KASTELRUTHER SPATZEN
Norbert Rier zum neuen Album „Hollywood in Kastelruth“: „Ich möchte nicht aufhören!“!
Der Kastelruther Spatzen Sänger im ausführlichen: Interview: Über seine Gesundheit, die Kraft seiner Familie und seine Zukunft mit den Spatzen!
Nach seiner Herz-Operation blickt Norbert Rier mit neuer Dankbarkeit auf sein Leben. Im Interview spricht der Sänger der KASTELRUTHER SPATZEN über die Kraft seiner Familie, 43 Jahre Ehe, das 40. Spatzenfest und das neue Album „Hollywood in Kastelruth“. Aufhören möchte er noch lange nicht – auch wenn er lernen muss, kürzerzutreten.
Lieber Norbert Rier, wie geht es Ihnen nach dem schwierigen Jahr und Ihrer Herz-Operation?
Ich bin recht zufrieden. Den Umständen entsprechend geht es mir gut. Die vergangenen Monate waren schwer. Ich hatte im Juli 2025 einen kleinen Schlaganfall und musste eine neue Herzklappe bekommen. Die Kontrollen verlaufen aber sehr gut. Ich muss einmal im Jahr zur Untersuchung und bin gut auf die Medikamente eingestellt. Wichtig ist natürlich, dass ich mich bei anstrengenden Arbeiten noch etwas zurückhalte, wirklich alles langsamer angehe und mich mehr schone. Das haben mir die Ärzte dringend ans Herz gelegt, und daran sollte ich mich dieses Mal auch halten.
Was hat Ihnen geholfen, wieder auf die Beine zu kommen?
Vor allem die Liebe meiner Familie, meiner Frau Isabella. Mit den Enkelkindern konnte ich viel lachen. Wir haben zusammen gespielt, das hat mich abgelenkt und mir gutgetan. Aber auch meine Geschwister, die Kollegen von der Band und alle Menschen, die hinter mir standen und sich Sorgen gemacht haben, haben mir Kraft gegeben – genauso wie meine Musik. Musik ist die allerbeste Medizin. Es waren all diese schönen Momente, auch Kleinigkeiten, die dazu beigetragen haben, dass ich mich gut erholen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar.
Wie schwer war es für Sie, nach dieser Zeit wieder in Bühnenform zu kommen?
Es war eine sehr anstrengende Zeit. Ich habe sicher zehn bis 15 Kilo abgenommen, aber das schadet mir nicht. Ich versuche jetzt, mein Gewicht zu halten, trinke überhaupt keinen Alkohol mehr und esse abends nicht mehr viel. Dazu kommt die Bewegung bei der Arbeit oder auch zu Hause. Vielleicht sollte ich jeden Tag noch ein paar Schritte mehr gehen. Das mache ich leider noch zu wenig.
Sie treten ja auch wieder auf, das Spatzenfest steht vor der Tür. Inwieweit sind Sie noch eingeschränkt?
Ich freue mich sehr auf das Spatzenfest und auf unsere Fans. Ich bin schon noch etwas eingeschränkt und muss auf dem Hof bei den schweren Arbeiten vorsichtiger sein. So extrem anzupacken wie vor der Operation, geht noch nicht. Auch bei den Begegnungen mit den Fans muss ich mich noch ein wenig zurückhalten. Nach dem Konzert übernehmen deshalb die Kollegen die Fotos und Autogramme. Ich mache das sonst immer sehr gerne, aber meine Ärzte haben mir geraten, mich in der nächsten Zeit noch nicht voll zu verausgaben.
Hat diese Erfahrung Ihren Blick auf das Leben verändert – auch im Hinblick auf Ihre Familie?
Ja, ich habe mir vorgenommen, mir künftig mehr Zeit für die Familie zu nehmen und mehr zu entspannen. Das dann am Ende auch umzusetzen, ist ein bisschen schwieriger, denn ich habe ja nun mal meine Verpflichtungen. So ganz kann ich noch nicht loslassen. Darin muss ich noch besser werden.
Meinen Sie damit auch die Arbeit auf Ihrem Hof?
Ja, obwohl mein Sohn Alexander den Hof schon seit dem vergangenen Frühjahr übernommen hat. Aber natürlich helfe ich da gerne mit. Ich versuche, ihn so gut ich kann zu unterstützen. Aber auch da muss ich versuchen, etwas Abstand zu bekommen.
Was fällt Ihnen am schwersten, loszulassen?
