rahmen eines Musikstücks selbst Traurigkeit und Melancholie genießen können. Sicher von unserem persönlichen Erleben getrennt durch den allzeit präsenten Play-Button.

Die Musikforschung hat selbstverständlich konkrete Namen für Strategien wie diese: Soll etwa die aktuelle Stimmung unterstrichen werden, greift das „Isoprinzip“.  „We Are the Champions“ von Queen nach einem gewonnenen Fußballspiel zu spielen, hebt den Sieg entsprechend hervor, auch wenn es nur um die Bezirksliga geht.

Dass man hingegen „Don’t Worry Be Happy“ von Bobby McFerrin nach einem miesen Vorstellungsgespräch hört, ließe sich nach dem „Kompensationsprinzip“ erklären. Die Stimmung soll sich in diesem Fall bewusst ändern.

Musik kann also ein mächtiges Tool sein, um unsere Emotionen zu beeinflussen, unsere Stimmung zu verbessern oder einfach nur den Moment intensiver zu genießen. Und der Geschmack ist dabei natürlich total individuell – wirklich faszinierend!

Foto-Credit: unplash.com / Eric Nopanen

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