Es sind meist die Dinge, die ich immer gemacht habe – sei es das Mähen oder die Arbeit mit den Tieren. Die Jungen machen das eben ein bisschen anders. Das muss ich zur Kenntnis nehmen und so akzeptieren.
2026 ist ein besonderes Jahr. Sie feiern mit der Band und den Fans „40 Jahre Spatzenfest“. Was bedeutet dieses Jubiläum und diese Tradition für Sie persönlich?
Es hat damals ganz klein angefangen und ist über die 40 Jahre zu einer wunderschönen Tradition geworden. Für uns ist dieses Jubiläum etwas Besonderes – auch wenn das Fest wie jedes andere ablaufen soll. Wir hoffen, dass es den Leuten wieder gut gefallen wird und sie eine schöne Zeit bei uns in Kastelruth haben. Das Fest an sich ist für uns jedes Mal eine enorme Herausforderung. Wir spielen mehrere Konzerte, dazwischen gibt es die Begegnungen mit den Fans. Das ist ein großes Programm. Ich möchte natürlich allen gerecht werden, aber ich werde mich dieses Mal zwischendurch zurückziehen. Meine Gesundheit steht nun mal an erster Stelle.
Was wünschen Sie sich, dass die Menschen nach einem Spatzenfest-Abend mit nach Hause nehmen?
Ich würde mir wünschen, dass sie zufrieden sind und sich sagen: Das war ein tolles Erlebnis! Und dass sie sich schon auf das nächste Mal freuen. Sie sollen den Abend genießen und abschalten können. Das ist in der heutigen Zeit, in der alle unter Stress stehen, ganz besonders wichtig.
Die Fans dürfen sich auf zwei neue Alben freuen – ein Jubiläumsalbum zum Fest und ein neues Studioalbum. Wenn 40 Jahre Spatzen in 40 Titel passen sollen: Nach welchen Kriterien haben Sie ausgewählt?
Das war nicht so einfach, weil wir ja schon so viele Lieder haben. Es war ein Prozess, der eine Weile gedauert hat. Unsere Klassiker durften nicht fehlen. Dann sind uns immer wieder andere Lieder eingefallen, die wir auch noch gerne auf dem Album haben wollten, und dafür mussten wir andere wieder herausnehmen. Wir hoffen natürlich, dass wir einigermaßen den Geschmack des Publikums getroffen haben. Das Studioalbum hat sich leider ein bisschen verzögert, aber es wird im November auf den Markt kommen.
Welcher Titel auf dem Jubiläumsalbum liegt Ihnen besonders am Herzen?
Grundsätzlich mag ich ja am liebsten die ruhigen Lieder, die Balladen. „Ein Leben lang“ ist nach wie vor eines meiner Lieblingslieder. Aber auch „Ich schwöre“ oder „Rosemarie“ gehören dazu.
Das Album ist auch ein Dankeschön an die Fans. Was macht Ihre Fans so besonders?
Die unglaubliche Treue über all die Jahre – viele Fans kennen wir seit Jahrzehnten. Sie nehmen wirklich sehr weite Fahrten und Strapazen auf sich, ganz zu schweigen von den Kosten, die damit verbunden sind. Das Leben ist für viele teuer geworden. Und trotzdem lassen sie sich das nicht nehmen, mit uns dieses Fest zu feiern. Sie genießen unsere Musik, und ich denke, das gibt den Menschen auch wieder ein bisschen Kraft. Es ist wichtig, dass man den Moment bei unserem Konzert richtig genießt und seine Sorgen in dieser Zeit vergessen kann. Professor Bankhofer hat das einmal sehr treffend so formuliert: Die Musik ist Balsam für die Seele.
Das neue Studioalbum heißt „Hollywood in Kastelruth“. Wie kamen Sie auf diesen ungewöhnlichen Titel?
Der Titel ist natürlich mit einem kleinen Augenzwinkern gemeint. Auch dieses Album ist ein Dankeschön an unsere große Fan-Familie. Man sollte bei unserer Musik ins Träumen kommen, genauso wie bei den alten Hollywood-Klassikern. Es ist immer schön, wenn man im Leben ein bisschen träumen kann. Und natürlich bieten Kastelruth und die gesamte Dolomitenregion eine atemberaubende Naturkulisse und sind absolut filmreif (lacht). Wir sind schon sehr gespannt, wie das Album ankommt.
Apropos Träumen. Wovon träumen Sie?
Nach meinen gesundheitlichen Problemen träume ich einfach davon, dass ich fit bleibe – halbwegs gesund und zufrieden. Das ist das Allerwichtigste. Und natürlich wünsche ich mir, dass es noch eine Zeit lang so gut mit den Kastelruther Spatzen läuft. Ich möchte nach wie vor mit vollem Herzen dabei sein. Dafür ist es natürlich wichtig, dass man das auch körperlich schafft. Wir sind alle im mittleren Alter. Da ist nicht mehr alles so selbstverständlich. Aber es ist einfach schön zu sehen, dass unsere Musik den Fans nach wie vor so viel gibt. Man hat das Gefühl, dass man etwas zustande gebracht, etwas geleistet hat in seinem Leben.
Viele sind zeitlebens auf der Suche nach dem Sinn …
Ja, absolut. Es ist nicht gut, wenn man das Gefühl hat, nutzlos durchs Leben zu gehen. Ich bin sehr dankbar, dass ich meine Berufung gefunden habe. Es ist wichtig, etwas Sinnvolles zu tun und gebraucht zu werden. Für viele Menschen wird das oft zum Problem, wenn sie in den Ruhestand gehen und keine Aufgabe mehr haben – und sich dadurch nutzlos vorkommen. Es gibt vieles, was man tun kann, auch ehrenamtliche Aufgaben für die Gemeinschaft. Das gibt einem das Gefühl, gebraucht zu werden.
Eines der neuen Lieder heißt „Sie will einen Südtiroler“. Welche Geschichte steckt hinter diesem Titel?
Die Geschichte dahinter ist, dass sich die Menschen immer mehr nach einem natürlichen Leben sehnen. Viele kommen zu uns aus der Stadt, wo es hektischer und anonymer ist, und lernen bei uns im Urlaub die Schönheit der Natur, die Ruhe und die entspannte Lebensart kennen und lieben. Und da kommt es schon auch mal vor, dass sich die eine oder andere Dame in den Südtiroler Skilehrer oder den Bergführer verliebt (lacht).
Ein besonderes Lied ist auch „Gegen das Vergessen“ von Albin Gross. Das Lied thematisiert den Mord an seinem Bruder, dem Manager der Band, Karl-Heinz Gross, der 1998 in Magdeburg getötet wurde. Wie kam es dazu?
Albin hat nach all den Jahren den Schmerz und die Trauer in Musik verwandelt. Was wir nie vergessen und bis heute nicht verstehen werden, ist, dass diese Tat überhaupt passieren konnte. Und es ist unglaublich, dass bis heute nicht aufgeklärt werden konnte, was damals genau geschehen ist. Trotz allem sind es Erinnerungen, die zu unserer Geschichte gehören. Mit zunehmendem Alter erinnert man sich immer mehr an bestimmte Dinge – Gott sei Dank auch an viele schöne Sachen, aber eben auch an schlimme Dinge, die man nicht einfach beiseiteschieben kann. Wir sind gespannt, wie die Leute auf das Lied reagieren. Das wird sicher sehr emotional, so viel steht fest.
Sie singen nicht nur von der heilen Welt, sondern greifen auch schwierige Themen auf. Gibt es auf dem neuen Album etwas Überraschendes?
Es gibt wieder überraschend gute Lieder (lacht). Die Fans erwarten von uns, dass wir neben der schönen Landschaft und den Bergen auch immer wieder Themen bearbeiten, die ein bisschen unter die Haut gehen, die im Leben stattfinden und zum Nachdenken anregen sollen. Und natürlich geht es immer um all die Emotionen, die uns bewegen, und um das Wichtigste im Leben: die Liebe! Bei der neuen Produktion haben wir auch Lieder dabei, in denen es um meine Gesundheit geht und darum, dass man im Leben Engel braucht, die einen beschützen.
Glauben Sie an Engel?
Ja, ich bin ein sehr gläubiger Mensch und glaube an Engel, die bei uns sind und uns beschützen. Bei meinen Operationen hatte ich viele Schutzengel an meiner Seite. Aber auch auf der Straße, wenn wir zu unseren Konzerten unterwegs sind. Man braucht sie immer – gerade wenn man viel unterwegs ist. Es gibt auch einen schönen Spruch: Fahre niemals schneller, als dein Schutzengel fliegen kann, damit er dich nicht verliert. Der Glaube versetzt Berge, heißt es, und es ist wichtig, dass man einen Glauben und ein Ziel im Leben hat. Besonders in Situationen, in denen es einem nicht so gut geht, braucht man Halt und Hoffnung – das ist ganz wichtig. Ich hatte das Ziel, wieder ganz gesund zu werden. Meine Familie, die Kinder und die Enkel haben mir dabei geholfen. Dieser Halt ist wichtig, damit man sich nicht aufgibt.
Ein sehr bewegendes Lied ist „Die Menschlichkeit macht Menschen“. Möchten Sie sich mit diesem Lied bei jemandem bedanken?
Ja, es ist als Dankeschön gedacht. Während meiner Zeit in der Klinik habe ich jeden Tag gesehen, was die Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte alles für die Menschen leisten. Nach der Operation im Krankenhaus oder auch in der Reha fühlte ich mich oft hilflos. Dabei habe ich gemerkt, wie wichtig es in dieser Situation ist, Geborgenheit und Wärme zu spüren, gut umsorgt und fürsorglich betreut zu werden. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Pflegekräfte trotz ihres Stresses nicht einfach gefühllos ihren Job erledigen, sondern sich mit richtig viel Herz um ihre Patienten kümmern. Das ist bewundernswert. Dafür bin ich sehr dankbar und wollte das mit dem Lied auch ausdrücken.
Gibt es einen Song auf dem Album, bei dem Sie bei der Produktion schon gedacht haben: Das könnte ein Spatzen-Hit werden?
Ich will mich da nicht festlegen. Man versucht, sich in jedes Lied so richtig hineinzuleben, damit man beim Singen mit ganzem Herzen dabei ist. Natürlich gefallen mir alle Lieder gut. Ich könnte mich jetzt nicht speziell für eines entscheiden, von dem ich sagen würde: Das wird ein Superhit. Ich lasse mich überraschen. Ich hoffe einfach, dass die Lieder bei unseren Fans gut ankommen.
„Der Herrgott kennt die Einsamkeit“ ist ein schöner Titel. Kennen Sie dieses Gefühl auch?
Nein, eigentlich ist in meinem Leben sehr viel los. Aber ich weiß natürlich, dass viele Menschen sich einsam fühlen, und ich versuche dann auch, ihnen Mut zu machen und gut zuzureden. Ich versuche, sie positiv zu stimmen. Klar kann man sich einsam und hilflos fühlen, gerade wenn es einem nicht gut geht. Ich bin aber ein sehr positiv denkender Mensch und weiß, dass es immer wieder einen Lichtblick gibt. Auch zwischen den dunkelsten Wolken blitzt irgendwann wieder die Sonne durch. Viele Stimmungen hängen auch mit dem Wetter zusammen.
Inwieweit beeinflusst Sie das Wetter?
Es beeinflusst mich sogar sehr, was meine Stimmung anbelangt. Ich liebe die Sonne, aber dieser Sommer war sehr heiß. Dauernd schönes Wetter ist auch nicht immer gut. Es braucht ein bisschen Abwechslung und immer wieder Regentage für eine gesunde Umwelt. Ich versuche, jeden Tag so zu nehmen, wie er ist. Und ich fühle mich sehr privilegiert, wenn ich meine Heimat anschaue. Wer einmal bei uns in der Gegend war und von der Alm unsere wunderschöne Natur betrachtet, versteht, was ich meine. Dort oben ist die Welt noch in Ordnung. Man hört im Sommer nur die Kuhglocken klingen und die Vögel singen. Man muss aber auch in der Lage sein, diese Schönheit zu sehen und genießen zu können. Ich schaue dann auf die Berge und sage immer: Man kann nie genug dankbar dafür sein, in einer so schönen Gegend aufwachsen und wohnen zu dürfen. Ich wollte nie woanders leben.
Woher nehmen Sie Ihre positive Grundeinstellung?
Sicherlich auch von meiner schönen Heimat, meiner Familie und meiner Musik. Das Leben ist einfach leichter, wenn man diese Haltung hat. Ich versuche immer, bei den Leuten das Positive in den Vordergrund zu stellen. Wenn man etwas Negatives sucht, findet man es auch, aber dann macht man es sich selbst schwerer. Man sollte einfach versuchen, alles ein bisschen lockerer und gelassener zu sehen.
Was treibt Sie und die Spatzen noch immer an, neue Lieder zu machen und musikalisch weiterzugehen, anstatt sich auf Ihren Klassikern auszuruhen?
Wir haben einfach immer noch Freude daran, neue Lieder zu machen. Es ist auch jedes Mal wieder eine neue Herausforderung und etwas Besonderes für uns. Und man staunt immer wieder, dass es nach wie vor neue Ideen gibt, neue Kompositionen und gute Texte.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz heute bereits bei der Entstehung neuer Musik?
Da muss man sehr aufpassen, denn es wird schon vieles beeinflusst. Leider bedienen sich auch manche Komponisten der KI und lassen sich von ihr einfach etwas zusammenstellen. Mittlerweile merkt man das aber schnell, und natürlich versuchen wir, das auch immer gleich abzublocken.
Wie sehen Sie diese Entwicklung grundsätzlich?
Diese ganze Technologie hat sicher ihre Vorteile und auch positive Seiten, wenn sie richtig und sinnvoll eingesetzt wird. Leider wird damit aber auch viel Schindluder getrieben. Die Leute werden zum Großteil verunsichert, und keiner kann mehr an etwas glauben. Oft kann man gar nicht mehr unterscheiden: Was ist echt, was ist KI? Man wird misstrauisch und vertraut den Dingen nicht mehr. Es kann einem schon Angst machen, was da noch auf uns zukommt. Ich bin diesbezüglich ohnehin noch von der alten Garde. Diesen Entwicklungen stand ich schon von jeher skeptisch gegenüber. Denn all diese Instrumente und die Technik können leider auch dazu dienen, dass man mehr kontrolliert und überwacht wird.
Sie sind seit 43 Jahren mit Ihrer Frau Isabella verheiratet. Was bedeutet es, eine Partnerin an der Seite zu haben, die all die Höhen und Tiefen einer so langen Karriere miterlebt hat?
Ich kann gar nicht dankbar genug sein für meine Isabella – sie ist mein Fels in der Brandung. Dass ich das Glück hatte, damals einen solchen Menschen zu finden, war sicher auch ein bisschen Schicksal (lacht). Ich habe Isabella bei einem Konzert der Kastelruther Spatzen kennengelernt. Es hat sich so ergeben. Auf jeden Fall war es Schicksal. Ich glaube an solche Dinge und bin überzeugt, dass es zwischen Isabella und mir einfach so sein sollte, dass wir zusammenkommen.
Sie hat es sicherlich nicht immer leicht gehabt mit mir. Ich war mit der Band sehr viel unterwegs, während sie mit unseren vier Kindern zu Hause war. Wir hatten wunderschöne Zeiten miteinander, genauso wie schwierige Phasen, aber wir haben sie immer gemeistert. Wir teilen die gleichen Werte, respektieren und lieben uns – in guten wie in schlechten Zeiten. Wir mussten auch auf vieles verzichten, haben uns aber immer wieder auf uns, unsere Liebe und unsere Familie besonnen. Heute sehe ich, dass viele Beziehungen oft viel zu schnell auseinandergehen, manchmal wegen Kleinigkeiten.
Was braucht es Ihrer Erfahrung nach, damit eine Beziehung über Jahrzehnte Bestand hat?
Beständigkeit und den Willen, auch einmal schwierige Phasen miteinander aushalten zu können. Vieles ist sehr oberflächlich geworden. Auch dieses ständige Posten von Fotos und Videos finde ich nicht gut. Daraus entstehen oft Unstimmigkeiten. Wenn es Probleme gibt – und die wird es immer geben –, dann muss man miteinander reden und sie aus der Welt schaffen. Und zwar mit ganz normalem Menschenverstand, ohne gleich Rechtsanwälte einzuschalten. Isabella und ich haben immer miteinander geredet – über alles. Wir sind auch nie im Streit zu Bett gegangen.
Wie kam Isabella mit dem neuen Schicksalsschlag, Ihrer Krankheit, zurecht?
Sie hat sich sehr erschrocken und meinte auch, dass das der Preis sei, den ich bezahlen müsse, weil ich eben immer sehr viel gearbeitet habe und meine Gesundheit darunter gelitten hat. Ich habe auch auf dem Hof immer viel körperlich gearbeitet und schon Schindluder mit meiner Gesundheit getrieben. Oft kam ich frühmorgens von einem Auftritt zurück und habe direkt auf dem Hof weitergemacht. Der eine hält mehr aus, der andere weniger, aber man sollte daraus lernen.
Manchmal lernt man erst dann, wenn eine Krankheit oder ein Schicksalsschlag kommt. Vieles sagt sich auch leichter, als es sich in der Realität umsetzen lässt. Aber ich versuche jetzt schon, eine gute Balance zu finden, und möchte meine Gesundheit nicht weiter aufs Spiel setzen.
Viele Fans haben befürchtet, dass Sie nach der Herz-Operation vielleicht aufhören. Haben Sie auch daran gedacht?
Nein, ich möchte nicht aufhören. Natürlich gibt es immer mal Gedanken und Überlegungen, und ich stelle mir die Frage: Schaffe ich das noch? Wie geht es weiter? Es hat mich sehr beruhigt, dass mich mein Sohn Alexander nach der Operation bei der Weihnachtstournee und auch während meiner Reha-Phase auf der Bühne vertreten hat. Er hat das super gemacht. Daran sieht man auch, dass jeder Mensch ersetzbar ist und es weitergeht.
Hin und wieder kommen dennoch die Gedanken: Wie lange geht es noch? Ich mache mir da aber keinerlei Druck. Solange es mir Freude macht und solange die Fans uns hören und sehen wollen, machen wir weiter. Wichtig ist einfach, dass es nicht zu viel wird und man es nicht übertreibt.
Wie oft spielen Sie jetzt?
Wir spielen meist dreimal pro Woche, maximal vier Abende. Das ist gut, denn so bleibt man auch in der Übung und alles läuft ideal – es sei denn, man ist erkältet oder fühlt sich nicht gut. Wenn man gesund ist, denkt man gar nicht daran, dass es auch anders sein kann. Wenn es einen aber erwischt und man Probleme bekommt, macht es eben keinen Spaß mehr.
Sonntags sind wir fast immer zu Hause. Das ist schön. Was ich mittlerweile als besonders stressig empfinde, sind die langen Fahrten und der viele Verkehr auf den Autobahnen. Wir fahren mit zwei Wagen, und bisher hatten wir immer Glück und sind unfallfrei davongekommen. Unser Schutzengel hat immer gut zu tun (lacht).
Die Nachfolge auf Ihrem Bauernhof ist geregelt – Ihr Sohn Alexander führt den Hof in Ihrem Sinn weiter. Jetzt könnten Sie doch auch mal Urlaub machen …
Auch das ist ein Prozess. Alexander macht es toll, und natürlich versuche ich, ihm zu helfen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ich muss noch lernen, mich ein bisschen mehr zurückzuhalten. Ich möchte meine eigene Erfahrung gerne an ihn weitergeben, aber trotz allem muss er auch seine eigenen Erfahrungen machen. Da muss ich noch mehr loslassen. Das ist ein wichtiger Schritt. Vielleicht sollte ich wirklich mal für eine Weile abhauen. Dann würde ich sicher besser Abstand bekommen. Ich sage dann einfach: „Ich bin dann mal weg!“ (lacht).
War es nicht auch immer der Wunsch Ihrer Frau, mehr Zweisamkeit zu haben?
Ja, meine Frau träumt schon lange von einer Auszeit nur für uns. Einfach mal wegfahren und sich von allem ausklinken. Das haben wir vor, und das werden wir auch machen. Man sollte sich als Ehepaar immer wieder Freiräume nur für sich selbst schaffen. Natürlich ist es nicht so einfach, sich bei all den Verpflichtungen einfach zu verabschieden. Meine Frau hat ja auch noch die Ferienwohnungen, die sie betreut. Bei uns gibt es immer sehr viel Arbeit – aber die läuft ja nicht davon (lacht).
Ich muss einfach noch besser lernen, dass nicht immer alles zu 100 Prozent funktionieren muss, und dadurch ein paar Freiräume schaffen. Daran arbeite ich gerade. Und natürlich möchte ich meiner Frau diesen Traum erfüllen – schließlich möchte ich mit Isabella auch noch unsere Goldene Hochzeit feiern.
Wenn Sie heute auf Ihre Karriere zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen würden?
Eigentlich nicht. Ich blicke dankbar auf alles zurück, was wir gemacht haben. Es hat so viele wunderbare Zufälle gegeben. Wir hatten wirklich das Glück, zur richtigen Zeit das Richtige zu machen. Anfangs haben wir gar nicht so viel geplant. Was wir gemacht haben, haben wir immer ordentlich zu machen versucht, sodass wir auch selbst viel Freude daran hatten. Viele Dinge haben sich einfach gefügt.
Eines würde ich heute vielleicht anders machen: Gerade in den Anfangsjahren hätte ich mir mehr Zeit für die Kinder nehmen sollen. Das bereue ich schon und hoffe, dass ich es mit meinen fünf Enkelkindern besser machen kann.
Wenn Sie Ihr Leben mit den Kastelruther Spatzen heute in einem Liedtitel zusammenfassen müssten: Welcher wäre es?
„Dankbar für all die Jahre“ – so würde ich unser Lied nennen!
Interview: Martina Mack


